Music Review | verfasst 28.09.2015
Shit And Shine
Everybody's A Fuckin Expert
Editions Mego, 2015
Text Peter Gebert
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Redaktion
Cover Shit And Shine - Everybody's A Fuckin Expert

Ist ²Everybody’s A Fuckin Expert« der Albumtitel des Jahres? Die Hymne für all jene, die am grassierenden Dunning-Kruger-Effekt verzweifeln, der Projektmeeting und Kundengespräch und dann noch den Kneipenabend versaut, von der Menschheitsgeschichte ganz abgesehen? Craig Clouse hat ja als Shit And Shine noch andere Titel auf Lager. Erst im März dieses Jahres brachte er das Album »54 Synth-Brass, 38 Metal Guitar, 65 Cathedral« heraus. Oder hier die jüngste EP, allerdings von 2013: »Find Out What Happens When People Start Being Polite For A Fucking Change«. Nach bzw. neben der Mitgliedschaft in diversen Noise-/Doom-Rock-/Hardcore-Outfits in London und Austin, Texas gebiert er seit 2004 (erstes Album: »You’re Lucky To Have Friends Like Us«) als Shit And Shine ein ganz eigenes Universum, dessen roten Faden man wohl als Crust-Tribal zusammenfassen muss. Genauer: als reichlich unwiderstehlichen Crust-Tribal im Kaninchenkostüm. Ausgehend von abendfüllenden, Noise-Drone-getränkten Drum-Exzessen, die sich irgendwo zwischen The Velvet Underground, Faust, Butthole Surfers und nicht zuletzt Crash Worship wiederfanden und halbe Armeen von Gastmusikern verschlangen, ist Shit And Shine inzwischen bei einem Duo-Format angelangt, dessen energetischer Zustand beste Erinnerungen an frühe Meat Beat Manifesto wachruft, bei einem Sound, der Phoenecia und Spiral Tribe kurzschließt und auf einem Label (Editions Mego), das zwanzig Jahre auf genau diesen Sound gewartet haben mag. »Everybody’s A Fuckin Expert« schnurrt ab als bunter Zoo aus zwölf handlichen Electro-Mutanten, die allesamt klingen, als hätte man sie zu lang in zu kleinen Käfigen aus rostigem Blech gehalten, und deren zappliges Rumpeln und Bollern von den leergetrunkenen Fläschchen Natronlauge, die ihnen immer wieder zwischen die Speichen geraten, eher auf Spur gebracht wird als aus dem Gleichgewicht. Craig Clouse, das ist hinter all dem drangvollen Lo-Fi und trockenen Witz unverkennbar, ist nämlich vor allem Schlagzeuger. Und um zu erkennen, dass der Reigen vom brutzelnden Schießbuden-Jive in »Signal Failure« zum dezimierten Kompressor-Funk von »Chop The Night« zum glitzernen Würfelhusten von »Clapham North« verdammt catchy ist, muss man sicher eines nicht sein: Experte.

Das Album »Everybody’s A Fuckin Expert« von Shit And Shine findest du bei hhv.de: LP
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