Music Review | verfasst 15.03.2013
Hannibal Marvin Peterson
The Tribe
Kindred Spirits, 2013
Text Frédéric Hartmann , Übersetzung Julia Frohn
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Redaktion
Cover Hannibal Marvin Peterson - The Tribe

Black Jazz- und Strata East-Fans aufgepasst. Das unumstrittene Meisterwerk des geistigen Urvaters des Spiritual Jazz hat die scheinbar unüberwindbaren Alpenpässe des halsabschneiderischen Korporativ-Molochs namens Musikindustrie überwunden und kündigt seinen Eroberungsmarsch in unseren Breiten an. Der Inhalt zeugt, fast wie ein Reisetagebuch, von einem beschwerlichen Weg, der lange vor den Aufnahmen für dieses Albums begann. Die ersten Zeilen hierzu wurden vor knapp 400 Jahren auf den Feldern unter der sengenden Südstaaten-Sonne erdacht. So geschehen, nicht um zu beeindrucken oder um sich den Tag mit einer Melodie auf den Lippen zu versüßen, waren Sie inkarnierter Überlebenswille und der einzige seidene Faden, den die Sklaven ungestraft von den Baumwollplantagen mitnehmen konnten. War die Sklaverei in den 1970er Jahren auch offiziell abgeschafft, die Herrenrasse weitgehend gezähmt und das Risiko eines plötzlichen Ablebens durch deren Hand auf ein Minimum reduziert, so war die spirituelle Unterjochung doch präsent wie eh und je. Weil man endlich den kollektiven Mut fassen konnte zurückzugewinnen, was einem immer schon gehörte. Und dieser Wille findet sich gebündelt in den 45 Minuten dieser Platte wieder, deren Titel sich wie Überschriften aus einem möglichen Manifest lesen, das der afroamerikanischen Gemeinschaft als Leitfaden zu ihrem geistigen Befreiungs-Feldzug gedient haben könnte. »Now Stand« klingt zunächst wie der Hakenschlag eines flüchtenden Hasen, der aber bald schon im Hauptthema, mit neu gefundener Zuversicht, seinen goliathgleichen Peiniger schwindelig machend, ihm durch die Hacken jagt. »Of Life And Love And God« spricht von der humanen Dreifaltigkeit, die einem niemand rauben kann, und die der Anker- und Ruhepunkt für das erfolgreiche Auflehnen darstellt. Schleppend, wie der langwierige Weg der Selbstfindung, schneiden sich die langgezogenen Cello- und Trompetentöne durch den Äther, und sezieren den angesammelten Verdruss so einschneidend, dass sie unter die Haut gehen. »Returning To The Ways« ist sowohl Ursprung und Ziel der Argumentation: Die Rückbesinnung auf die uns allen gottgegebene und seit Menschenbestehen innewohnende Daseinsberechtigung. Gebührend wird diese Einsicht mit frenetischen und überschwänglichen Soli abgefeiert, auf dass sie über das Territorium des »Tribe« hinweg zu hören sind und Gleichgesinnte außerhalb des Kreises der »Kindred Spirits«-Affinen zu ihm finden können.

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