Music Review | verfasst 20.02.2014
Mark McGuire
Along The Way
Dead Oceans, 2014
Text Sebastian Hinz , Übersetzung Julia Frohn
Deine Bewertung:
6.0
Nutzer (1)
5.9
Redaktion
Cover Mark McGuire - Along The Way

Als Mark McGuire im letzten Jahr seinen Ausstieg bei Emeralds bekanntgab, der Supergroup einer die Traditionen von Krautrock im Sound wiederbelebenden, gerade in den USA ausgeprägten Szene, war der Zerfall der Gruppe nahezu besiegelt. Deswegen eine Träne verdrücken, musste man dann aber doch nicht, denn inzwischen hatten die einzelnen Bandmitglieder (neben Mark McGuire noch John Elliott und Steve Hauschildt) sehr beachtliche Soloveröffentlichungen vorgelegt. Teilweise haben sie dabei gezeigt, dass sie losgelöst vom Gruppenzwang sogar noch befreiter aufzuspielen in der Lage waren. Mark McGuire hat dabei seine Kunst, Melodien und Klänge aus Gitarren und Synthesizers zueinander in Beziehung zu setzen und in schwindelige Höhen zu loopen perfektioniert. Der Musiker aus Cleveland, Ohio agiert dabei stets an der Schwelle zur Kosmischen Musik, sein träumerisches Gitarrenspiel steht in der Nachfolge von Manuel Göttsching bei Ash Ra Temple, die Synthesizerarbeit geht Richtung Tangerine Dreams »No Man’s Land«. Das hat sich auch auf »Along the Way«, seinem Debüt für das Plattenlabel Dead Oceans, nicht verändert. Und doch ist diesmal einiges anders. Mark McGuire will es diesmal wissen und so schichtet der Musiker diesmal nicht nur die Sounds aufeinander, sondern auch nebeneinander. Soll heißen: Bislang ist Mark McGuire der Esoterik-Falle aus dem Weg gegangen, in der schon so manche New Age-Musik gelaufen ist. Diesmal tappt er mitten hinein. Stellt man sich die Musik von Mark McGuire als ein mit Wasser gefülltes Glas vor, in der die Füllmenge gut austariert ist, so gießt der Musiker diesmal fröhlich nach. Zum Beispiel »The War of Consciousness«: der gut austarierten Menge des Synthesizer-Gitarre-Gemisches werden diesmal zuerst elektronische Sounds beigegeben, deren Leichtigkeit noch für keine Irritationen sorgen; es folgt dann der schwere Pathos eines Klaviers, gespielt mit der romantischen Geste eines Richard Claydermann oder Rondo Veneziano; dem werden noch Streicher imitierende Synths hinzugefügt (nur Blasinstrumente imitierende Synths sind noch schlimmer!); und wieso dann nicht auch gleich – wenn man schon mal dabei ist – das ganze noch mit ein paar Beats hinterlegen? Eine rhetorische Frage. – Ich möchte trotzdem antworten: Weil es schmerzt! Dass »Along The Way« letzten Endes immer noch ein annehmbares Album werden konnte, ist einzig dem ausgeprägten musikalischen Gespür von Mark McGuire zuzuschreiben. Den einfachen Lehrsatz, das Weniger mehr sei, sollte er zukünftig dennoch wieder stärker beherzigen.

Das Album »Along The Way« von Mark McGuire findest du bei hhv.de auf LP.
Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Review | verfasst 20.06.2011
Mark McGuire
A Young Person's Guide To
Der 24-jährig Mark McGuire, Gitarrist der Emeralds, legt seine erste abendfüllende Werkschau vor.
Music Review | verfasst 04.11.2011
Mark McGuire
Get Lost
Und was machen die Götter? Sie machen und machen weiter und weiter. Mark McGuire hat ein weiteres tolles Album aufgenommen.
Music Review | verfasst 14.07.2017
Mark McGuire
Ideas Of Beginning
Sechs lange Jahre konnte Mark McGuire sein Können nicht auf den Punkt bringen. »Ideas Of Beginning« ist daher eine Überraschung.
Music Review | verfasst 13.07.2011
Destroyer
Kaputt
Dan Bejar und seiner Band Destroyer ist im neunten Anlauf etwas großartiges gelungen. Diesmal ist Soul mit im Spiel.
Music Review | verfasst 09.05.2012
Bear In Heaven
I Love You, It's Cool
Es ist eher eine vorhersehbare Einfachheit als ein geniales Konzept, was »I Love You, It’s Cool« ausmacht.
Music Review | verfasst 23.08.2013
Julianna Barwick
Nepenthe
Julianna Barwicks zweites Album ist meditativer Feng-Shui-Pop für Fortgeschrittene, zu denen ich scheinbar nicht gehöre.
Music Review | verfasst 27.04.2016
Kevin Morby
Singing Saw
Bob Dylan? Stellenweise. Den besseren Vergleich für Kevin Morbys Musik aber findet man in der Gegenwart.
Music Review | verfasst 24.08.2016
Ryley Walker
Golden Sings That Have Been Sung
Ryley Walker gehört zu einem komischen Typus von Singern und Songwritern. »Golden Sings That Have Been Sung« aber will gehört werden.
Music Review
Ziad Rahbani
Bennesbeh Labokra… Chou?
Mit der Reissue zu »Bennesbeh Labokra… Chou?« erweitert WeWantSounds den Blick auf das Schaffen des libanesischen Musikers Ziad Rahbani.
Music Review
Electric Party
Play
Mit »Play« veröffentlicht das Label Knekelhuis neun Stücke aus den Achtzigern der niederländischen Band Electric Party.
Music Review
Niklas Wandt
Balearische Bibliothek
Mit »Balearische Bibliothek« schafft Niklas Wandt einmal mehr Musik, in der sich Natur und Zivilisation auf Augenhöhe begegnen.
Music Review
Sophia Kennedy
Monsters
»Monsters«, das soeben bei City Slang veröffentlichte zweite Album von Sophia Kennedy, steht ihrem großartigen Debüt in nichts nach.
Music Review
Chihei Hatakeyama
Late Spring
Auf seinem fast 80. Album macht der japanische Ambient-Künstlers Chihei Hatakeyama nicht viel anders als zuvor, das aber sehr gut.
Music Review
Kasai Allstars
Black Ants Always Fly Together; One Bangle Makes No Sound
Eine neue Leichtigkeit ist auf »Black Ants Always Fly Together; One Bangle Makes No Sound«, dem neuen Album der Kasai Allstars zu hören.
Music Review
Roman Flügel
Eating Darkness
Das Beste kommt erst noch! Sagt zumindest Roman Flügel, der mit mit »Eating Darkness« für Running Back die grauen Wolken vertreiben möchte.
Music Review
Anthony Linell
Winter Ashes
Vorhang auf, Frühling! »Winter Ashes« von Anthony Linell ist, was übrig blieb. Und diese Musik wird uns auch noch eine Weile begleiten.
Music Review
Haftbefehl
Das Schwarze Album
Auf »Das Schwarze Album« wird der Offenbacher Rapper Haftbefehl vom Hollywood-Boss zum Türsteher der Höllenpforte.
Music Review
Kohsuke Mine
First
»First«, das Debüt von Kohsuke Mine und seinem Quartett aus dem Jahr 1970, ist nun erstmals wiederveröffentlicht worden.
Music Review
Vinicio Adames
Al Comienzo Del Camino
Nach 35 Jahren wurde »Al Comienzo Del Camino« des venezolanischen Elektronikpioniers Vinicio Adames wiederveröffentlicht.
Music Review
Michael Paul
Reggae Music
»Reggae Music«, der wirklich einzige Song von Michael Paul, wurde jetzt bei Kalita Records auf Vinyl 12" wiederveröffentlicht.
Music Review
Joseph Shabason
The Fellowship
Das wäre dann wohl die Fifth World: der kanadische Trompeter Joseph Shabason legt sein neues Album »The Fellowship« vor.
Music Review
Dinosaur Jr.
Sweep It Into Space
»Sweep It Into Space« ist ein typisches Album von Dinosaur Jr. und das beste seit vielen Jahren.
Music Review
The Basic Group
Expander
Unter dem Namen The Basic Group hat der Italiener Antimo Serino in den Achtzigern Musik komponiert. »Expander« fasst zehn Stücke zusammen.
Music Review
The Zenmenn
Enter The Zenmenn
Ein weiteres Debüt auf Music From Memory: »Enter The Zenmenn« von The Zenmenn breitet demonstrativ die Yogamatte aus.
Music Review
Der Plan
Save Your Software
»Save Your Software«, das nie veröffentlichte Album von Der Plan aus 1989, erhält jetzt doch noch einen Platz in deinem Plattenregal.
Music Review
Ssiege
Meteora
Niemand weiß so genau, wer hinter Ssiege steckt. Eins ist klar: neue Tracks sind jetzt unter dem Titel »Meteora« bei Knekelhuis erschienen.
Music Review
José Carlos Schwarz & Le Cobiana Djazz
Lua Ki Di Nos
Mit »Lua Ki Di Nos« blättert das Label Hot Mule das Leben des Poeten, Musikers und Widerstandskämpfers José Carlos Schwarz lohnenswert auf.
Music Review
Andy Stott
Never The Right Time
Zack! Ohne große Ankündigung hat der Mancurian Andy Stott mit »Never The Right Time« ein neues Album veröffentlicht.
Music Review
Kenny Mann with Liquid Pleasure
Kenny Mann with Liquid Pleasure
Mad About hat das vielgesuchte »Kenny Mann with Liquid Pleasure« wiederveröffentlicht.
Music Review
Masabumi Kikuchi
Hanamichi
Acht Jahre nach den Aufnahmen erscheint mit »Hanamichi« das letzte Album des japanischen Jazzpianisten Masabumi Kikuchi.
Music Review
Various Artists
Indaba Is
»Indaba Is«, die neueste Compilation von Gilles Peterson Brownswood Label, wirft die Scheinwerfer auf die südafrikanische Jazzszene.
Music Review
Francisco Mora Catlett
Mora! I
»Mora! I«, das Debüt des amerikanischen Schlagzeugers und Percussionisten Francisco Mora Catlett von 1986 wurde wiederveröffentlicht.
Music Review
Francisco Mora Catlett
Mora! II
Dubioser als der Erstling, ist dieser lange verschollene Nachfolger. Jetzt wurde »Mora! II« von Francisco Mora Catlett wiederveröffentlicht.
Music Review
Ryley Walker
Course In Fable
Musikalische Meisterschaft in jungen Jahren: zum neuen Album »Course In Fable« von Riley Walker.
Music Review
Mori-Ra
Japanese Breeze
»Japanese Breeze« kondensiert 12 Tracks aus der gleichnamigen Mix-Serie von Mori-Ra.
Music Review
Eloquent & Sonne Ra
Im In Hier
Die Attitude schreit Underground, der Mainstream fickt sich ins Knie. Eloquent & Sonne Ra veröffentlichen »Im In Hier« auf Sichtexot.
Music Review
Hudson Mohawke
Hudson's Heeters Vol.1
»HipHop, der klingt, als hättest du davon geträumt, HipHop zu hören« – Hudson Mohawkes legendäres Demo-Tape erscheint erstmals auf Vinyl.
Music Review
Flock Of Dimes
Head Of Roses
»Head Of Roses«, das zweite Soloalbum von Wye Oak’s Jenn Wasner, beleuchtet weise die Liebe in Zeiten unendlicher Wahlfreiheit.
Music Review
Godspeed You! Black Emperor
G_d’s Pee AT STATE’S END
»G_d’s Pee AT STATE’S END« ist das siebente Album der Kanadier von Godspeed You! Black Emperor und ihr bestes seit langem.
Music Review
Luca Yupanqui
Sounds Of The Unborn
Pränatale Kinderarbeit? »Sounds Of The Unborn« von Luca Yupanqui ist das erste Album einer ungeborenen Künstlerin.
Music Review
Jimi Tenor
Deep Sound Learning (1993-2000)
Bureau B hat unveröffentlichtes Material von Jimi Tenor geborgen und unter dem Titel »Deep Sound Learning (1993-2000)« veröffentlicht.
Music Review
Robbie Basho
The Art Of The Acoustic String Guitar 6 & 12
Robbie Basho gilt als Pionier der Steel Guitar. Jetzt wurde das tolle »The Art Of The Acoustic String Guitar 6 & 12« wiederveröffentlicht.
Music Review
Rogér Fakhr
Fine Anyway
Mit »Fine Away« hat das Label Habibi Funk Songs des libanesischen Songwriters Rogér Fakhr zusammengestellt und wiederveröffentlicht.
Music Review
S. Fidelity
Fidelity Radio Club
»Fidelity Radio Club« von S.Fidelity ist eine Melange aus Now-School-Rap, House und Funk, die den Produzenten als Schlüsselfigur entdeckt.
Music Review
Various Artists
Belong To The Wind
Ein Mix aus Peyote-Saft am Canapé und Kerzenschein beim Schlager-Open-Air: »Belong To The Wind« versammelt obskuren Psychrock der Siebziger.
Music Review
Tomaga
Intimate Immensity
Tomaga haben jetzt ihr letztes Album veröffentlicht. »Intimate Immensity« ist der Abschluss und der Höhepunkt dieses tollen Londoner Duos.
Music Review
Niko Tzoukmanis
Hope Is The Sister Of Despair
Erstmals 2013 erschienen, ist »Hope Is The Sister Of Despair« von Niko Tzoukmanis jetzt auf Libreville Records wiederveröffentlicht worden.
Music Review
Robert Cotter
Missing You
»Missing You«, 1976 veröffentlicht und von Robert Cotter mit Musikern von Chic aufgenommen, wurde auf WeWantSounds wiederveröffentlicht.
Music Review
Gary Bartz, Adrian Younge & Ali Shaheed Muhammad
Jazz Is Dead 006
Diesmal haben sich Adrian Younge und Ali Shaheed Muhammad den Saxophonisten Gary Bartz für »Jazz Is Dead« auf die Bühne geholt.