Music Review | verfasst 01.12.2014
Sly Stone
I'm Just Like You: Sly’s Stone Flower 1969 -1970
Ligt IN The Attic, 2014
Text Frédéric Hartmann
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Redaktion
Cover Sly Stone - I'm Just Like You: Sly’s Stone Flower 1969 -1970

Sly Stone hatte viele Gesichter, wenn auch stets mit dem selben Grinsen. Mal wurde er als Cadillac fahrender Chauffeur barbusiger Hollywood Groupies gesichtet. Dann wieder zeigte er in unerschrockenen Selbstversuchen vor einem millionenfachen Fernsehpublikum, wie diverse Barbiturate und Aufputschmittel, meist kombiniert, auf das menschliche Nervensystem wirken. Wie es zu alle dem kam, wissen wir spätestens seit Woodstock. Dass er aber nicht nur auf einer Bühne den musikalischen Horizont einer ganzen Generation fest im Silberblick hatte, sondern auch als Produzent und Tontechniker die Potis und Hüllkurven überdrehte, wissen die wenigsten. Sein Meisterstück ist das 1971 veröffentlichte »There’s A Riot Going On«, das ihm und seiner Band The Family Stone die Welt zu Füßen legte. Nachdem ihm aufgrund von nicht eingehaltenen Deadlines und Exzessen der Geldhahn seitens seines Managements zugedreht wurde, entwendetet er kurzerhand die Mastertapes, und verbarrikadierte sich zwei Wochen lang in seinem Homestudio. Das Resultat war ein Longplayer, der damals so eigen klang, wie er bis heute unerreicht war. Mit diesem Release wird nun endlich Licht in den Speicher des Stone Flower Labels geworfen, und unbekannte Tracks von ihm und befreundeten Künstlern, mit dem so spleenigen und skurrilen Sound präsentiert, wie ihn nur Sly zu kreieren wusste. »Just Like A Baby« hat diese charmante Direktheit von »Family Affair« bei der man kaum den Aufnahmeraum wahrnimmt, und die den Eindruck aufkommen lässt, man sitze gleich neben ihm am Pult. »Somebody’s Watching You« von Little Sister scheint eine Vorgängerversion seines Tracks »Runnin’ Away« zu sein. Ganz egal aber ob in dieser Version, oder in der einige Jahre später von Sly zum besten Gegebenen, herrscht in beiden Interpretationen dieser joviale Charakterzug vor, den er stets auf den Lippen hatte und im Gesicht trug. Diese knabenhafte Attitüde, die ihn nichts wirklich ernst nehmen ließ. Und so hört man auch unzählige unsaubere Schnitte, übertrieben viel Übersteuerung, undefinierbares Rascheln, Rauschen und weitere Fremdgeräusche, für die jeder andere Tontechniker augenblicklich seinen Job verlieren würde. Damit konnte nur einer erfolgreich weg kommen. Und jetzt ist er endlich wieder da!

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