Music Review | verfasst 16.10.2015
John Carpenter
Lost Themes Remixed
Sacred Bones, 2015
Text Kristoffer Cornils
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Redaktion
Cover John Carpenter - Lost Themes Remixed

2015, die alten Meister sind zurück. Das heißt genauer: Die alten Meister sind endlich angekommen. Giorgio Moroder brachte mit »Déjà Vu« sein erstes richtiges Album heraus, Jean-Michel Jarre und selbst Vangelis sind wieder hochaktiv. Auch der Grandseigneur des Horrorfilms und dessen Soundtrack debütierte in diesem Jahr mit »Lost Themes«. So groß das Vermächtnis John Carpenters auch ist, so wurde sein erstes so gesehen rein musikalisches Werk gemischt aufgenommen. Es stellte sich die Frage: Wie gut kann Carpenters Soundentwurf allein seine Wirkung entfalten? Anders gefragt: Wie viel Dramatik ist möglich, wenn niemand schauspielert? Es ist eine Frage, die sich noch dringender bei »Lost Themes Remixed« stellt, für das sich eine Reihe profilierter Artists angemeldet haben: Von Zola Jesus über Blanck Mass bis zur Industrial-Legende JG Thirlwell nehmen sich acht sehr unterschiedliche KünstlerInnen den Carpenterschen Originalen an. Gemeinsam ist jedoch allen der Hang zur Dramatik, zum Düsteren und Abgründigen. Bestes Beispiel: Prurient alias Dominick Fernow, der unter seinem Vatican Shadow-Pseudonym militaristische Ästhetik und kratzigen Techno verschränkt und der von »Purgatory« nur noch sphärischen Noise über lässt. Zola Jesus verpasst ihrer Neubearbeitung von »Night« gemeinsam mit Dean Hurley angefertigten Remix spärlich eingesetzte, verhallte Vocals und damit ungemein mehr bombastisches Pathos. Die beiden Stücke allein machen einen Kontrast auf, der für Carpenter einerseits als Kompliment zu verstehen ist – zeugt der doch von der Vielschichtigkeit des Komponisten –, andererseits aber auch das zentrale Problem von »Lost Themes Remixed« zum Ausdruck bringt: Es wird viel nach Effekten gehascht. Unterirdisch der brosteppige Remix des Skinny Puppy-Sängers ohGr, belanglos die Beiträge von Silent Servant, Uniform und Blanck Mass, überdreht JG Thirlwells Neuinterpretation von »Abyss«. Spannend wird es erst wieder bei Bill Kouligas, der den letzten Track einem Elektroakustik-Treatment unterzieht, das ganz subtil seine eigene Dramatik entfaltet. Solche Momente finden sich zu wenige auf »Lost Themes Remixed«: Wenn die Formeln mal außer Acht gelassen werden und sich dafür eigene Formen etablieren.

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