Music Review | verfasst 27.08.2012
LV
Sebenza
Hyperdub, 2012
Text Fionn Birr
Deine Bewertung:
8.0
Nutzer (1)
7.0
Redaktion
Cover LV - Sebenza

Dass Südafrika eine Keimzelle für kreative Freigeister ist, dürfte spätestens seit Die Antwoord jeder provinzielle Großraumdiskobetreiber mitbekommen haben. Da unten hat sich aber schon seit den 1990ern eine der spannendsten Musikszenen der Welt entwickelt, was dem Londoner Produzententeam LV Anlass gab, ein komplettes Album mit südafrikanischen Rave-Referenzen zu synthetisieren. »Sebenza« ist ein Wort aus der Zulu-Sprache und bedeutet soviel wie »Arbeit«. Und was kann es anderes bedeuten als Arbeit, wenn sich Will Horrocks, Gervase Gordon und Si Williams dazu entschließen, mal eben 15 Songs mit den südafrikanischen MCs Spoek Mathambo, Ruffest und Okmalumkoolkat aufzunehmen? Standesgemäß wird die Völkerverständigung dann auch mit dem Titelsong eröffnet, dessen dystopischer Sci-Fi-Step die beklemmende Stimmung des Johannesburger Alltags durch den Arpeggiator jagt. Dazu schwadroniert der charismatische Okmalumkoolkat über seine Vorliebe für popkulturelle Errungenschaften wie iPods. Aber neben so treibendem Afro-Garage wie der Gangster-Hymne »Hustla« oder der stampfenden Selbstbeweihräucherung »Nothing Like« jubelt das Hyperdub-Trio ihren fünf Vokalisten auch astreines 8bit-Geklöppel und synkopierten Kwaito-House unter. Wenn sich die Stakkato-Flows und Elemente des UK Funky mit der typischen Bantu-Mundfärbung kreuzen, geschehen bestenfalls sensationelle JoBurg-Raves wie »Ultando Lwaka« oder Dubstep-Raumfahrten wie »Spitting Cobra«. Mag die verspielte Precussion-Klopperei für mitteleuropäische Hörgewohnheiten an mancher Stelle etwas unausgegorenen Charakter haben, lässt sich am Ende eindeutig feststellen, dass die Achse South London-South Africa eine gute ist.

Das Album »Sebenza« von LV findest du bei hhv.de: 2LP CD
Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Review | verfasst 29.11.2011
King Midas Sound
Without You
King Midas Sound veröffentlichen Remise ihres Debüts u.a. von Flying Lotus, Kuedo, Kode9 and the Spaceape und Mala.
Music Review | verfasst 07.05.2012
DVA
Pretty Ugly
DVA reichert Dubstep mit Garage, Funk, Pop, Soul und ausgesuchten Feature an. Er bleibt dabei stets seiner Linie treu.
Music Review | verfasst 08.05.2012
Burial
Kindred EP
Burial bricht mit der »Kindred EP« zu neuen Horizonten auf, ohne »Untrue« dabei allzu weit zurückzulassen.
Music Review | verfasst 09.07.2012
Cooly G
Playin' Me
Minimalismus für Fortgeschrittene: Nach kurzen Ausflügen im Tonträgergeschäft von Hyperdub kommt nun endlich das Debüt von Cooly G.
Music Review | verfasst 07.11.2010
Burial
Untrue
Überragend, mit der hinterhältigen Nebenwirkung, dass es nach 50 Minuten ungeheuer schwer fällt, wieder in die Realität zurückzukehren.
Music Review | verfasst 04.01.2013
Burial
Truant/Rough Sleeper
Vor mehr als fünf Jahren erschien »Untrue«, seitdem gab es von Burial nur kurze Veröffentlichungen. Taugen aber auch alle. Ausnahmslos.
Music Review | verfasst 07.01.2013
The Spaceape
Xorcism
»Xorcism« ist dunkle und hypnotisch aber auch reduziert. Spaceape zeigt, dass er auch ohne Kode9 weiß, wo sein Sound liegt.
Music Review
Yas-Kaz
Virgo Indigo
Nachdem zuletzt Yas-Kaz’ LP »Jomon-Sho« neu aufgelegt wurde, folgt nun ein Reissue von »Virgo Indigo« aus dem Jahr 1986.
Music Review
Tunes Of Negation
Like The Stars Forever And Ever
Sam Shackletons Projekt Tunes Of Negation ist mit »Like the Stars Forever and Ever« nicht nur far out, sondern auch seiner Zeit weit voraus.
Music Review
William Basinski
Lamentations
Zeigemäßes zur Unzeit: William Basinski legt mit »Lamentations« sein vielleicht bestes Album seit den »Disintegration Loops« ab.
Music Review
Jabu
Sweet Company
Auf »Sweet Company« zeigt sich das Trio Jabu ausnahmsweise gut gelaunt. Der Musik fehlt trotzdem etwas. Das ist das Tolle daran.
Music Review
Emily A. Sprague
Hill, Flower, Fog
Schönheit im Reinzustand: Aus den USA kommen dank Emily A. Sprague und ihrem Album »Hill, Flower, Fog« endlich entspannte Signale.
Music Review
Camila Fuchs
Kids Talk Sun
Das Duo Camila Fuchs hat sein Zweitwerk »Kids Talk Sun« in der pittoresken Stadt Sintra in Portugal eingespielt. Das ist ihm a
Music Review
Meitei
Kofū
Mit dem Album »Kofū« beschließt Meitei seine Trilogie zu »japanischen Stimmungen«. Es ist seine bisher dynamischste Platte.
Music Review
Route 8
Rewind the Days of Youth
Auf seiner Debüt-LP braust Route 8 mit offenem Verdeck Richtung Vergangenheit. Vorgestrig ist »Rewind the Days of Youth« aber keineswegs.
Music Review
Michal Turtle
Michal Turtle Reinterpreted
Auf »Michal Turtle Reinterpreted« remixen sich zwölf Artists durch das in letzter Zeit wiederentdeckte Archiv des mysteriösen Briten.
Music Review
ana roxanne
Because of a Flower
Mit »Because of a Flower« gelingt ana roxanne das Meisterstück, ihren Sound auszudifferenzieren und stringenter denn je zu klingen.
Music Review
Various Artists
Endlich Normale Menschen Volume 1
Die zweite Ausgabe der Ear Clip Series heißt »Endlich normale Menschen Volume 1«, wurde von Low Bat kuratiert und ist wunderbar verwirrend.
Music Review
John Beltran
2020
John Beltran beschließt die Lost Canvas Series des Labels Mystic & Quantum mit »2020« und sehnt sich in einem Katastrophenjahr weit weg.
Music Review
Trees Speak
Shadow Forms
Mit »Shadow Forms«, ihrem zweiten Album in diesem Jahr, arbeiten sich Trees Speak weiterhin an Krautrock ab. Und zwar mit Erfolg.
Music Review
Various Artists
La Locura de Machuca 1975-1980
»La Locura de Machuca 1975-1980« versammelt abseitige Cumbia-Stücke. Das Gros wurde von einem abtrünnigen Steuerrechtsexperten komponiert.
Music Review
Parbleu
Danse Cette Zik
Parbleu ist das Projekt von Andrea Tartaglia und »Danse Cette Zik« sein farbenfrohes Debütalbum. So entspannt sollte die ganze Welt sein.
Music Review
Mr. Bungle
The Raging Wrath Of The Easter Bunny Demo
Eine bekackte Demo von 1986 wiederzuveröffentlichen ist das most Mr. Bungle thing, zu dem Mike Patton imstande ist.
Music Review
Terrace Martin, Robert Glasper, 9th Wonder, Kamasi Washington
Dinner Party EP
Lasst die »Dinnre Party EP« niemals enden: Terrace Martin, Robert Glasper, 9th Wonder und Kamasi Washington machen gemeinsam superbe Musik.
Music Review
Yuki Hayashi
OST My Hero Academia: Heroes Rising
Yuki Hayashi’s toller Soundtracks zu »OST My Hero Academia: Heroes Rising« erscheint jetzt auf Vinyl.
Music Review
Charlotte de Witte
Rave On Time
Solides Handwerk, keine Kunst: Auf der EP »Rave On Time« arbeitet sich Charlotte de Witte am Acid Techno der neunziger Jahre ab.
Music Review
Zenker Brothers
Cosmic Transmission
Auf »Cosmic Transmission«, dem neuen Album der Zenker Brothers, ist eher eine ruhigere Gangart angesagt. Ausnahmen bestätigen die Regel.
Music Review
Glenn Astro
Homespun
Eine der abenteuerlustigsten Clubmusik-Platten des Jahres: Glenn Astro hat sein neues Album »Homespun« auf Tartelet veröffentlicht.
Music Review
Naná Vasconcelos with Agustín Pereyra Lucena
The Incredible Nana
Das 1971 eingespielte Debüt des brasilianischen Percussionisten Naná Vasconcelos »The Incredible Nana« wurde wiederveröffentlicht.
Music Review
Kangding Ray
61 Mirrors / Music for SKALAR
Kangding Rays Musik für SKALAR, seine gemeinsame A/V-Installation mit Christopher Bauder, funktioniert prächtig als alleinstehendes Album.
Music Review
Felbm
Tape 3 & 4
Der Niederländer Felbm veröffentlicht mit »Tape 3 & 4« vierzehn unaufgeregte Jazzminiaturen auf Soundway.
Music Review
Loscil
coast/range/arc//
Das 2011 erschienene Album »coast/range/arc//« von Loscil führte durch frostige Bergwelten. Kranky hat es in erweiterter Form neu aufgelegt.
Music Review
Public Enemy
What You Gonna Do When The Grid Goes Down?
Kein bisschen leise: Public Enemy sind zurück auf Def Jam legen mit »What You Gonna Do When The Grid Goes Down?« ihr 15. Studioalbum vor.
Music Review
Machinedrum
A View Of U
Machinedrum ist weiterhin auf der Suche nach der Erleuchtung durch Trips. »A View Of U« ist wiederum keine Offenbarung.
Music Review
Minoru Fushimi
Hakodate Lady
»Hakodate Lady«, 1983 veröffentlichter, vielleicht wichtigster Release von Minoru Fushimi, wurde jetzt bei Left Ear wiederveröffentlicht.
Music Review
Azymuth, Ali Shaheed Muhammad & Adrian Younge
Jazz Is Dead 004
Ali Shaheed Muhammad und Adrian Younge haben sich für »Jazz Is Dead 004« die brasilianischen Legenden Azymuth eingeladen.
Music Review
Ryo Fukui
A Letter From Slowboat
Dass es nun ein Reissue von »A Letter From Slowboat« gibt, dürfte zumindest Jazzkenner freuen und Ryo Fukui mehr Aufmerksamkeit einbringen.
Music Review
Ryo Fukui
Ryo Fukui In New York
Ursprünglich 1999 veröffentlicht, hat We Release Jazz jetzt eine Neuauflage von »Ryo Fukui In New York« von Ryo Fukui veröffentlicht.
Music Review
Oliver Coates
Skins N Slime
Der Cellist Oliver Coates ist so eine Art Wi9edergänger von Arthur Russell. Jetzt hat er mit »Skins N Slime« ein neues Album veröffentlicht.
Music Review
Various Artists
Deutsche Elektronische Musik Vol.4
»Deutsche Elektronische Musik Vol.4« gibt einen Überblick über die Vorzüge vernachlässigter, deutscher Musik der Siebziger und Achtziger.
Music Review
The Budos Band
Long In The Tooth
Mit »Long In The Tooth« von The Budos Band könnte man wohl vorzüglich auf den ledrigen Schwingen eines Dämons durch die Unterwelt gleiten.
Music Review
Kevin Morby
Sundowner
Americana im besten Sinne des Wortes: Zum neuen Album »Sundowner« des großartigen amerikanischen Songwriters Kevin Morby.
Music Review
Various Artists
All Things Considered Vol.1
Die Compilation »All Things Considered Vol. 1« entführt für 38 Minuten in eine Welt, in der nur grüner Tee und die Kopfhörer zählen.
Music Review
Autechre
SIGN
»SIGN« ist das erste Album seit von Autechre seit 2013 und die Musik darauf ist so unmittelbar faszinierend, wie seit 20 Jahren nicht mehr.
Music Review
Nas
King's Disease
»King’s Disease« ist keine von #BLM inspirierte Gospelchor-Klischee-Sause auf die Black Culture, sondern das beste Nas-Album seit Jahren.
Music Review
Mrs. Piss (Chelsea Wolfe & Jess Gowrie)
Self-Surgery
»Self-SurgeryÍ von Mrs. Piss ist ein Album, dass die kollektive Gesamtscheiße des Jahres einfängt, absticht, vierteilt und verheizt.
Music Review
Culk
Zerstreuen über euch
Die Wiener Band CULK macht mit ihrer zweiten LP »Zerstreuen über euch« den Namen zum Programm und klingen obendrein noch mitreißend.
Music Review
El Mago
Kanénas
»Kanénas«, das Debüt von El Mago, verkabelt deutsche Elektronik mit griechischer Volksmusik. Ein bisschen Mystizismus gibt’s oben drauf.