Music Review | verfasst 19.01.2016
Guy Reibel
Douze Inventions En Six Modes De Jeu
Karlrecords, 2015
Text Peter Gebert
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Redaktion
Cover Guy Reibel - Douze Inventions En Six Modes De Jeu

Das akusmatische Korsett der Groupe de Recherche Musicales (GRM), erste Adresse für elektronische Avantgarde in Frankreich, war Guy Reibel von Beginn an zu eng. Trotz seiner zeitweise tragenden Rolle als klangforschendem Assistent, ja designiertem Nachfolger ihres Kopfes Pierre Schaeffer, war ihm anderes wichtiger. Neuartige Konzepte des Komponierens, Einbeziehung der Interpreten mittels spieltheoretischer Ansätze etwa. Dann pädagogische Arbeit, moderne Chormusik, u.a. seit mittlerweile 25 Jahren die Leitung des Chors von Radio France. Sein elektronisches Pionierwerk ist darüber fast in Vergessenheit geraten. Die »Zwölf Inventionen in sechs Spielmodi«, die Karlrecords nun auf Vinyl zugänglich macht, harrten seit 1979 ihrer Veröffentlichung. Es bleibt leider im Dunkeln, wie diese Spielmodi aussehen. Aber die Klangwelt entschädigt das mit Einzigartigkeit: Eigentümlich wippende Schwingungen vollführen einfallsreiche Achterbahnfahrten, ihr spezieller Klang verdankt sich meist einer zukunftsweisenden Hybridisierung akustischer und elektronischer Formen. Mal erinnern sie an Tape-Umspulungen, mal an tropische Vögel, oft sorgen hochfrequente Tonanteile für gläserne Schärfe. Sie kratzen und splittern, drehen Pirouetten oder vollziehen Insekten gleich ruckhafte Flugmanöver. Als hätte man ein Kurzwellenradio auf einer noch heißen Herdplatte abgestellt und dort vergessen, werfen sie pfeifend platzende Blasen. Vier der Stücke wurden damals live eingespielt vom elektroakustischen Instrumentaltrio TM+, deren Einstreuung lockert den Sound angenehm auf. Wirklich hellwach wird das Ohr allerdings beim vierten Stück, »Fluide«, einer tief in Hauch- und Röchelklänge als Rauschgeneratoren hineinkriechende Studie, inklusive elektronischer Beifahrer und gelegentlicher Übersteuerungen. Vielleicht ein Vorbote von Guy Reibels Interesse an der Arbeit mit Stimme, bestimmt aber ein Erlebnis, das man bei GRM nicht auf dem Zettel hatte. Da war einfach ein »i« zu viel im Namen des Schöpfers.

Das Album »Douze Inventions En Six Modes De Jeu« von Guy Reibel findest du bei hhv.de: LP
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