Music Review | verfasst 12.02.2014
Talvihorros
Eaten Alive
Denovali, 2013
Text Jens Pacholsky
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7.9
Redaktion
Cover Talvihorros - Eaten Alive

Jeder hat seine dunklen Ecken in der eigenen Biographie. Ben Chatwin schält diese auf seinem fünften Studioalbum als Talvihorros nicht unbedingt aus seinem eigenen toten Winkel. Vielmehr ist es ein kollektives Gedächtnis an East London, welches sich in Rundgängen mit dem Fluid Radio-Inhaber Daniel Crossley in ebenjenem Stadtteil zusammenfügte. Beide haben einen bedeutenden Teil ihres Lebens hier verbracht, beide sind ihm entflohen. Für Daniel Crossley war diese Flucht die einzige Rettung vor dem eigenen Ende durch eine Drogensucht. »Eaten Alive« ist Chatwins auditive Retrospektive auf diese vergangenen, zerrissenen Ereignisse, die sich inmitten einer funktionierenden sozialen Umwelt in das eigene Leben schleichen können und dieses nach und nach unbemerkt zerfressen. Chatwin erzählt dabei von der ganzen Ambivalenz, die einem solchen Prozess innewohnt – von der Zersetzung bis zu den Höhenflügen. Immer wieder schält er aus den noisigen Drones der E-Gitarre feine und euphorische Melodien analoger Elektronik heraus und verflechtet sie ineinander zu einem engen, dornigen Gestrüpp ein und derselben Erzählung. Selbst die Katharsis in Form des abschließenden Titels »Today I Am Reborn« trägt in ihrem Hoffnungsschimmer eine große Müdigkeit und den Abschied von etwas Einmaligem.

Das Album »Eaten Alive« von Talvihorros findest du bei hhv.de: aufLP.
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