Music Review | verfasst 26.06.2014
Sharon Van Etten
Are We There
Jagjaguwar, 2014
Text Björn Bischoff
Deine Bewertung:
8.0
Nutzer (1)
8.2
Redaktion
Cover Sharon Van Etten - Are We There

Jedes Mal, wenn die Sonne aufgeht, stecke ich in der Scheiße. »Everytime the sun comes up, I see double.« Besser kann diese Reise in Form eines Albums nicht enden, dieser Roadtrip durch die verlorenen Herzen der Welt. Der perfekte Schlusspunkt. Sharon Van Etten, eine 33-jährige Songwriterin aus Brooklyn, bringt einen auf ihrem vierten Album »Are We There« an den tiefsten Tiefpunkt, baut einen wieder auf und stößt einen wieder in den Abgrund. Dieses Album ist ein Spiel, das aus Folk und Rock die passenden Elemente zusammensetzt, um sich richtig tief beim Hörer einzufinden. Fügt sich die Stimme von Van Etten erst Stück für Stück in die Instrumentierung von »Afraid Of Nothing«, läuft der Rest des Albums mehr und mehr selbstverständlich in dieser Hinsicht zusammen. Das liegt an der Produktion, die Van Etten gemeinsam mit Stewart Lerman angegangen ist. Der hat schon für die US-Serie Boardwalk Empire sowie St. Vincent und Elvis Costello gearbeitet. Damit ist dieses Album das bisher ausgereifteste von Van Etten, eins mit Ecken und Kanten, aber mit Arrangements an den richtigen Stellen. In »I Love You But I’m Lost« setzt das Klavier in den genau passenden Momenten an, um die Platte voranzubringen. Auch in »Break Me« knödelt erst die Orgel unter den Strophen, bevor die Gitarre den Refrain nach oben hebt. Sharon Van Etten mittendrin. Das ist alles unfassbar stimmig auf diesem Album, nicht mehr durchweg spröde und rau, aber doch irgendwie noch so, dass es einen zu Tränen treibt, während der Wagen sich langsam über die Landstraße in Richtung untergehender Sonne schiebt. Das perfekte Album für das Ende des Tages, für Fluchten und für die Wege, die vor den Menschen liegen. Ein Griff an den Kragen, um sich selbst wieder hochzuziehen.

Das Album »Are We There« von Sharon Van Etten findest du bei hhv.de als LP, LP.
Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Review | verfasst 09.10.2014
Foxygen
...And Star Power
Foxygen haben sich mit ihrem neuen, 82-minütigen Werk »…and Star Power« ordentlich verhoben.
Music Review | verfasst 05.08.2016
Dinosaur Jr
Give A Glimpse Of What Yer Not
»Give A Glimpse Of What Yer Not« heißt das neue Album von Dinosaur Jr und es ist ein typisches Dinosaur Jr-Album. So soll es ja auch sein!
Music Review | verfasst 16.09.2016
Preoccupations
Preoccupations
»With a sense of urgency and unease/second guessing just about everything«. Der erste Satz des Albums könnte kaum passender sein.
Music Review | verfasst 02.09.2016
Angel Olsen
My Woman
Mit ein paar neuen Einflüssen versucht Angel Olsen auf »My Woman«, sich die Liebe nicht nur ihrer Hörerschaft zu sichern.
Music Review | verfasst 24.01.2017
Foxygen
Hang
Gerade als man dachte, opulenter können Foxygen nicht mehr werden, legen sie mit »Hang« und einem 40-köpfigen Orchester nach.
Music Review | verfasst 10.11.2017
Angel Olsen
Phases
»Phases« zeigt zwischen 2010 und 2016 entstandenes Material der Sängerin und Songwriterin Angel Olsen.
Music Review | verfasst 05.09.2019
Bon Iver
i,i
Andpruchsvolle Musik, die nicht überfordern soll: mit »i,i« entfernen sich Bon Iver ein Stück von dem verträumten Folk der ersten Jahre.
Music Review | verfasst 14.10.2019
Angel Olsen
All Mirrors
Angel Olsen hat mit »All Mirrors« mitreißendes viertes Studioalbum über das sich Verlieren und sich Finden gemacht
Music Review
Kurt Vile
Speed Sound Lonely KV (EP)
Mit »Speed Sound Lonely KV (EP)« hat Kurt Vile eine neue Platte draußen. Mit Zeitgeist hat die nichts zu tun. Was für eine Erleichterung.
Music Review
Dan Kye
Small Moments
Wer das nicht geil findet, werfe die erste Kokosnuss: Jordan Rakei hat als Dan Kye das Album »Small Moments« veröffentlicht.
Music Review
Lindstrom & Prins Thomas
III
Nach elf Jahren erscheint aus Samlltown Supersound mit »III« ein neues, gemeinsames Album der beiden Norweger Lindstrom & Prins Thomas.
Music Review
Pierre Elitair
Digitsed Cassettes
Die Verrücktheiten der seit 40 Jahren ausgestrahlten Radioshow von Pierre Elitair können nun auf »Digitised Cassettes« gehört werden.
Music Review
Sparkle Division
To Feel Embraced
Über Jahre ließen Preston Wendel und William Basinski ihre LP »To Feel Embraced« Staub ansetzen. Zum Glück besannen sie sich eines Besseren.
Music Review
Detto Mariano
OST Delitto Al Ristorante Cinese
Der Soundtrack zum Trash-Film »OST Delitto Al Ristorante Cinese« des Komponisten Detto Mariano wurde jetzt wiederveröffentlicht.
Music Review
Gelson Oliveira & Luiz Ewerling
Terra
Die Brasilianer Gelson Oliveira und Luiz Ewerling haben 1983 ein gemeinsames Album aufgenommen. Jetzt wurde »Terra« wiederveröffentlicht.
Music Review
Adrian Younge, Ali Shaheed Muhammad & Doug Carn
Jazz Is Dead 005
Für »Jazz Is Dead 005« haben sich Adrian Younge und Ali Shaheed Muhammad diesmal Doug Carn zu ihren Sessions eingeladen.
Music Review
Tester Housing
Over You
Zwei Singles, vier Tracks, vier Synth-Pop-Banger haben die Australier Tester Housing aufgenommen.Auf »Over You« kann man sie nachhören.
Music Review
Craven Faults
Enclosures
Ende 2020 haben die Briten Craven Faults mit »Enclosures« auf The Leaf Label ein zweites, tolles Album binnen eines Jahres veröffentlicht.
Music Review
DJ Stefan Egger
Sound Station EP
Der Siegeszug von Cosmic Disco ging über Innsbruck in die Welt zeigt die 4-Track-EP »Sound Station EP« mit Aufnahmen von DJ Stefan Egger.
Music Review
Pye Corner Audio
Black Mill Tapes
Zum zehnten Geburtstag werden nun Pye Corner Audios »Black Mill Tapes« in einer limitierten Vinyl-Box erscheinen.
Music Review
Various Artists
Mr Bongo Record Club Vol.4
Mit »Mr Bongo Record Club Vol.4« kannst du musikalisch sowohl über den ganzen Planeten als auch durch die Zeit reisen.
Music Review
Elsa Hewitt
Citrus Paradisi
Das tolle »Citrus Paradisi« von Elsa Hewitt, 2019 auf nur Kassette erschienen, wird nun via Lobster Theremin auch auf Vinyl veröffentlicht.
Music Review
Sault
Untitled (Rise)
Die Kombination aus eingängier Musik, parolenartigen Gesängen und kämpferischen Texten machen Saults »Untitled (Rise)« zum Album des Jahres.
Music Review
Franz Scala
Mondo della Notte
Franz Scala weiß auch um die dunkelbunten Facetten von Italo Disco. Auf seinem Debütalbum »Mondo della Notte« inszeniert er sie meisterhaft.
Music Review
Don't DJ & Newworldaquarium
Fashion
Dass Don’t DJ und Newworldaquarium je für ein Album zusammenfänden, schien nie naheliegend. Egal: »Fashion« ist sowieso far out.
Music Review
Sacbé
Sacbé
Fusion-Jazz aus Mexiko-Stadt: Favorite Recordings legt das selbstbetitelte 1977er Debüt von Sacbé neu auf.
Music Review
Various Artists
Virtual Dreams: Ambient Explorations In The House & Techno Age 1993-1997
Auf seiner neuesten Compilation widmet sich Music From Memory der zwischen Techno, IDM und Ambient liegenden Musik Mitte der Neunziger.
Music Review
Joshua Abrams
Natural Information
»Natural Information«, das Solodebüt des Chicagoer Musikers Joshua Abrams aus dem Jahr 2010, wurde bei Aguirre wiederveröffentlicht.
Music Review
Joshua Abrams & Natural Information Society
Represencing
»Represencing«, das zweite Album von Joshua Abrams & Natural Information Society aus dem Jahr 2013, wurde bei Aguirre wiederveröffentlicht.
Music Review
PRAED Orchestra!
Live In Sharjah
Mit »Live In Sharjah« legen Raed Yassin und Paed Conca ein umfangreiches Live-Dokument ihres Projekts PRAED vor.
Music Review
214
Exposure to Winds
Zurück nach North Bend: Mit »Exposure to Winds« setzt die Electro-Ikone 214 sein Publikum im Twin-Peaks-Wald aus.
Music Review
Haiyti
Influencer
Mit »Influencer« beweist Haiyti musikalische Wandlungsfähigkeit und tanzt in den Scherben eines Lebens, das jede Nacht endet.
Music Review
Momoko Kikuchi
Adventure
Mehr City Pop geht nicht: Momoko Kikuchis Album »Adventure« bringt das 1980er-Phänomen auf einen ästhetischen Nenner.
Music Review
Mary Halvorson's Code Girl
Artlessly Falling
Die Gitarristin Mary Halvorson und ihre Band Code Girl haben ein neues Album. Auf »Artlessly Falling« ist auch Robert Wyatt zu hören.
Music Review
Rammellzee & K-Rob
Beat- Bop
Mr Bongo hat »Beat-Bop«, die von Basquiat gestaltete, womöglich sogar produzierte EP von Rammellzee & K-Rob aus dem Jahr 1983, neu heraus.
Music Review
Philipp Otterbach
Everything Else Matters
Mit »Everything Else Matters« debütiert der Residenteur im Kreise des Düsseldorfer Salon des Amateur Philipp Otterbach auf Albumlänge.
Music Review
Frank Bretschneider & Taylor Deupree
Balance
Frank Bretschneider & Taylor Deupree veröffentlichten 2002 das Album »Balance«. Das Reissue zeigte: Ihre Clicks & Cuts sind gut gealtert.
Music Review
Hallelujah Chicken Run Band
Take One
Als Simbabwe noch Rhodesien hieß, spielte die Hallelujah Chicken Run Band ihre »Musik der Befreiung«. Die ist nun auf Schallplatte zu hören.
Music Review
Flora Yin-Wong
Holy Palm
Auf ihrem Debütalbum »Holy Palm« unterzieht Flora Yin-Wong die Rituale der Musik einer radikalen Neuinterpretation.
Music Review
Arthur Verocai
Saudade Demais
Zeit, um den Sand aus der Unterhose zu kehren: Arthur Verocais 2002er Album »Saudade Demais« ist wiederveröffentlicht worden.
Music Review
Tibor Szemző
Snapshot From The Island
Das erste Album des ungarischen Komponisten Tibor Szemző, »Snapshot From The Island« von 1987, wurde bei Fodderbasis wiederveröffentlicht.
Music Review
Koraal
La Casa Del Volcan
Mit »La Casa Del Volcan« hat Oriol Riverola ein neues Album veröffentlicht. Diesmal nicht als John Talabot, sondern unter dem Namen Koraal.
Music Review
Ryuichi Sakamoto
Hidari Ude No Yume
»Hidari Ude No Yume«, das dritte Soloalbum von Ryuichi Sakamoto aus dem Jahr 1981, ist nun via WeWantSounds wiederveröffentlicht worden.
Music Review
Vril & Rødhåd
Out Of Place Artefacts
Vril & Rødhåd widment sich auf einem Konzeptalbum »Out Of Place Artefacts« und zeigen sich als zwei der begabtesten deutschen Produzenten.
Music Review
Nonlocal Forecast
Holographic Universe(s?)!
Die Musikerin Angel Mercloid vertreibt als Nonlocal Forecast jegliche Nostalgie und macht »Holographic Universe(s?)!« zu einer Entdeckung.
Music Review
Legowelt
System Shapeshift EP
Schon fast ein Minialbum: Die »System Shapeshift EP« des niederländischen Produzenten Legowelt lebt von ihrer Rätselhaftigkeit.
Music Review
The War On Drugs
Live Drugs
Mit »Live Drugs« haben The War On Drugs aus Philadelphia nun auch ein eigenes Live-Album veröffentlicht.
Music Review
Klaus Schønning
Lydglimt
»Lydglimt«, das Debüt des dänischen New-Age-Pionierts Klaus Schønning aus dem Jahre 1979 wurde jetzt bei Frederiksberg wiederveröffentlicht.
Music Review
Eloquent & Torky Tork
Modus Minus
»Modus Minus«, das Album von Eloquent und Torky Tork, zeigt, was einen guten Rapper ausmacht: Die Bereitschaft zur Weiterentwicklung.