Music Review | verfasst 11.04.2017
Future Islands
The Far Field
4AD, 2017
Text Anna Gyapjas
Deine Bewertung:
/
Nutzer
8.4
Redaktion
Cover Future Islands - The Far Field

Mag es noch sehr nach gefühlsverzücktem, weltentrückten Sturm und Drang klingen (und angesichts Samuel T. Herringtons markanten Bühnenperformances auch aussehen), man lasse sich bitte nicht lumpen: Hinter dem verträumten Bandnamen Future Islands stehen beinharte Männer vom Fach. Zunächst wird gejammt, dann notiert sich der Sänger, was ihm so drauf einfällt, und ob das Ergebnis ein Endergebnis ist, entscheidet die Feuerprobe vorm Publikum. Schon seit 15 Jahren. Mittlerweile weiß die Band aus Baltimore, Maryland also ganz genau, welche Melodien von welchen Basslinien angetrieben werden müssen, um, auf Synthieschwingen davongetragen, alle in vollster Ergriffenheit zurückzulassen. Dass sie das Album, das sie 2014 in den Mainstream befördert, ganz selbstgenügsam »Singles« betiteln – was für ein Understatement. Was für ein Coup. Kaum überrascht es daher, dass Future Islands in bewährter Manier weitermachen und, maschinenartigen Sounds große Gefühle entgegensetzend, auch diesmal nicht baden gehen. Wobei das emotionale Songwriting auf »The Far Field« teilweise gefährlich nah am Beckenrand unterwegs ist. Mag das zentrale, zeitlose und deshalb immer zeitgemäße Motiv der Reise gut gewählt sein. Dass es dabei vorbei an »Caves« und »Ancient Water« durch »Fields Of Roses«, sogar »Black Roses« geht und wahlweise »Candles«, ein »Day Glow Fire« oder ein »North Star« den Weg weisen, ist das Eine. Sprachbildliche Opulenz muss ja nicht zwangsläufig mit Kitsch einhergehen, oder? Doch noch ehe man sich versieht, ist Herrington in die Rolle des Predigers schlüpft, der seine diesseitsverwirrte Hörerschaft mit Zeilen wie »You don’t have to change« therapiert. Berühmt ist der Mann für seine kehlig drängende Stimme geworden, ein Timbre voll Weltschmerz, das auch auf »The Far Field« anklingt, für »Ran« etwa schöpft Herrington erneut aus den Vollen. Dass solch ein Stimmkaliber nur wenige Minuten später für Plattitüden wie »it’s not easy being human« herhalten muss, ist allerdings reinste Verschwendung.

»The Far Field« von Future Islands findest du bei hhv.de: ###HHV:524011 :Black Vinyl LP### und Whity Vinyl LP
Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Review | verfasst 24.03.2014
Future Islands
Singles
Auf »Singles« tanzen Future Islands in ungewohnt clean-klingender New Wave-Romantik Welt- und Herzschmerz einfach weg.
Music Review | verfasst 12.10.2020
Future Islands
As Long As You Are
Es nicht verfehlt zu sagen, dass »As Long As Your Are«, das neue Album von Future Islands, auch ein politisches Album geworden ist.
Music Bericht | verfasst 19.02.2014
Future Islands
Live am 17.2. im C-Club in Berlin
Die Absurdität in allen Farben und ganzem Ausmaß: Future Island gehören zu den besten Live-Bands unserer Zeit und stellten dies eindrucksvoll im C-Club am Montag unter Beweis.
Music Porträt | verfasst 11.04.2017
Future Islands
Das gute Gewissen des Schlagers
Bier und Beständigkeit, das brauchen die Menschen. Deshalb gehen sie auf Future-Islands-Konzerte. Die beste Liveband der Welt war gefühlt schon immer da, tatsächlich aber nie mehr als jetzt. Das muss Gründe haben.
Music Review | verfasst 04.04.2014
S O H N
Tremors
Klingt so die Zukunft? SOHN arbeitete bereits für Lana Del Rey und mit Banks. Die nächste Pop-Sensation für die Hornbrille? Vielleicht.
Music Review | verfasst 11.04.2016
Tim Hecker
Love Streams
Auf seinem neuen Album widmet sich der kanadische Klangzerstörer Tim Hecker einerpolitischen Frage. Was passiert, wenn »Love Streams«?
Music Review
Vinicio Adames
Al Comienzo Del Camino
Nach 35 Jahren wurde »Al Comienzo Del Camino« des venezolanischen Elektronikpioniers Vinicio Adames wiederveröffentlicht.
Music Review
Michael Paul
Reggae Music
»Reggae Music«, der wirklich einzige Song von Michael Paul, wurde jetzt bei Kalita Records auf Vinyl 12" wiederveröffentlicht.
Music Review
Joseph Shabason
The Fellowship
Das wäre dann wohl die Fifth World: der kanadische Trompeter Joseph Shabason legt sein neues Album »The Fellowship« vor.
Music Review
Dinosaur Jr.
Sweep It Into Space
»Sweep It Into Space« ist ein typisches Album von Dinosaur Jr. und das beste seit vielen Jahren.
Music Review
The Basic Group
Expander
Unter dem Namen The Basic Group hat der Italiener Antimo Serino in den Achtzigern Musik komponiert. »Expander« fasst zehn Stücke zusammen.
Music Review
The Zenmenn
Enter The Zenmenn
Ein weiteres Debüt auf Music From Memory: »Enter The Zenmenn« von The Zenmenn breitet demonstrativ die Yogamatte aus.
Music Review
Der Plan
Save Your Software
»Save Your Software«, das nie veröffentlichte Album von Der Plan aus 1989, erhält jetzt doch noch einen Platz in deinem Plattenregal.
Music Review
Ssiege
Meteora
Niemand weiß so genau, wer hinter Ssiege steckt. Eins ist klar: neue Tracks sind jetzt unter dem Titel »Meteora« bei Knekelhuis erschienen.
Music Review
José Carlos Schwarz & Le Cobiana Djazz
Lua Ki Di Nos
Mit »Lua Ki Di Nos« blättert das Label Hot Mule das Leben des Poeten, Musikers und Widerstandskämpfers José Carlos Schwarz lohnenswert auf.
Music Review
Andy Stott
Never The Right Time
Zack! Ohne große Ankündigung hat der Mancurian Andy Stott mit »Never The Right Time« ein neues Album veröffentlicht.
Music Review
Kenny Mann with Liquid Pleasure
Kenny Mann with Liquid Pleasure
Mad About hat das vielgesuchte »Kenny Mann with Liquid Pleasure« wiederveröffentlicht.
Music Review
Masabumi Kikuchi
Hanamichi
Acht Jahre nach den Aufnahmen erscheint mit »Hanamichi« das letzte Album des japanischen Jazzpianisten Masabumi Kikuchi.
Music Review
Various Artists
Indaba Is
»Indaba Is«, die neueste Compilation von Gilles Peterson Brownswood Label, wirft die Scheinwerfer auf die südafrikanische Jazzszene.
Music Review
Francisco Mora Catlett
Mora! I
»Mora! I«, das Debüt des amerikanischen Schlagzeugers und Percussionisten Francisco Mora Catlett von 1986 wurde wiederveröffentlicht.
Music Review
Francisco Mora Catlett
Mora! II
Dubioser als der Erstling, ist dieser lange verschollene Nachfolger. Jetzt wurde »Mora! II« von Francisco Mora Catlett wiederveröffentlicht.
Music Review
Ryley Walker
Course In Fable
Musikalische Meisterschaft in jungen Jahren: zum neuen Album »Course In Fable« von Riley Walker.
Music Review
Mori-Ra
Japanese Breeze
»Japanese Breeze« kondensiert 12 Tracks aus der gleichnamigen Mix-Serie von Mori-Ra.
Music Review
Eloquent & Sonne Ra
Im In Hier
Die Attitude schreit Underground, der Mainstream fickt sich ins Knie. Eloquent & Sonne Ra veröffentlichen »Im In Hier« auf Sichtexot.
Music Review
Hudson Mohawke
Hudson's Heeters Vol.1
»HipHop, der klingt, als hättest du davon geträumt, HipHop zu hören« – Hudson Mohawkes legendäres Demo-Tape erscheint erstmals auf Vinyl.
Music Review
Flock Of Dimes
Head Of Roses
»Head Of Roses«, das zweite Soloalbum von Wye Oak’s Jenn Wasner, beleuchtet weise die Liebe in Zeiten unendlicher Wahlfreiheit.
Music Review
Godspeed You! Black Emperor
G_d’s Pee AT STATE’S END
»G_d’s Pee AT STATE’S END« ist das siebente Album der Kanadier von Godspeed You! Black Emperor und ihr bestes seit langem.
Music Review
Luca Yupanqui
Sounds Of The Unborn
Pränatale Kinderarbeit? »Sounds Of The Unborn« von Luca Yupanqui ist das erste Album einer ungeborenen Künstlerin.
Music Review
Jimi Tenor
Deep Sound Learning (1993-2000)
Bureau B hat unveröffentlichtes Material von Jimi Tenor geborgen und unter dem Titel »Deep Sound Learning (1993-2000)« veröffentlicht.
Music Review
Robbie Basho
The Art Of The Acoustic String Guitar 6 & 12
Robbie Basho gilt als Pionier der Steel Guitar. Jetzt wurde das tolle »The Art Of The Acoustic String Guitar 6 & 12« wiederveröffentlicht.
Music Review
Rogér Fakhr
Fine Anyway
Mit »Fine Away« hat das Label Habibi Funk Songs des libanesischen Songwriters Rogér Fakhr zusammengestellt und wiederveröffentlicht.
Music Review
S. Fidelity
Fidelity Radio Club
»Fidelity Radio Club« von S.Fidelity ist eine Melange aus Now-School-Rap, House und Funk, die den Produzenten als Schlüsselfigur entdeckt.
Music Review
Various Artists
Belong To The Wind
Ein Mix aus Peyote-Saft am Canapé und Kerzenschein beim Schlager-Open-Air: »Belong To The Wind« versammelt obskuren Psychrock der Siebziger.
Music Review
Tomaga
Intimate Immensity
Tomaga haben jetzt ihr letztes Album veröffentlicht. »Intimate Immensity« ist der Abschluss und der Höhepunkt dieses tollen Londoner Duos.
Music Review
Niko Tzoukmanis
Hope Is The Sister Of Despair
Erstmals 2013 erschienen, ist »Hope Is The Sister Of Despair« von Niko Tzoukmanis jetzt auf Libreville Records wiederveröffentlicht worden.
Music Review
Robert Cotter
Missing You
»Missing You«, 1976 veröffentlicht und von Robert Cotter mit Musikern von Chic aufgenommen, wurde auf WeWantSounds wiederveröffentlicht.
Music Review
Gary Bartz, Adrian Younge & Ali Shaheed Muhammad
Jazz Is Dead 006
Diesmal haben sich Adrian Younge und Ali Shaheed Muhammad den Saxophonisten Gary Bartz für »Jazz Is Dead« auf die Bühne geholt.
Music Review
Gotham (Talib Kweli & Diamond D)
Gotham
»Gotham« heißt das gemeinsame Werk von Talib Kweli und Diamond D, welches ganz der Stadt New York City gewidmet ist, ohne zu verklären.
Music Review
Roc Marciano
Mt. Marci
»Mt. Marci«, Roc Marcianos Album aus dem letzten Jahr, ist nun endlich auf Vinyl erschienen.
Music Review
Steve O'Sullivan
Green Trax
Eine höchst aufschlussreiche Irrfahrt in die Techno-Historie: »Green Trax« versammelt Perlen des britischen Produzenten Steve O’Sullivan.
Music Review
Selda Bağcan
Selda
Das 1973 entstande Album »Selda« von Selda Bağcan ist eines der schönsten Zeugnisse türkischer Musik. Jetzt wurde es wiederveröffentlicht.
Music Review
Nils Frahm
Graz
Mit fast 12 Jahren Verspätung erscheint nun erstmals das in »Graz« aufgenommene Debütalbum von Nils Frahm.
Music Review
Michel Banabila
Wah-Wah Whispers
Mit »Wah-Wah Whispers« veröffentlicht das Hamburger Label Burea B zwischen 2013 und 2020 entstandene Stücke des Musikers Michel Banabila.
Music Review
Irena & Vojtěch Havlovi
Melodies In The Sand
»Melodies In The Sand« versammelt Stücke aus drei Jahrzehnten des tschechischen Musikerpärchens Irena und Vojtěch Havlovi.
Music Review
Various Artists
Edo Funk Explosion Vol.1
Analog Africa gräbt mit »Edo Funk Explosion Vol.1« den explosiven Sound des nigerianischen Bundesstaats Edo in den 1970er Jahren aus.
Music Review
Moor Mother & billy woods
BRASS
Moor Mother & billy woods… und noch ein gutes Dutzend mehr: Camae Ayewa dominiert »BRASS«, aber alle anderen dürfen auch mitreden.
Music Review
Various Artists
Silk Road Journey Of The Armenian Diaspora (1971-1982)
Darone Sassounian hat sieben Stücke für die Compilation »Silk Road Journey Of The Armenian Diaspora (1971-1982)« zusammengestellt.