Music Review | verfasst 27.04.2015
Orsons
What's Goes
Chimperator, 2015
Text Georg Rackow
Deine Bewertung:
5.0
Nutzer (1)
6.2
Redaktion
Cover Orsons - What's Goes

Es bleibt dabei: Die Orsons bleiben eher eine kuriose Rap-Boyband als eine wirkliche Rap-Supergroup. Was nicht daran liegt, dass die Jungs keine wahnsinnig guten MCs sind, oder nicht vor Kreativität sprühen können und nicht jeder von ihnen einen einzigartigen, starken Charakter hat. Das Problem bei den Orsons war schon immer: Man hat auf jeder Platte das Gefühl von massig verschenktem Potenzial, weil keiner der Künstler sich im Kollektiv wirklich entfalten kann. Zwar sind die Produktionen oft großartig, mit einem sechsten Sinn für den Tellerrand und einem genialen Gespür für kulturelle Referenzen, in diesem Fall von wahnwitzigen Günther Oettinger bis zum wahnsinnigen Kanye West. Auch der Wortwitz und die Raptechnik sind bei allen Rappern unantastbar. Und schließlich geben die Jungs auf alles so einen riesigen Fick, dass das für eine ganze Dekade Rock ‘n Roll reicht. Und trotzdem kommt auch das vierte Album »What’s goes« nicht so richtig aus dem Quark. Klar machen die lustigen und stylischen Rap-Abfahrten wie im Titelsong »What’s goes« oder in »Schwung in die Kiste« oder in »Papa Willi und der Zeitgeist« oder in »Ventilator« Laune, vor allem, wenn die inhaltlich nie aufeinander Bezug nehmenden Parts nur mit simpelsten Hooks aus gechoppten Vocalsamples zusammengehalten werden. Das kann man dann auch gerne zeitgeistig nennen, oder vielleicht sogar eklektisch. Oder aber man nennt es beliebig und unfokussiert. Das Album braucht erst einmal ein halbes Dutzend Songs bevor mit »Grün« als einem klassischen Memory Lane-Track zum ersten Mal so etwas wie ein roter Faden zwischen den Strophen der Vier zu erkennen ist. Alles davor und vieles danach ist bezeichnend fragmentarisch und individuell und in seiner Kontextlosigkeit – wenn auch nett anzuhören – irgendwie egal. Dass dann noch krude Gesangstracks von Kaas und Tua eingestreut werden, ist auch nicht hilfreich. Ich bin fast schon dankbar, dass auf der zweiten Hälfte dann als positive Ausnahmen noch inhaltlich starke Rap-Songs wie »Feuerrot« oder »SalamiFunghiZwiebelPartypizza« kommen. Fazit: Es wird erwartungsgemäß viel rumgedallert und rumgeträllert, und das auf hohem Deutschrap-Niveau, aber das Ergebnis ist leider weniger als die Summe seiner Teile.

Das Album »What’s Goes?« von Orsons findest Du bei hhv.de auf Doppel-LP und CD
Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Review | verfasst 30.12.2010
Tua & Vasee
Evigila
Tua & Vasee haben sich hingesetzt, ein Konzept erarbeitet und ein Album aufgenommen, dass den Namen »Kunstwerk« verdient.
Music Review | verfasst 27.09.2012
Die Orsons
Das Chaos und die Ordnung
Es ist nicht das Schlagerrap-Ungetüm geworden, das angesichts der Single »Horst & Monika« befürchtet wurde.
Music Kolumne | verfasst 16.11.2010
Keine halben Sätze
Proband: Tua
Diesmaliger Proband: Tua, Alter: 24, aufgewachsen in: Reutlingen, lebt heute in: Berlin, Leistung: Hat »Stille« im HipHop wieder salonfähig gemacht.
Music Kolumne | verfasst 01.05.2011
Entweder Oder
Entscheider: KAAS
KAAS ist ein Mensch der Gegensätze: Botschafter des Love-Movements, ein Viertel der Rapboyband Die Orsons und nun auch als leidenschaftlicher Eurodance-Fan enttart. Höchste Zeit also für ein »Entweder oder«.
Music Review | verfasst 10.07.2012
Cro
Raop
Unbeschwert lockerer Sprechgesang über simple, gut gelaunte Beats. Das ist es, was Cro besonders gut kann. Es ist auch seine Grenze.
Music Review
Yumiko Morioka
Resonance
Mit »Resonance«, ihrem einzigen Album aus dem Jahr 1987, lässt Yumiko Morioka Teile postklassischer Musik jüngerer Machart obsolet wirken.
Music Review
Julianna Barwick
Healing Is A Miracle
Julianna Barwick lässt auf »Healing Is A Miracle« den einen oder anderen Fremdkörper in ihrer Musik zu. Tut das nur wohl oder sogar Not?
Music Review
Rie Murakami
Sahara
»Sahara« von der ansonsten unbekannten Japanerin Rie Murakami wurde 1984 veröffentlicht. Ein Album ohne Eigenschaften, doch voller Hits.
Music Review
Vague Imaginaries
L'ile Sous L'eau
Nur kurz nach Erscheinen seines Albums »L’Île D’or« legt Vague Imaginaries mit »L’ile Sous L’eau« eine EP nach.
Music Review
Alhousseini Anivolla & Girum Mezmur
Afropentatonism
Verschmelzen der Welten: Auf »Afropentatonism« treffen Alhousseini Anivolla aus dem Niger und Girum Mezmur aus Äthiopien zusammen.
Music Review
Haiyti
Sui Sui
Das Prädikat Pop reicht hierfür nicht aus: »Sui Sui«, das vierte Album von Haiyti, ist eine Machtdemonstration.
Music Review
Skudge
Time Tracks
Mit »Time Tracks« will Elias Landberg alias Skudge mal wieder die Zeit anhalten. Doof nur, dass er sie manchmal zurückdreht.
Music Review
The Exaltics & Heinrich Mueller
Dimensional Shifting
The Exaltics macht erstmal mit Heinrich Mueller alias Gerald Donald gemeinsame Sache. »Dimensional Shifting« ist eins nicht: vorgestrig.
Music Review
Mulatu Astatke & Black Jesus Experience
To Know Without Knowing
Auch auf »To Know Without Knowing«, seinem neuen Album mit Black Jesus Experience, ist Mulatu Astatke unverkennbar.
Music Review
Croatian Amor
All In The Same Breath
Loke Rahbek hat mit »All In The Same Breath« ein neues Album unter seinem Moniker Croatian Amor bei Posh Isolation veröffentlicht.
Music Review
Dee Dee Bridgewater
Afro Blue
1974 nur in Japan veröffentlicht, bekommt »Afro Blue«, das Debüt von Dee Dee Bridgewater jetzt eine zweiten Anlauf auf Mr Bongo spendiert.
Music Review
Oiro Pena
2
Der finnische Multiinstrumentalist Antti Vauhkonen veröffentlicht Versponnes mit seiner bei Jazzaggression erschienenen Vinyl 10-inch »2«.
Music Review
Groupe RTD
The Dancing Devils Of Djibouti
Hand hoch, wer Dschibuti auf dem Globus auscheckt. Musikalisch war das afrikanische Land noch gar nicht auf der Landkarte verzeichnet.
Music Review
Patricia
Maxyboy
IDM mit Hardware-Patina: Auf »Maxyboy« von Patricia werden Aphex Twin, Autechre und Planet Mu zu musikalischen Abziehbildern.
Music Review
John Scofield / Bill Stewart / Steve Swallow
Swallow Tales
Ein Hochgenuss für Jazz-Connaisseure: John Scofield und Bill Stewart erkunden auf »Swallow Tales« Kompositionen von Steve Swallow.
Music Review
Biosphere
Dropsonde
Mit ganzen sieben Bonustracks kommt die Neuauflage von »Dropsonde« daher. Darauf unterzog Biosphere Jazz einer radikalen Neuinterpretation.
Music Review
Roly Porter
Kistvaen
Kolossal dröhnende Klangkulissen sind das Fundament für »Kistvaen«, das vierte Release von Roly Porter für Subtext Recordings.
Music Review
Fairuz
Maarifti Feek
Feierlich, melancholisch und mystisch: Das Album »Maarifti Feek« der libanesischen Sängerin Fairuz wurden bei WeWatnSounds veröffentlicht.
Music Review
Darkstar
Civic Jams
Vor zehn Jahren schrieben Darkstar die Musik zum Krisennachklapp, mit »Civic Jams« strudeln sie in die nächste hinein. Auweia!
Music Review
Muslimgauze
Salaam Alekum, Bastard
»Salaam Alekum, Bastard« zählt zu den intensivsten Arbeiten von Muslimgauze und wurde jetzt auf Kvitnu wiederveröffentlicht.
Music Review
Various Artists
Kern Vol. 5: Mixed By Helena Hauff
Gut Ding will Weile haben: Mit seiner Mix-Reihe »Kern« lässt sich der Club Tresor Zeit. Helena Hauffs Mix ist der beste des Jahres.
Music Review
Nihiloxica
Kaloli
Nihiloxica waren der feuchte Traum der Musikjournaille. Nach zwei EPs ist »Kaloli« ihr Debütalbum. Muss sich die Gruppe nun beweisen?
Music Review
Kate NV
Room For The Moon
Mit ihrem dritten Album »Room For The Moon« zündet die russische Musikerin Kate NV die nächste Stufe ihrer verspielten Popmusik.
Music Review
Dijit
Hyperattention
Trip-Hop. Aus Cairo. Da kann man schon mal hellhörig werden: Zum Release von »Hyperattention – Selected Dijital Works Vol.1« von Dijit.
Music Review
Cindy
I'm Cindy
Vor zwei Jahren stellte uns Palmbomen II Cindy Savals und ihre Stadt Carmel Vista vor. Nun ist ihr Debütalbum »I’m Cindy« »aufgetaucht«.
Music Review
Zaliva-D
Immorality
Double-Whopper-Beats mit Hang zum Dada-Fetischismus: Auf Knekelhuis ist »Immorality«, das neue Album von Zaliva-D erschienen.
Music Review
Sonic Boom
All Things Being Equal
Auf »All Things Being Equal« nutzt Sonic Boom seine Trademarks und bringt Ideen und Experimentierfreude in den Pop.
Music Review
Chester Raj Anand
Strawberry
Pop statt Hip-Hop: Lord Raja hat sich zu Chester Raj Anand zurückverwandelt und mit »Strawberry« ein neues Album veröffentlicht.
Music Review
The Soft Pink Truth
Shall We Go On Sinning So That Grace May Increase
Mit »Shall We Go On Sinning So That Grace May Increase« bietet The Soft Pink Truth wohlige Wabersounds für wonnige Weltfluchten. Gut so!
Music Review
Run The Jewels
RTJ4
Diese Woche haben Killer Mike und El-P ihr viertest Run The Jewels-Album »RTJ4« digital veröffentlicht. Vinyl folgt im September.
Music Review
Ak'Chamel, The Giver Of Illness
The Totemist
Musik für die Zeit nach der Endzeit: Mit »The Totemist« ist das zehnte Studioalbum von Ak’chamel, The Giver Of Illness erschienen.
Music Review
Freddie Gibbs & The Alchemist
Alfredo
c»Alfredo« heißt das letzte Woche veröffentlichte Album von Freddie Gibbs und The Alchemist. Vinyl steht aus, reingehört haben wir aber.
Music Review
Giuseppe Ielasi
Aix
Giuseppe Ielasis »Aix« klingt über ein Jahrzehnt nach seiner Erstveröffentlichung so frisch wie eh und je. Nicht nur klanglich.
Music Review
Michele Mercure
Pictures of Echoes
Mehr synthetisches Zauberwerk der Kassettenmeisterin: mit »Pictures Of Echoes« ist die nächste Werkschau von Michele Mercure erschienen.
Music Review
JackBoys
JackBoys
»JackBoys«, die erste Labelschau von Travis Scott’s Label Cactus Jack, ist nun auch auf Schallplatte erschienen.
Music Review
Greg Fox
Contact
Größe durch Zurücknahme: Auf »Contact« setzt der Schlagzeuger Greg Fox sein Instrument noch gezielter ein.
Music Review
Nídia
Não Fales Nela Que A Mentes
Auf »Não Fales Nela Que A Mentes« braucht Nídia nicht als einen Rhythmus und einen Loop, um ein riesiges Koordinatensystem zu eröffnen.
Music Review
Your Old Droog
Jewelry
Hier wird auf die Punchlines Wert gelegt, nicht auf die Replay Value: »Jewelry« von Your Old Droog wurde jetzt auf Vinyl veröffentlicht.
Music Review
Hessel Veldman
Eigen Boezem
In den Achtzigern entstandene DIY-Aufnahmen aus der holländischen Hafenstadt IJmuiden: »Eigen Boezem« stellt Musik von Hessel Veldman aus.
Music Review
Kanye West
Jesus Is King
»Jesus Is King« von Kanye West ist jetzt auf Vinyl erschienen. Und wir haben die pädagogisch wertvollste 7.0er Review aller Zeiten für dich.
Music Review
Irreversible Entanglements
Who Sent You?
Historisch relevanter wird Jazz dieses Jahr nicht mehr: zur zweiten Album »Who Sent You?« von Irreversible Entanglements.