Music Review | verfasst 24.06.2015
Jabu ft. Chester Giles
Slow Hours
No Corner, 2015
Text Kristoffer Cornils
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9.1
Redaktion
Cover Jabu ft. Chester Giles - Slow Hours

Bristol steht in der öffentlichen Wahrnehmung synonym mit verdubbten Bässen. Die einzigartige Musikgeschichte der englischen Stadt scheint der von Steve Goodman alias Kode9 geäußerten These, dass Dub die Welt erobern wird, Recht zu geben. Nach Trip Hop kam Dubsteb, mittlerweile teilt sich die Szene in zwei freundschaftlich verknüpfte Lager: “Livity Sound”;http://www.hhv-mag.com/de/glossareintrag/4005/livity-sound und Young Echo. Jabu sind Teil des zweiten der beiden Kollektive und fahren mit ihren Produktionen neben der Spur. Produzent Amos Childs und Vocalist Alex Rendall haben sich einem emotional aufgeladenen SloMo-Hip Hop verschrieben, der ohne viel Stauraum auskommt. Im Fokus stehen ein minimal unterfütterter Beat, der aus dem Nebenzimmer zu kommen scheint, und Rendalls teils gesprochene, teils gerappte Texte. »Slow Hours«, ein auf einer einseitig bespielten 7“ auf No Corner erschienener Song, bringt mit Ausnahme des Lyrikers Chester Giles – auch der ein loses Mitglied der Young Echo-Posse – ebenfalls wenig an den Tisch. Da ist ein geloopter Beat, da ist eine Dreier-Akkordfolge und da sind ein paar Vocal-Samples zu hören, das war schon alles. Was »Slow Hours« seine einzigartige Magie verleiht, das ist die Performance von Giles und Rendall. Während der eine mit nüchternem Ton von Liebe, ihren Schattenseiten und Nachwirkungen erzählt, versucht sich der andere an souligem, gedoppelten Falsett und großen Gesten. Zwischen der resignierten Apathie des Dichters und dem pathetischen Aufbäumen des Sängers entsteht eine Spannung, die diesen Track im Ganzen durchzieht. Lines wie »You are the empress of the sun/on the other side of earth/which I am hidden from« kommen eben noch beeindruckender, wenn sie über einen verschwindend reduzierten Track gelegt warden. Nein, »Slow Hours« benötigt keine verdubbten Bässe, um viel Tiefe mit sich zu bringen. Alles, was es dazu braucht, ist das Ausspielen von Gegensätzen.

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