Music Review | verfasst 03.11.2011
Lloyd McNeill Quartet
Washington Suite
Universal Sound, 2011
Text Sebastian Hinz , Übersetzung Julia Frohn
Deine Bewertung:
/
Nutzer
8.0
Redaktion
Cover Lloyd McNeill Quartet - Washington Suite

Geprägt von der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung der 1960er Jahre, beeinflusst durch Figuren wie Martin Luther King und Malcolm X, machten sich seit ca. 1970 eine Handvoll Musiker auf eine »Black American music« zu entwerfen. Jazz bildete die Grundlage für eine Musik, die durch Ideenvielfalt und Gedankenfreiheit geprägt werden sollte. Philosophie, Mythen, Utopien flossen ebenso in die Musik, wie Einflüsse aus fernöstlicher und afrikanischer Musik, aus Klassik und Tanz, aus Gospel, Funk, Soul und Blues. Herausgekommen ist eine Musik, die bis heute nichts an ihrer Aktualität eingebüßt hat. Neben Alice Coltrane, The Art Ensemble of Chicago und Stanley Cowell gehörte auch Lloyd McNeill zu diesem »New Thing!«. Die »open mindedness« dieser Zeit war bei McNeill (geboren 1935) exemplarisch: Er machte keine Unterschiede zwischen Musik, Malerei und Poesie, war in den USA, in Frankreich und Brasilien gleichermaßen zu Hause, war politisch und künstlerisch gleichermaßen engagiert. Nicht nur das macht ihn zu einem der ersten schwarzen Professoren in den USA. Washington Suite war die zweite LP seines Lloyd McNeill Quartets. Sie wurde für die Capital Ballet Company in seiner Heimatstadt Washington, D.C. komponiert, im März 1970 aufgenommen und zunächst (und bislang einzig) auf seinem eigenem Label Asha Recording Company in geringer Stückzahl veröffentlicht. Exemplare dieser Platte werden derzeit für 250 bis 300 EUR gehandelt. Universal Sound wiederveröffentlicht nun dieses Album im originalen Artwork und in einer limitierten Vinylausgabe von 1.000 Stück. Der bekannteste Titel kommt gleich am Anfang. Home Rule war bereits in einer langsameren Einspielung auf der Compilation New Thing! zu hören. Die Version hier kehrt aber nicht nur die Flötenmelodie von Lloyd McNeill heraus, sondern betont auch den Groove, den Marshall Hawkins am Bass und Robert Gravatt am Schlagzeug dem Titel unterlegen. Diese funky breaks sind zwar die Ausnahme, die Stimmung bleibt aber feierlich. Mitunter wird’s klassisch wie bei dem fast schon barocke Züge aufweisenden Fountain In The Circle, oder es wird beschwingt jazzig wie bei Just 71% More, das die B-Seite bestimmende, sechzehneinhalbminütige City Triptych zeigt dann die Kompositionskünste von McNeill, der mit seinen Mitstreitern hier einen breiten, bunten Teppich auslegt, der mehr ist als nur ein Zeitdokument.

Das Album Washington Suite von Lloyd McNeill Quartet findest du bei hhv.de: LP CD
Ähnliche Artikel
Music Review | verfasst 18.05.2017
The Lloyd McNeil Quartet
Asha
1969 in sehr kleiner Auflage veröffentlicht, wird »Asha« von Lloyd McNeill nun bei Soul Jazz Records wiederveröffentlicht.
Music Review | verfasst 03.11.2011
Steve Colson & The Unity Troupe
Triumph!
Das Debüt von Steve Colson erschien 1980 in privater Pressung und wird nun von Universal Sound wieder aufgelegt.
Music Review | verfasst 19.06.2013
Donald Alexander Strachan
Soul Translation: A Spiritual Suite
Diese Musik bietet so viel Momentum aus allerlei Richtungen, dass man kein Concious-Jazz-Anhänger sein muss, um hiervon bewegt zu werden.
Music Review | verfasst 15.10.2013
Pharoahe Sanders
Elevation
Zwischen 1966 und 1973 veröffentlichte Pharoahe Sanders zehn Alben für das Label Impulse! »Elevation« ist der Abschluss dieser Liaison.
Music Review | verfasst 30.09.2019
Lloyd McNeill
Elegia
Soul Jazz setzen ihre verdienstvolle Arbeit fort, den Jazzmusiker Lloyd McNeill in Erinnerung zu halten und veröffentlichen »Elegia«.
Music Review | verfasst 29.03.2012
Edu Lobo
A Musica de Edu Lobo por Edu Lobo (Re-Release)
Einige Highlights des brasilianischen Elenco Labels werden derzeit bei Universal Sound wiederveröffentlicht.
Music Review | verfasst 01.10.2012
Tamba Trio
Avanço
Dieser Formation wohnt der Groove inne und Tanz kennt viele Stile wie diese Wiederveröffentlichung belegt.
Music Review | verfasst 01.10.2012
Tamba Trio
Tempo
Obwohl fast ein halbes Jahrhundert seit der Erstveröffentlichung vergangen ist, swingt es hier so innovativ wie Musik nur klingen kann.
Music Review | verfasst 09.10.2012
Elis Regina
In London
Mondän und schlicht zugleich zeugt »In London« musikalisch wie existenziell von Elis Reginas Blick für das Wesentliche.
Music Review | verfasst 27.09.2013
Michael White
Spirit Dance
Das Debüt des Jazz-Violinsten Michael White, »Spirit Dance«, wird nun bei Universal Sound/Soul Jazz wieder neu aufgelegt.
Music Review | verfasst 04.10.2012
Various Artists
Spiritual Jazz 3
Es ist eine befremdliche Musik, die Improvisation als Kern und die Freiheit im Herzen. Es ist Musik, die sich wiederzuentdecken lohnt.
Music Review | verfasst 15.03.2013
Hannibal Marvin Peterson
The Tribe
Das unumstrittene Meisterwerk des geistigen Urvaters des Spiritual Jazz kündigt seinen Eroberungsmarsch in unseren Breiten an.
Music Review
Freestyle Fellowship
Innercity Griots
Freestyle Fellowships »Innercity Griots« ist das Erscheinungsjahr 1993 anzuhören, beeindruckend klingen die Raps und Beats aber immer noch.
Music Review
Dali Muru & the Polyphonic Swarm
Dali Muru & the Polyphonic Swarm
Das bei STROOM 〰 erschienene, selbstbetitelte Album von Dali Muru & the Polyphonic Swarm ist ein ziemliches Ausrufezeichen.
Music Review
Barnt
ProMetal Fan Decor Only Product
»ProMetal Fan Decor Only Product«, das neue Mini-Album des Kölner Produzenten Barnt, ist schlicht und ergreifend unvorhersehbar.
Music Review
Bill Fay
Still Some Light Part 1
Mit »Piano, Guitar, Bass & Drums« hat Bill Fay diese puristischen Aufnahmen betitelt, die jetzt als »Still Some Light Pt.1« erschienen sind.
Music Review
Cat Power
Covers
Eine Sammlung »Covers«, die sich anhören wie Originale von Cat Powers. Diese Aussage trifft aber nur bei einem Zwölftel der Songs zu.
Music Review
Giraffi Dog & Henry 3000
WAR1203
Auf WARNING trotzt man der Pandemie und schickt mit »WAR1203« Giraffi Dog und Henry 3000 ins Rennen.
Music Review
Otis Sandsjö & Niklas Wandt
Compagni Di Merende
Auf »Compagni Di Merende« verabreden sich der Saxophonist Otis Sandsjö und der Schlagzeuger Niklas Wandt zum Improvisieren.
Music Review
Bonobo
Fragments
Bonobo selbst nennt sein neues Album »Fragments« sein Opus Magnum. Da könnte was dran sein.
Music Review
Michel Banabila
Echo Transformations
Seit 40 Jahren macht Michel Banabila ununterbrochen Musik. Sein neues Album »Echo Transformations« ist ein Highlight in seiner Karriere.
Music Review
Ichiko Aoba
Windswept Adan
Hierzulande ist die japanische Songwriterin Ichiko Aoba noch immer weitgeehnd unbekannt. »Windswept Adan« könnte das ändern.
Music Review
Maurice Louca
Saet El-Hazz (The Luck Hour)
Unmöglich, nordafrikanische Musik ausfindig zu machen, bei der Maurice Louca nicht beteiligt ist. Jetzt ist »Saet El-Hazz« erschienen.
Music Review
Soichi Terada
Asakusa Light
Soichi Terada gehört zum großartigsten was Japan in Sachen House zu bieten hat. Mit »Asakusa Light« ist jetzt ein neues Album erschienen.
Music Review
OG Keemo
Mann beisst Hund
Hat Deutschrap jemals intensiver geklungen? »Mann beisst Hund« ist zweifelsfrei der nächste große Wurf von OG Keemo und Funkvater Frank.
Music Review
Ugo Busoni
Valvole
Library Music ist für den Zweck geschrieben, Rundfunkbeiträgen einen Rahmen zu geben. »Valvole« von Ugo Busoni macht da keinen Hehl draus.
Music Review
Wadada Leo Smith, Douglas R. Ewart & Mike Reed
Sun Beans Of Shimmering Light
Auf »Sun Beans Of Shimmering Light« kommen die Jazzmusiker Wadada Leo Smith, Douglas R. Ewart und Mike Reed für einen Jam zusammen.
Music Review
Jeanne Lee
Conspiracy
Die Möglichkeiten der Stmme testet die amerikanische Jazzsängerin Jeanne Lee auf ihrem 1975er Album »Conspiracy« aus.
Music Review
Harry Pussy
Superstar
15 Songs in nicht mal 9 Minuten. Ist »Superstar« von Harry Pussy das kürzeste Album der Welt? Wir wissen es nicht.
Music Review
Jeff Parker
Forfolks
Sollte das Wörtchen Virtuosität noch irgendwo Platz finden, dann hier: Jeff Parker hat sich für »Forfolks« in eine Berghütte zurückgezogen.
Music Review
Various Artists
Essiebons Special 1973-1984
»Essiebons Special 1973-1984« versammelt Highlights und Rares des von Dick Essilfie-Bondzie gegründeten, ghanaischen Labels.
Music Review
Various Artists
Ritmo Fantasía
DJ Trujillo hat für »Ritmo Fantasía: Balearic Spanish Synth-Pop, Boogie And House (1982-1992)« Dance Music aus Spanien zusammenegtragen.
Music Review
Oliver Doerell & Jawad Salkhordeh
سایه (Sāje)
Für sein neues Projekt hat sich Oliver Doerell mit dem Iraner Jawad Salkhordeh zusammengetan. »»سایه (Sāje)« ist das Beste beider Welten.
Music Review
Trees Speak
Vertigo Of Flaws
Auf »Vertigo Of Flaws« erproben Trees Speak eine neue Vielseitigkeit. Die Grundelemente ihrer Musik bleiben aber erhalten.
Music Review
TRii Group
Interest In Music
Max Stocklosa wechselt seinen Künstlernamen oft. Auch auf »Interest In Music«, jetzt als TRii Group. Das Rätselhafte der Musik aber bleibt.
Music Review
You'll Never Get To Heaven
Wave Your Moonlight Hat For The Snowfall Train
Mit »Wave Your Moonlight Hat For The Snowfall Train« spinnt das kanadische Duo You’ll Never Get To Heaven weiter an kleinen Po-Träumereien.
Music Review
Leo Nocentelli
Another Side
Anfang der 1970er Jahre nimmt The Meter’s Leo Nocentelli ein Soloalbum auf. Keine fünfzig Jahre später ist »Another Side« erschienen.
Music Review
Ryuichi Sakamoto
Esperanto
1986 nur in Japan erschienen, ist Ryuichi Sakamoto’s »Esperanto« nun erstmals weltweit auf Schallplatte veröffentlicht worden.
Music Review
Beach Fossils
The Other Side Of Life: Piano Ballads
Die Beach Fossils um Chef-Slacker Dustin Payseur veröffentlichen mit »The Other Side Of Life: Piano Ballads« ein Pianoalbum.
Music Review
Fat Freddy's Drop
Wairunga
Fat Freddy’s Drop, eine der besten Live-Acts, veröffentlichen das live eingespielte Album »Wairunga«.
Music Review
Frank Hatchett
Sensational
»Sensational« versammelt Musik von Funk, Disco bis Proto-House, die der Choreographer Frank Hatchett für Tanzschulen konzipierte.
Music Review
Ben LaMar Gay
Open Arms To Open Us
Für sein Album »Open Arms To Open Us« holt der Jazzmusiker Ben LaMar Gay einige der Protagonisten der Chicagoer Szene zusammen.
Music Review
Irreversible Entanglements
Open The Gates
Der Jazz von Irreversible Entanglements aus »Open The Gates« ist frei aus dem Bauch heraus gespielt. So muss es sein.
Music Review
Pamela Z
Echolocation
Auf Freedom To Spend wurde unter den Titel »Echolocation« Musik der Künstlerin und Musikerin Pamela Z wiederveröffentlicht.
Music Review
Idee Du Femelle
Sequences
Mit Musica Maquina hat John Talabot ein Label aus der Taufe gehoben, um »Sequences« von Idee Du Femelle wiederzuveröffentlichen.
Music Review
Lee Ranaldo
In Virus Times
Rückzug, Einkehr und Besinnlichkeit: Mit »In Virus Times« hat auch Sonic Youth’s Lee Ranaldo ein »Corona-Album« veröffentlicht.
Music Review
Portico Quartet
Monument
Das Portico Quartet ist einfach da. Und hätte auch mit »Monument« ein viel, viel größeres Publikum verdient.
Music Review
David Behrman
ViewFinder / Hide & Seek
David Behrmans Werke gelten als Pionierstücke der elektronischen Avantgarde. Auf »ViewFinder / Hide & Seek« sind jetzt einige nachzuhören.
Music Review
Twit One
AUDDA Control
Überrascht trotz konventionellem Soundbild: Twit One hat mit »AUDDA Control« ein neues Album veröffentlicht.
Music Review
Mira Calix
Absent Origin
Wie oft musste Duchamp diesen Satz hören: Ist das Kunst oder kann das weg? Mira Calix nennt Duchamp als Inspiration für »Absent Origin«…
Music Review
Snail Mail
Valentine
Auf »Valentine« fallen die Gesten von Snail Mail noch größer als zuvor aus, am Effekt aber ändert das zum Glück nichts.
Music Review
Radiohead
Kid A Mnesia
Die beiden Radiohead-Klassiker »Kid A« und »Amnesiac« verbinden sich mit »Kid Amnesiae« zu »Kid A Mnesia«. Fans werden nicht vorbeikommen.
Music Review
Anz
All Hours
Sechs Stücke für einen 24-Stunden-Rave: Ambitioniert war Anz schon immer, mit »All Hours« aber wird sie zur Geschichtenerzählerin.