Music Review | verfasst 02.05.2012
Ben Vida
Esstends Esstends Esstends
PAN, 2012
Text Sebastian Hinz , Übersetzung Anja Vatter
Deine Bewertung:
8.0
Nutzer (1)
4.5
Redaktion
Cover Ben Vida - Esstends Esstends Esstends

Sich an die Musik von Ben Vida heranzutasten, war nie ganz einfach. Der New Yorker Musiker hat sich auch in der Vergangenheit darauf spezialisiert, Musik von ungewohnten Blickwinkeln zu betrachten und ihr dann entgegenzutreten. Egal ob er bei Town & Country auf Jazz und Improvisation schielte oder mit seinem Soloprojekt Bird Show auf Weltmusik und Musique concréte gleichzeitig blickte. So unterschiedlich die Ansätze seiner zahllosen Projekte und Kollaborationen auch war, eins war im Sound von Ben Vida doch gleich: da war Raum. Die Klänge von Town & Country schwebten in die entlegensten Winkel einer Kathedrale, bei Bird Show wurde der Raum sogar noch erweitert, hinein in die Natur. Insofern ist "»Esstends Esstends Esstends«, sein erstmals unter seinem bürgerlichen Namen veröffentlichte, neues Solowerk, anders. Es ist eng. In der Kammer, in der »Esstends Esstends Esstends« entstanden sein muss, ist neben den modularen Synthesizern und einem Computer nicht viel Platz. Alles ist schematisch, überdeckt noch von einem Papierbogen, auf dem minutiös der Versuchsaufbau gezeichnet ist, der in dem Satz kulminiert: »Using just intoned pitch combinations to produce difference tones and harmonic distortions, sound materials are created that emanate from both the playback speakers and inner ear of the listener.« Ben Vida lässt also Töne im Ohr des Zuhörers entstehen, die so gar nicht vorhanden sind. Das klingt in der Theorie interessant, hat aber letztlich keinen Einfluss auf den Hörgenuss. Das Resultat erinnert an Mark Fell, in den seltenen Momenten, an dem diesem der Groove abhanden gekommen ist. Gerade das erste Drittel wirkt derart statisch und unterkühlt, als würde die Töne auf einer Stahlnadel balanciert. In den letzten 25 Minuten fängt sich Ben Vida und er zeigt v.a. in »Pin Ans Sweep« sein kompositorisches Geschick Klänge zu harmonisieren. Das reicht mir aber nicht. Wahrscheinlich verlangt »Esstends Esstends Esstends« nach mehr Auseinandersetzung. In den ersten Durchgängen hat es mich jedenfalls nicht vollends überzeugt.

Das Album »Esstends Esstends Esstends« von Ben Vida findest du bei hhv.de.
Ähnliche Artikel
Music Review | verfasst 04.02.2014
HELM
The Hollow Organ EP
Luke Younger weiß als HELM die Texturen seiner Tracks extrem spannend zu gestalten, die Balance zwischen den krassen Sounds stimmt.
Music Review | verfasst 21.05.2011
Frieder Butzmann
Wie Zeit vergeht
Frieder Butzmann, der »Vater des deutschen Industrials«, lässt sich für sein neues Werk von einem Stockhausen-Aufsatz inspirieren.
Music Review | verfasst 24.05.2012
NHK'Koyxeи
Dance Classics Vol.1
In den besten Momenten trifft ein funky Kopfnicker auf verschmitzte Synthie-Hooks und püriert gehörig die Synapsen.
Music Review | verfasst 07.01.2013
Lee Gamble
Dutch Tvashar Plumes
Die ausschließlich am computer entstandenen Kompositionen von Lee Gamble machen ihn zu einem der Techno-Produzenten der Stunde.
Music Review | verfasst 30.08.2013
Black Sites
Prototype EP
Helena Hauff und f#x produzieren auf ihrer gemeinsamen EP Musik mit dem Charme einer zerschlissenen Jeans.
Music Review | verfasst 14.11.2013
Dalglish
Niaiw Ot Vile
»Niaiw Ot Vile« besteht aus vielschichtigen Strukturstudien und glasklaren Klangmodulationen, die unversehens ineinander stürzen.
Music Review | verfasst 13.12.2013
Heatsick
Re-Engineering
Diese Musik ist herrlich bekloppt. Doch sie groovt, sie weiß ganz ganz viel von elektronischer Musik und möchte gehört werden.
Music Review | verfasst 17.12.2013
Jar Moff
Financial Glam
Jar Moffs zweiter Release für PAN kann nach dem letztjährigen »Commercial Mouth« als scharfe Kritik am Neoliberalismus gehört werden.
Music Review
Ka Baird & Pekka Airaksinen
FRKWYS Volume 17: Hungry Shells
Auf »FRKWYS Volume 17: Hungry Shells« trifft die Stimmperformerin Ka Baird auf einen Toten: den finnischen Komponisten Pekka Airaksinen.
Music Review
Viejas Raices
De Las Colonias Del Rio De La Plata
Wie für diese Gegenwart gemacht: »De Las Colonias Del Rio De La Plata« der argentinischen Band Viejas Raices von 1976 wurde neu aufgelegt.
Music Review
MLO
Oumuamua
Virtual Dreams, die nächste: Music From Memory zollen dem Ambient-Duo MLO mit einer großen Zusammenstellung Tribut.
Music Review
Le Ren
Leftovers
»Leftovers«, das Debütalbum der kanadischen Sängerin und Songwriterin Le Ren, ist im besten Sinne provinziell.
Music Review
Mac Miller
Faces
»Faces« sollte man hören, wenn man noch nie von Mac Miller gehört hat. Das Mixtape von 2014 ist nun auf Vinyl erschienen.
Music Review
Dos Santos
City Of Mirrors
Latin und Jazz kombiniert zu überzeugend unerwarteten Soings: Die amerikanische Band Dos Santos legt mit »City Of Mirrors« ihr Debüt vor.
Music Review
Efterklang
Windflowers
Ein Buschwindröschen im Eisblock: Selten hat ein Artwork die Musik einer Band besser symbolisiert als die von Efterklang auf »Windflowers«.
Music Review
Fennesz & Ryuichi Sakamoto
Cendre
»Cendre« von Fennesz & Ryuichi Sakamoto ist ein Album der fehlenden halben Sekunde. Jetzt wurde es erstmals auf Vinyl veröffentlicht.
Music Review
Sepehr
Survivalism
Für »Survivalism« bedient sich Sepehr in der Trickkiste des Hardcore Continuums, erweitert den UK-Sound aber noch um andere Facetten.
Music Review
Stef Mendesidis
Klockworks 33
Erwartet toolig: Auf »Klockworks 33« zeigt uns der griechische Producer Stef Mendesidis, wo der Hammer hängt.
Music Review
Ash Ra Tempel
Schwingungen
Genau vor 50 Jahren veröffentlichten Ash Ra Tempel ihr Album »Schwingungen«. Zum Jubiläum wird es jetzt wiederveröffentlicht.
Music Review
Akiko Yano
Ai Ga Nakucha Ne
»Ai Ga Nakucha Ne« von Akiko Yano erschien im Jahr 1982, wurde von Ryūichi Sakamoto produziert und bildet einen wilden Stilmix.
Music Review
The Pilotwings
Les Charismatiques
House, Rap, E-Gitarren, Cosmic, aberwitzige Samples: The Pilotwings holen mit »Les Charismatiques« zum Husarenstreich auf der Ulk-Skala aus.
Music Review
BadBadNotGood
Talk Memory
Nach fünf Jahren veröffentlichen die kanadischen Jazzer BadBadNotGood auf XL Recordings ihr neues Album »Talk Memory«.
Music Review
Tara Clerkin Trio
In Spring EP
Plötzlich voll da: Tara Clerkin Trio veröffentlicht die »In Spring EP« und bleiben eine der spannendsten, neuen Bands des Planeten.
Music Review
Xochimoki
Temple Of The New Sun
»Temple Of The New Sun« versammelt Stücke des Projekts Xochimoki, das in den 1980er-Jahren mesoamerikanische Musikformen neu interpretierte.
Music Review
Atmosphere
Word?
»Word?« korrigiert das Level, auf das sich Atmosphere in den letzten Jahren eingependelt haben, mal eben lässig nach oben.
Music Review
Soshi Takeda
Floating Mountains
Soshi Takeda vertont auf »Floating Mountains« für 100% Silk chinesische Gebirgslandschaften im Lo-Fi-House-Modus.
Music Review
Tony Allen
N.E.P.A. (Never Expect Power Always)
Auf dem 1984 veröffentlichten »N.E.P.A. (Never Expect Power Always)« addiert Tony Allen elektronische Elemente zu seinem Afrobeat.
Music Review
The Specials
Protest Songs 1924-2012
Die Wut ist nach innen gewandert: The Specials haben zwölf Protestlieder der letzten 100 Jahre für »Protest Songs 1924-2012« ausgesucht.
Music Review
Sault
NINE
»NINE« von Sault taucht alle Weißen in Salzsäure, schickt schöne Grüße aus den Stax Studios und hält eine Messe wie Yeezus.
Music Review
Cindytalk
Wappinschaw
Einmal begriffen, lebensverändernd: »Wappinschaw«, 1994 veröffentlichter Höhepunkt von Cindytalk, wurde jetzt wiederveröffentlicht..
Music Review
Various Artists
Eins Und Zwei Und Drei Und Vier
Kann eine Compilation über die Neue Deutsche Welle noch neue Einblicke ermöglichen? »Eins Und Zwei Und Drei Und Vier« zeigt, ja, das geht.
Music Review
Tirzah
Colourgate
Tirzah meldet sich mit »Colourgate« zurück. Die Themen haben sich verändert, die Qualität der Songs aber nicht. Und das ist gut so.
Music Review
Palmbomen II
Make A Film
Film ohne Musik ist möglich, aber sinnlos. Dachte sich Palmbomen II und entwarf mit »Make A Film« 24 Musikskizzen, die zum Filmen einladen.
Music Review
Richard Youngs
CXXI
Denk an Arthur Russell, denk an den Tod: Richard Youngs hat sein neues Album »CXXI« auf Black Truffle vceröffentlicht.
Music Review
Various Artists
Back Up: Mexican Tecno Pop 1980-1989
Auch in Mexiko fand man in den Achtzigern durchaus Gefallen an Synthesizers und Drumcomputern. Nachzuhören auf der Compilation »Back Up«.
Music Review
Brannten Schnüre
Muschelsammlung
»Muschelsammlung«, das vielgesuchte und ziemliche freche Debüt von Brannten Schnüre aus dem Jahr 2017 wurde jetzt wiederveröffentlicht..
Music Review
Nala Sinephro
Space 1.8
Das gelungenste Beispiel für Jazz, der sich im offenen Dialog mit elektronischen Ansätzen behauptet, kommt dieses Jahr von Nala Sinephro.
Music Review
Angel Olsen
Aisles
Auf »Aisles« covert Angel Olsen Songs aus den Achtzigern, die sie als Kind im Supermarkt hörte. Ein kleines Meisterwerk aus fünf Songs.
Music Review
Tata Vasquez & His Orchestra
Ecstasy
Tata Vasquez ist so ein Musiker, bei dem rätselhaft ist, wieso er nicht allzu viele Platten gemacht hat. Immerhin gibt’s »Ecstasy«.
Music Review
Hiro Kone
Silvercoat The Throng
Mit dem Album »Silvercoat The Throng« differenziert Hiro Kone die eigene Handschrift maßgeblich aus, ohne sie zu verlieren.
Music Review
Flying Lotus
Yasuke O.S.T.
Ein bisschen wie Haiku ohne Worte: Mit dem Soundtrack zur Netflix-Serie »Yasuke« zeigt Flying Lotus einmal mehr sein ganzen Können.
Music Review
Larry June
Orange Print
Larry June, Rapper aus San Francisco, hat mit »Orange Print« ein neues Album veröffentlicht. Innovation und Freigeist sucht man vergeblich.
Music Review
Uman
Chaleur Humaine
Freedom To Spend legt »Chaleur Humaine«, das 1992 veröffentlichte Debüt des französischen Geschwisterpaares Uman, neu auf.
Music Review
Little Simz
Sometimes I Might Be Introvert
Vergiß Drake! Kanye West sowieso! Das Rapalbum dieser Tage heißt »Sometimes I Might Be Introvert« und kommt von Little Simz.
Music Review
Sofa
Source Crossfire
»Source Crossfire« stellt restaurierte Songs der kanadischen Post-Punk-Band Sofa, dem ersten Signing auf Constellation, zusammen.
Music Review
Jan Jelinek
The Raw And The Cooked
Da hat uns Jan Jelinek mit »The Raw And The Cooked« ein schönes Süppchen gekocht. Lecker!
Music Review
José González
Local Valley
Auf »Local Valley« zeigt José González, dass man auch leise und zärtlich, statt wütend und unbeherrscht, Missstände anprangern kann.
Music Review
Nancy Sinatra
Boots
Light In the Attic hat jetzt Nancy Sinatras Debütalbum »Boots«, neu gemastert und mit Bonusmaterial versehen, wiederveröffentlicht.
Music Review
Hozan Yamamoto & Yu Imai
Akuma Ga Kitarite Fue Wo Fuku
Der von Hozan Yamamoto und Yu Imai komponierte Soundtrack zum 1979er Film »Akuma Ga Kitarite Fue Wo Fuku« wurde jetzt wiederveröffentlicht.