Music Review | verfasst 09.07.2014
Lee Fields & The Expressions
Emma Jean
Truth & Soul, 2014
Text Björn Bischoff , Übersetzung Julia Frohn
Deine Bewertung:
7.0
Nutzer (3)
5.7
Redaktion
Cover Lee Fields & The Expressions - Emma Jean

Es wird hässlich. Und vielleicht die schlimmste Nachricht dieser Rezension von Anfang an weg: »Emma Jean« ist kein überragendes Album. Okay, so hässlich wird es dann vielleicht auch wieder nicht, aber so wirklich überzeugend ist das neue Werk von Lee Fields und den Expressions leider nicht. Vielleicht, weil dieser auferstandene Sound aus dem toten Soul der Siebziger einem in den letzten Jahren von sehr vielen Platten entgegenkam. Vielleicht, weil auf dieser Platte vor allem solide Songs sind, die aber nicht einmal wirklich überraschen können. Vielleicht, weil hier ein wenig die Energie fehlt, die Fields’ sonstige Alben so ausmachte. Ein Song wie »Paralyzed« geht zwar mit Bläsern, Orgel und Getöse in seinen besten Moment über, aber das bleibt dann doch alles irgendwie blutleer – und schon sind wir in der nächsten Strophe mit kargem Bass. Bei »In The Woods« klappt das alles wieder besser, packender. Da tropft der Schweiß aus jedem Ton, da steckt Leidenschaft in jeder gottverdammten Note. Auch »Still Gets Me Down« weckt den geprügelten Hund in uns, und die Bläser ziehen in den tiefsten Schmerz hinein. Trotzdem kann sich Lee Fields hier nicht von den Schablonen des Genres befreien. Wo vorher noch alles brannte, hat hier nur noch ein bisschen Glut Platz zwischen viel Asche. Aber aus der steigt ja bekanntlich irgendwann der flammende Phönix auf.

Das Album »Emma Jean« von Lee Fields & The Expressions findest du bei hhv.de: LP CD.
Ähnliche Artikel
Music Review | verfasst 18.05.2009
Lee Fields & The Expressions
My World
In eine Reihe mit Al Green, Otis Redding und Marvin Gaye passt Lee Fields auf jeden Fall. Eine Wiederentdeckung also.
Music Review | verfasst 09.03.2012
Lee Fields
Faithful Man
Lee Fields ist der bekannteste Unbekannte im Soul und Funk. Die große Aufmerksamkeit ist ihm auch mit diesem Album nicht beschieden. Leider.
Music Interview | verfasst 05.04.2012
Lee Fields
Singen mit echtem Gefühl
Seit einem halben Jahrhundert ist Lee Fields Musiker. Doch erst seit seinem Engagement beim New Yorker Label Truth & Soul und dem gleichzeitigen Widererstarken des Interesses an Soul und Funk ist auch ihm ein größeres Interesse beschieden.
Music Porträt | verfasst 16.11.2009
Zur Renaissance von Soul und Funk
Wenn schon Retro, dann bitte nur so
Aktuell erleben wir eine Renaissance von Soul und Funk. Dabei vergessen viele Bands, dass diese Musik einst auch Ausdruck eines gesellschaftspolitischen Bewusstseins gewesen ist. Lee Fields & the Expressions bilden da eine Ausnahme.
Music Bericht | verfasst 06.08.2013
Lee Fields
Live am 4.8. im Lido in Berlin
Am Sonntag stellte Lee Fields unter Beweis, wie Musik Menschen verschiedenster Altersklassen verbinden kann. Die Perfektion in seiner Performance bleibt das einzige Indiz für seine fast ein halbes Jahrhundert andauernde Karriere.
Music Interview | verfasst 02.06.2014
Lee Fields
When Good Was Good
Zwei Jahre nach »Faithful Man« ist Lee Fields mit seinem fünften Album für Truth & Soul zurück. »Emma Jean« trägt den Namen seiner Mutter. Wir sprachen über Konzerte als spirituelles Ereignis und eine Zeit, als das Gute noch gut war.
Music Review | verfasst 07.11.2016
Lee Fields & The Expressions
Special Night
Von einem solchen Sound hätte James Brown in den letzten 30 Jahren seines Lebens geträumt: Lee Fields hält auf »Special Night« das Niveau.
Music Review | verfasst 05.04.2019
Lee Fields & The Expressions
It Rains Love
Lee Fields feiert 2019 sein 50-jähriges Bühnenjubiläum. Mit »It Rains Love« wurde nun sein fünftes Album mit The Expressions veröffentlicht.
Music Review
TRii Group
Interest In Music
Max Stocklosa wechselt seinen Künstlernamen oft. Auch auf »Interest In Music«, jetzt als TRii Group. Das Rätselhafte der Musik aber bleibt.
Music Review
You'll Never Get To Heaven
Wave Your Moonlight Hat For The Snowfall Train
Mit »Wave Your Moonlight Hat For The Snowfall Train« spinnt das kanadische Duo You’ll Never Get To Heaven weiter an kleinen Po-Träumereien.
Music Review
Leo Nocentelli
Another Side
Anfang der 1970er Jahre nimmt The Meter’s Leo Nocentelli ein Soloalbum auf. Keine fünfzig Jahre später ist »Another Side« erschienen.
Music Review
Ryuichi Sakamoto
Esperanto
1986 nur in Japan erschienen, ist Ryuichi Sakamoto’s »Esperanto« nun erstmals weltweit auf Schallplatte veröffentlicht worden.
Music Review
Beach Fossils
The Other Side Of Life: Piano Ballads
Die Beach Fossils um Chef-Slacker Dustin Payseur veröffentlichen mit »The Other Side Of Life: Piano Ballads« ein Pianoalbum.
Music Review
Fat Freddy's Drop
Wairunga
Fat Freddy’s Drop, eine der besten Live-Acts, veröffentlichen das live eingespielte Album »Wairunga«.
Music Review
Ben LaMar Gay
Open Arms To Open Us
Für sein Album »Open Arms To Open Us« holt der Jazzmusiker Ben LaMar Gay einige der Protagonisten der Chicagoer Szene zusammen.
Music Review
Pamela Z
Echolocation
Auf Freedom To Spend wurde unter den Titel »Echolocation« Musik der Künstlerin und Musikerin Pamela Z wiederveröffentlicht.
Music Review
Idee Du Femelle
Sequences
Mit Musica Maquina hat John Talabot ein Label aus der Taufe gehoben, um »Sequences« von Idee Du Femelle wiederzuveröffentlichen.
Music Review
Lee Ranaldo
In Virus Times
Rückzug, Einkehr und Besinnlichkeit: Mit »In Virus Times« hat auch Sonic Youth’s Lee Ranaldo ein »Corona-Album« veröffentlicht.
Music Review
David Behrman
ViewFinder / Hide & Seek
David Behrmans Werke gelten als Pionierstücke der elektronischen Avantgarde. Auf »ViewFinder / Hide & Seek« sind jetzt einige nachzuhören.
Music Review
Twit One
AUDDA Control
Überrascht trotz konventionellem Soundbild: Twit One hat mit »AUDDA Control« ein neues Album veröffentlicht.
Music Review
Mira Calix
Absent Origin
Wie oft musste Duchamp diesen Satz hören: Ist das Kunst oder kann das weg? Mira Calix nennt Duchamp als Inspiration für »Absent Origin«…
Music Review
Snail Mail
Valentine
Auf »Valentine« fallen die Gesten von Snail Mail noch größer als zuvor aus, am Effekt aber ändert das zum Glück nichts.
Music Review
Radiohead
Kid A Mnesia
Die beiden Radiohead-Klassiker »Kid A« und »Amnesiac« verbinden sich mit »Kid Amnesiae« zu »Kid A Mnesia«. Fans werden nicht vorbeikommen.
Music Review
Anz
All Hours
Sechs Stücke für einen 24-Stunden-Rave: Ambitioniert war Anz schon immer, mit »All Hours« aber wird sie zur Geschichtenerzählerin.
Music Review
L'Orange
World Is Still Chaos, But I Feel Better
»World Is Still Chaos, But I Feel Better«, das neue Album des Beatschmieds aus North Carolina ist fröhliche Weltuntergangsmusik.
Music Review
Lone
Always Inside Your Head
Die Melodien sind das Faustpfand, dass der Brite Lone immer wieder einbringt. So auch auf seinem neuen Album »Always Inside Your Head«.
Music Review
Lana del Ray
Blue Banisters
Nach »Chemtrails Over The Country Club« legt Lana Del Rey nach. »Blue Banisters« ist ein zur Musik gewordener Self-Care-Ratgeber.
Music Review
Bremer/McCoy
Natten
Jazz ist hip wie lange nicht mehr. Der Output ist groß. Mit »Natten« liefern die Dänen Bremer/McCoy einen großartigen Beittrag.
Music Review
Jamire Williams
But Only After You Have Suffered
Jamire Williams traut sich aus der Deckung und packt auf »But Only After You Have Suffered« die viele seiner musikalischen Facetten.
Music Review
Kuunatic
Gate Of Klüna
Das japanische Trio Kuunatic debütiert auf Glitterbeat mit »Gate of Klüna«, einem buchstäblich außerirdischem Psych-Rock-Meisterwerk.
Music Review
DJ Abilities
Phonograph
DJ Abilities meldet sich naxch über 20 Jahren mit einem Solo-Release, »Phonograph«, zurück. Alles fett und geil. Und nur 22 Minuten lang.
Music Review
Quantic & Nidia Góngora
Almas Conctadas
Acht Jahre nach einer gemeinsamen EP intensivieren Nidia Góngora und Quantic ihre Zusammenarbeit mit dem Album »Almas Conctadas«.
Music Review
Various Artists
Shouts 2021 Vol.1&2
Mit »Shouts 2021« setzt das britische Label Rhythm Section International seinem Sound ein zweites Denkmal in Form einer Compilation.
Music Review
El Michels Affair
The Abominable EP
Mit »The Abominable EP« veröffentlichen El Michels Affair weitere Stücke aus den Sessions zu »Yeti Season«.
Music Review
Trip Shrubb
Trewwer, Leud Un Danz
Auf »Trewwer, Leud Un Danz« remixt sich Trip Shrubb durch eine Folkways-Platte von 1952. Mit beklemmendem Ergebnis.
Music Review
Jarvis Cocker
Chansons D'Ennui Tip-Top
Mit »Chansons D’Ennui Tip-Top« liefert Jarvis Cocker zwölf Cover von französischen Popsongs. Super langweilig und total schön.
Music Review
Dean Blunt
Black Metal 2
ist das Nonsens? Vertonung des Post-Everything? Der Tag der Apokylapse? Nein, es ist »Black Metal 2«, das neue Album von Dean Blunt.
Music Review
Parquet Courts
Sympathy For Life
Auf »Sympathy For Life«, dem neuen Album von Parquet Courts, wird der gute alte Rock zum Grooven gebracht.
Music Review
Grouper
Shade
»Shade« ist das zwöfte Album oder so von Grouper und die Frage lautet: Kann Liz Harris das Niveau der Vorgänger halten? Antwort: Sie kann.
Music Review
Ka Baird & Pekka Airaksinen
FRKWYS Volume 17: Hungry Shells
Auf »FRKWYS Volume 17: Hungry Shells« trifft die Stimmperformerin Ka Baird auf einen Toten: den finnischen Komponisten Pekka Airaksinen.
Music Review
Efdemin x Vril
Endless / Purge
Das Label Sun Sad bringt für seinen Release »Endless / Purge« die beiden Techno-Größen Efdemin und Vril zusammen.
Music Review
Circuit Des Yeux
-io
Apokalpytische Metapher, schwarze Löcher: das neue Album »-io« von Circuit de Yeux ist erwartungsgemäß schwere Kost.
Music Review
Winter 2
Winter 2
Diffuses Gefühl des Verlorenseins: Winter 2 liefern mit ihrem Album »Winter 2« den Diskurs-Pop für das Jahr 2021.
Music Review
Viejas Raices
De Las Colonias Del Rio De La Plata
Wie für diese Gegenwart gemacht: »De Las Colonias Del Rio De La Plata« der argentinischen Band Viejas Raices von 1976 wurde neu aufgelegt.
Music Review
Henryk Debich
Zblizenie
»Zblizenie« deckt Kompositionen des polnischen Jazzers Henryk Debich zwischen 1974 und 1977 ab und ist ein guter Einstieg in sein Schaffen.
Music Review
Warda
Khalik Hena
Das zuerst 1973 veröffentlicht »Khalik Hena« von Warda wurde nun via WeWantSounds zum ersten Mal seit damals wiederveröffentlicht,
Music Review
Maugli
Alba
Ein ganzer Fuhrpark an Instrumenten ist auf dem bei YNFND veröffentlichtem Debüt »Alba« von Maugli zu hören.
Music Review
MLO
Oumuamua
Virtual Dreams, die nächste: Music From Memory zollen dem Ambient-Duo MLO mit einer großen Zusammenstellung Tribut.
Music Review
Le Ren
Leftovers
»Leftovers«, das Debütalbum der kanadischen Sängerin und Songwriterin Le Ren, ist im besten Sinne provinziell.