Music Review | verfasst 01.03.2017
Thundercat
Drunk
Brainfeeder, 2017
Text Tim Tschentscher , Fotos © Brainfeeder
Deine Bewertung:
7.7
Nutzer (3)
7.9
Redaktion
Cover Thundercat - Drunk

Was dank Titel und Artwork zunächst nach Selbstgeißelung zu schreien droht, erweist sich bereits früh als irgendwie offensichtlichen, wohl aber gerade deshalb clever gewählten Unterton für Thundercat’s drittes Studioalbum. Zur Seite mit den Kräutern und der Chemie: Wann wurde dem Alkohol, der Droge aller Drogen, zumindest stilistisch gesehen das letzte Mal so authentisch gefrönt? Wann hat der Genuss von Destillaten zum letzten Mal kreativ so viel hergegeben, um damit ein 23-Song schweres Projekt anzutreiben? Ganz so, wie der körperliche Zustand es artikulieren würde, arbeitet »Drunk« trügerisch euphorisiert auf die immer paradoxer werdende Bewusstseinsverschiebung zu. Auf textlicher Ebene lebt sich Thundercat dabei zumeist gesellig, humorvoll und stellenweise zynisch aus, deutet gleichermaßen immer aber auch an, wie schnell und unvorhergesehen die eigentliche Heiterkeit kippen könnte. »It’s okay to disconnect sometimes«, gesteht er sich daher zu Beginn ein. So häufig, wie bei einem Gelage die Stimmungen wechseln, changiert Bruner ebenso abrupt zwischen den musikalischen Stilen. Mal erforscht er sein Instrument in progressivem Fusion-Jazz, badet oder eben schwimmt im Neo-Soul-Begriff der Soulquarians, kniet in tiefer Ehrfurcht vor seinen Yacht-Rock-Helden Michael McDonald und Kenny Loggins oder miaut sich, ja miaut, durch den Chorus. Der offensive Cartoon-Humor, auf Furzkissen sitzend über den Tod von Austin Peralta zu sinnieren, hält die ewig zwischen Lang- und Kurzatmigkeit pendelnde Reise zusammen. Gefühlsbetrunken ist »Drunk« vor allem voller Witz, tragisch und manchmal politisch. Ganz so, wie es wohl wäre, mit Bruner eine Nacht an der Theke zu verbringen.

»Drunk« von Thundercat findest du bei hhv.de: 4×10inch und CD
Ähnliche Artikel
Music Review | verfasst 29.08.2011
Thundercat
Golden Age Of Apocalypse
Steve Bruner, seines Zeichens Bassist bei Suicidal Tendencies, veröffentlicht sein ungewöhnliches Solodebüt auf Brainfeeder.
Music Review | verfasst 02.07.2013
Thundercat
Apocalypse
Können Dinge schlecht sein, über die Flying Lotus in höchsten Tönen spricht? Eben. Und »Apocalypse« ist tatsächlich ein unglaubliches Album.
Music Interview | verfasst 08.07.2013
Thundercat
»Ich spiele nur Bass.«
Mit seinem Bassspiel verbindet Stephen Bruner aka Thundercat Fusion, Jazz, Funk, Rock, Indie und Soul. Das steckt alles drin in seinem Sound, der aber immer den Bass und dessen Melodien und Rhythmen als Essenz in sich trägt.
Music Bericht | verfasst 06.06.2014
Flying Lotus, Captain Murphy & Thundercat
Live am 1.6. in der Live Music Hall in Köln
Thundercat. Flying Lotus als Flying Lotus. Und Flying Lotus als Captain Murphy. Alle an einem Abend. Es war ein Spagat zwischen höherer Musikmathematik und einfachem Bruchrechnen.
Music Kolumne | verfasst 14.08.2013
Zwölf Zehner
Juli 2013
Willkommen im August. Doch vorher lassen unsere Kolumnisten vom Dienst den Monat Juli musikalisch Revue passieren und destillieren in ihrer Kolumne Zwölf Zehner die wichtigsten zehn Tracks des Monats.
Music Kolumne | verfasst 12.12.2013
2013
Die 50 Alben des Jahres (Teil 2)
Es war ein richtig gutes Jahr für alle Musikconnaisseure. Wir haben uns durch Alben und Mini-Alben gehört und 50 Highlights zusammengetragen. Lest hier Teil 2 der Liste…
Music Review
Bonobo
Fragments
Bonobo selbst nennt sein neues Album »Fragments« sein Opus Magnum. Da könnte was dran sein.
Music Review
Michel Banabila
Echo Transformations
Seit 40 Jahren macht Michel Banabila ununterbrochen Musik. Sein neues Album »Echo Transformations« ist ein Highlight in seiner Karriere.
Music Review
Ichiko Aoba
Windswept Adan
Hierzulande ist die japanische Songwriterin Ichiko Aoba noch immer weitgeehnd unbekannt. »Windswept Adan« könnte das ändern.
Music Review
Maurice Louca
Saet El-Hazz (The Luck Hour)
Unmöglich, nordafrikanische Musik ausfindig zu machen, bei der Maurice Louca nicht beteiligt ist. Jetzt ist »Saet El-Hazz« erschienen.
Music Review
Soichi Terada
Asakusa Light
Soichi Terada gehört zum großartigsten was Japan in Sachen House zu bieten hat. Mit »Asakusa Light« ist jetzt ein neues Album erschienen.
Music Review
OG Keemo
Mann beisst Hund
Hat Deutschrap jemals intensiver geklungen? »Mann beisst Hund« ist zweifelsfrei der nächste große Wurf von OG Keemo und Funkvater Frank.
Music Review
Ugo Busoni
Valvole
Library Music ist für den Zweck geschrieben, Rundfunkbeiträgen einen Rahmen zu geben. »Valvole« von Ugo Busoni macht da keinen Hehl draus.
Music Review
Wadada Leo Smith, Douglas R. Ewart & Mike Reed
Sun Beans Of Shimmering Light
Auf »Sun Beans Of Shimmering Light« kommen die Jazzmusiker Wadada Leo Smith, Douglas R. Ewart und Mike Reed für einen Jam zusammen.
Music Review
Jeanne Lee
Conspiracy
Die Möglichkeiten der Stmme testet die amerikanische Jazzsängerin Jeanne Lee auf ihrem 1975er Album »Conspiracy« aus.
Music Review
Harry Pussy
Superstar
15 Songs in nicht mal 9 Minuten. Ist »Superstar« von Harry Pussy das kürzeste Album der Welt? Wir wissen es nicht.
Music Review
Jeff Parker
Forfolks
Sollte das Wörtchen Virtuosität noch irgendwo Platz finden, dann hier: Jeff Parker hat sich für »Forfolks« in eine Berghütte zurückgezogen.
Music Review
Various Artists
Essiebons Special 1973-1984
»Essiebons Special 1973-1984« versammelt Highlights und Rares des von Dick Essilfie-Bondzie gegründeten, ghanaischen Labels.
Music Review
Various Artists
Ritmo Fantasía
DJ Trujillo hat für »Ritmo Fantasía: Balearic Spanish Synth-Pop, Boogie And House (1982-1992)« Dance Music aus Spanien zusammenegtragen.
Music Review
Oliver Doerell & Jawad Salkhordeh
سایه (Sāje)
Für sein neues Projekt hat sich Oliver Doerell mit dem Iraner Jawad Salkhordeh zusammengetan. »»سایه (Sāje)« ist das Beste beider Welten.
Music Review
Trees Speak
Vertigo Of Flaws
Auf »Vertigo Of Flaws« erproben Trees Speak eine neue Vielseitigkeit. Die Grundelemente ihrer Musik bleiben aber erhalten.
Music Review
TRii Group
Interest In Music
Max Stocklosa wechselt seinen Künstlernamen oft. Auch auf »Interest In Music«, jetzt als TRii Group. Das Rätselhafte der Musik aber bleibt.
Music Review
You'll Never Get To Heaven
Wave Your Moonlight Hat For The Snowfall Train
Mit »Wave Your Moonlight Hat For The Snowfall Train« spinnt das kanadische Duo You’ll Never Get To Heaven weiter an kleinen Po-Träumereien.
Music Review
Leo Nocentelli
Another Side
Anfang der 1970er Jahre nimmt The Meter’s Leo Nocentelli ein Soloalbum auf. Keine fünfzig Jahre später ist »Another Side« erschienen.
Music Review
Ryuichi Sakamoto
Esperanto
1986 nur in Japan erschienen, ist Ryuichi Sakamoto’s »Esperanto« nun erstmals weltweit auf Schallplatte veröffentlicht worden.
Music Review
Beach Fossils
The Other Side Of Life: Piano Ballads
Die Beach Fossils um Chef-Slacker Dustin Payseur veröffentlichen mit »The Other Side Of Life: Piano Ballads« ein Pianoalbum.
Music Review
Fat Freddy's Drop
Wairunga
Fat Freddy’s Drop, eine der besten Live-Acts, veröffentlichen das live eingespielte Album »Wairunga«.
Music Review
Frank Hatchett
Sensational
»Sensational« versammelt Musik von Funk, Disco bis Proto-House, die der Choreographer Frank Hatchett für Tanzschulen konzipierte.
Music Review
Ben LaMar Gay
Open Arms To Open Us
Für sein Album »Open Arms To Open Us« holt der Jazzmusiker Ben LaMar Gay einige der Protagonisten der Chicagoer Szene zusammen.
Music Review
Irreversible Entanglements
Open The Gates
Der Jazz von Irreversible Entanglements aus »Open The Gates« ist frei aus dem Bauch heraus gespielt. So muss es sein.
Music Review
Pamela Z
Echolocation
Auf Freedom To Spend wurde unter den Titel »Echolocation« Musik der Künstlerin und Musikerin Pamela Z wiederveröffentlicht.
Music Review
Idee Du Femelle
Sequences
Mit Musica Maquina hat John Talabot ein Label aus der Taufe gehoben, um »Sequences« von Idee Du Femelle wiederzuveröffentlichen.
Music Review
Lee Ranaldo
In Virus Times
Rückzug, Einkehr und Besinnlichkeit: Mit »In Virus Times« hat auch Sonic Youth’s Lee Ranaldo ein »Corona-Album« veröffentlicht.
Music Review
Portico Quartet
Monument
Das Portico Quartet ist einfach da. Und hätte auch mit »Monument« ein viel, viel größeres Publikum verdient.
Music Review
David Behrman
ViewFinder / Hide & Seek
David Behrmans Werke gelten als Pionierstücke der elektronischen Avantgarde. Auf »ViewFinder / Hide & Seek« sind jetzt einige nachzuhören.
Music Review
Twit One
AUDDA Control
Überrascht trotz konventionellem Soundbild: Twit One hat mit »AUDDA Control« ein neues Album veröffentlicht.
Music Review
Mira Calix
Absent Origin
Wie oft musste Duchamp diesen Satz hören: Ist das Kunst oder kann das weg? Mira Calix nennt Duchamp als Inspiration für »Absent Origin«…
Music Review
Snail Mail
Valentine
Auf »Valentine« fallen die Gesten von Snail Mail noch größer als zuvor aus, am Effekt aber ändert das zum Glück nichts.
Music Review
Radiohead
Kid A Mnesia
Die beiden Radiohead-Klassiker »Kid A« und »Amnesiac« verbinden sich mit »Kid Amnesiae« zu »Kid A Mnesia«. Fans werden nicht vorbeikommen.
Music Review
Anz
All Hours
Sechs Stücke für einen 24-Stunden-Rave: Ambitioniert war Anz schon immer, mit »All Hours« aber wird sie zur Geschichtenerzählerin.
Music Review
L'Orange
World Is Still Chaos, But I Feel Better
»World Is Still Chaos, But I Feel Better«, das neue Album des Beatschmieds aus North Carolina ist fröhliche Weltuntergangsmusik.
Music Review
Lone
Always Inside Your Head
Die Melodien sind das Faustpfand, dass der Brite Lone immer wieder einbringt. So auch auf seinem neuen Album »Always Inside Your Head«.
Music Review
Lana del Ray
Blue Banisters
Nach »Chemtrails Over The Country Club« legt Lana Del Rey nach. »Blue Banisters« ist ein zur Musik gewordener Self-Care-Ratgeber.
Music Review
Bremer/McCoy
Natten
Jazz ist hip wie lange nicht mehr. Der Output ist groß. Mit »Natten« liefern die Dänen Bremer/McCoy einen großartigen Beittrag.
Music Review
Jamire Williams
But Only After You Have Suffered
Jamire Williams traut sich aus der Deckung und packt auf »But Only After You Have Suffered« die viele seiner musikalischen Facetten.
Music Review
Kuunatic
Gate Of Klüna
Das japanische Trio Kuunatic debütiert auf Glitterbeat mit »Gate of Klüna«, einem buchstäblich außerirdischem Psych-Rock-Meisterwerk.
Music Review
Johnny!
Karl Hector Presents: Johnny!
Mit dem Release von »Karl Hector Presents: Johnny!« tauchen die Gebrüder Weissenfeldt in den ghanaischen Afrorock der Siebziger ein.