Music Review | verfasst 13.03.2017
Kassel Jaeger & Jim O'Rourke
Wakes On Cerulean
Editions Mego, 2017
Text Peter Gebert
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Redaktion
Cover Kassel Jaeger & Jim O'Rourke - Wakes On Cerulean

Hat man genug von Konzepten und Geschichten, ist Jim O’Rourke immer gut. Seine chamäleonhafte Offenheit macht nicht nur sein Solowerk zu einem Strom von Wundertüten. Sie macht ihn auch zu einem außergewöhnlichen Mitstreiter, wie seine lange Karriere von Gastr Del Sol über Sonic Youth zu Fenn O’Berg bezeugt – um nur drei der Dutzenden von Marksteinen zu nennen. Auf Editions Mego fügte er letztes Jahr seinen beiden Duo-Alben mit Oren Ambarchi eines mit Fennesz hinzu, das erneut dem Partner die emotionale Führung überließ und hier dessen Noise-Romantizismus allen Raum gab. Dass er sich nun mit dem GRM-Klangforscher François Bonnet zusammenfindet, überrascht und macht neugierig. Unter seinem Alter Ego Kassel Jaeger produziert jener nämlich eine Musik ganz anderen Charakters: sanft, ausdifferenziert, feinfühlig, statt dem Wurf großer Gesten aufmerksame Hingabe, Eintauchen ins Innere akusmatischer Klänge. Wie nimmt man sich bei so jemandem zurück? Auf der poetischen Entdeckungsfahrt durch die himmelblauen Wirbel des auf zwei Albumseiten verteilten Titels spülen irisierende Halluzinationen und ferne Erinnerungen, Trugbilder tropischer Strände und verregneter Täler durchs auf sich selbst zurückgeworfene Bewusstsein, kommen unterm Sternenhimmel zu orgelflötender, knisternder Ruhe, bis das gläsern funkelnde Spiel des Sonnenaufgangs das Tagesrund wieder schließt. Von ihm zuzuordnenden Klangmaterial abgesehen verleiht Jim O’Rourke der Reise, so ahnt man, ihr zwangfreies Abenteuer, ob ereignisreich wie auf Seite A oder gelassen wie auf Seite B. Das scharfe, wache Ohr seines Partners verleiht seinen Texturgebilden ihre anziehende Intensität. Erst recht in den leisen Momenten.

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