Film Review | verfasst 26.08.2015
One9 & Erik Parker
Nas - Time Is Illmatic
EuroVideo, 2015
Text Florian Aigner
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Redaktion
Cover One9 & Erik Parker - Nas - Time Is Illmatic

Es gibt nichts wofür »Illmatic« 2015 noch kämpfen müsste. Selbst für eine Generation zu spät Geborener ist klar, dass es immer noch nicht akzeptabel ist »My Beautiful Dark Twisted Fantasy« oder »2001« als bestes Rap-Album aller Zeiten zu bezeichnen, ohne sich eine Predigt von der Gralshütern (Vater, Bruder, Twitter) abzuholen, in der unweigerlich das Jahr 1994, die Queensbridge Housing Projects und dieses Jahrtausendtalent Nas, das gerade volljährig geworden, Nonnen mit automatischen Feuerwaffen winkte, auftauchen.

»Time Is Illmatic« erzählt also für kaum jemanden, der etwas auf sich hält in dieser Used-To-Be-Subkultur etwas Neues. Wir wissen um Nas und Jungles fürsorgliche Mutter, die ihre Söhne auch im sozialen Wohnungsbau von QB qua einer familieninternen Bibliothek und Soulfood mit besseren Voraussetzungen ausstattete als die Cornerkids auf den Parkbänken. Wir wissen um Olu Daras Rolle als unzuverlässigem aber inspirierendem Vater und Blues-Musiker, der mal hier und mal dort, aber nie wirklich ganz aus Nasirs Leben verschwand. Wir wissen um Ill Wills Schicksal und wie loyal Nas auch fast 25 Jahre später immer noch diesem einen Abend gedenkt, als die Schüsse fielen. Wir wissen auch darum wie Mc Serch und das Columbia A&R-Team sich auf die Suche machten nach dem Jüngling, der bereits mit weniger als einer handvoll Gastverse Rap direkt in eine neue Ära hievte und gegen den die alten Idole direkt wie Rentner wirkten, noch bevor er ad hoc das bis heute universal als bestes Hip Hop-Album der Geschichte kanonisierte »Illmatic« auf den harten Asphalt stampfte.

Und dennoch ist One9s filmische Inszenierung des Weges hin zum einzig wahren Blueprint nicht redundant. Mit simplen Mitteln wie epischen Totalen und Trackingshots, grobkörnigen Nachrichten-Outtakes aus der Crack-Ära, Live-Performances und jeder Menge unaufgeregter Interviews mit Zeitzeugen und Hintergrundinformationen sogar für harte Nas-Komplettisten einem viel analysierten Kosmos einige neue Facetten hinzuzufügen. Das ist handwerklich solide und glücklicherweise auch mit weniger revisionistischem Impetus inszeniert als all diese eitlen Biopics anderer Rapper und damit der Schonungslosigkeit von »Illmatic« auch würdig. Was jedoch auch hier klar wird: egal wer sich an einer visuellen Aufbereitung versucht, gegen die Kraft und Tragweite der Verse bleibt jeder Regisseur machtlos. So ist »Time Is Illmatic« nämlich immer dann am besten, wenn es die pure Wortgewalt von Nas gar nicht erst versucht filmisch auszuschmücken und wir einfach nur, auch nach zwanzig Jahren, gänsebehäutet das Acappella von »It Ain’t Hard To Tell« mitlesen. Allein um sich dessen wieder bewusst zu werden, ist »Time Is Illmatic« ein Geschenk.

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