Music Review | verfasst 08.04.2013
Various Artists
Deutsche Elektronische Musik 2
Soul Jazz, 2013
Text Jens Pacholsky
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Redaktion
Cover Various Artists - Deutsche Elektronische Musik 2

Zwei kurze Gitarrenanschläge und… nein, weder eine Referenz zum Chicago House, noch zum Frankfurt-Techno oder gar ins britische IDM oder Ambient. Die zweite Compilation zur Geschichtsstunde der deutschen elektronischen Musik zwischen 1971 und 1983 beginnt mit dem Quell-Sample zu Public Enemys »He Got Game«. Dahinter verbergen sich die eher unbekannten A.R. & Machines, die über kurze drei Minuten den Bogen vom P.E.-Sample zu »Bonanza« und dem elektronisch angehauchten Psych-Funk der italienischen Polizeifilme der 1970er Jahre schlagen. Und damit gleich das Mantra für diese Compilation angeben: Wer glaubt, deutsche Musik zu kennen, hat keine Ahnung. Es gibt noch soviel zu entdecken. Über 27 Titel eröffnet Soul Jazz die ganze Welt dessen, was einst als Krautrock in die Geschichte einging und sich in den 1970er Jahren in einem enormen Spektrum aufsplitterte und weiterentwickelte. Von Synthesizerexperimenten und Psychedelic über Folk und Punk bis zu Funkansätzen und kitschigem Science-Fiction-Flick. Soul Jazz hat dafür auf »Deutsche Elektronische Musik 2« ein wenig weiter geschaut, als es typischerweise solche Retro-Compilations tun. Neben den klassischen großen Namen wie Amon Düül 2, Can, Faust und Neu! finden sich auch weniger bekannte Obskuritäten wie Niagara, Sergius Golowin und Gila. Komplementiert werden die beiden CDs durch eine Reihe von Solokünstlern, die bei genauerem Hinschauen in der einen oder anderen Art entweder miteinander verbändelt waren oder zu alten Bekannten wie Cluster, Kraftwerk und Tangerine Dream gehörten. »Deutsche Elektronische Musik 2« ist damit ein großer Appetithappen für die nun folgende Suche nach den Originalscheiben. Das ist Geschichtswissenschaft, wie ich es mir in der Schule gewünscht hätte.

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