Film Review | verfasst 22.11.2011
Autechre & The Hafler Trio
ah³eo & ha³oe (ae3o3)
Die Stadt, 2011
Text Jens Pacholsky
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Redaktion
Cover Autechre & The Hafler Trio - ah³eo & ha³oe (ae3o3)

Musikstile haben die Angewohnheit, in den Jahren ihrer Existenz an Substanz zu verlieren. Es ist wie Zahnausfall durch Skorbut. Die Techno-Szene traf sich irgendwann nur noch in weißen Hemdchen auf Ibiza. Punk heißt jetzt Punk-Rock. Hip Hop trägt Lederhosen und onaniert täglich drei Mal vorm Spiegel. Drum & Bass – ähm, war da was? Dubstep singt mittlerweile Balladen und kokst sich in die Achtziger zurück. Das alles gehört wohl zum Älterwerden. Die Radikalität wird eingetauscht gegen ein Haus mit Garten. Da ist es selten, dass Musik kompromisslos bleibt. The Hafler Trio ist einer dieser Unverbesserlichen. Seit den frühen 1980er Jahren vandaliert Andrew McKenzie mit Hilfe vieler Kollaborateure in der Verbreitung von Information. Mit Autechre zermörsert er seit 2003 Information in Klang und streut diesen in die brennenden Gehörwunden. Ihre dritte Zusammenarbeit erscheint daher nicht von ungefähr auf 2 DVDs. »ah³eo & ha³oe« besteht aus vier Stunden Klang. Es sind geduldige vier Stunden, welche Konzentration, Defokussierung und mindestens eine Anlage mit 5.1 Dolby Surround einfordern. DVD 1 birgt ein stundenlange, feinstufige Entwicklung von Klangrutschen, als würden wir ein weiteres Mal in den Monolithen aus Stanley Kubricks 2001 hineintauchen und erst zu uns kommen, wenn unser Körper in Energie aufgeht. Auf DVD 2 reihen sich kleine, rauschende Meteoritenschwärme aneinander, aus denen sich im Makroblick Staubsplitter lösen und für Sekunden vibrieren. Bevor sie sich im Gravitationsfeld verfangen und auf der Oberfläche winzige Krater hinterlassen. Vielleicht schaffen Autechre & The Hafler Trio diese Kompromisslosigkeit, gerade weil es ihnen nicht um Musik geht, sondern um die Reinheit von Information in Form von Klang.

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