Music Review | verfasst 12.09.2014
Lee Gamble
KOCH
PAN, 2014
Text Kristoffer Cornils , Übersetzung Julia Frohn
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8.5
Redaktion
Cover Lee Gamble - KOCH

Als Lee Gamble gegen Ende 2012 seine EP »Diversions 1994-1996« vorlegte, stand die Popkultur noch mit einem Bein in der Retromania-Debatte und mit dem anderen bereits im Breakbeat-Comeback. Es war so gesehen die richtige Platte zur richtigen Zeit: Die bis zur absoluten Unheimlichkeit verlangsamten Breakdowns, die Lee Gamble auf alten Jungle-Tapes aus seiner Zeit als backfischiger Piraten-Radio-Hörer gefunden hatte, waren ebenso utopisch wie klaustrophobisch, euphorisch und entspannt. Der dumpfe, restreale Techno-Entwurf, den Gamble zeitgleich mit seiner LP »Dutch Tvashar Plumes« präsentierte, wusste da schon weniger zu überzeugen, war aber nicht minder zukunftsweisend, zeichnete sich darauf schon die Soundästhetik ab, die im Folgejahr Labels wie L.I.E.S. und Opal Tapes einen unvergleichlichen Hype einspielen sollte. Mit der EP »Kuang« und seinem zweiten Langspieler »KOCH« (gesprochen: »kotsch«) verteilt er seine Interessen erneut auf: Im Kurzformat widmet er sich knallenden Entwürfen von Clubmusik der etwas anderen Sorte und sphärischem Ambient noch separat, über die Albumlänge lässt er seiner Passion für beatgestützte Psychoakustik und rollenden Beats freien Lauf. Ein wenig erinnert das hochpolierte Sounddesign an die früheren Platten von Oneohtrix Point Never und schmiegt sich doch zugleich an die Tanzfläche an: Halluzinatorische, frei schwebende Flächen erschließen sich Räume, während sture Beats sie weiter in Richtung Zukunft pushen. »KOCH« ist ein schlafwandlerisches Album, der Höhepunkt auf jeder Ketamin-Party, es liefert den Beat, unter dem die unteren Schichten des Bewusstseins die Faust in die Luft strecken. Und stellt somit ein mehr als würdiger Nachfolger zu Lee Gambles Platten aus dem Jahr 2012 dar, weil es deren Stärken zusammenführt.

Das Album »KOCH« von Lee Gamble findest du demnächst bei hhv.de.
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