Music Review | verfasst 10.06.2016
John Coltrane
The Atlantic Years In Mono
Atlantic, 2016
Text Jan Paersch
Deine Bewertung:
9.0
Nutzer (1)
8.9
Redaktion
Cover John Coltrane - The Atlantic Years In Mono

Gleich zwei essentielle Alben des Saxophonisten John Coltrane enthält diese neu remasterte 6LP-Box. Zum einen »Giant Steps«, das mit seinem Titelsong ein völlig neues harmonische Konzept etablieren sollte und Jazzmusiker bis heute beeinflusst. Zum anderen »Olé Coltrane« mit einer unglaublichen Begleitband um Freddie Hubbard an der Trompete, McCoy Tyner am Piano und Elvin Jones an den Drums. Der Titelsong erstreckt sich über die komplette A-Seite der Platte, ein fernöstlich bis mediterran angehauchtes Stück mit gleich zwei Kontrabassisten. »The Atlantic Years In Mono« enthält insgesamt sechs Alben aus der Zeit bei Atlantic Records zwischen Januar 1959 und Mai 1961. Als Bonus gibt es eine Nachbildung der Single »My Favorite Things Part I & II«, das als stark editierte 7-Inch-Single ein Radio-Hit für Coltrane wurde. Ist Coltrane auf den 1959er Aufnahmen, die in den nächsten drei Jahren veröffentlicht werden sollten, nur am Tenorsaxophon zu hören, wechselt er bei den folgenden drei Album-Sessions zwischen Sopran und Tenor. Zu der Zeit nahm er auch »My Favorite Things« auf, das auf der Box fehlt: die Master-Tapes wurden in einem Feuer zerstört. Von diesen Sessions stammt auch »Coltrane Plays The Blues«, abermals mit McCoy Tyner und Elvin Jones als Sidemen. Wie »The Avant-Garde« mit Co-Leader Don Cherry gehört es zu den Alben, die nach Auslaufen des Vertrages mit Atlantic ohne Coltranes Zustimmung veröffentlicht wurden. Zwar klang die LP mit Cherry längst nicht mehr so radikal, als sie sechs Jahre nach den Aufnahmen veröffentlicht wurde, enthält aber doch einige feine Soli der beiden. Eine Freude auch, Balladen und Blues auf »Bags & Trane« im Duett mit Vibraphonist Milt Jackson zu hören. Eine feine Box in schönem Leinen-Gewand, mit umfangreichen Booklet und Liner-Notes von Jazz-Koryphäe Ashley Kahn. Aber vor allem der Sound ist umwerfend – warm und brillant.

Die Vinyl-Box »The Atlantic Years In Mono« von John Coltrane findest du bei hhv.de: 6LP
Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Kolumne | verfasst 22.06.2016
Records Revisited
John Coltrane - Giant Steps (1960)
Auf dem Weg vom Bebop zum Free Jazz. Das 1959 aufgenommene »Giant Steps« füllt eine Lücke in der Geschichte des Jazz und ist gleichzeitig ein Riesenschritt in der künstlerischen Entwicklung des Ausnahmemusikers John Coltrane.
Music Review | verfasst 06.07.2018
John Coltrane
Both Directions At Once: The Lost Album
Durch das wiederentdeckte »Both Directions At Once: The Lost Album« ist das Schaffen von John Coltrane um ein großes Album reicher geworden.
Music Review | verfasst 02.10.2019
John Coltrane
Blue World
Wieder Unveröffentlichtes von John Coltrane. Auch wenn es sich bei »Blue World« »nur« um alternative Versionen bekannter Stücke handelt.
Music Review | verfasst 06.03.2011
The Streets
Computers & Blues
Computers & Blues kann durchaus als würdiger Abgang von Mike Skinner bezeichnet werden.
Music Review | verfasst 29.04.2011
Wiz Khalifa
Rolling Papers
Wiz Khalifa reitet auf der, aus seiner Pittsburgh Steelers Hymne Black And Yellow entstandenen Hypewelle, in die Bedeutungslosigkeit.
Music Review | verfasst 08.05.2012
Santigold
Master Of My Make-Believe
Santigold ist als Künstlerin gewachsen, hat genau in die Spur gefunden, die exakt auf dem Nerv des Zeitgeistes liegt.
Music Review | verfasst 29.01.2013
T.I.
Trouble Man: Heavy Is The Head
Auf seinem achten Studio-Album fordert Clifford Harris jetzt wenig erfolgreich seinen Trap-Thron zurück.
Music Review
Ziad Rahbani
Bennesbeh Labokra… Chou?
Mit der Reissue zu »Bennesbeh Labokra… Chou?« erweitert WeWantSounds den Blick auf das Schaffen des libanesischen Musikers Ziad Rahbani.
Music Review
Electric Party
Play
Mit »Play« veröffentlicht das Label Knekelhuis neun Stücke aus den Achtzigern der niederländischen Band Electric Party.
Music Review
Niklas Wandt
Balearische Bibliothek
Mit »Balearische Bibliothek« schafft Niklas Wandt einmal mehr Musik, in der sich Natur und Zivilisation auf Augenhöhe begegnen.
Music Review
Sophia Kennedy
Monsters
»Monsters«, das soeben bei City Slang veröffentlichte zweite Album von Sophia Kennedy, steht ihrem großartigen Debüt in nichts nach.
Music Review
Chihei Hatakeyama
Late Spring
Auf seinem fast 80. Album macht der japanische Ambient-Künstlers Chihei Hatakeyama nicht viel anders als zuvor, das aber sehr gut.
Music Review
Kasai Allstars
Black Ants Always Fly Together; One Bangle Makes No Sound
Eine neue Leichtigkeit ist auf »Black Ants Always Fly Together; One Bangle Makes No Sound«, dem neuen Album der Kasai Allstars zu hören.
Music Review
Roman Flügel
Eating Darkness
Das Beste kommt erst noch! Sagt zumindest Roman Flügel, der mit mit »Eating Darkness« für Running Back die grauen Wolken vertreiben möchte.
Music Review
Anthony Linell
Winter Ashes
Vorhang auf, Frühling! »Winter Ashes« von Anthony Linell ist, was übrig blieb. Und diese Musik wird uns auch noch eine Weile begleiten.
Music Review
Haftbefehl
Das Schwarze Album
Auf »Das Schwarze Album« wird der Offenbacher Rapper Haftbefehl vom Hollywood-Boss zum Türsteher der Höllenpforte.
Music Review
Vinicio Adames
Al Comienzo Del Camino
Nach 35 Jahren wurde »Al Comienzo Del Camino« des venezolanischen Elektronikpioniers Vinicio Adames wiederveröffentlicht.
Music Review
Michael Paul
Reggae Music
»Reggae Music«, der wirklich einzige Song von Michael Paul, wurde jetzt bei Kalita Records auf Vinyl 12" wiederveröffentlicht.
Music Review
Joseph Shabason
The Fellowship
Das wäre dann wohl die Fifth World: der kanadische Trompeter Joseph Shabason legt sein neues Album »The Fellowship« vor.
Music Review
Dinosaur Jr.
Sweep It Into Space
»Sweep It Into Space« ist ein typisches Album von Dinosaur Jr. und das beste seit vielen Jahren.
Music Review
The Basic Group
Expander
Unter dem Namen The Basic Group hat der Italiener Antimo Serino in den Achtzigern Musik komponiert. »Expander« fasst zehn Stücke zusammen.
Music Review
The Zenmenn
Enter The Zenmenn
Ein weiteres Debüt auf Music From Memory: »Enter The Zenmenn« von The Zenmenn breitet demonstrativ die Yogamatte aus.
Music Review
Der Plan
Save Your Software
»Save Your Software«, das nie veröffentlichte Album von Der Plan aus 1989, erhält jetzt doch noch einen Platz in deinem Plattenregal.
Music Review
Ssiege
Meteora
Niemand weiß so genau, wer hinter Ssiege steckt. Eins ist klar: neue Tracks sind jetzt unter dem Titel »Meteora« bei Knekelhuis erschienen.
Music Review
José Carlos Schwarz & Le Cobiana Djazz
Lua Ki Di Nos
Mit »Lua Ki Di Nos« blättert das Label Hot Mule das Leben des Poeten, Musikers und Widerstandskämpfers José Carlos Schwarz lohnenswert auf.
Music Review
Andy Stott
Never The Right Time
Zack! Ohne große Ankündigung hat der Mancurian Andy Stott mit »Never The Right Time« ein neues Album veröffentlicht.
Music Review
Kenny Mann with Liquid Pleasure
Kenny Mann with Liquid Pleasure
Mad About hat das vielgesuchte »Kenny Mann with Liquid Pleasure« wiederveröffentlicht.
Music Review
Masabumi Kikuchi
Hanamichi
Acht Jahre nach den Aufnahmen erscheint mit »Hanamichi« das letzte Album des japanischen Jazzpianisten Masabumi Kikuchi.
Music Review
Various Artists
Indaba Is
»Indaba Is«, die neueste Compilation von Gilles Peterson Brownswood Label, wirft die Scheinwerfer auf die südafrikanische Jazzszene.
Music Review
Francisco Mora Catlett
Mora! I
»Mora! I«, das Debüt des amerikanischen Schlagzeugers und Percussionisten Francisco Mora Catlett von 1986 wurde wiederveröffentlicht.
Music Review
Francisco Mora Catlett
Mora! II
Dubioser als der Erstling, ist dieser lange verschollene Nachfolger. Jetzt wurde »Mora! II« von Francisco Mora Catlett wiederveröffentlicht.
Music Review
Ryley Walker
Course In Fable
Musikalische Meisterschaft in jungen Jahren: zum neuen Album »Course In Fable« von Riley Walker.
Music Review
Mori-Ra
Japanese Breeze
»Japanese Breeze« kondensiert 12 Tracks aus der gleichnamigen Mix-Serie von Mori-Ra.
Music Review
Eloquent & Sonne Ra
Im In Hier
Die Attitude schreit Underground, der Mainstream fickt sich ins Knie. Eloquent & Sonne Ra veröffentlichen »Im In Hier« auf Sichtexot.
Music Review
Hudson Mohawke
Hudson's Heeters Vol.1
»HipHop, der klingt, als hättest du davon geträumt, HipHop zu hören« – Hudson Mohawkes legendäres Demo-Tape erscheint erstmals auf Vinyl.
Music Review
Flock Of Dimes
Head Of Roses
»Head Of Roses«, das zweite Soloalbum von Wye Oak’s Jenn Wasner, beleuchtet weise die Liebe in Zeiten unendlicher Wahlfreiheit.
Music Review
Godspeed You! Black Emperor
G_d’s Pee AT STATE’S END
»G_d’s Pee AT STATE’S END« ist das siebente Album der Kanadier von Godspeed You! Black Emperor und ihr bestes seit langem.
Music Review
Luca Yupanqui
Sounds Of The Unborn
Pränatale Kinderarbeit? »Sounds Of The Unborn« von Luca Yupanqui ist das erste Album einer ungeborenen Künstlerin.
Music Review
Jimi Tenor
Deep Sound Learning (1993-2000)
Bureau B hat unveröffentlichtes Material von Jimi Tenor geborgen und unter dem Titel »Deep Sound Learning (1993-2000)« veröffentlicht.
Music Review
Robbie Basho
The Art Of The Acoustic String Guitar 6 & 12
Robbie Basho gilt als Pionier der Steel Guitar. Jetzt wurde das tolle »The Art Of The Acoustic String Guitar 6 & 12« wiederveröffentlicht.
Music Review
Rogér Fakhr
Fine Anyway
Mit »Fine Away« hat das Label Habibi Funk Songs des libanesischen Songwriters Rogér Fakhr zusammengestellt und wiederveröffentlicht.
Music Review
S. Fidelity
Fidelity Radio Club
»Fidelity Radio Club« von S.Fidelity ist eine Melange aus Now-School-Rap, House und Funk, die den Produzenten als Schlüsselfigur entdeckt.
Music Review
Various Artists
Belong To The Wind
Ein Mix aus Peyote-Saft am Canapé und Kerzenschein beim Schlager-Open-Air: »Belong To The Wind« versammelt obskuren Psychrock der Siebziger.
Music Review
Tomaga
Intimate Immensity
Tomaga haben jetzt ihr letztes Album veröffentlicht. »Intimate Immensity« ist der Abschluss und der Höhepunkt dieses tollen Londoner Duos.
Music Review
Niko Tzoukmanis
Hope Is The Sister Of Despair
Erstmals 2013 erschienen, ist »Hope Is The Sister Of Despair« von Niko Tzoukmanis jetzt auf Libreville Records wiederveröffentlicht worden.
Music Review
Robert Cotter
Missing You
»Missing You«, 1976 veröffentlicht und von Robert Cotter mit Musikern von Chic aufgenommen, wurde auf WeWantSounds wiederveröffentlicht.
Music Review
Gary Bartz, Adrian Younge & Ali Shaheed Muhammad
Jazz Is Dead 006
Diesmal haben sich Adrian Younge und Ali Shaheed Muhammad den Saxophonisten Gary Bartz für »Jazz Is Dead« auf die Bühne geholt.
Music Review
Gotham (Talib Kweli & Diamond D)
Gotham
»Gotham« heißt das gemeinsame Werk von Talib Kweli und Diamond D, welches ganz der Stadt New York City gewidmet ist, ohne zu verklären.