Review

Sokratis Votskos Quartet

Sketching The Unknown

Jazzman • 2019

Der Auftritt ist noch wacklig, die (Social) Media-Präsenz ausbaufähig. Ganz ungewohnt heutzutage, wo noch die kleinste Hinterhofband eine wohlgepflegte Homepage, Facebook- und Instagram-Seite aufbietet und sich das Feld der Professionalität immer mehr hierher bewegt. Doch beim Sokratis Votskos Quartet ist kaum etwas zu finden. Davon sollte man sich nicht beirren lassen. Schon alleine, dass Jazzman, jenes ultra-geführte britische Label, sein Gütesiegel aufdrückt, darf hoffen lassen. Auf »Sketching the Unknown«, dem Debüt-Album der von Sokratis Votskos geführten Band, beweist man direkt Wettkampfhärte. Die Band verschreibt sich der Überführung althergebrachter Standards aus 3000 Jahren griechischer Musikgeschichte in moderne Klangwelten. Der Auftakt »Almopian Etudes« ist dementsprechend nicht nur dem alt-paionischen Völkchen der Almopianer gewidmet, sondern erforscht tatsächlich mit den Mitteln des Modal-Jazz‘ phrygische Ton-Skalen. Votskos, der hier das Sopran-Saxophon (die alte »güldene Klarinette«) in höchste Höhen treibt, bleibt im wunderhaft uneuropäisch klingenden Zusammenspiel mit dem Piano (Leandros Pasias), dem Kontrabass (Evangelos Vrachnos) und dem zitterndem Schlagzeug von Kostas Anastasiadis. Diese bieten den Teppich auf dem er seine Kapriolen schlagen darf, wozu auch gehört dem Saxophon auch mikrotonale Blasmanöver abzuringen. Das klingt manchmal abstrakt, dann wiederum nach Yann Tiersen – was sicherlich auch am klaren Pianoklang liegen mag. Auf dem Closer »Syncopatient« wird dann die Bass-Klarinette ausgepackt, was direkt eine ungewohnt warme Klangfärbung miteinbringt und so dem Album einen würdigen Abschluß bietet.