Music Review | verfasst 24.06.2015
John Beltran
Espais
Delsin, 2015
Text Kristoffer Cornils
Deine Bewertung:
/
Nutzer
7.4
Redaktion
Cover John Beltran - Espais

Ambient erreichte 2014 einen vorzeitigen und überraschenden, wenngleich stilgetreu leisen und bescheidenen Höhepunkt. In den letzten zehn Jahren brachte das esoterische Nischengenre kaum so viele starke Alben hervor wie letztes Jahr. Die Anthologie »Music For Machines« übertraf sie jedoch alle. Die von John Beltran kompilierte Sammlung war ein fein gewebtes Meisterwerk, das verschiedene Genrepoetiken in ein logisches Narrativ einband. Die Stringenz von »Music For Machines« fehlt »Espais«, John Beltrans neuem Solo-Album. Der Detroiter, der seit über 20 Jahren auf Traditionslabels wie Peacefrog, R&S und mittlerweile überwiegend Delsin releaset, nannte vorab Filmkomponisten wie Vangelis oder Hans Zimmer als Inspiration für die 17 neuen Stücke, auf die schon in naher Zukunft ein neues Album folgen soll. Mit diesen Vorbildern teilt Beltran eine besondere Gabe: Obgleich sein Sound eindeutig erkennbar ist, durchläuft er eine beeindruckende Bandbreite von Facetten. Von atmosphärisch schweren Electronica-Anleihen bis hin zum verknisterten Piano-Stück ist auf »Espais« viel zu hören und steht friedvoll nebeneinander. Nur das Miteinander der einzelnen Tracks will dem Album nicht so gekonnt gelingen wie das noch auf der himmlisch homogenen »Music For Machines« der Fall war. John Beltrans Soundtrack muss leider ohne ein Narrativ auskommen. Das ändert zwar nichts an der diskreten Schönheit seiner Musik, hätte aber ein bisher Ambient-armes Jahr 2015 mit einem Höhepunkt zur Halbzeit krönen können.

Das Album »Espais« von John Beltran findest du bald bei hhv.de.
Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Review | verfasst 10.09.2011
John Beltran
Ambient Works 1995-2011
John Beltran beschwört schon im Titel seiner Anthologie die Vergleiche mit Aphex Twin herauf.
Music Review | verfasst 03.12.2018
Indio
Inca
Delsin legt drei Tracks von John Beltrans Indio-Projekt mit Sam McQueen und Seth Taylor sowie eine Solo-Produktion neu auf.
Music Review | verfasst 03.07.2014
Yagya
Sleepygirls
Das fünfte Album des Isländers Aðalsteinn Guðmundsson alias Yagya, »Sleepygirls«, ist nichts weniger als Tiefenentspannung.
Music Review | verfasst 06.02.2019
Repeat
Repeats
Mark Broom, Plaid und Dave Hill trafen als Repeat in einer stilistisch unsicheren Zeit zusammen. Ihr Album »Repeats« wurde neu aufgelegt.
Music Review | verfasst 01.08.2012
Konx-om-Pax
Regional Surrealism
Tom Scholefield ist der neue Liebling der Electronica- und IDM-Szenerie. Nun hat er die Wandlung vom Grafiker zum Musiker vollzogen.
Music Review | verfasst 18.09.2015
Various Artists
µ20
Mike Paradinas Label Planet µ (Planet Mu) wird zwanzig und feiert mit einer umfassenden Compilation nebst 100seitigem Booklet.
Music Review
Róisín Murphy
Róisín Machine
Róisín Murphy weiß mit ihrer Musik Indie-Kids und Dance-Fraktion wie keine Zweite zu einen. So auch auf »Róisín Machine«.
Music Review
Hareton Salvanini
Xavana, Uma Ilha Do Amor
Mad About legt den Soundtrack zu »Xavana, Uma Ilha Do Amor« des brasilianischen Komponisten Hareton Salvanini neu auf.
Music Review
Osees
Protean Threat
»Protean Threat« von Osees (auch bekannt als Thee Oh Sees) ist eine Platte für Leute, die sich noch Nietengürtel um die Hose schnallen.
Music Review
Anna von Hausswolff
All Thoughts Fly
Wolkengebirge bis in den Kosmos, Höllenkreise ohne Auswege: Anna von Hauswolffs fünftes Album »All Thoughts Fly« ist erschienen.
Music Review
Satoshi & Makoto
CZ-5000 Sounds & Sequences Vol. 2
Klingt wie ausgedacht? Vielleicht. Vor allem aber ist Satoshi & Makotos zweites Album »CZ-5000 Sounds & Sequences Vol. 2« wunderbar nerdig.
Music Review
Arca
&&&&&
Start des Postgenres: Arcas »&&&&&« war Prototyp für die Generation Deconstructed Clubmusic.
Music Review
Suso Sáiz & Suzanne Kraft
Between No Things
Auf dem Album »Between No Things« haben sich die Musiker Suso Sáiz und Suzanne Kraft für neun Meditationen zusammengetan.
Music Review
Drew McDowall
Agalma
Unwirkliche Räume modulierter Schönheit: Coils Drew McDowall veröffentlicht mit »Algama« einen neues Album.
Music Review
Nicolas Jaar
Cenizas
Mit »Cenizas« baut Nicolas Jaar weiter an seinem Bild vom großen Komponisten unter den Laptopmusikern.
Music Review
Little Brother
May The Lord Watch
»May the Lord Watch«, das Comeback-Album von Little Brother ist absolut nicht zeitgemäß, aber davon völlig unbekümmert.
Music Review
The Heliocentrics
Telemetric Sounds
»Telemetric Sounds«, das zweite Album von The Heliocentrics binnen eines Jahres ist dunkler, wütender, getriebener und dreckiger.
Music Review
Fabiano Do Nascimento
Preludio
»Preludio«, das dritte Album des jungen Gitarristen Fabiano Do Nascimento ist eine sehr sexy spartanische Angelegenheit.
Music Review
Acid Pauli
MOD
Mit Synthesizern fordert Martin Gretschmann unter seinem Acid-Pauli-Alias auf »MOD« weniger zum Tanzen als zum Lauschen auf.
Music Review
Helge Schneider
Mama
»Mama« heißt das neue Album von Helge Schneider und es ist liefert gewohnt unfehlbare musikalische Ergüsse.
Music Review
Admas
Sons Of Ethiopia
Alles löst sich in schönster Schwermut auf: Zur Reissue des äthiopischen Synthesizer-Schatzes »Sons Of Ethiopia« von Admas von 1983.
Music Review
Kairon; IRSE!
Polysomn
Seit ihren ersten Releases gelten Kairon; IRSE! als Shoegaze-Sensation. Nun haben die Finnen mit »Polysomn« ein neues Album veröffentlicht.
Music Review
Lucrecia Dalt
No Era Sólida
Mit »No Era Sólida« reißt die Kolumbianerin Lucrecia Dalt sämtliche Grenzen ein. Es kommen unerforschte Gebiete zum Vorschein.
Music Review
Bad Stream
Sonic Healing
Auf seinem neuen Album »Sonic Healing« verarbeitet Frittenbuden-Gitarrist Martin Steer den Schlaganfall seiner Mutter musikalisch.
Music Review
The Weeknd
After Hours
The Weeknds bekanntes Narrativ aus Hedonismus, Depression, Drogen verwickeln sich auf »After Hours« in nicht neuen, aber süßen R&B-Fäden.
Music Review
Dukes Of Chutney
Hazel
Mit wirklich gutem Dream-Pop haben Dukes Of Chutney mit ihrem Album »Hazel« jüngst auf Beats In Space debütiert.
Music Review
Larry Heard
Sceneries Not Songs Vol.1
Mit »Sceneries Not Songs Vol.1« wird Larry Heards erstes Album unter Klarnamen aus dem Jahre 1994 veröffentlicht.
Music Review
Disclosure
Energy
2013 haben Disclosure, so heißt es, House gerettet. Mit ihrem neuen Album »Energy« schließen sie ihn wieder an die Beatmungsmaschine an.
Music Review
Various Artists
Borta På Vinden (Swedish Rock Funk & Youth Center Disco 1976-1982)
»Borta På Vinden«Mika Snickars und Kool DJ Dust veröffentlichen die Compilation »Borta På Vinden« mit schwedischer Disco-Musik.
Music Review
Linda »Babe« Majika
Don't Treat Me So Bad
»Don’t Treat Me So Bad«, das erstmals 1988 veröffentlicht Debütalbum von Linda »Babe« Majika, wurde jetzt bei Be With wiederveröffentlicht.
Music Review
Harmonious Thelonious
Plong
Der Düsseldorfer Harmonious Thelonious veröffentlicht mit »Plong« ein neues Album, das erste für Bureau B.
Music Review
Vladimir Dubyshkin
Pornographic Novel
Musik, die etwas heraufbeschwört, was gerade nicht ist: zum Rave von Vladimir Dubyshkin auf »Pornographic Novel«.
Music Review
Jonathan Fitoussi
Plein Soleil
»«Mit »Plein Soleil« erweist sich Jonathan Fitoussi als würdiger Erbe von Pionieren wie Alan Parsons, Vangelis oder auch Jean-Michel Jarre.
Music Review
Angel Olsen
Whole New Mess
Mut zur Lücke: Die amerikanische Songwriterin Angel Olsen interpretiert »Whole New Mess« ihr eigenes Material nur mit Akustikgitarre neu.
Music Review
The Meridian Brothers
Cumbia Siglo XXI
Die Meridian Brothers arbeiten sich erneut an Kolumbiens Hauptexport ab. »Cumbia Siglo XXI« wird von Lo-Fi-Charme und DIY-Spirit getragen.
Music Review
Fuzzy Duck
Fuzzy Duck
Be With veröffentlicht das selbstbetitelte, einzige Album der britischen Progressive-Rocker Fuzzy Duck aus dem Jahr 1971 neu.
Music Review
Kelly Lee Owens
Inner Song
Nach den drei härtesten Jahren in ihrem Leben veröffentlicht Kelly Lee Owens mit »Inner Song« ihr zweites Album. Es ist großartig.
Music Review
George Clanton & Nick Hexum
George Clanton & Nick Hexum
Chefvapourist George Clanton und dessen geistiger Vater Nick Hexum haben eine gemeinsame Platte gemacht. Was dabei wohl herausgekommen ist?
Music Review
The Microphones
Microphones in 2020
Nach 17 Jahren meldet sich Phil Elverum mit seinem Projekt The Microphones zurück. Wie klingen »Microphones in 2020«?
Music Review
Adrian Younge, Ali Shaheed Muhammad & Marcos Valle
Jazz Is Dead 3
Auf »Jazz Is Dead 3« haben Adrian Younge und Ali Shaheed Muhammad diesmal Marcos Valle zu Gast.
Music Review
Arşivplak
Mirror. Turkish Disco Folk
Arşivplak? Wer das ist, weiß niemand. Sicher ist: Die neue Edit-Sammlung »Mirror« widmet sich türkischer Musik der Siebziger und Achtziger.
Music Review
Bright Eyes
Down in the Weeds, Where the World Once Was
»Down in the Weeds, Where the World Once Was«, ein Titel zur Zeit? Nein, das neue Bright-Eyes-Album steckt in der Vergangenheit fest.
Music Review
Sault
Untitled (Black Is)
Musik hat die Kraft zur Veränderung. Man hätte es fast vergessen können. Doch dann kamen Sault und mit ihnen »Untitled (Black Is)«.
Music Review
Takako Mamiya
Love Trip
Das einzige Album der japanischen Sängerin Takako Mamiya, »Love Trip« von 1982, wurde jetzt wiederveröffentlicht.
Music Review
Ennio Morricone
Nuovo Cinema Paradiso
Im Juli ist Ennio Morricone gestorben. Nun häufen sich die Releases. Eine ist der Soundtrack zu Giuseppe Tornatores »Nuovo Cinema Paradiso«.
Music Review
Electric Wizard
Dopethrone
»Dopethrone«, das Highlight der zugedröhnten britischen Doomrocker von Electri Wizard, wurde jetzt auf Schallplatte wiederveröffentlicht.
Music Review
DJn4
Tales Of Z
Wer hätte gedacht, dass Walter Moers einst als Inspirationsquelle für Freiform-Clubmusik dienen würde? Über »Talez Of Z« von DJn4.