Manchmal reicht ein Akkord, um sich getragen zu fühlen. Buck Meeks viertes Soloalbum The Mirror macht genau das: Es hüllt einen ein in eine fast kindliche, zuckerwattefarbene Leichtigkeit, die trotzdem nicht banal wirkt. Klare Gitarren, eine twangige, warme, leicht brüchige Stimme, elf Songs, die sich anfühlen wie der erste wirklich helle Frühlingstag nach zu viel Grau. Und doch passiert unter dieser hellen Oberfläche mehr. Meek – in Texas aufgewachsen, Gitarrist von Big Thief – schreibt keine einfachen Wohlfühlhymnen. Ihn interessieren Fragen mehr als Antworten. Der Spiegel im Albumtitel ist keine Deko, sondern Programm: Beziehungen, Sprache und Selbstbilder werden hier leicht verschoben betrachtet. Wenn er in »Heart in the Mirror« von rückwärts lesbarer Liebe singt oder in »Can I Mend It« vorsichtig an der eigenen Reparaturfähigkeit rüttelt, bekommt die Leichtigkeit feine Risse.
Produziert mit James Krivchenia, mischt The Mirror organische Bandwärme mit elektronischem Feingefühl. Vieles wurde live eingespielt, Synthesizer legen sich wie ein zweiter, leicht schimmernder Film darüber. Trotz zahlreicher Mitwirkender bleibt der Sound allerdings erstaunlich homogen: Die Songs bewegen sich oft in ähnlichem Tempo, in vergleichbaren Gitarrenfarben. Trotzdem: Die Stimmung trägt. Nicht jedes Album muss alles sprengen. The Mirror ist vielleicht nichts für Menschen, die nach Brüchen oder maximaler Dramatik suchen. Aber für alle, die sich für knappe 40 Minuten auf diese Stimmung einlassen wollen, funktioniert es ziemlich gut: blumig, ohne kitschig zu sein, melancholisch, ohne zu kippen.

The Mirror Crystal Clear Vinyl Edition Edition