Music Review | verfasst 24.03.2016
The Honeymoon Killers
Les Tueuers de la Lune de Miel
Crammed Discs, 2016
Text Kristoffer Cornils
Deine Bewertung:
/
Nutzer
6.9
Redaktion
Cover The Honeymoon Killers - Les Tueuers de la Lune de Miel

Kaum waren die »No Future«-Graffiti getrocknet, machten sich überall in der Welt junge Bands daran, die Zukunft neu zu erfinden. In Manchester, in London, in Düsseldorf, Berlin und Hamburg – aber auch Belgien. Gegründet wurden The Honeymoon Killers schon zwei Jahre vor dem Ausbruch von Punk, ihre Debüt-LP »Special Manubre« jedoch erschien auf dem Scheitelpunkt der kurzlebigen Bewegung im Jahr 1977. Das nun von Crammed Discs neu aufgelegte Album »Les Tueuers de la Lune de Miel« aus dem Jahr 1982 fasste eindeutig die »Histoire À Suivre«, die folgende Geschichte, ins Auge. Das ursprünglich nur auf der »Subtitled Remixed«-EP enthaltene »A Deep Space Romance« ist mehr ein mit Rockmusik unterlegtes Hörspiel, als dass es sich dabei um einen Song handelt – um die Scherereien und Liebeleien einer Astronautencrew mit ihrem Bordcomputer geht es, »2001 – A Space Odyssey« lässt grüßen. Die Zukunft, die The Honeymoon Killers allerdings auf dieser 32 Jahre alten Platte besungen haben, sie gehört schon längst wieder zur Vergangenheit. Die Band wird ins Reissue-Spielchen eingereiht, das uns zuletzt an die fantastischen Family Fodder erinnert hat und die Diskografie von This Heat – beides verwandte, wenngleich aus England stammende Bands – wieder erhältlich machte. Gegen die verblasst »Les Tueurs de la Lune de Miel« in Hinsicht auf Destruktionslust bei gleichzeitiger Poppigkeit. Der kuriose Charme der Honigmondmordenden liegt in ihrer Spielfreude, die zeitweise jazzige Ausbrüche erlebt und an ein anderes belgisches Projekt erinnert: The Ex. Dass die stilistischen Ausflüge in Richtung Reggae oder die schmerzhaften Vocoder-Experimente dagegen eher pflichtschuldig wirken, darüber lässt sich zwar hinwegsehen. Zu mehr als einer Handvoll Mini-Hits mit dem standardmäßigen Bonusmaterial in Form der EP und Live-Aufnahmen reicht es aber nicht unbedingt. Die Zukunft wurde damals schon radikaler gedacht und sieht heute viel greller aus als die Wiederauflage eine durchgehend unterhaltsame, nicht aber revolutionäre Post-Punk-Platte.

Ähnliche Artikel
Music Bericht | verfasst 18.05.2011
Skeletons
Live am 15.5. im West Germany in Berlin
Skeletons schicken uns mit ihren ekstatisch-eklektischen Lyriksalven auf einen melancholischen Trip, der noch dazu groovt. Mit ihrem Album People im Gepäck war die New Yorker Band gerade für einige Termine in Deutschland unterwegs.
Music Review | verfasst 29.11.2010
Konono No.1
Assume Crash Position
Die Musik von Konono No.1 klingt voll und reich, obwohl ihre Instrumente oft aus Schrott zusammengeschraubt sind.
Music Review | verfasst 19.11.2014
Jozef van Wissem
It Is Time For You To Return
Auf Jozef van Wissems Soundtrack zu »Only Lovers Left Alive« folgt die weniger überzeugende Platte »It Is Time For You To Return«.
Music Review | verfasst 16.01.2015
Taraf De Haidouks
Of Lovers, Gamblers And Parachute Skirts
Taraf De Haidouks’ Album »Of Lovers, Gamblers And Parachute Skirts« enthält rumänische Balladen, Roma-Liebeslieder, Tänze und Instrumentals.
Music Review | verfasst 04.04.2016
Konono No.1 meets Batida
Konono No.1 meets Batida
Konono No.1 sind eine der bekanntesten afrikanischen Bands der letzten Jahre. Für ihr neues Album haben sie sich mit Batida zusammengetan.
Music Review | verfasst 01.02.2017
Lula Pena
Archivo Pittoresco
Eine Gitarre, eine Stimme und halbes Dutzend Sprachen: Lula Penas drittes Album »Archivo Pittoresco« ist ein kleines Kuriosum.
Music Review
Lana del Ray
Blue Banisters
Nach »Chemtrails Over The Country Club« legt Lana Del Rey nach. »Blue Banisters« ist ein zur Musik gewordener Self-Care-Ratgeber.
Music Review
Bremer/McCoy
Natten
Jazz ist hip wie lange nicht mehr. Der Output ist groß. Mit »Natten« liefern die Dänen Bremer/McCoy einen großartigen Beittrag.
Music Review
Kuunatic
Gate Of Klüna
Das japanische Trio Kuunatic debütiert auf Glitterbeat mit »Gate of Klüna«, einem buchstäblich außerirdischem Psych-Rock-Meisterwerk.
Music Review
Quantic & Nidia Góngora
Almas Conctadas
Acht Jahre nach einer gemeinsamen EP intensivieren Nidia Góngora und Quantic ihre Zusammenarbeit mit dem Album »Almas Conctadas«.
Music Review
Various Artists
Shouts 2021 Vol.1&2
Mit »Shouts 2021« setzt das britische Label Rhythm Section International seinem Sound ein zweites Denkmal in Form einer Compilation.
Music Review
El Michels Affair
The Abominable EP
Mit »The Abominable EP« veröffentlichen El Michels Affair weitere Stücke aus den Sessions zu »Yeti Season«.
Music Review
Trip Shrubb
Trewwer, Leud Un Danz
Auf »Trewwer, Leud Un Danz« remixt sich Trip Shrubb durch eine Folkways-Platte von 1952. Mit beklemmendem Ergebnis.
Music Review
Jarvis Cocker
Chansons D'Ennui Tip-Top
Mit »Chansons D’Ennui Tip-Top« liefert Jarvis Cocker zwölf Cover von französischen Popsongs. Super langweilig und total schön.
Music Review
Dean Blunt
Black Metal 2
ist das Nonsens? Vertonung des Post-Everything? Der Tag der Apokylapse? Nein, es ist »Black Metal 2«, das neue Album von Dean Blunt.
Fashion Review
Parquet Courts
Sympathy For Life
Auf »Sympathy For Life«, dem neuen Album von Parquet Courts, wird der gute alte Rock zum Grooven gebracht.
Music Review
Grouper
Shade
»Shade« ist das zwöfte Album oder so von Grouper und die Frage lautet: Kann Liz Harris das Niveau der Vorgänger halten? Antwort: Sie kann.
Music Review
Ka Baird & Pekka Airaksinen
FRKWYS Volume 17: Hungry Shells
Auf »FRKWYS Volume 17: Hungry Shells« trifft die Stimmperformerin Ka Baird auf einen Toten: den finnischen Komponisten Pekka Airaksinen.
Music Review
Circuit Des Yeux
-io
Apokalpytische Metapher, schwarze Löcher: das neue Album »-io« von Circuit de Yeux ist erwartungsgemäß schwere Kost.
Music Review
Winter 2
Winter 2
Diffuses Gefühl des Verlorenseins: Winter 2 liefern mit ihrem Album »Winter 2« den Diskurs-Pop für das Jahr 2021.
Music Review
Viejas Raices
De Las Colonias Del Rio De La Plata
Wie für diese Gegenwart gemacht: »De Las Colonias Del Rio De La Plata« der argentinischen Band Viejas Raices von 1976 wurde neu aufgelegt.
Music Review
Warda
Khalik Hena
Das zuerst 1973 veröffentlicht »Khalik Hena« von Warda wurde nun via WeWantSounds zum ersten Mal seit damals wiederveröffentlicht,
Music Review
Maugli
Alba
Ein ganzer Fuhrpark an Instrumenten ist auf dem bei YNFND veröffentlichtem Debüt »Alba« von Maugli zu hören.
Music Review
MLO
Oumuamua
Virtual Dreams, die nächste: Music From Memory zollen dem Ambient-Duo MLO mit einer großen Zusammenstellung Tribut.
Music Review
Le Ren
Leftovers
»Leftovers«, das Debütalbum der kanadischen Sängerin und Songwriterin Le Ren, ist im besten Sinne provinziell.
Music Review
Hayden Thorpe
Moondust For My Diamond
Mit seinem zweiten Soloalbum »Moondust For My Diamond« verlässt der ehemalige Wild Beasts-Sänger Hayden Thorpe seine Isolation.
Music Review
Mac Miller
Faces
»Faces« sollte man hören, wenn man noch nie von Mac Miller gehört hat. Das Mixtape von 2014 ist nun auf Vinyl erschienen.
Music Review
Dos Santos
City Of Mirrors
Latin und Jazz kombiniert zu überzeugend unerwarteten Soings: Die amerikanische Band Dos Santos legt mit »City Of Mirrors« ihr Debüt vor.
Music Review
Efterklang
Windflowers
Ein Buschwindröschen im Eisblock: Selten hat ein Artwork die Musik einer Band besser symbolisiert als die von Efterklang auf »Windflowers«.
Music Review
Fennesz & Ryuichi Sakamoto
Cendre
»Cendre« von Fennesz & Ryuichi Sakamoto ist ein Album der fehlenden halben Sekunde. Jetzt wurde es erstmals auf Vinyl veröffentlicht.
Music Review
Sepehr
Survivalism
Für »Survivalism« bedient sich Sepehr in der Trickkiste des Hardcore Continuums, erweitert den UK-Sound aber noch um andere Facetten.
Music Review
Stef Mendesidis
Klockworks 33
Erwartet toolig: Auf »Klockworks 33« zeigt uns der griechische Producer Stef Mendesidis, wo der Hammer hängt.
Music Review
Ash Ra Tempel
Schwingungen
Genau vor 50 Jahren veröffentlichten Ash Ra Tempel ihr Album »Schwingungen«. Zum Jubiläum wird es jetzt wiederveröffentlicht.
Music Review
Akiko Yano
Ai Ga Nakucha Ne
»Ai Ga Nakucha Ne« von Akiko Yano erschien im Jahr 1982, wurde von Ryūichi Sakamoto produziert und bildet einen wilden Stilmix.
Music Review
The Pilotwings
Les Charismatiques
House, Rap, E-Gitarren, Cosmic, aberwitzige Samples: The Pilotwings holen mit »Les Charismatiques« zum Husarenstreich auf der Ulk-Skala aus.
Music Review
BadBadNotGood
Talk Memory
Nach fünf Jahren veröffentlichen die kanadischen Jazzer BadBadNotGood auf XL Recordings ihr neues Album »Talk Memory«.
Music Review
Tara Clerkin Trio
In Spring EP
Plötzlich voll da: Tara Clerkin Trio veröffentlicht die »In Spring EP« und bleiben eine der spannendsten, neuen Bands des Planeten.
Music Review
Xochimoki
Temple Of The New Sun
»Temple Of The New Sun« versammelt Stücke des Projekts Xochimoki, das in den 1980er-Jahren mesoamerikanische Musikformen neu interpretierte.
Music Review
Atmosphere
Word?
»Word?« korrigiert das Level, auf das sich Atmosphere in den letzten Jahren eingependelt haben, mal eben lässig nach oben.
Music Review
Soshi Takeda
Floating Mountains
Soshi Takeda vertont auf »Floating Mountains« für 100% Silk chinesische Gebirgslandschaften im Lo-Fi-House-Modus.
Music Review
Tony Allen
N.E.P.A. (Never Expect Power Always)
Auf dem 1984 veröffentlichten »N.E.P.A. (Never Expect Power Always)« addiert Tony Allen elektronische Elemente zu seinem Afrobeat.
Music Review
The Specials
Protest Songs 1924-2012
Die Wut ist nach innen gewandert: The Specials haben zwölf Protestlieder der letzten 100 Jahre für »Protest Songs 1924-2012« ausgesucht.
Music Review
Sault
NINE
»NINE« von Sault taucht alle Weißen in Salzsäure, schickt schöne Grüße aus den Stax Studios und hält eine Messe wie Yeezus.
Music Review
Cindytalk
Wappinschaw
Einmal begriffen, lebensverändernd: »Wappinschaw«, 1994 veröffentlichter Höhepunkt von Cindytalk, wurde jetzt wiederveröffentlicht..
Music Review
Various Artists
Eins Und Zwei Und Drei Und Vier
Kann eine Compilation über die Neue Deutsche Welle noch neue Einblicke ermöglichen? »Eins Und Zwei Und Drei Und Vier« zeigt, ja, das geht.
Music Review
Tirzah
Colourgrade
Tirzah meldet sich mit »Colourgrade« zurück. Die Themen haben sich verändert, die Qualität der Songs aber nicht. Und das ist gut so.
Music Review
Palmbomen II
Make A Film
Film ohne Musik ist möglich, aber sinnlos. Dachte sich Palmbomen II und entwarf mit »Make A Film« 24 Musikskizzen, die zum Filmen einladen.