Books Review | verfasst 19.12.2013
John Savage & Stuart Baker (Hg.)
Punk 45 – The Singles Cover Art Of Punk 1976-80
Soul Jazz, 2013
Text Christian Neubert
Deine Bewertung:
8.0
Nutzer (1)
7.7
Redaktion
Cover John Savage & Stuart Baker (Hg.) - Punk 45 – The Singles Cover Art Of Punk 1976-80

Die Punk-Bewegung ist ein Kind der 1970er Jahre. Das beste Medium, mit dem seinerzeit Musik und Attitüde des Punk transportiert wurde, war die 7"-Single. Denn: _»Nothing facilitated more easily the insistent impulse to make your statement immediately, before the opportunity dissapeared.« Diese Zeilen stammen von dem britischen Musikexperten Jon Savage. Sie sind der Einleitung seines neuen Buches »Punk 45 – The Singles Cover Art Of Punk 1976 – 80«, das er gemeinsam mit Stuart Baker realisierte, entlehnt. Nach dem Vorwort beginnt der Band entgegen seines Titels mit der Vorstellung von Releases, die ab 1969 als eine Art Pre-Punk der Bewegung eine Richtung wiesen. Savage und Baker erkennen z.B. in den Stooges, MC5 und Patti Smith solch frühe Wegbereiter. Die fünf abgehandelten Years of Punk selbst werden durch internationale Releases umfangreich abgedeckt, chronologisch und nach Erscheinungsort sortiert. The Ramones eröffnen mit ihrer Debut-Single Blitzkrieg Bop die über 300 Seiten lange Auflistung. Sie featured Bands wie Electric Eels, Black Flag, The Germs, Siouxsie And The Banshees, Dead Kennedys und die ehemaligen Industrial-Elektroniker Cabaret Voltaire, bezieht berechtigterweise New Wave-Acts wie Devo, Blondie und Joy Divison mit ein und erklärt auch Elvis Costello zum Punk. Natürlich ist das eher eine Angelegenheit für Liebhaber der Materie, zum Glück aber auch herrlich streitbar. Freunde dreiakkordigen Geschraddels werden den schönen Bildband als Augenschmaus und Fundgrube schätzen. Und Anhängern jedweder DIY-Kultur, egal ob Punk oder whatever, kann es Inspiration und Motivation sein. Das ist auch der Hauptgewinn, den der Band erzielt: Er zeigt anhand der Sleeve-Designs deutlich die Verweigerungshaltung sowie die konsumkritische, systemunterminierende, pro-feministische, Homophobie anklagende, pazifistische bis anarchistische und anti-patriarchalische Attitüde der Bewegung auf – und wie diese Aspekte mittels einfacher Pencil-Art und Collagen kostengünstig umgesetzt werden können, ohne allzu plakativ oder eben doch in aller Deutlichkeit rüberzukommen. Dass das Artwork der 7"-Singles jedoch mitnichten nur billigst zusammengeschustert wurde, wird ebenfalls offenbar. Komplettiert durch Interviews mit Label-Inhabern, Graphikern, Musikern und Shop-Betreibern, denen ein großzügiger Raum beigemessen wird, besticht der Band zudem durch Inhalte, die den durch die abgebildeten Sleeves generierten Infogehalt ergänzen und bereichern.

Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Review | verfasst 11.02.2015
Various Artists
Punk 45: Extermination Nights in the 6th City – Cleveland, Ohio
Mit »Extermination Nights in the 6th City« erinnert Soul Jazz an die musikalischen Pionierleistungen der verblühten Metropole Cleveland.
Music Review | verfasst 11.02.2015
Various Artists
Punk 45: Burn, Rubber City Burn! – Akron, Ohio
Die Soul Jazz Compilation »Burn, Rubber City Burn! – Akron, Ohio« zeigt den Niedergang der Stadt mit Wucht und Stil.
Music Review | verfasst 15.11.2016
Various Artists
Punk 45 - Les Punks: The French Connection
Französisch eignet sich ja hervorragend für eine höchst lässige Rotzigkeit, ideal daher für Punk und Verwandtes wie man hier nachhören kann.
Music Review | verfasst 15.03.2016
Various Artists
New York Noise - Dance Music From The New York Underground 1977-1982
Soul Jazz legt seine Compilation »New York Noise« von 2003 wieder neu auf. Ganze sieben Neuerungen finden sich darauf wieder.
Music Review | verfasst 14.03.2016
Various Artists
Punk 45: Los Angeles
Soul Jazz setzt seine »Punk 45«-Reihe fort und macht diesmal in Los Angeles Halt. Die Platte ist gut zusammengestellt, mit einer Ausnahme.
Music Review | verfasst 18.08.2010
Sylvia Striplin
Give Me Your Love
Verheißungsvoll blitzt die nackte Schulter unter dem opulenten weißen Pelz auf dem Cover von Give Me Your Love hervor.
Books Review | verfasst 11.10.2011
Stuart Baker (Hg.)
The Cover Art Of Studio One
Mit The Cover Art Of Studio One widmet sich ein weiteres Buch aus dem Hause Soul Jazz dem spezifischen Plattencoverdesign.
Music Review | verfasst 02.11.2011
Various Artists
The Legendary Studio One Records
Einmal mehr schöpft Soul Jazz aus dem reichhaltigen Fundus von Studio One Records. Es lohnt sich abermals.
Music Review
Naná Vasconcelos with Agustín Pereyra Lucena
The Incredible Nana
Das 1971 eingespielte Debüt des brasilianischen Percussionisten Naná Vasconcelos »The Incredible Nana« wurde wiederveröffentlicht.
Music Review
Kangding Ray
61 Mirrors / Music for SKALAR
Kangding Rays Musik für SKALAR, seine gemeinsame A/V-Installation mit Christopher Bauder, funktioniert prächtig als alleinstehendes Album.
Music Review
Felbm
Tape 3 & 4
Der Niederländer Felbm veröffentlicht mit »Tape 3 & 4« vierzehn unaufgeregte Jazzminiaturen auf Soundway.
Music Review
Loscil
coast/range/arc//
Das 2011 erschienene Album »coast/range/arc//« von Loscil führte durch frostige Bergwelten. Kranky hat es in erweiterter Form neu aufgelegt.
Music Review
Public Enemy
What You Gonna Do When The Grid Goes Down?
Kein bisschen leise: Public Enemy sind zurück auf Def Jam legen mit »What You Gonna Do When The Grid Goes Down?« ihr 15. Studioalbum vor.
Music Review
Machinedrum
A View Of U
Machinedrum ist weiterhin auf der Suche nach der Erleuchtung durch Trips. »A View Of U« ist wiederum keine Offenbarung.
Music Review
Minoru Fushimi
Hakodate Lady
»Hakodate Lady«, 1983 veröffentlichter, vielleicht wichtigster Release von Minoru Fushimi, wurde jetzt bei Left Ear wiederveröffentlicht.
Music Review
Ryo Fukui
A Letter From Slowboat
Dass es nun ein Reissue von »A Letter From Slowboat« gibt, dürfte zumindest Jazzkenner freuen und Ryo Fukui mehr Aufmerksamkeit einbringen.
Music Review
Ryo Fukui
Ryo Fukui In New York
Ursprünglich 1999 veröffentlicht, hat We Release Jazz jetzt eine Neuauflage von »Ryo Fukui In New York« von Ryo Fukui veröffentlicht.
Music Review
Oliver Coates
Skins N Slime
Der Cellist Oliver Coates ist so eine Art Wi9edergänger von Arthur Russell. Jetzt hat er mit »Skins N Slime« ein neues Album veröffentlicht.
Music Review
Various Artists
Deutsche Elektronische Musik Vol.4
»Deutsche Elektronische Musik Vol.4« gibt einen Überblick über die Vorzüge vernachlässigter, deutscher Musik der Siebziger und Achtziger.
Music Review
The Budos Band
Long In The Tooth
Mit »Long In The Tooth« von The Budos Band könnte man wohl vorzüglich auf den ledrigen Schwingen eines Dämons durch die Unterwelt gleiten.
Music Review
Kevin Morby
Sundowner
Americana im besten Sinne des Wortes: Zum neuen Album »Sundowner« des großartigen amerikanischen Songwriters Kevin Morby.
Music Review
Various Artists
All Things Considered Vol.1
Die Compilation »All Things Considered Vol. 1« entführt für 38 Minuten in eine Welt, in der nur grüner Tee und die Kopfhörer zählen.
Music Review
Autechre
SIGN
»SIGN« ist das erste Album seit von Autechre seit 2013 und die Musik darauf ist so unmittelbar faszinierend, wie seit 20 Jahren nicht mehr.
Music Review
Nas
King's Disease
»King’s Disease« ist keine von #BLM inspirierte Gospelchor-Klischee-Sause auf die Black Culture, sondern das beste Nas-Album seit Jahren.
Music Review
Mrs. Piss (Chelsea Wolfe & Jess Gowrie)
Self-Surgery
»Self-SurgeryÍ von Mrs. Piss ist ein Album, dass die kollektive Gesamtscheiße des Jahres einfängt, absticht, vierteilt und verheizt.
Music Review
Culk
Zerstreuen über euch
Die Wiener Band CULK macht mit ihrer zweiten LP »Zerstreuen über euch« den Namen zum Programm und klingen obendrein noch mitreißend.
Music Review
El Mago
Kanénas
»Kanénas«, das Debüt von El Mago, verkabelt deutsche Elektronik mit griechischer Volksmusik. Ein bisschen Mystizismus gibt’s oben drauf.
Music Review
Eartheater
Phoenix: Flames Are Dew Upon My Skin
Mit »Phoenix: Flames Are Dew Upon My Skin« liefert Eartheater ihr wohl konventionellstes und damit merkwürdigstes Album ab.
Music Review
Future Islands
As Long As You Are
Es nicht verfehlt zu sagen, dass »As Long As Your Are«, das neue Album von Future Islands, auch ein politisches Album geworden ist.
Music Review
Sufjan Stevens
The Ascention
»The Ascension«, das neue Album von Sufjan Stevens, ist ein achtzigminütiger Aufstieg. Oben angekommen, ist die Welt wieder gut. Fast.
Music Review
Alessandro Alessandroni
Alessandro Alessandroni
Das selbstbetitelte Album von Alessandro Alessandroni aus dem Jahr 1971 wurde jetzt bei Sonor Music Editions wiederveröffentlicht.
Music Review
The Gaslamp Killer
Heart Math
The Gaslamp Killer ist einer der wichtigsten musikalischen Akteure im Großraum Los Angeles. Jetzt hat er mit ein neues Album veröffentlicht.
Music Review
Piry Reis
Piry Reis
Die zuerst 1980 veröffentlichte, zweite Langspielplatte des brasilianischen Songwriters Piry Reis wurde jetzt wiederveröffentlicht.
Music Review
Various Artists
Too Much Future: Punkrock GDR 1980-1989
Im Übungsraum und bei Konzerten mitgeschnitten zeugt »Too Much Future: Punkrock GDR 1980-1989« von der Vitalität der ostdeutschen Punkszene.
Music Review
Zombies In Miami
2712
Das mexikanische Duo Zombies In Miami legt auf Permanent Vacation ihr gleichermaßen hohärentes wie facettenreiches Debütalbum »2712« vor.
Music Review
Mammal Hands
Captured Spirits
Die Musik von Mammal Hands schwillt gerne an. Darin liegt dann auch die Schnittmenge von Pop und Rave. Nachzuhören auf »Captured Spirits«.
Music Review
Carlos Nino & Miguel Atwood-Ferguson
Chicago Waves
»Chicago Waves« ist die Dokumentation eines improvisierten Auftritts der kalifornischen Musiker Carlos Nino und Miguel Atwood-Ferguson.
Music Review
Róisín Murphy
Róisín Machine
Róisín Murphy weiß mit ihrer Musik Indie-Kids und Dance-Fraktion wie keine Zweite zu einen. So auch auf »Róisín Machine«.
Music Review
Khotin
Finds You Well
Elektronische Musik für die grauen Tage: Khotin hat seiun neues Album »Finds You Well« auf Ghostly International veröffentlicht.
Music Review
Hareton Salvanini
Xavana, Uma Ilha Do Amor
Mad About legt den Soundtrack zu »Xavana, Uma Ilha Do Amor« des brasilianischen Komponisten Hareton Salvanini neu auf.
Music Review
Osees
Protean Threat
»Protean Threat« von Osees (auch bekannt als Thee Oh Sees) ist eine Platte für Leute, die sich noch Nietengürtel um die Hose schnallen.
Music Review
Anna von Hausswolff
All Thoughts Fly
Wolkengebirge bis in den Kosmos, Höllenkreise ohne Auswege: Anna von Hauswolffs fünftes Album »All Thoughts Fly« ist erschienen.
Music Review
Satoshi & Makoto
CZ-5000 Sounds & Sequences Vol. 2
Klingt wie ausgedacht? Vielleicht. Vor allem aber ist Satoshi & Makotos zweites Album »CZ-5000 Sounds & Sequences Vol. 2« wunderbar nerdig.
Music Review
Arca
&&&&&
Start des Postgenres: Arcas »&&&&&« war Prototyp für die Generation Deconstructed Clubmusic.
Music Review
Suso Sáiz & Suzanne Kraft
Between No Things
Auf dem Album »Between No Things« haben sich die Musiker Suso Sáiz und Suzanne Kraft für neun Meditationen zusammengetan.
Music Review
Drew McDowall
Agalma
Unwirkliche Räume modulierter Schönheit: Coils Drew McDowall veröffentlicht mit »Algama« einen neues Album.
Music Review
Nicolas Jaar
Cenizas
Mit »Cenizas« baut Nicolas Jaar weiter an seinem Bild vom großen Komponisten unter den Laptopmusikern.
Music Review
Little Brother
May The Lord Watch
»May the Lord Watch«, das Comeback-Album von Little Brother ist absolut nicht zeitgemäß, aber davon völlig unbekümmert.
Music Review
The Heliocentrics
Telemetric Sounds
»Telemetric Sounds«, das zweite Album von The Heliocentrics binnen eines Jahres ist dunkler, wütender, getriebener und dreckiger.