Music Review | verfasst 28.11.2012
Tim Hecker & Daniel Lopatin
Instrumental Tourist
Software, 2012
Text Martin Silbermann , Übersetzung Julia Frohn
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Redaktion
Cover Tim Hecker & Daniel Lopatin - Instrumental Tourist

Schon die Versuchsanordnung liest sich vielversprechend: Für ein neues Projekt von SSTUDIOS wurden mit Tim Hecker und Daniel Lopatin zwei Erforscher neuer Klangwelten in ein Studio gesperrt, auf dass sie spontan mit der Datenbank »Instruments Of The World« herumspielen sollten. Herausgekommen ist eine ganz eigene musikalische Welt aus beruhigenden Sphären-Loops und ambientigen Drones, einhergehend mit Störgeräuschen, Mikrosamples und Rückkopplungen. Hin und wieder dringt auch einmal eine Melodie aus schweren Streicher-Synthies, verfremdeten Chorälen oder seltsam herabgepitchten Orgeln durch. Das Ausgangsmaterial ist derart modifiziert, dass es schwer fällt, einzelne Klänge tatsächlichen Instrumenten zuzuordnen. Nicht nur das, auch die akustische Wahrnehmung im Allgemeinen wird ausgereizt: Flirrende Töne am oberen Ende der Hörbarkeit, wie Gänsehaut auf dem Trommelfell, wechseln sich ab mit verzerrten Sounds scheinbar von Kabelbrüchen, analoges Glitchen sozusagen. Extreme der An- und Entspannung liegen oftmals nah beieinander. In der Summe erinnert das sowohl an die Klangästhetik, die Lopatin unter Oneohtrix Point Never mit »Replica« veröffentlichte, als auch an Heckers Output »Ravedeath, 1972«: düster, fordernd, befremdlich schön und auf jeden Fall eigen, ja fast einzigartig. Der Versuch hat sich also gelohnt – auch wenn das Ergebnis weniger überraschend ausfällt als vielleicht erwartet.

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