Music Review | verfasst 06.09.2016
Aura
Aura
Aloha Got Soul, 2016
Text Tim Tschentscher
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Redaktion
Cover Aura - Aura

Als zur Hochphase der Disco-Ära Hawaii einem sprudelndem Quell voller Inspiration, Exotik und Tiefenentspannung glich, beeindruckten die Live-Auftritte der lokalen Künstler in den Clubs des Inselparadieses zwar, jedoch schafften sie es nur bedingt über die Grenzen der Insel hinaus bekannt zu werden. Während eines Gigs im Jahr 1978 überzeugten Aura mit einer flotten Coverversion des Kui-Lee-Klassikers »I’ll Remember You« Stan Richards, Besitzer eines der angesagtesten Disco-Clubs der Insel. Richards bot der Gruppe, die zu der Zeit noch als The Nomads auftraten, umgehend Auftritte an, die dann zu einem Plattenvertrag führten. Live-Bands mit großem Hit-Repertoire waren zu der Zeit nicht gerade selten. Richards begriff allerdings schnell die intime Chemie auf der Bühne. Denn die aus fast einem Dutzend exzellenter Musiker bestehende Band stammt beinahe ausschließlich aus der gleichen Familie. Den Kern bilden die acht Mendoza-Geschwister. »Aura« ist, gekennzeichnet durch das Schwestern-Duo Beverly Ann und Christine Ellen als Leadsängerinnen, süßer Mitternachts-Soul, dessen Klang durch stets präsente Bläser mehr Disco als Funk sein will. Die Balladen fließen deshalb wesentlich weicher, dennoch fehlt der obligatorische Funk-Break nicht. Durch die Vielzahl an beteiligten Musikern trägt »Aura« jedoch vor allem einen tief-jazzigen Orchester-Gedanken in sich. Auch für heutige Verhältnisse klingt das Album sehr sauber, da die Songs innerhalb weniger Sessions in Honolulus bestem Studio entstand, dem Broad Recording Studio. Leider fehlt bei dieser Reissue mit »Can’t Waste No Time« ein Highlight. Durch Aufkommen der DJ-Kultur gegen Mitte der 1980er Jahre, verloren Clubs das Interesse an Live-Bands. Aura trennten sich, die Mitglieder gingen einer geregelten Arbeit nach. Auch deshalb ist diese Platte ein authentisches Stück vergangener Zeitgeschichte.

Das Album »Aura« von Aura erscheint bei Aloha Got Soul Records.
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