Music Review | verfasst 05.05.2014
The Ruffcats
The Essence Vol.3
Melting Pot Music, 2014
Text Frédéric Hartmann
Deine Bewertung:
7.0
Nutzer (1)
9.0
Redaktion
Cover The Ruffcats - The Essence Vol.3

Als Plattensammler gehen einem Hunderte, wenn nicht Tausende Scheiben durch die Hände, ehe der große Fang dabei ist. Und was einem dabei durch Unwissenheit nicht alles durch die Lappen geht, will ich erst gar nicht wissen. Beim Rezensieren ist es – wenn auch weitaus überschaulicher – doch sehr ähnlich. Auf ein Album, bei dem man nicht mehr aus dem Staunen rauskommt, kommen Dutzende, bei denen man gar nicht erst ins Staunen hineinkommt. The Ruffcats wissen zum Glück, was die Uhr geschlagen hat, und läuten eine weitere Sternstunde hiesigen Musiktreibens ein. Los geht’s am heimischen Spreeufer, das von der Belagerungsarmee der feierwütigen Pac-Man Generation zurückerobert werden will. Endlich gibt’s mit »Palm Beach Berlin« eine Hauptstadt-Hymne, die nach sengender Sonne und nicht nach verbrannter Erde klingt. »The Essence« hat etwas von Dieter Reith’s kinematographischem Meisterwerk »Beams« aus dem Jahre 1978. Ausgestattet mit ihrem stilistischen Weitwinkelobjektiv lichten The Ruffcats von heiter bis wolkig Funk, Free Jazz, R&B und Dub ab. Ein weiteres Highlight ist die Kollaboration mit dem wohl bodenständigsten Melting Pot Music-Künstler: Miles Bonny. Als schnurrenden Schmusekater hat man ihn mittlerweile so oft vernommen, dass man ihn als fauchende Raubkatze anfangs gar nicht erst wiedererkennt. Geht meines Erachtens aber fast noch besser. Was die Jungs aber am besten können, haben sie sich wohl direkt von ihren vierbeinigen Namensgebern abgeschaut, nämlich chillen. Abgesehen vom Percussion-Wirbelsturm in der Mitte von »Hurricane«, drückt einen der Rest des Songs so was von in die Sitzkissen, dass man bei den Marley-esquen Blechhits im Chorus nur mit Mühe die Hände in die Luft bekommt. »Cashmere« windet sich gemächlich wie unaufhaltsam durch den Gehörgang. Und »Ginger Dillinger« kommt so geschmeidig auf Samtpfoten daher, dass man es mir als Singleauskopplung der nächsten D’Angelo-Platte hätte verkaufen können. »The Essence Vol.3« ist so rund, bekommt sie nur genug Momentum, dann wird die mehrfach um den Globus gehen.

Die EP »The Essence Vol.3« von The Ruffcats findest du bei hhv.de auf LP.
Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Review | verfasst 19.06.2012
The Ruffcats
The Essence Vol.1
Flo Mega schwört auf seine Groovekätzchen und auch Ivy Quainoo findet in dem Live-Sound ihren Rückhalt. Nun kommt ihr erstes Solowerk.
Music Review | verfasst 26.02.2014
Various Artists
Sopa De Tarturaga
Namhafte Beatmaker wie Figub Brazlevic, Fid Mella, TBRCK oder Hulk Hodn haben sich den rohen Funk von The Ruffcats als Vorlage genommen.
Music Review | verfasst 12.11.2010
Brzzvll
Happy Life Creator
Die Belgier versprühen eine Energie, der man sich wirklich nur schwer entziehen kann.
Music Review | verfasst 27.09.2011
Sola Rosa
Get It Together
Neuseeland hat den Groove. Falls es nach Fat Freddy’s Drop, Ladi6 und Electric Wire Hustle noch einen Beweis braucht, bitte.
Music Review | verfasst 06.08.2012
Funkommunity
Chequered Thoughts
Neuseeland mal wieder. Nach Ladi6 und Electric Wire Hustle die nächste großartige Band von der anderen Seite der Welt.
Music Liste | verfasst 12.09.2011
Marc Hype
DJ Charts
Marc Hype gibt einen Einblick in seine Plattensammlung und hat zehn seiner aktuellen Lieblingsstücke herausgesucht. Mit dabei sind neben aktuellen heißen Scheiben natürlich auch Klassiker der letzten 50 Jahre.
Music Kolumne | verfasst 28.09.2011
High 5
Neuseeland Grooves - Ausgewählt von Sola Rosa
Der Neuseeländer Andrew Spraggon hat ein neues Album für sein Projekt Sola Rosa aufgenommen. Was für Talente da noch in seinem Heimatland schlummern, hat er uns in einer kommentierten Auswahl von fünf Titeln mitgeteilt.
Music Review
The Wooden Glass & Billy Wooten
Live
Gelinde gesagt, der Hammer: Das 1972 aufgenommene »Live« von The Wooden Glass und Billy Wooten ist jetzt wiederveröffentlicht worden.
Music Review
Art Blakey And The Jazz Messengers
Chippin In
“»Chippin In«, die letzte Aufnahme von Art Blakey and his The Jazz Messengers von 1990 ist bei Tidal Waves wiederveröffentlicht worden.
Music Review
Robag Wruhme
Speicher 117
So langsam bitten die DJs wieder zum Tanz: Robag Wruhme stapft mit »Speicher 117« in Siebenmeilenstiefeln Richtung Floor.
Music Review
Leslie Winer
When I Hit You You'll Feel It
Mit »When I Hit You You’ll Feel It« wird das aufregende musikalische Werk der Künstlerin Leslie Winer endlich ausgiebig gewürdigt.
Music Review
TORRES
Thirstier
Mit ihrem fünften Album »Thirstier« sucht die große Geschichtenerzählerin TORRES die großen Emotionen.
Music Review
Hiroshi Suzuki
Cat
»Cat« des japanischen Posaunisten Hiroshi Suzuki genießt einen fast kultischen Status unter Sammlern. Jetzt wurde es wiederveröffentlicht.
Music Review
MKS
Musical Keyboard System
MKS, »Musical Keyboard System«, hieß das kurzlebige Projekt des Franzosen Nicolas Aubard. Vier Tracks wurden jetzt wiederveröffentlicht.
Music Review
Orgōne
Moonshadows
»Moonshadows«, das dreizehnte Album der kalifornischen Funkband Orgōne, setzt soliden Kurs in Richtung tänzerischer Seligkeit.
Music Review
Anika
Change
Anika hat mit »Change« ihr zweites Album, das erste seit elf Jahren, veröffentlicht. Doch was hat sich verändert?
Music Review
Various Artists
And Felt Like…
Die Compilation »And Felt Like…« ist ein neuerlicher Höhepunkt in der Labelhistorie von Knekelhuis.
Music Review
Bluestaeb
Giseke
Entschleunigung bestimmt den Vibe von »Giseke«, dem auf Jakarta erschienenen, neuen Album des Berliner Beatmakers Giseke.
Music Review
Skyzoo
All The Brilliant Things
Immer präzise: Der New Yorker Rapper Skyzoo hat mit »All The Brilliant Things« ein neues Album auf Mello Music Group veröffentlicht.
Music Review
Emma-Jean Thackray
Yellow
»Yellow«, das Debüt der vielumjubelten Trompterin Emma-Jean Thackray, ist jetzt erschienen und es hievt ihren Sound auf ein neues Level.
Music Review
The Same
Sync Or Swim
Die vermeintlich so exakt vermessenen 1980er Jahre müssen doch um den Baustein »Sync Or Swim« von The Same aus dem Jahr 1981 ergänzt werden.
Music Review
Mário Rui Silva
Stories From Another Time 1982-1988
»Stories From Another Time 1982-1988« bündelt Songs mit spröder Lässigkeit des aus Angola stammenden Gitarristen Mário Rui Silva.
Music Review
Sylvia
Sweet Stuff
Sylvia Robinson hat Hip-Hop auf die Sprünge geholfen und selbst Musik gemacht. Ihr Album »Sweet Stuff« wurde jetzt wiederveröffentlicht.
Music Review
µ-Ziq
Scurlage
Memento mori auf verschroben: Einiges ist neu auf »Scurlage«, dem ersten Album von Mike Paradinas alias µ-Ziq seit acht Jahren.
Music Review
soFa, Houschyar & Okay Temiz
Şelale
Treffen sich ein Belgier, ein Deutscher und ein Türke… was anfängt wie ein schlechter Witz ist in Wirklichkeit einfach gute Musik.
Music Review
Jim Jones & Harry Fraud
The Fraud Department
Unaffektiert produziert und unvermittelt gesellschaftspolitisch: »The Fraud Department« von Jim Jones & Harry Fraud ist eine Überraschung.
Music Review
Sandro Brugnolini
Utopia
Großes Kino, auch ohne Film: Sonor Music Editions legt eine Neuauflage von »Utopia« des italienischen Komponisten Sandro Brugnolini vor.
Music Review
Patrice Rushen
Straight from the Heart
Mehr als »Men In Black«: Patrice Rushen definierte auf »Straight From The Heart« von 1982 den R&B, wie wir ihn heute kennen.
Music Review
Darkside
Spiral
»Spiral«, das zweite Album von Darkside, massiert die Seele dort, wo andere Musik heutzutage gar nicht mehr hinkommt.
Music Review
Koreless
Agor
Ganze 10 Jahre hat der walisische Produzent Koreless an seinem Debüt gefeilt. Jetzt ist »Agor« bei XL Recordings erschienen.
Music Review
Various Artists
UK Electronics 1988-1994
Arg geile Tracks hier: Die Compilation »UK Electronics 1988-1994« fast das beste vom raresten der elektronischen Underground-Szene zusammen.
Music Review
Damon Locks & Black Monument Ensemble
Now (Forever Momentary Space)
Damon Locks hat das Black Monument Ensemble um sich geschart und mit »Now (Forever Momentary Space)« ein, ja politisches, Statement gesetzt.
Music Review
Somachrome
Electro Romantica
Kurbelt die Seitenfenster runter: »Electro Romantica« von Somachrome serviert die neapolitanische Prise Meeresluft dieses Sommers.
Music Review
Various Artists
Naya Beat Vol.1
Turbotito und Ragz haben für »Naya Beat Vol.1« Tracks aus Südostasien zusammengestellt. Highlights gibt es einige.
Music Review
Manzanita Y Su Conjunto
Trujillo, Peru 1971-74
Der Gitarrist Manzanita ist außerhalb Perus weiterhin unbekannt. Dank »Trujillo, Peru 1971-74« kann seine Musik jetzt neu entdeckt werden.
Music Review
Various Artists
Planet Love: Early Transmissions 1990-95
Die Compilation »Planet Love: Early Transmissions 1990-95« beleuchtet die internationale Trance-Szene zu Beginn der 1990er Jahre.
Music Review
Fehler Kuti
Professional People
»Professional People«, das zweite Album von Fehler Kuti, ist keine identitätspolitische Feel-Good-Platte geworden.
Music Review
LNS & DJ Sotofett
Sputters
LNS und DJ Sotofett verneigen sich auf »Sputters« vor ihren Vorbildern und überführen deren Sounds gleichermaßen in die Gegenwart.
Music Review
Sven Wunder
Natura Morta
Sven Wunder ist das Phantom des organischen Grooves. Sein neues Album »Natura Morta« verrät nichts über den Urheber. Ist aber wieder toll.
Music Review
Derya Yıldırım & Grup Şimşek
Dost 1
Derya Yıldırım & Grup Şimşek veröffentlichen die erste Ausgabe eines Zweiteilers: »Dost 1« springt genussvoll mitten in die Gegenwart rein.
Music Review
John Carroll Kirby
Septet
Nur auf den ersten Blick gefällig: John Carroll Kirby hat mit sechs weiteren Musikern sein Album »Septet« eingespielt.
Music Review
Faye Webster
I Know I'm Funny Haha
Hier ist kein Star in der Mache, er steht schon bereit: Faye Webster hat »I Know I’m Funny Haha« auf Secretly Canadian veröffentlicht.
Music Review
Eli Keszler
Icons
Auf »Icons« sind auch mal Jungle-ähnliche Rhythmen zu hören, doch bleibt Eli Keszler der Elektroakustiker unter den Schlagzeuger*innen.
Music Review
Amaro Freitas
Sankofa
Mit seinem dritten Album »Sankofa« ist dem jungen brasilianischen Pianisten Amaro Freitas wohl endgültig ein Klassiker gelungen.
Music Review
Spellling
The Turning Wheel
Ihre Songs sind Gebilde, die allerlei wunderliche Triebe sprießen lassen. Spellling legt mit »The Turning Wheel« ein neues Album vor.
Music Review
Miša Blam
Miša Blam I Oni Koji Vole Funky
Mit »Miša Blam I Oni Koji Vole Funky« geht das Label Discom weiter seinen Weg, »unbekannte Musik aus dem ehemaligen Jugoslawien« aufzulegen.
Music Review
Various Artists
No Photos On The Dancefloor! Vol.1
Die Compilation zur Ausstellung »No Photos On The Dancefloor!« zeigt, zwischen 1992 und 2006 war Techno in Berlin vielseitiger als gedacht.
Music Review
Flamingo Pier
Flamingo Pier LP
Zeit für gute Laune: das neuseeländische Dreigespann Flamingo Pier legt auf Soundway sein Debütalbum vor.