Music Review | verfasst 28.01.2014
Al Cisneros
Toward Nazareth
Drag City, 2014
Text Sebastian Hinz , Übersetzung Julia Frohn
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Redaktion
Cover Al Cisneros - Toward Nazareth

Aus Al Cisneros wird man nicht klug. Als Bassist von Om, Sleep, Shrinebuilder oder Asbestosdeath hat er seine Beiträge zu den verschiedenen Spielarten von Metal beigetragen. Seit kurzem veröffentlicht er als Solokünstler kleine Duboden, aufgeladen mit christlichem Vokabular. »Here are some more songs I wrote (through the blessings and grace of God). Thank you for listening.« Die EP »Toward Nazareth« ist also nun sein zweiter Release für das renommierte Label Drag City. Musikalisch zeigt er sich dabei als Liebhaber langer Einstellungen. Jeder der 5 Track zeigt im Prinzip ein Bild, das Auge der Kamera friert dieses ein, verändert die Position nicht und beobachtet. Dabei fadet er zu Beginn eines Tracks in diesen hinein, und am Ende fadet er wieder heraus, so dass den Tracks eine quasi Unendlichkeit gegeben wird. Es ist also wie in so einem Film von Andy Warhol, der die ganze Nacht läuft, dann betritt man mal eben das Kino, lauscht und schaut für 5 Minuten, dann geht man wieder ins Foyer ein Bier trinken. Eine weitere Ideen von Cisneros ist es, zwei identische Songs unter verschiedenen Songtiteln nebeneinander zu stellen. Er hat das bereits auf der vorangegangen 12" mit »Ark Procession» und »Jericho« gemacht. Diesmal betrifft es »Indica Field« und »Harvester«. [Ebenso bei »Yerushaláyim« und »Version«, doch hier ist die Kennzeichnung offensichtlicher.] Mag sein, dass es Unterschiede gibt, aber diese sind (wenn) dann so minimal (vielleicht ein Hall, vielleicht ein Echo), dass sie nicht wahrgenommen werden können. Dennoch macht diese Doppelung etwas mit dem Hörer, es erzeugt Verwirrung, es zwingt zum Zuhören. Nur muss ehrlicherweise gesagt werden, hier sind auf ca. 20 Minuten nur 3 Tracks zu hören. Die erinnern mich übrigens sehr an Out Of Worship, die Kollaboration zwischen Bassist/Gitarrist Joe Goldring und Schlagzeuger Doug Scharin Ende der 1990er Jahre; keine ganz schlechte Referenz. Gleichwohl ist hier etwas merkwürdig: das Mühelose, der coole Gestus, und das Bedeutende, der präzise Blick heben einander auf. Aus Al Cisneros wird man nicht klug.

Die EP »Toward Nazareth« von Al Cisneros findest du demnächst bei hhv.de.
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