Music Review | verfasst 06.10.2014
A Winged Victory For The Sullen
Atomos
Erased Tapes, Kranky, 2014
Text Björn Bischoff , Übersetzung Julia Frohn
Deine Bewertung:
6.5
Nutzer (2)
9.0
Redaktion
Cover A Winged Victory For The Sullen - Atomos

Dieses Album ist einfach nur wunderschön. Von der ersten bis zur letzten Note. Die FAZ schrieb über das Debüt etwas von einer Bewegbildaufnahme der menschlichen Seele und wenn dem so ist, dann ist »Atomos«, das zweite Werk von Adam Bryanbaum Wiltzie und Dustin O’Halloran ein surrealer Traum mit allen Facetten des Seins, samt dem Gefühl vom kleinsten Atom bis zur Unendlichkeit, die jede Nacht über den Häusern aufgeht und die ein paar Sterne zieren. »Atomos« kommt deutlich weniger fragil daher als die erste Platte von A Winged Victory For The Sullen. Das Duo hat sein Spektrum im Sound um elektronische Klänge erweitert, das heißt vornehmlich Synthie-Flächen, die sich wie in »Atomos III« hinter dem Klavier erstrecken, wobei da aber immer wieder Streicher dazwischen funken. Das organische Material dieser Platte schluckt wieder und wieder den künstlichen Sound, integriert, assimiliert ihn. Wayne McGregor, Choreograph des Königlichen Balletts in England, wandte sich an Wiltzie und O’Halloran. Sie sollten ihm und seinen Tänzern den Soundtrack für ihr neues Œuvre schreiben, nachdem das Debüt schon Inspiration für sie war. Aus diesem Ansatz heraus entstand »Atomos«, beweist aber gleichzeitig, dass Musik als universale Sprache funktioniert. Denn es braucht keinen kulturellen Vorbau, um hier einzusteigen, es gibt keine Experimente, sondern nur die Atmosphäre, diesen Klang, der sich im endlosen Echo teilt, zerstreut, wieder zusammensetzt. Mal ist es Ambient, mal Klassik, mal vielleicht PostRock, mal vielleicht Drone. Allerdings lässt sich das kaum genau festlegen, was »Atomos« so einzigartig macht. In »Atomos VIII« hebt und senkt sich das ganze Konstrukt des Sounds. Dieses Album ist letztendlich eine existenzielle Erfahrung, etwas, das tiefer geht. Es ist Leben, Tod, Freude, Trauer, die ganze Bandbreite, aber eben nicht auf den Menschen bezogen, sondern auf die Weiten des Daseins an und für sich. Und das ohne ein einziges Wort. Eine majestätische Eleganz. Wunderschön.

Das Album »Atomos« von A Winged Victory For The Sullen findest du bei hhv.de: 2LP 2LP
Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Review | verfasst 20.01.2011
Pan American
For Waiting, For Chasing
Die Balance zwischen elektronischen und akustischen Klängen tarieren nur sehr wenige derart vollkommen.
Music Review | verfasst 17.02.2011
Tim Hecker
Ravedeath, 1972
Am Ende bleibt keine Erinnerung, nur ein Gefühl von amorpher Weite, die sich irgendwie heimisch anfühlt.
Music Review | verfasst 07.11.2011
Charalambides
Exile
Die Charalambides führen dich in eine ganz eigene Welt. Der Zugang zu diesem psychedelischen Folk ist nicht ganz einfach, aber lohnt sich.
Music Review | verfasst 14.03.2017
High Plains
Cinderland
Loscil und Mark Bridges gehen auf »Cinderland«, ihrem gemeinsamen Album als High Plains, in staubige, trockene Ebenen.
Music Review | verfasst 14.02.2014
Nils Frahm
Spaces
»Spaces« von Nils Frahm ist hoch emotional und so intim, dass man glatt vergessen könnte ein Live-Album zu hören.
Music Review | verfasst 26.11.2015
Lubomyr Melnyk
Rivers And Streams
Lubomyr Melnyk wird allmählich auch dem hiesigen Publikum bekannt. Sein geschwindes Pianospiel ist auch auf »Rivers And Streams« zu hören.
Music Review | verfasst 04.03.2016
Ólafur Arnalds & Nils Frahm
Trans Frendz
Beginnend mit zwei Pianos erobern die beiden Freunde Ólafur Arnalds & Nils Frahm auf »Trans Frendz« immer weitere Tasteninstrumente.
Music Review | verfasst 11.07.2016
Woodkid & Nils Frahm
Ellis O.S.T.
Der von Woodkid komponierte und von Nils Frahm eingespielte Soundtrack zu »Ellis« vermittelt die vage Hoffnung eines Neuanfangs.
Music Review
Resilient Vessels
Live At The Cell
Vier Musiker haben sich im letzten Jahr zusammengetan um als Resilient Vessels mit »Live At The Cell« ein fulminantes Jazzalbum aufzunehmen.
Music Review
Hailu Mergia & The Walias Band
Tezeta
»Tezeta«, das ursprünglich 1975 nur auf Kassette erschienene erste Album von Hailu Mergia, ist nun bei wiederveröfffentlicht worden.
Music Review
Mndsgn
Rare Pleasure
Mit »Rare Pleasure« beendet Mndsgn seine Verwandlung vom Beatmaker zum Songwriter. Schmusiger RnB zwar, aber inhaltlich komplex.
Music Review
Guilherme Lamounier
Guilherme Lamounier (1973)
Das zweite Album von Guilherme Lamounier, ein Meisterwerk des brasilianischen Psychedelic-Folk, wurde bei Mad About wiederveröffentlicht.
Music Review
Skee Mask
Pool
Im diffusen Genrebrei zwischen IDM, Techno und Dub klingt niemand wie Skee Mask. Sein neues Album »Pool« unterstreicht die Ausnahmestellung.
Music Review
The Frank Derrick Total Experience
You Betcha!
»You Betcha!«? Noch nie gehört? Solltest du aber! Das Album The Frank Derrick Total Experience gilt unter Jazz-Heads zurecht als Klassiker.
Music Review
Les Filles De Illighadad
At Pioneer Works
Musik aus Niger, eingespielt in New York: »At Pioneer Works« ist das erste Album der Filles de Illighadad seit langem.
Music Review
Panta Rex
Lefty
Panta Rex meldet sich mit der EP »Lefty« auf Noorden zurück, der Name ist Programm: Dem Dancefloor wird sich von dessen Außenrand genähert.
Music Review
Sons Of Kemet
Black To The Future
Sons Of Kemet haben mit »Black To The Future« einen weiteren Fingerzeig dahingehend veröffentlicht, was Afro-Jazz heute bedeutet.
Music Review
José Mauro
A Viagem Das Horas
José Mauro lebt! Wusste auch niemand, als sein Debütalbum neu aufgelegt wurde. Nun folgt das Reissue von »A Viagem Das Horas« auf Far Out.
Music Review
Various Artists
Extra Muros: Italy
Die Kollaborations-Compilation »Extra Muros: Italy« brachte fünf Musiker*innen – Benoit B Dena, Dona, Eva Geist und Jolly Mare – zusammen.
Music Review
Bruxas
Muscle Memory
Jacco Gardner und Nic Mauskovic sind Bruxas, »Muscle Memory« ist das Debüt des Psych-Disco-Projekts und sowieso die Platte des Sommers.
Music Review
Mustafa
When Smoke Rises
Jamie xx, Sampha, James Blake und Drake als Feature-Gäste? Nur auf Mustafas »When Smoke Rises«, einem eindringlich-erzählerischen Album.
Music Review
Sandra Sa
Vale Tudo
Brasilianischer Boogie Funk bleibt entwaffnend und Sandra Sas 1983 veröffentlichtes Album »Vale Tudo« eines seiner Meisterwerke.
Music Review
Drab Majesty
Unknown To The I
»Unknown to the I« bietet den idealen Einstieg in das Universum des Duos Drab Majesty: Verträumter New Wave in drei Stücken.
Music Review
Fly Pan Am
Frontera
»Frontera« von Fly Pan Am ist in dramaturgischer Hinsicht vorhersehbar aufgebaut und doch das beste Album der Constellation-Band überhaupt.
Music Review
Mdou Moctar
Afrique Victime
Mdou Moctars Domino-Debüt »Afrique Victime« ist gleichzeitig von Eddie van Halen und Neokolonialismus inspiriert. Und unerhört eindringlich.
Music Review
Arovane
Atol Scrap
22 Jahre hat es gedauert, bis mit »Atol Scrap« von Arovane eine der besten deutschen Electronica-LPs der 1990er auf Vinyl erscheint.
Music Review
Massimiliano Pagliara
Connection Lost Pt.3
Der dritte Teil von Massimiliano Pagliaras »Connection Lost«-Serie ist wieder einmal überragend ausgefallen, bleibt aber ambivalent.
Music Review
McKinley Dixon
For My Mama And Anyone Who Look Like Her
McKinley Dixon kann kein unbeschwertes Leben führen, drüber rappen aber allemal. »For My Mama And Anyone Who Look Like Her« bietet einiges.
Music Review
Alessandro Cortini
Scuro Chiaro
Alessandro Cortini dreht auf »Scuro Chiaro« den Gefühlsregler gewohnt hoch. Es ist aber auch eines seiner abwechslungsreichsten Alben.
Music Review
Various Artists
GOST: A Spiritual Exploration Into Greek Soundtracks (1975-1989)
Die auf Into The Light erschienene Compilation »GOST« versammelt wundersame Filmmusik aus Griechenland.
Music Review
P!OFF?
P!OFF?
Von ihrem Debüt verkauften P!OFF? im Jahr 1982 gerade einmal 600 Exemplare. Zum Glück hat Bureau B die Platte wieder aufgelegt!
Music Review
Umwelt
Fear On The Dark Planet
Umwelt ist immer Underground geblieben. Seine EP »Fear On The Dark Planet« für Midnight Shift ist hoffnungsvoller als ihr Titel verspricht.
Music Review
Trees Speak
PostHuman
Brauchen wir noch Neuauflagen vergangener Epochen? Wenn sie so einnehmend klingen wie auf Trees Speaks »PostHuman«: gerne doch.
Music Review
Jayda G
DJ-Kicks
Erst die Tunes, dann die Vibes, am Ende der Cooldown: Die DJ-Kicks-Ausgabe von Jayda G ist konventionell aufgebaut und steckt voller Perlen.
Music Review
St. Vincent
Daddy's Home
Die Vorab-Singles zu St. Vincents mittlerweile sechstem Album »Daddy’s Home« waren verwirrend, das Album als Ganzes ist es aber keineswegs.
Music Review
Sun Ra
Lanquidity
Die als umfassendes Reissue erhältliche »Lanquidity« könnte Sun Ras beste LP sein, hätte er nicht so viele andere Meisterwerke hingelegt.
Music Review
Roland P. Young
Hearsay I-Land
Mitte der 1980er legte sich der Jazzmusiker Roland P. Young eine neue Identität als Popper zu, die auf »Hearsay I-Land« dokumentiert wird.
Music Review
The Master Musicians Of Joujouka
Live In Paris
»Live In Paris« wurde 2016 aufgenommen und erscheint ein halbes Jahrhundert, nachdem die Welt den Master Musicians of Joujouka anheim fiel.
Music Review
Squid
Bright Green Field
Auf ihrem Debüt »Bright Green Field« entwirft die eklektische Band Squid das Gegenteil von dem, was Cover und Titel versprechen.
Music Review
DJ Black Low
Uwami
Frischenzellkur durch Reduktion: Auf seinem Debüt »Uwami« erweist sich DJ Black Low als eine Art DJ Python des Amapiano-Genres.
Music Review
Caterina Barbieri
Fantas Variations
Caterina Barbieri hat ihren Track »Fantas« von Freunden und Bekannten bearbeiten lassen. Das Ergebnis, »Fantas Variations«.
Music Review
Cassandra Jenkins
An Overview on Phenomenal Nature
Auf »An Overview on Phenomenal Nature« widmet sich Cassandra Jenkins fließenden Bewegungen, friert aber auch Momente deskriptiv ein.
Music Review
Ziad Rahbani
Bennesbeh Labokra… Chou?
Mit der Reissue zu »Bennesbeh Labokra… Chou?« erweitert WeWantSounds den Blick auf das Schaffen des libanesischen Musikers Ziad Rahbani.
Music Review
Electric Party
Play
Mit »Play« veröffentlicht das Label Knekelhuis neun Stücke aus den Achtzigern der niederländischen Band Electric Party.
Music Review
Niklas Wandt
Balearische Bibliothek
Mit »Balearische Bibliothek« schafft Niklas Wandt einmal mehr Musik, in der sich Natur und Zivilisation auf Augenhöhe begegnen.
Music Review
Sophia Kennedy
Monsters
»Monsters«, das soeben bei City Slang veröffentlichte zweite Album von Sophia Kennedy, steht ihrem großartigen Debüt in nichts nach.
Music Review
Chihei Hatakeyama
Late Spring
Auf seinem fast 80. Album macht der japanische Ambient-Künstlers Chihei Hatakeyama nicht viel anders als zuvor, das aber sehr gut.
Music Review
Kasai Allstars
Black Ants Always Fly Together; One Bangle Makes No Sound
Eine neue Leichtigkeit ist auf »Black Ants Always Fly Together; One Bangle Makes No Sound«, dem neuen Album der Kasai Allstars zu hören.
Music Review
Roman Flügel
Eating Darkness
Das Beste kommt erst noch! Sagt zumindest Roman Flügel, der mit mit »Eating Darkness« für Running Back die grauen Wolken vertreiben möchte.