Music Review | verfasst 06.02.2017
Lift To Experience
The Texas-Jerusalem Crossroads
Mute, 2017
Text Martin Silbermann
Deine Bewertung:
7.0
Nutzer (2)
6.9
Redaktion
Cover Lift To Experience - The Texas-Jerusalem Crossroads

Als einziges Album des Trios aus Texas erlangte »The Texas-Jerusalem Crossroads« seit seiner Veröffentlichung 2001 so etwas wie Kultstatus. Dass John Peel Lift To Experience damals innerhalb von nur drei Monaten zu ganzen fünf Sessions einlud, trug natürlich noch dazu bei. Genau 15 Jahre später erscheint nun eine aus den Originalbändern komplett neu gemixte Version samt einigem Bonus-Material aus besagten Peel-Sessions. Das von Mastermind Josh T. Pearson als »Teenage-Sinfonie an Gott« beschriebene Konzept-Doppel-Album ist so bombastisch wie größenwahnsinnig. Lift To Experience bedienen sich bei Space- und Prog-Rock, Noise, Shoegaze und Drone – und sind somit ein Spiegelbild des damaligen Sounds zwischen Godspeed You! Black Emperor und My Bloody Valentine. Pearson, Sohn eines Predigers, erinnert zwar manchmal, wenn er tatsächlich singt, sogar an Jeff Buckley, doch zu oft verfällt er in Murmeln, Skandieren oder eben Predigen. Seine überambitionierten Texte voller Bibelzitate und apokalyptischen Szenarien sind deshalb wohl das größte Manko. Diese »Spoken-Word«-Passagen rauben den wahren Monstern von Songs schlichtweg oft die Kraft. Obwohl Pearsons Mitstreiter Andy »The Boy« Young und Josh »The Bear« Browning ihr Bestes tun, um den Laden zusammenzuhalten, franst das gut 90-minütige Werk doch an einigen Stellen gehörig aus. Angesichts der auch durch den Trump-Sieg symbolisierten Welle aus christlichem Fanatismus kann man abschließend höchstens noch fragen, ob der Zeitpunkt dieser Wiederveröffentlichung reiner Zufall sein kann.

Ähnliche Artikel
Music Review | verfasst 03.10.2011
S.C.U.M.
Again Into Eyes
Lebt die Rockmusik noch? Die Briten S.C.U.M. versuchen neue Akzente zu setzen und ringen um eine Wiederbelebung.
Music Review | verfasst 15.05.2014
Swans
To Be Kind
Ein Album zum Zerschmettern von Knochen: Swans machen mit »To Be Kind« da weiter, wo sie mit »The Seer« aufgehört haben.
Music Review | verfasst 24.06.2016
Mick Harvey
Delirium Tremens
Mick Harvey ergänzt sein Projekt mit englischen Übersetzungen der Lieder von Serge Gainsbourg mit »Delirium Tremens« um einen dritten Teil.
Music Review | verfasst 19.01.2017
Mick Harvey
Intoxicated Women
Mick Harvey verneigt sich auf »Intoxicated Man/Pink Elephants« abermals vor dem französischen Sänger und Songwriter Serge Gainsbourg.
Music Review | verfasst 01.11.2010
Yann Tiersen
Dust Lane
Tiersen schafft auf mit Dust Lane mit analogen vintage Synthezisern ein episches Album zwischen Folk, Filmmusik und Rock.
Music Review | verfasst 21.11.2011
Yann Tiersen
Skyline
Ziemlich genau ein Jahr nach Dust Lane erschein nun Skyline, das neue Album des Franzosen Yann Tiersen.
Music Review
Jan Jelinek
The Raw And The Cooked
Da hat uns Jan Jelinek mit »The Raw And The Cooked« ein schönes Süppchen gekocht. Lecker!
Music Review
Hozan Yamamoto & Yu Imai
Akuma Ga Kitarite Fue Wo Fuku
Der von Hozan Yamamoto und Yu Imai komponierte Soundtrack zum 1979er Film »Akuma Ga Kitarite Fue Wo Fuku« wurde jetzt wiederveröffentlicht.
Music Review
Low
HEY WHAT
Seit 30 Jahren machen Alan Sparhawk und Mimi Parker als Low Musik und erfinden sich dabei immer wieder aufs Neue. So auch auf »HEY WHAT«.
Music Review
Jolly Mare
Epsilon
Mediterrane Sommermusik: Mann muss sich das Meer von Jolly Mare auf »Epsilon« als ein fröhliches vorstellen.
Music Review
The Arpeggio Jazz Ensemble
Le-Le
An der Schwelle zu Acid Jazz wurde 1987 »Le-Le«, des The Arpeggio Jazz Ensembles aus Philadelphia veröffentlicht. Nun kommt eine Neuauflage.
Music Review
Venetian Snares
Rossz Csillag Alatt Született
Die endlich wiederveröffentlichte LP »Rossz Csillag Alatt Született« ist und bleibt das ambitionierteste Album von Venetian Snares.
Music Review
Park Hye Jin
Before I Die
»Before I Die«, das Debüt der aus Südkorea stammenden Musikerin Park Hye Jin, folgt einer ausgeklügelten Architektur.
Music Review
Xique-Xique
Na Lagoa
»Na Lagoa«, in die Lagune, begeben sich das brasilianische Duo Xique-Xique auf ihrem jetzt veröffentlichtem Debütalbum.
Music Review
Tülay German & François Rabbath
Tülay German & François Rabbath
Auf ihrem Debüt setzten sich Tülay German & Francois Rabbath 1980 mit türkischer Folklore auseinander. Das klingt weiterhin zeitlos.
Music Review
Sarah Davachi
Antiphonals
Milchig schimmernde Perlen: Die kanadische Musikerin Sarah Davachi hat mit »Antiphonals« ein großartiges neues Album veröffentlicht.
Music Review
Cass.
Ambient Music For A Young Girl
Von wegen Schnullerersatz: Cass.’ neues Album »Ambient Music For A Young Girl« bietet Ambient auch für Erwachsene an.
Music Review
Ian Carr
Belladonna
»Belladonna«, Ian Carrs Kleinod aus dem Jahr 1972, wurde jetzt wiederveröffentlicht. Jazzliebhaber sollten zugreifen.
Music Review
Arpanet
Inertial Frame
Die Vergangenheit holt die Zukunft ein: Mit »Inertial Frame« wird nun das letzte Album von Gerald Donalds Projekt Arpanet neu aufgelegt.
Music Review
Reuben Vaun Smith
Sounds From The Workshop
Konstant freundlich-sanfte Impulse: Reuben Vaun Smith hat mit »Sounds From The Workshop« sein zweites Album veröffentlicht.
Music Review
Duval Timothy
Sen Am
»Sen Am«, das 2017 veröffentlichte Album von Duval Timothy ist nun auf Schallplatte erhältlich. Es hat von seiner Kraft nichts eingebüßt.
Music Review
Al-Dos Band
Doing Our Thing With Pride
1976 aufgenommen, nie veröffentlicht, bis jetzt: Kalita bringt »Doing Our Thing With Pride« der elegant funkelnden Al-Dos Band zum Leuchten.
Music Review
The Pro-Teens
I Flip My Life Every Time I Fly
Ist Melbourne die Hauptstadt des Retro-Funk? Mit »I Flip My Life Every Time I Fly« schickt sich eine weitere Band an, das zu bestätigen.
Music Review
F.S.Blumm & Nils Frahm
2x1=4
»Brahms is nice, but King Tubby is nice as well.« Auf »2x1=4« fröhnen F.S.Blumm und Bils Frahm dem musikalischen Erbe der Dub-Musik.
Music Review
DJ Seinfeld
Mirrors
»Mirrors« heißt das zweite Album des schwedischen Produzenten DJ Seinfeld. Und verglichen mit früherer Musik, sind die Spiegel gut geputzt.
Music Review
Badge Epoch
Scroll
Mit wechselnden Musikern scrollt sich Max Turnbull aka Badge Epoch auf »Scroll« von Stück zu Stück durch Stile und Genres. Aber etwas fehlt.
Music Review
CHVRCHES
Screen Violence
Die schottische Band CHVRCHES positioniert sich auf »Screen Violence« politischer als jemals zuvor.
Music Review
Sorcerer
Kids World
»Kids World«, das neue Album des kalifornischen Musikers Daniel Saxon Judd aka Sorcerer ist bei Growing Bin erschienen.
Music Review
Sofie Birch & Johan Carøe
Repair Techniques
»Repair Techniques« ist ein klassisches Sofie-Birch-Album, aber nicht allein dank der Mitwirkung von Johan Carøe auch weit mehr als das.
Music Review
Leo Acosta
Acosta
Eine weitere musikärchäologische Ausgrabung ist dem Label Mad About mit »Acosta«, dem 1970 veröffentlichtem Album von Leo Acosta gelungen.
Music Review
Space Afrika
Honest Labour
Beim neuen Album von Space Afrika, »Honest Labour«, das soeben bei Dais Records veröffentlicht wurde, ist man auf diffuse Weise ergriffen.
Music Review
Villagers
Fever Dreams
Auf »Fever Dreams« schaffen die Villagers farbenprächtige Landschaften oder wie sie es nennen: Goldminen süßer Erinnerungen.
Music Review
Li Yilei
之/OF
Mehr als nur die übliche Pandemieplatte: Auf »之/OF« bringt Li Yilei eine prekäre Stimmungslage meisterhaft zum Ausdruck.
Music Review
Ebi (Susumu Yokota)
Space Teddy Collection II
Weitere tolle Tracks des 2015 verstorbenen japanischen Produzenten Susumu Yokota sind jetzt als »Space Teddy Collection II« erschienen.
Music Review
Joy Orbison
Still Slipping Vol.1
Mit »Still Slipping Vol.1« traut sich Joy Orbison erstmals mit einem Release jenseits der 25 Minuten.
Music Review
Devendra Banhart & Noah Georgeson
Refuge
Runterkommen und nach innen Horchen: Devendra Banhart und Noah Georgeson haben mit »Refuge« ein konsequent spirituelles Album aufgenommen.
Music Review
Lingua Ignota
Sinner Get Ready
Runde drei von Lingua Ignotas Abrechnung mit jenem Peiniger, der sie jahrelang unterjochte und für alle machtgeilen Arschlöcher steht.
Music Review
Various Artists
Habibi Funk: An Eclectic Selection Part 2
Das Berliner Label Habibi Funk legt mit »An Eclectic Selection Part 2« eine neue Compilation mit Musik aus der arabischen Welt vor.
Music Review
VC-118A
Spiritual Machines
Mit »Spiritual Machines« legt der Niederländer Samuel van Dijk als VC-118A abermals ein erstklassiges Album vor.
Music Review
Moin
Moot!
Gemeinsam mit Valentina Magaletti hat das Duo Raime sein Projekt für die LP »Moot!« nicht nur reaniminiert, sondern auch gleich erweitert.
Music Review
El Michels Affair Meets Liam Bailey
Ekundayo Inversions
Die Ideen gehen Leon Michels nicht aus: Auf »Ekundayo Inversions« remixt El Michels Affair das letzte Album des Reggaemusikers Liam Bailey.
Music Review
Various Artists
Modern Love (A Tribute To David Bowie)
Die Compilation »Modern Love (A Tribute To David Bowie)« such nach Bowies Verbindungen zu Soul, R&B, Jazz, Funk, Gospel.
Music Review
Don Rendell Quintet
Space Walk
Auf Decca werden jetzt Highlights des britischen Jazz wiederveröffentlicht. Darunter »Space Walk« des Don Rendell Quintets von 1972.
Music Review
Takeshi's Cashew
Humans In A Pool
Die Wiener Gruppe Takeshi’s Cashew feiern mit »Humans In A Pool« das Chaos unserer Zeit und den Übermut des Lebens.
Music Review
Prince
Welcome 2 America
»Welcome 2 America« deutlich mehr als ein weiteres Spätwerk von Prince und erweist sich als erstaunlich runde Sache.
Music Review
Various Artists
Journeys In Modern Jazz: Britain 1961-1973
Die Compilation »Journeys In Modern Jazz: Britain 1961-1973« erkundet eine hochinspirierte Szene, die sich zu dieser Zeit freigespielt hat.
Music Review
Billie Eilish
Happier Than Ever
Billie Eilish hat ihr zweites Album veröffentlicht und ist »Happier Than Ever«. Darauf erfindet sie sich neu.