Music Review | verfasst 27.10.2016
Geir Sundstøl
Langen Ro
Hubro Music, 2016
Text Peter Gebert
Deine Bewertung:
8.0
Nutzer (2)
6.9
Redaktion
Cover Geir Sundstøl - Langen Ro

Auf Hubro Music wird nicht nur an der Musik von morgen experimentiert. Das norwegische Label stellt auch gerne Musiker der zweiten Reihe ins Rampenlicht. Geir Sundstøl ist so einer. Auf über 260 Releases ist er zu hören, von a-ha bis Nils Petter Molvær, aber erst 2015 erschien schließlich sein Solodebüt »Furulund«, und zwar hier. Wie sein Labelkollege Stein Urheim ist Geir Sundstøl ein souveräner Multi-Gitarrist mit einem landestypischen Sinn dafür, Genres zu mischen. Sein Sound ist allerdings ein ganz anderer. Wo Urheim von Idee zu Geistesblitz stolpert, setzt Sundstøls Musik und Spiel behutsam eine Pfote vor die andere, ungezwungen, aber nichts dem Zufall überlassend. Sofort lullen die sanften Akkordstriche des Titelstücks seines zweiten Albums »Langen Ro« ein, über die Wellen segeln Pedal-Steel-Schwingen, und wenn dann die (beachtliche) Karawane der Klangbegleiter aus dem Schatten tritt, ist man schon im Fjordtraumland. Da ziehen dann vorbei Erland Dahlen und seine »Blossom Bells«, der Bass von (Møster!-Mitglied) Nikolai Eilertsen und so einiges mehr (auch Elektronik), das sich auf dem ganzen Album in aller Sanftheit oft so unscheinbar hält, dass man es nur mit ganz bewusstem Ohr ausmacht. Sundstøl selbst spielt traditionelle norwegische Weisen (»Gråtarslaget«) mit der Shankar Guitar, Giorgio Moroders »Tony’s Theme« mit Pedal Steel (und umgekehrt), sowie eine National Duolian Resonatorgitarre als drittem Hauptinstrument; in exotischere Ecken seiner Sammlung führen Cümbüş oder Marxophon. Seine ganze Klangmeisterschaft entfaltet sich schließlich in »Røk«, einem angezerrten Solo für Pedal. Aber: So beeindruckend und erhaben »Florianer« von Patschuli-duftendem Blues zu Country-Lagerfeuer, zu Sternenhimmel und cinematischem Sonnenaufgang wandelt (worin Dahlen noch eine »Legokiste« als Instrument unterbringt): Man fürchtet, dass die getragenen, sich direkt als Filmthemen empfehlenden Melodien und Landschaftsbilder bald den Weg des Verderbens in TV-Doku-Soundtracks gehen werden, wie Garbarek und der halbe ECM-Katalog zuvor. Bedenkenlos zu Weihnachten der älteren Verwandtschaft schenkbar.

Das Album »Langen Ro« von Geir Sundstøl ist bei Hubro Music erschienen.
Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Review | verfasst 20.10.2014
Møster!
Inner Earth
Møster!s »Inner Earth« ist zwar immer noch elektrisch, aber deutlich spannungsärmer als der Konzertmitschnitt aus dem Jahre 2010
Music Review | verfasst 13.03.2015
Huntsville
Pond
Mit ihrer Mischung aus Jazz, Minimal Music und Post-Rock bauen Huntsville auf »Pond« Spannung durch Statik auf.
Music Review | verfasst 23.04.2015
Monkey Plot
Angående omstendigheter som ikke lar seg nedtegne
Monkey Plots Behandlung von Schlagwerk, Kontrabass und Akustikgitarre erinnert an eine Art spontanen Klangaktionismus.
Music Review | verfasst 18.08.2015
Brutter
Brutter
Die Brüder Frederik und Christian Wallumrød haben als Brutter erstmals gemeinsam musiziert.
Music Review | verfasst 10.09.2015
Erland Dahlen
Blossom Bells
Der Schlagzeuger Erland Dahlen ist auf über 160 Schallplatten vertreten. Mit »Blossom Bells« rockt der Norweger eben allein.
Music Review | verfasst 25.11.2015
Ivar Grydeland
Stop Freeze Wait Eat
Der norwegische Gitarrist Ivar Grydeland erzeugt auf »Stop Freeze Wait Eat« eine paradoxe Schönheit, offen und hermetisch zugleich.
Music Review | verfasst 14.04.2016
Kim Myhr & Jenny Hval / The Trondheim Jazz Orchestra
In The End His Voice Will Be The Sound Of Paper
Trotz aller Abstraktheit stets eine schwebende Leichtigkeit: Jenny Hval schließt sich Kim Myhr unddem Trondheimt Jazz Orchestra an.
Music Review
Various Artists
Heisei No Oto - Japanese Left-Field Pop From The CD Age (1989-1996)
»Heisei No Oto« versammelt 16 verquere und träumerische Alternative-Pop-Songs aus einer Ära, in der die CD in Japan ihren Siegeszug antrat.
Music Review
Nermin Niazi
Disco Se Aagay
Grandiose Widerentdeckung: Als die Geschwister Nermin Niazi und Feisal Mosleh 1984 »Disco Se Aagay« aufnahmen, waren sie noch Kinder.
Music Review
Stereolab
Switched On Vol.4: Electrically Possessed
Das große Reissue-Projekt von Stereolab findet nun mit »Switched On Vol.4: Electrically Possessed« ein Ende.
Music Review
Mouse On Mars
AAI
Inspiriert von einem Text über künstliche Intelligenz von Louis Chude-Sokeis haben Mouse On Mars ihr neues Album »AAI« produziert.
Music Review
A Winged Victory For The Sullen
Invisible Cities
Adam Wiltzie und Dustin O’Halloran haben als A Winged Victory For The Sullen Musik für das Theaterstück »Invisible Cities« komponiert.
Music Review
Legowelt
Pancakes With Mist
»Pancakes With Mist«, das neueste Werk des niederländischen Virtuoso Legowelt, ist nun auch auf Vinyl erschienen.
Music Review
Pauline Anna Strom
Angel Tears In Sunlight
»Angel Tears In Sunlight« sollte das erste Album von Pauline Anna Strom nach 30 Jahren werden. Kurz vor Veröffentlichung ist sie verstorben.
Music Review
Tindersticks
Distractions
Lenkt die Liebe vom Leben oder das Leben von der Liebe ab: Tindersticks haben mit »Distractions« ein spannendes Album veröffentlicht.
Music Review
The George Otsuka Quintet
Loving You George
WeWantSounds macht mit »Loving You Geroge« eine Live-Aufnahme des The George Otsuka Quintets aus dem Jahr 1975 wieder verfügbar.
Music Review
Nancy Sinatra
Start Walkin' 1965-1976
»Start Walkin‘ 1965-1976« vereint die wichtigsten Songs von Nancy Sinatra und ist in diesem umfassenden Paket ein Pop-Schmankerl.
Music Review
Moggi (Piero Umiliani)
News! News! News!
»News! News! News!«, das Piero Umiliani vor 40 Jahren unter seinem Pseudonym Moggie veröffentlichte, wurde neu aufgelegt.
Music Review
Egyptian Lover
1986
Kraftwerk kann sich schleichen: Egyptian Lover lässt nicht locker und veröffentlicht mit »1986« neue Musik.
Music Review
Roots (Barney Rachabane)
Roots
»Roots«, das 1975 eingespielte Album des südafrikanischen Saxofonisten Barney Rachabane, wurde bei Frederiksberg wiederveröffentlicht.
Music Review
21 Savage & Metro Boomin
Savage Mode II
»Savage Mode II« von 21 Savage und Metro Boomin löst das Versprechen ein, dass die beiden 2016 auf ihrem Erstling heraufbeschworen haben.
Music Review
Stella Chiweshe
Ambuya!
Stella Chiweshes Musik entstand unter Widrigkeiten. Das Reissue ihres Debütalbums setzt folgerichtig ein Ausrufezeichen hinter dessen Titel.
Music Review
Omar Khorshid
With Love
Das 1978 im libanesischen Exil entstandene Album »With Love« des ägyptischen Gitarristen Omar Khorshid wurde wiederveröffentlicht.
Music Review
Al Wootton
Maenads
Mit »Maenads« kehrt der hochaktive Al Wootton auf sein Label Trule Records zurück. Die vier Tracks strömen eine ahnungsvolle Atmosphäre aus.
Music Review
Conny Frischauf
Die Drift
Lustig und nachdenklich, albern und rätselhaft: die Musik von Conny Frischauf auf »Die Drift« lässt auf eine Fortsetzung hoffen.
Music Review
Condry Ziqubu
Gorilla Man
Sehr sexy geballte Energie gegen Gewalt: Afrosynth veröffentlicht auf »Gorilla Man« Stücke des südafrikanischen Musikers Condry Ziqubu.
Music Review
Black Country, New Road
For the First Time
Black Country, New Road ist die Band der Stunde in Großbritannien. Ihr Debüt »For the First Time« ist soeben bei Ninja Tune erschienen.
Music Review
Orchestre Poly-Rythmo De Cotonou Dahomey
Orchestre Poly-Rythmo De Cotonou Dahomey
Tout puissant! Auf Superfly wurde das selbstbetitelte 1972er Album von Orchestre Poly-Rythmo De Cotonou Dahomey wiederveröffentlicht.
Music Review
Laurent Petitgirard
Suite Epique
»Suite Epique« des französischen Komponisten Laurent Petitgirard, erstmals 1972 erschienen, wurde jetzt bei Superfly wiederveröffentlicht.
Music Review
Various Artists
Somewhere Between: Mutant Pop, Electronic Minimalism & Shadow Sounds Of Japan 1980-1989
Japan in den 1980er Jahren, 14 unerhörte Songs. Zur neuen Compilation »Somewhere Between« auf Light In The Attic.
Music Review
Various Artists
Profondo Nero
Mit der Dekmantel-Compilation »Profondo Nero« beleuchtet der DJ Cinema Royale die dunkle Unterseite des Italo-Disco-Hypes.
Music Review
Witch
Introduction
Rockmusik aus Sambia: »Introduction«, das Debüt von Witch aus dem Jahr 1972, wurde bei Now-Again aufgehübscht und wiederveröffentlicht.
Music Review
Shame
Drunk Tank Pink
Wer hinter den Krach blickt, entdeckt eine Fülle an Details: die britischen Rocker Shame präsentieren mit »Drunk Tank Pink« ein neues Album.
Music Review
Biosphere
Angel's Flight
Gerade ist das Beethoven-Jahr vorüber, da veröffentlicht Biosphere mit »Angel’s Flight« auf dem »String Quartet No.14« basierende Musik.
Music Review
Various Artists
Berlin Atonal – More Light
2020 setzte auch das Berlin Atonal aus und kondensiert das geplante Programm nun in eine Compilation von außergewöhnlicher Geilheit.
Music Review
Hieroglyphics
Hiero Oldies Vol.1
Bis auf Kassette und digital erschienen, gibt es »Hiero Oldies Vol.1« der kalifornischen Rapcrew Hieroglyphics nun auch auf Schallplatte.
Music Review
Yu Su
Yellow River Blue
Auf ihrem Albumdebüt »Yellow River Blue« verfolgt die im kanadischen Vancouver beheimatete Musikerin Yu Su eine klare Idee.
Music Review
Tiziano Popoli
Burn the Night / Bruciare la Notte. Original Recordings, 1983-1989
Mit »Burn the Night / Bruciare la Notte« wird dem disparaten Schaffen des italienischen Eigenbrödlers Tiziano Popoli ein Denkmal gesetzt.
Music Review
Various Artists
Two Synths A Guitar (And) A Drum Machine
»Two Synths A Guitar (And) A Drum Machine« versammelt an die Achtziger angelehnten Post-Punk, der zum Tanzen einlädt.
Music Review
Emmanuelle Parrenin & Detlef Weinrich
Jours de Grève
Die Folklegende Emmanuelle Parrenin & Detlef Weinrich alias Tolouse Low Trax haben mit »Jours de Grève« ein wunderliches Album abgelegt.
Music Review
François De Roubaix
Les Secrets De La Mer Rouge O.S.T.
erstmals wird die Musik zur TV-Serie »Les Secrets De La Mer Rouge O.S.T.« von François De Roubaix auf Schallplatte veröffentlicht.
Music Review
Various Artists
Spiritual Jazz 13: NOW!
Nach einem halben Dutzend Ausgaben widmet sich »Spiritual Jazz 13: NOW!« nun den aktuellen Tendenzen des titelgebenden Genres.
Music Review
Various Artists
Cuba: Music and Revolution 1975-85
Gilles Peterson und Stuart Baker haben mit »Cuba: Music and Revolution 1975-85« die innovativen Momente der Zeit zusammengetragen.
Music Review
Conrad Schnitzler
Paracon (The Paragon Session Outtakes 1978-1979)
»Paracon (The Paragon Session Outtakes 1978-1979)« umfasst zehn unbekannte Stücke von Conrad Schnitzler aus seiner besten Phase.
Music Review
Ibrahim Khalil Shihab Quintet
Spring
Beschwingt und sonnendurchflutet: das erste Mal seit 40 Jahren wird »Spring« des südafrikanischen Ibrahim Khalil Shihab Quintets aufgelegt.
Music Review
Aminé
Limbo
Wie tief kann man gehen, ohne einzuknicken: der amerikanischer Rapper Aminé probiert’s auf seinem neuen Album »Limbo« aus.
Music Review
Badge Époque Ensemble
Future, Past & Present
Das kanadische Badge Époque Ensemble hat mit »Future, Past & Present« ein neues Albumveröffentlicht.
Music Review
Jorge Navarro
Navarro Con Polenta
Das Album »Navarro Con Polenta« des argentinischen Jazzpianisten Jorge Navarro aus dem Jahr 1977 wurde auf Altercat wiederveröffentlicht.