Music Review | verfasst 09.02.2012
Trailer Trash Tracys
Ester
Double Six, 2012
Text Eileen Seifert
Deine Bewertung:
9.0
Nutzer (1)
7.5
Redaktion
Cover Trailer Trash Tracys - Ester

Trailer Trash Tracys ist, trotz des alliterarischen Versuchs, ein unsäglicher Name für eine Band – ganz gleich, ob diese Musik macht, die dazu passt oder nicht. Im Falle des Quartetts aus London scheint die Selbstbetitelung nicht stimmig: TTTs, wie sie zukünftig wohl nur noch genannt werden, haben mit ihrem Debüt Ester ein Lo-Fi- Album in feinster Shoegaze-Tradition vorgelegt, weit weg von Trailer Parks und Trash Attitüde. Aber vielleicht geht es auch um Unstimmigkeit. Und darum einem Überbau zu widerstehen, der mehr Metaebene als musikalisches Talent offenbaren könnte. Was der Name bewirkt ist, wie hier vollführt, ein Müh an nicht sonderlich erwartungsfroher Aufmerksamkeit. Dann ertönt der kreuz und quer rumpelnde Opener Rolling – Kiss the Universe, der dem zweiten Track seinen ganz eigentümlichen Empfang bereitet. You Wish You Were Red schält sich mit klaren wohligen Beats daraus hervor über die Suzanne Aztorias Stimme ätherisch hinweg segelt. Und dann ist da diese unglaubliche Bass-Line, die die ihren Ursprung nicht einmal ansatzweise zu verschleiern sucht. Das Twin Peaks-Theme von Badalamenti ist hier ganz offensichtlich – doch gekonnt eingesetzt als Hommage denn als bloße Mimikry. Weiterhin hangeln sich TTT’s im Sinne des filmischen Scores an einer minimalen Instrumentalisierung entlang, die mit psychedelisch-experimentellen Sounds unterlegt, das Hauptthema nie aus den Augen verliert. Verlässlich kehren die bekannten Drums, Gitarren, Bassläufe und Aztorias vereinnahmender Gesang wieder, welche dem Album sowohl sein unverrückbares Gerüst als auch Momente von Beliebigkeit verleihen. Wenn der Sound so fantastisch dicht wird, wie in dem melancholisch-melodiösen Candy Girl lässt man sich jedoch willfährig fallen und mitnehmen auf eine Reise, die mit Turkish Heights in sphärischen Gefilden endet und genau dann – unter Beihilfe jener badalamentischen Bass-Line – den Bogen zum Ausgangsort schlägt. So klingt Ester manchmal wie ein Lynch-Film der 1990er Jahre, was die Nähe zu Bands wie den Cocteau Twins oder Slowdive nur unterstreicht. Und dann macht auch der gewählte Name als zeitgenössische Antwort darauf wieder Sinn.

Das Album Ester von Trailer Trash Tracys findest du bei hhv.de: LP
Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Review | verfasst 06.11.2012
John Cale
Shifty Adventures In Nookie Wood
John Cale war drauf und dran alles richtig zu machen. Doch dann entdeckte er den Autotune-Effekt.
Music Review | verfasst 11.06.2013
The Child of Lov
The Child of Lov
Es lohnt wieder der Blick in unser Nachbarland die Niederland: The Child of Lov ist zwischen Philly Sound, Gospel, Rap und Bass zu Hause.
Music Review | verfasst 14.06.2013
She & Him
Volume 3
Mit »Volume 3« liefern She & Him nichts völlig Neues oder Unerwartetes, aber eine ziemlich geradlinige, bestechend fröhliche Sommerplatte.
Music Review | verfasst 25.01.2016
John Cale
M:Fans
Neben der Neuauflage von »;Music For A New Society« von 1982 erscheint auch eine interessante Rework-Version unter dem Namen »M:FANS«.
Music Review | verfasst 29.03.2011
Seefeel
Seefeel
Seefeel verschließt dem Hörer den Zugang erst, um dann dahinter seine ganze Genialität zu offenbaren.
Music Review | verfasst 10.04.2011
Belong
Common Era
Belong machen »Shoegaze« wie er vor zwanzig Jahren von Bands wie My Bloody Valentine geprägt wurde.
Music Review | verfasst 01.11.2011
Neon Indian
Era Extraña
Neon Indian sind eine der Vorzeigebands des Genres/Hipsterphänomens, das sich »Chillwave« schimpft.
Music Review | verfasst 23.01.2012
I Break Horses
Hearts
Es besteht leichte Verwechslungsgefahr mit M83. Macht aber nichts, denn zwei Bands auf diesem Niveau sind mehr als erträglich.
Music Review | verfasst 24.06.2014
Seahawks
Paradise Freaks
10 Tracks irgendwo zwischen Dub, Halbschlaf-Pop und nicht besonders yachty Yacht-Rock. Konsequent, aber nicht in jedem Zustand genießbar.
Music Review | verfasst 13.05.2015
Demian Castellanos
The Kyvu Tapes Vol. I (1990-1998)
Demian Castellanos’ »The Kyvu Tapes Vol. I« entstanden zwischen 1990 und 1998 auf der Halbinsel Lizard im äußersten Südwesten Englands.
Music Review
Julianna Barwick
Healing Is A Miracle
Julianna Barwick lässt auf »Healing Is A Miracle« den einen oder anderen Fremdkörper in ihrer Musik zu. Tut das nur wohl oder sogar Not?
Music Review
Rie Murakami
Sahara
»Sahara« von der ansonsten unbekannten Japanerin Rie Murakami wurde 1984 veröffentlicht. Ein Album ohne Eigenschaften, doch voller Hits.
Music Review
Vague Imaginaries
L'ile Sous L'eau
Nur kurz nach Erscheinen seines Albums »L’Île D’or« legt Vague Imaginaries mit »L’ile Sous L’eau« eine EP nach.
Music Review
Alhousseini Anivolla & Girum Mezmur
Afropentatonism
Verschmelzen der Welten: Auf »Afropentatonism« treffen Alhousseini Anivolla aus dem Niger und Girum Mezmur aus Äthiopien zusammen.
Music Review
Haiyti
Sui Sui
Das Prädikat Pop reicht hierfür nicht aus: »Sui Sui«, das vierte Album von Haiyti, ist eine Machtdemonstration.
Music Review
Skudge
Time Tracks
Mit »Time Tracks« will Elias Landberg alias Skudge mal wieder die Zeit anhalten. Doof nur, dass er sie manchmal zurückdreht.
Music Review
The Exaltics & Heinrich Mueller
Dimensional Shifting
The Exaltics macht erstmal mit Heinrich Mueller alias Gerald Donald gemeinsame Sache. »Dimensional Shifting« ist eins nicht: vorgestrig.
Music Review
Mulatu Astatke & Black Jesus Experience
To Know Without Knowing
Auch auf »To Know Without Knowing«, seinem neuen Album mit Black Jesus Experience, ist Mulatu Astatke unverkennbar.
Music Review
Croatian Amor
All In The Same Breath
Loke Rahbek hat mit »All In The Same Breath« ein neues Album unter seinem Moniker Croatian Amor bei Posh Isolation veröffentlicht.
Music Review
Dee Dee Bridgewater
Afro Blue
1974 nur in Japan veröffentlicht, bekommt »Afro Blue«, das Debüt von Dee Dee Bridgewater jetzt eine zweiten Anlauf auf Mr Bongo spendiert.
Music Review
Oiro Pena
2
Der finnische Multiinstrumentalist Antti Vauhkonen veröffentlicht Versponnes mit seiner bei Jazzaggression erschienenen Vinyl 10-inch »2«.
Music Review
Groupe RTD
The Dancing Devils Of Djibouti
Hand hoch, wer Dschibuti auf dem Globus auscheckt. Musikalisch war das afrikanische Land noch gar nicht auf der Landkarte verzeichnet.
Music Review
Patricia
Maxyboy
IDM mit Hardware-Patina: Auf »Maxyboy« von Patricia werden Aphex Twin, Autechre und Planet Mu zu musikalischen Abziehbildern.
Music Review
John Scofield / Bill Stewart / Steve Swallow
Swallow Tales
Ein Hochgenuss für Jazz-Connaisseure: John Scofield und Bill Stewart erkunden auf »Swallow Tales« Kompositionen von Steve Swallow.
Music Review
Biosphere
Dropsonde
Mit ganzen sieben Bonustracks kommt die Neuauflage von »Dropsonde« daher. Darauf unterzog Biosphere Jazz einer radikalen Neuinterpretation.
Music Review
Roly Porter
Kistvaen
Kolossal dröhnende Klangkulissen sind das Fundament für »Kistvaen«, das vierte Release von Roly Porter für Subtext Recordings.
Music Review
Fairuz
Maarifti Feek
Feierlich, melancholisch und mystisch: Das Album »Maarifti Feek« der libanesischen Sängerin Fairuz wurden bei WeWatnSounds veröffentlicht.
Music Review
Darkstar
Civic Jams
Vor zehn Jahren schrieben Darkstar die Musik zum Krisennachklapp, mit »Civic Jams« strudeln sie in die nächste hinein. Auweia!
Music Review
Muslimgauze
Salaam Alekum, Bastard
»Salaam Alekum, Bastard« zählt zu den intensivsten Arbeiten von Muslimgauze und wurde jetzt auf Kvitnu wiederveröffentlicht.
Music Review
Various Artists
Kern Vol. 5: Mixed By Helena Hauff
Gut Ding will Weile haben: Mit seiner Mix-Reihe »Kern« lässt sich der Club Tresor Zeit. Helena Hauffs Mix ist der beste des Jahres.
Music Review
Nihiloxica
Kaloli
Nihiloxica waren der feuchte Traum der Musikjournaille. Nach zwei EPs ist »Kaloli« ihr Debütalbum. Muss sich die Gruppe nun beweisen?
Music Review
Kate NV
Room For The Moon
Mit ihrem dritten Album »Room For The Moon« zündet die russische Musikerin Kate NV die nächste Stufe ihrer verspielten Popmusik.
Music Review
Dijit
Hyperattention
Trip-Hop. Aus Cairo. Da kann man schon mal hellhörig werden: Zum Release von »Hyperattention – Selected Dijital Works Vol.1« von Dijit.
Music Review
Cindy
I'm Cindy
Vor zwei Jahren stellte uns Palmbomen II Cindy Savals und ihre Stadt Carmel Vista vor. Nun ist ihr Debütalbum »I’m Cindy« »aufgetaucht«.
Music Review
Zaliva-D
Immorality
Double-Whopper-Beats mit Hang zum Dada-Fetischismus: Auf Knekelhuis ist »Immorality«, das neue Album von Zaliva-D erschienen.
Music Review
Sonic Boom
All Things Being Equal
Auf »All Things Being Equal« nutzt Sonic Boom seine Trademarks und bringt Ideen und Experimentierfreude in den Pop.
Music Review
Chester Raj Anand
Strawberry
Pop statt Hip-Hop: Lord Raja hat sich zu Chester Raj Anand zurückverwandelt und mit »Strawberry« ein neues Album veröffentlicht.
Music Review
The Soft Pink Truth
Shall We Go On Sinning So That Grace May Increase
Mit »Shall We Go On Sinning So That Grace May Increase« bietet The Soft Pink Truth wohlige Wabersounds für wonnige Weltfluchten. Gut so!
Music Review
Run The Jewels
RTJ4
Diese Woche haben Killer Mike und El-P ihr viertest Run The Jewels-Album »RTJ4« digital veröffentlicht. Vinyl folgt im September.
Music Review
Ak'Chamel, The Giver Of Illness
The Totemist
Musik für die Zeit nach der Endzeit: Mit »The Totemist« ist das zehnte Studioalbum von Ak’chamel, The Giver Of Illness erschienen.
Music Review
Freddie Gibbs & The Alchemist
Alfredo
c»Alfredo« heißt das letzte Woche veröffentlichte Album von Freddie Gibbs und The Alchemist. Vinyl steht aus, reingehört haben wir aber.
Music Review
Giuseppe Ielasi
Aix
Giuseppe Ielasis »Aix« klingt über ein Jahrzehnt nach seiner Erstveröffentlichung so frisch wie eh und je. Nicht nur klanglich.
Music Review
Michele Mercure
Pictures of Echoes
Mehr synthetisches Zauberwerk der Kassettenmeisterin: mit »Pictures Of Echoes« ist die nächste Werkschau von Michele Mercure erschienen.
Music Review
JackBoys
JackBoys
»JackBoys«, die erste Labelschau von Travis Scott’s Label Cactus Jack, ist nun auch auf Schallplatte erschienen.
Music Review
Greg Fox
Contact
Größe durch Zurücknahme: Auf »Contact« setzt der Schlagzeuger Greg Fox sein Instrument noch gezielter ein.
Music Review
Nídia
Não Fales Nela Que A Mentes
Auf »Não Fales Nela Que A Mentes« braucht Nídia nicht als einen Rhythmus und einen Loop, um ein riesiges Koordinatensystem zu eröffnen.
Music Review
Your Old Droog
Jewelry
Hier wird auf die Punchlines Wert gelegt, nicht auf die Replay Value: »Jewelry« von Your Old Droog wurde jetzt auf Vinyl veröffentlicht.
Music Review
Hessel Veldman
Eigen Boezem
In den Achtzigern entstandene DIY-Aufnahmen aus der holländischen Hafenstadt IJmuiden: »Eigen Boezem« stellt Musik von Hessel Veldman aus.
Music Review
Kanye West
Jesus Is King
»Jesus Is King« von Kanye West ist jetzt auf Vinyl erschienen. Und wir haben die pädagogisch wertvollste 7.0er Review aller Zeiten für dich.
Music Review
Irreversible Entanglements
Who Sent You?
Historisch relevanter wird Jazz dieses Jahr nicht mehr: zur zweiten Album »Who Sent You?« von Irreversible Entanglements.
Music Review
Various Artists
Artificial Dancers – Waves Of Synth
»Artificial Dancers – Waves Of Synth« offenbart weitere schrullige Raritäten in Sachen Synthesizermusik aus den Achtzigern.