Music Review | verfasst 27.06.2016
Christian Fennesz & Jim O'Rourke
It's Hard For Me To Say I'm Sorry
Editions Mego, 2016
Text Tim Caspar Boehme
Deine Bewertung:
7.3
Nutzer (3)
8.0
Redaktion
Cover Christian Fennesz & Jim O'Rourke - It's Hard For Me To Say I'm Sorry

Wer sich von Chicagos »Hard to Say I’m Sorry« nicht – und sei es gegen den eigenen Geschmack – auch nur für einen kurzen Moment erweichen lässt, hat kein Herz. Ob das Christian Fennesz und Jim O’Rourke genauso sehen, kann an dieser Stelle zwar nicht beantwortet werden. Zumindest aber erweisen die langjährigen musikalischen Weggefährten dem Song mit ihrem ersten reinen Duo-Album »It’s Hard For Me to Say I’m Sorry« gleich mehrfach ihre Reverenz: Neben dem Albumtitel führen auch die beiden je eine Schallplattenseite langen Stücke »I Just Want You To Stay« und »Wouldn’t Wanna Be Swept Away« ein Zitat aus diesem ersten weitgehend elektronisch produzierten Hit der beliebten Jazzrock-Band im Namen. Musikalisch wäre damit zugleich die stärkste Verbindung benannt, die sich von Chicago zu Fennesz und O’Rourke ziehen lässt: Denn die zwei Experimental-Großmeister artikulieren sich erneut mit elektronischen bzw. elektroakustischen Mitteln, die sie von sanft leuchtenden Harmonie-Kristallen bis zu eruptiven Dissonanzsplittern in einen kräftigen, diskret minutiös strukturierten Fluss bringen. Es ist eine große Geste, die sich als lässig Dahingeworfene tarnt. Und ob als Witz oder als Ehrerbietung – oder beides – gemeint: Der Titel ist ziemlich klasse.

Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Review | verfasst 13.03.2017
Kassel Jaeger & Jim O'Rourke
Wakes On Cerulean
Das scharfe, wache Ohr von Kassel Jaeger verleiht auf »Wakes On Cerulean« den Texturgebilden von Jim O’Rourke ihre anziehende Intensität.
Music Review | verfasst 03.03.2015
Oren Ambarchi & Jim O'Rourke
Behold
Oren Ambarchi & Jim O’Rourke feiern auch auf ihrer zweiten gemeinsamen Platte »Behold« die zurückgelehnten Frequenzen.
Music Review | verfasst 13.07.2020
Jim O'Rourke
Shutting Down Here
Anfang der Neunziger war Jim O’Rourke erstmals in den legendären GRM-Studios zu Gast. Für »Shutting Down Here« kehrte er dorthin zurück.
Music Porträt | verfasst 18.06.2015
Editions Mego
Warum machen, wenn es nicht seltsam ist?
Das ist keine Musik, zu der man den Abwasch erledigt. Es ist mal schwierige, mal akademische, mal einfach seltsame Musik. Es ist die Musik, die bei Editions Mego erscheint. Wir haben mit dem Peter Rehberg, dem Gründer des Labels gesprochen.
Music Review | verfasst 28.04.2014
Fennesz
Bécs
»Bécs«m Fennesz’ Rückkehr zum Label Editions Mego nach 13 Jahren, knüpft wieder stärker an den abstrakten Pop seiner früheren Platten an.
Music Review | verfasst 15.11.2017
Keiji Haino, Jim O'Rourke & Oren Ambarchi
This Dazzling, Genuine »Difference« Now Where Shall It Go?
Auf »This Dazzling, Genuine ›Difference‹ Now Where Shall It Go?« finden sich Keiji Haino, Jim O’Rourke und Oren Ambarchi erneut zusammen.
Music Review
William Basinski
Lamentations
Zeigemäßes zur Unzeit: William Basinski legt mit »Lamentations« sein vielleicht bestes Album seit den »Disintegration Loops« ab.
Music Review
Jabu
Sweet Company
Auf »Sweet Company« zeigt sich das Trio Jabu ausnahmsweise gut gelaunt. Der Musik fehlt trotzdem etwas. Das ist das Tolle daran.
Music Review
Emily A. Sprague
Hill, Flower, Fog
Schönheit im Reinzustand: Aus den USA kommen dank Emily A. Sprague und ihrem Album »Hill, Flower, Fog« endlich entspannte Signale.
Music Review
Camila Fuchs
Kids Talk Sun
Das Duo Camila Fuchs hat sein Zweitwerk »Kids Talk Sun« in der pittoresken Stadt Sintra in Portugal eingespielt. Das ist ihm a
Music Review
Meitei
Kofū
Mit dem Album »Kofū« beschließt Meitei seine Trilogie zu »japanischen Stimmungen«. Es ist seine bisher dynamischste Platte.
Music Review
Route 8
Rewind the Days of Youth
Auf seiner Debüt-LP braust Route 8 mit offenem Verdeck Richtung Vergangenheit. Vorgestrig ist »Rewind the Days of Youth« aber keineswegs.
Music Review
Michal Turtle
Michal Turtle Reinterpreted
Auf »Michal Turtle Reinterpreted« remixen sich zwölf Artists durch das in letzter Zeit wiederentdeckte Archiv des mysteriösen Briten.
Music Review
ana roxanne
Because of a Flower
Mit »Because of a Flower« gelingt ana roxanne das Meisterstück, ihren Sound auszudifferenzieren und stringenter denn je zu klingen.
Music Review
Various Artists
Endlich Normale Menschen Volume 1
Die zweite Ausgabe der Ear Clip Series heißt »Endlich normale Menschen Volume 1«, wurde von Low Bat kuratiert und ist wunderbar verwirrend.
Music Review
John Beltran
2020
John Beltran beschließt die Lost Canvas Series des Labels Mystic & Quantum mit »2020« und sehnt sich in einem Katastrophenjahr weit weg.
Music Review
Trees Speak
Shadow Forms
Mit »Shadow Forms«, ihrem zweiten Album in diesem Jahr, arbeiten sich Trees Speak weiterhin an Krautrock ab. Und zwar mit Erfolg.
Music Review
Various Artists
La Locura de Machuca 1975-1980
»La Locura de Machuca 1975-1980« versammelt abseitige Cumbia-Stücke. Das Gros wurde von einem abtrünnigen Steuerrechtsexperten komponiert.
Music Review
Parbleu
Danse Cette Zik
Parbleu ist das Projekt von Andrea Tartaglia und »Danse Cette Zik« sein farbenfrohes Debütalbum. So entspannt sollte die ganze Welt sein.
Music Review
Mr. Bungle
The Raging Wrath Of The Easter Bunny Demo
Eine bekackte Demo von 1986 wiederzuveröffentlichen ist das most Mr. Bungle thing, zu dem Mike Patton imstande ist.
Music Review
Terrace Martin, Robert Glasper, 9th Wonder, Kamasi Washington
Dinner Party EP
Lasst die »Dinnre Party EP« niemals enden: Terrace Martin, Robert Glasper, 9th Wonder und Kamasi Washington machen gemeinsam superbe Musik.
Music Review
Yuki Hayashi
OST My Hero Academia: Heroes Rising
Yuki Hayashi’s toller Soundtracks zu »OST My Hero Academia: Heroes Rising« erscheint jetzt auf Vinyl.
Music Review
Charlotte de Witte
Rave On Time
Solides Handwerk, keine Kunst: Auf der EP »Rave On Time« arbeitet sich Charlotte de Witte am Acid Techno der neunziger Jahre ab.
Music Review
Zenker Brothers
Cosmic Transmission
Auf »Cosmic Transmission«, dem neuen Album der Zenker Brothers, ist eher eine ruhigere Gangart angesagt. Ausnahmen bestätigen die Regel.
Music Review
Glenn Astro
Homespun
Eine der abenteuerlustigsten Clubmusik-Platten des Jahres: Glenn Astro hat sein neues Album »Homespun« auf Tartelet veröffentlicht.
Music Review
Naná Vasconcelos with Agustín Pereyra Lucena
The Incredible Nana
Das 1971 eingespielte Debüt des brasilianischen Percussionisten Naná Vasconcelos »The Incredible Nana« wurde wiederveröffentlicht.
Music Review
Kangding Ray
61 Mirrors / Music for SKALAR
Kangding Rays Musik für SKALAR, seine gemeinsame A/V-Installation mit Christopher Bauder, funktioniert prächtig als alleinstehendes Album.
Music Review
Felbm
Tape 3 & 4
Der Niederländer Felbm veröffentlicht mit »Tape 3 & 4« vierzehn unaufgeregte Jazzminiaturen auf Soundway.
Music Review
Loscil
coast/range/arc//
Das 2011 erschienene Album »coast/range/arc//« von Loscil führte durch frostige Bergwelten. Kranky hat es in erweiterter Form neu aufgelegt.
Music Review
Public Enemy
What You Gonna Do When The Grid Goes Down?
Kein bisschen leise: Public Enemy sind zurück auf Def Jam legen mit »What You Gonna Do When The Grid Goes Down?« ihr 15. Studioalbum vor.
Music Review
Machinedrum
A View Of U
Machinedrum ist weiterhin auf der Suche nach der Erleuchtung durch Trips. »A View Of U« ist wiederum keine Offenbarung.
Music Review
Minoru Fushimi
Hakodate Lady
»Hakodate Lady«, 1983 veröffentlichter, vielleicht wichtigster Release von Minoru Fushimi, wurde jetzt bei Left Ear wiederveröffentlicht.
Music Review
Azymuth, Ali Shaheed Muhammad & Adrian Younge
Jazz Is Dead 004
Ali Shaheed Muhammad und Adrian Younge haben sich für »Jazz Is Dead 004« die brasilianischen Legenden Azymuth eingeladen.
Music Review
Ryo Fukui
A Letter From Slowboat
Dass es nun ein Reissue von »A Letter From Slowboat« gibt, dürfte zumindest Jazzkenner freuen und Ryo Fukui mehr Aufmerksamkeit einbringen.
Music Review
Ryo Fukui
Ryo Fukui In New York
Ursprünglich 1999 veröffentlicht, hat We Release Jazz jetzt eine Neuauflage von »Ryo Fukui In New York« von Ryo Fukui veröffentlicht.
Music Review
Oliver Coates
Skins N Slime
Der Cellist Oliver Coates ist so eine Art Wi9edergänger von Arthur Russell. Jetzt hat er mit »Skins N Slime« ein neues Album veröffentlicht.
Music Review
Various Artists
Deutsche Elektronische Musik Vol.4
»Deutsche Elektronische Musik Vol.4« gibt einen Überblick über die Vorzüge vernachlässigter, deutscher Musik der Siebziger und Achtziger.
Music Review
The Budos Band
Long In The Tooth
Mit »Long In The Tooth« von The Budos Band könnte man wohl vorzüglich auf den ledrigen Schwingen eines Dämons durch die Unterwelt gleiten.
Music Review
Kevin Morby
Sundowner
Americana im besten Sinne des Wortes: Zum neuen Album »Sundowner« des großartigen amerikanischen Songwriters Kevin Morby.
Music Review
Various Artists
All Things Considered Vol.1
Die Compilation »All Things Considered Vol. 1« entführt für 38 Minuten in eine Welt, in der nur grüner Tee und die Kopfhörer zählen.
Music Review
Autechre
SIGN
»SIGN« ist das erste Album seit von Autechre seit 2013 und die Musik darauf ist so unmittelbar faszinierend, wie seit 20 Jahren nicht mehr.
Music Review
Nas
King's Disease
»King’s Disease« ist keine von #BLM inspirierte Gospelchor-Klischee-Sause auf die Black Culture, sondern das beste Nas-Album seit Jahren.
Music Review
Mrs. Piss (Chelsea Wolfe & Jess Gowrie)
Self-Surgery
»Self-SurgeryÍ von Mrs. Piss ist ein Album, dass die kollektive Gesamtscheiße des Jahres einfängt, absticht, vierteilt und verheizt.
Music Review
Culk
Zerstreuen über euch
Die Wiener Band CULK macht mit ihrer zweiten LP »Zerstreuen über euch« den Namen zum Programm und klingen obendrein noch mitreißend.
Music Review
El Mago
Kanénas
»Kanénas«, das Debüt von El Mago, verkabelt deutsche Elektronik mit griechischer Volksmusik. Ein bisschen Mystizismus gibt’s oben drauf.
Music Review
Eartheater
Phoenix: Flames Are Dew Upon My Skin
Mit »Phoenix: Flames Are Dew Upon My Skin« liefert Eartheater ihr wohl konventionellstes und damit merkwürdigstes Album ab.
Music Review
Future Islands
As Long As You Are
Es nicht verfehlt zu sagen, dass »As Long As Your Are«, das neue Album von Future Islands, auch ein politisches Album geworden ist.