Music Review | verfasst 30.01.2014
Bill Callahan
Have Fun With God
Drag City, 2014
Text Pippo Kuhzart
Deine Bewertung:
/
Nutzer
7.3
Redaktion
Cover Bill Callahan - Have Fun With God

Ein Singer/Songwriter der Dub-Musik macht? Das kann man sich erstmal nicht so richtig vorstellen. Bill Callahan hat mit »Have Fun With God« eine Dub-Version seines 2013er Albums »Dream River veröffentlicht. So richtig erschließt sich dem Hörer der Sinn dieses Albums bis zum Schluss nicht, so abgeschlossen und stimmig wirkte »Dream River«, das einen Höhepunkt in Callahans schaffen war, in dem er alles Überflüssige herauskürzte und ganz viel Gefühl in der Einfachheit fand. Nun hallen die Percussions nach, die Vocals ziehen einen Schwanz an Reverb und Echo hinter sich her: Das brauchte es nicht. Trotzdem versprüht »Have Fun With God« einen eigenen Charme. Denn es klingt nach diesem »Fun«; als hätte sich Callahan eine Pause von seinem Experiment gegönnt, seine Songs so weit zu reduzieren, bis sie Zufriedenheit in der Askese finden. Hier dürfen die Songs jetzt machen was sie wollen; Callahan gibt die Kontrolle ab. Es klingt, als würden die Songs sich in Echtzeit entscheiden, wo sie hallen, sich verlieren oder einfach nur herumschludern wollen. Dabei unterschlagen sie nicht die eigentliche Instrumentierung, die Stimmung der Originale schwingt weiter mit. Lediglich hin und wieder betont der Dub Kernwörter eines Songs oder hebt einzelne Elemente hervor, in dem er sie ausschweifen lässt. Besonders schön wirkt das, wenn das Wort »Beer« nachhallt und damit noch mal betont, was der Text ohnehin schon sagte: »The only words I said today are beer and thank you.« In diesen Momente macht »Have Fun With God« Sinn, für den Rest muss man es Callahan gleichtun und sich ohne Erwartungen der Spielerei hingeben.

Das Album »Have Fun With God« von Bill Callahan findest Du bei hhv.de auf LP.
Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Review | verfasst 27.09.2013
Bill Callahan
Dream River
Bill Callahan bleibt auch nach 23 Jahren Dienstzeit und 15 Alben ein Visionär im Singer/Songwriter-Geschäft.
Music Review | verfasst 28.01.2014
Al Cisneros
Toward Nazareth
Aus Al Cisneros wird man nicht klug: Das Mühelose, der coole Gestus, und das Bedeutende, der präzise Blick heben einander auf.
Music Kolumne | verfasst 11.12.2013
2013
Die 50 Alben des Jahres (Teil 1)
Es war ein richtig gutes Jahr für alle Musikconnaisseure. Wir haben uns durch Alben und Mini-Alben gehört und 50 Highlights zusammengetragen. Lest hier Teil 1 der Liste…
Music Kolumne | verfasst 18.11.2020
Aigners Inventur
November & Dezember 2020
Das Virus? Nah, unser furchtloser Kolumnist fürchtet nur eines hinter jeder Straßenecke: Clueso. Aigner schmeißt sich in fiktive Nachtbusse und bückt sich n zu den REWE-Spaghetti runter, weil die von Barilla wieder weggepreppt wurden.
Music Review | verfasst 04.05.2011
The High Llamas
Talahomi Way
IDie Band um Songwriter Sean O’Hagan hatte nicht immer leicht. Doch konsequent arbeiteten sie an ihrem Popmusikentwurf.
Music Review | verfasst 06.08.2011
Ty Segall
Goodbye Bread
Ty Segall ist einer der produktivsten Musiker im Indierockgeschäft. Von Verschleißerscheinungen ist keine Spur. Ganz im Gegenteil.
Music Review
Spelling
The Turning Wheel
Ihre Songs sind Gebilde, die allerlei wunderliche Triebe sprießen lassen. Spelling legt mit »The Turning Wheel« ein neues Album vor.
Music Review
Various Artists
No Photos On The Dancefloor! Vol.1
Die Compilation zur Ausstellung »No Photos On The Dancefloor!« zeigt, zwischen 1992 und 2006 war Techno in Berlin vielseitiger als gedacht.
Music Review
Flamingo Pier
Flamingo Pier LP
Zeit für gute Laune: das neuseeländische Dreigespann Flamingo Pier legt auf Soundway sein Debütalbum vor.
Music Review
Loveshadow
Loveshadow
Das bei Music From Memory veröffentlichte Debüt des kalifornischen Duos Loveshadow ist ein Album zum Liebemachen am Strand.
Music Review
Loscil
Clara
Wie der Blick in den nächtlichen Sternenhimmel: der kanadische Musiker Loscil hat mit »Clara« ein neues Album veröffentlicht.
Music Review
Mind Maintenance
Mind Maintenance
Joshua Abrams und Chad Taylor nehmen Gimbri und Mbira zur Hand und üben sich als Mind Maintenance in Gelassenheit.
Music Review
Mad Voice
Drogen / Ohne Liebe Leben
Wiener Brut veröffentlicht die 1982er Single »Drogen / Ohne Liebe Leben« von Mad Voice neu. Da dreht sich der goldene Reiter im Kreis.
Music Review
Resilient Vessels
Live At The Cell
Vier Musiker haben sich im letzten Jahr zusammengetan um als Resilient Vessels mit »Live At The Cell« ein fulminantes Jazzalbum aufzunehmen.
Music Review
Michal Turtle & Suso Saiz
Static Journey
Schlagzeuger Michal Turtle und Gitarrist Suso Saiz haben sich für eine innere Reise und das Album »Static Journey« zusammengefunden.
Music Review
Hailu Mergia & The Walias Band
Tezeta
»Tezeta«, das ursprünglich 1975 nur auf Kassette erschienene erste Album von Hailu Mergia, ist nun bei wiederveröfffentlicht worden.
Music Review
Mndsgn
Rare Pleasure
Mit »Rare Pleasure« beendet Mndsgn seine Verwandlung vom Beatmaker zum Songwriter. Schmusiger RnB zwar, aber inhaltlich komplex.
Music Review
Guilherme Lamounier
Guilherme Lamounier (1973)
Das zweite Album von Guilherme Lamounier, ein Meisterwerk des brasilianischen Psychedelic-Folk, wurde bei Mad About wiederveröffentlicht.
Music Review
Skee Mask
Pool
Im diffusen Genrebrei zwischen IDM, Techno und Dub klingt niemand wie Skee Mask. Sein neues Album »Pool« unterstreicht die Ausnahmestellung.
Music Review
Renata Lú
Renata Lú
Renata Lú ist eine der unbekannten Stimmen Brasilien. Ihr selbstbetiteltes Debüt aus dem Jahr 1971 wurde bei Mad About wiederveröffentlicht.
Music Review
Pan Daijing
Jade
Kurze Meditationen über die Qual: Pan Daijing aus Shanghai legt mit »Jade« ihr zweites Album vor.
Music Review
The Frank Derrick Total Experience
You Betcha!
»You Betcha!«? Noch nie gehört? Solltest du aber! Das Album The Frank Derrick Total Experience gilt unter Jazz-Heads zurecht als Klassiker.
Music Review
Les Filles De Illighadad
At Pioneer Works
Musik aus Niger, eingespielt in New York: »At Pioneer Works« ist das erste Album der Filles de Illighadad seit langem.
Music Review
Panta Rex
Lefty
Panta Rex meldet sich mit der EP »Lefty« auf Noorden zurück, der Name ist Programm: Dem Dancefloor wird sich von dessen Außenrand genähert.
Music Review
Sons Of Kemet
Black To The Future
Sons Of Kemet haben mit »Black To The Future« einen weiteren Fingerzeig dahingehend veröffentlicht, was Afro-Jazz heute bedeutet.
Music Review
José Mauro
A Viagem Das Horas
José Mauro lebt! Wusste auch niemand, als sein Debütalbum neu aufgelegt wurde. Nun folgt das Reissue von »A Viagem Das Horas« auf Far Out.
Music Review
Various Artists
Extra Muros: Italy
Die Kollaborations-Compilation »Extra Muros: Italy« brachte fünf Musiker*innen – Benoit B Dena, Dona, Eva Geist und Jolly Mare – zusammen.
Music Review
Bruxas
Muscle Memory
Jacco Gardner und Nic Mauskovic sind Bruxas, »Muscle Memory« ist das Debüt des Psych-Disco-Projekts und sowieso die Platte des Sommers.
Music Review
Mustafa
When Smoke Rises
Jamie xx, Sampha, James Blake und Drake als Feature-Gäste? Nur auf Mustafas »When Smoke Rises«, einem eindringlich-erzählerischen Album.
Music Review
Sandra Sa
Vale Tudo
Brasilianischer Boogie Funk bleibt entwaffnend und Sandra Sas 1983 veröffentlichtes Album »Vale Tudo« eines seiner Meisterwerke.
Music Review
Drab Majesty
Unknown To The I
»Unknown to the I« bietet den idealen Einstieg in das Universum des Duos Drab Majesty: Verträumter New Wave in drei Stücken.
Music Review
Fly Pan Am
Frontera
»Frontera« von Fly Pan Am ist in dramaturgischer Hinsicht vorhersehbar aufgebaut und doch das beste Album der Constellation-Band überhaupt.
Music Review
Mdou Moctar
Afrique Victime
Mdou Moctars Domino-Debüt »Afrique Victime« ist gleichzeitig von Eddie van Halen und Neokolonialismus inspiriert. Und unerhört eindringlich.
Music Review
Arovane
Atol Scrap
22 Jahre hat es gedauert, bis mit »Atol Scrap« von Arovane eine der besten deutschen Electronica-LPs der 1990er auf Vinyl erscheint.
Music Review
Massimiliano Pagliara
Connection Lost Pt.3
Der dritte Teil von Massimiliano Pagliaras »Connection Lost«-Serie ist wieder einmal überragend ausgefallen, bleibt aber ambivalent.
Music Review
McKinley Dixon
For My Mama And Anyone Who Look Like Her
McKinley Dixon kann kein unbeschwertes Leben führen, drüber rappen aber allemal. »For My Mama And Anyone Who Look Like Her« bietet einiges.
Music Review
Alessandro Cortini
Scuro Chiaro
Alessandro Cortini dreht auf »Scuro Chiaro« den Gefühlsregler gewohnt hoch. Es ist aber auch eines seiner abwechslungsreichsten Alben.
Music Review
Various Artists
GOST: A Spiritual Exploration Into Greek Soundtracks (1975-1989)
Die auf Into The Light erschienene Compilation »GOST« versammelt wundersame Filmmusik aus Griechenland.
Music Review
P!OFF?
P!OFF?
Von ihrem Debüt verkauften P!OFF? im Jahr 1982 gerade einmal 600 Exemplare. Zum Glück hat Bureau B die Platte wieder aufgelegt!
Music Review
Umwelt
Fear On The Dark Planet
Umwelt ist immer Underground geblieben. Seine EP »Fear On The Dark Planet« für Midnight Shift ist hoffnungsvoller als ihr Titel verspricht.
Music Review
Trees Speak
PostHuman
Brauchen wir noch Neuauflagen vergangener Epochen? Wenn sie so einnehmend klingen wie auf Trees Speaks »PostHuman«: gerne doch.
Music Review
Jayda G
DJ-Kicks
Erst die Tunes, dann die Vibes, am Ende der Cooldown: Die DJ-Kicks-Ausgabe von Jayda G ist konventionell aufgebaut und steckt voller Perlen.
Music Review
St. Vincent
Daddy's Home
Die Vorab-Singles zu St. Vincents mittlerweile sechstem Album »Daddy’s Home« waren verwirrend, das Album als Ganzes ist es aber keineswegs.
Music Review
Sun Ra
Lanquidity
Die als umfassendes Reissue erhältliche »Lanquidity« könnte Sun Ras beste LP sein, hätte er nicht so viele andere Meisterwerke hingelegt.
Music Review
Roland P. Young
Hearsay I-Land
Mitte der 1980er legte sich der Jazzmusiker Roland P. Young eine neue Identität als Popper zu, die auf »Hearsay I-Land« dokumentiert wird.
Music Review
The Master Musicians Of Joujouka
Live In Paris
»Live In Paris« wurde 2016 aufgenommen und erscheint ein halbes Jahrhundert, nachdem die Welt den Master Musicians of Joujouka anheim fiel.
Music Review
Squid
Bright Green Field
Auf ihrem Debüt »Bright Green Field« entwirft die eklektische Band Squid das Gegenteil von dem, was Cover und Titel versprechen.