Film Review | verfasst 24.11.2011
Various Artists
Backyard - The Movie
Morr Music, 2011
Text Patrick Cavaleiro
Deine Bewertung:
7.0
Nutzer (1)
7.0
Redaktion
Cover Various Artists - Backyard - The Movie

Der isländische Regisseur Árni Sveinsson hat bereits vergangenes Jahr eine Musik-Dokumentation gedreht, die beim letztjährigen Icelandic Airwaves-Festival ihre Premiere feierte: in Backyard – The Movie begibt er sich auf die Spuren des »creative spirit of Reykjavik«, wie der Untertitel des Films verlautet – schließlich ist es schon beeindruckend, welch kreativer Output aus dieser Stadt kommt, die weniger Einwohner hat als Berlin-Neukölln. Dafür hat er Árni Rúnar Hlöðversson von der Elektropop-Band FM Belfast begleitet, wie dieser ein kleines Festival in einem Hinterhof neben seinem 10m² großen Container-Studio, mitten in einer Nachbarschaft in Reykjavik organisiert, bei dem zahlreiche Bands aus der Stadt spielen. Mit der Dokumentation räumt Sveinsson auch die letzten Zweifel aus dem Weg, dass es sich bei Musik aus Island grundsätzlich nur um sphärischen Barock-Pop handelt: Mit dabei sind neben FM Belfast selbst auch die Durchstarter dieses Sommers, Retro Stefson, oder die wütende Hardcore-Band »Reykjavik!«, die stellenweise an At The Drive-In erinnert. Ruhige Töne gibt’s aber auch und kommen u.a. von Sin Fang, Hjaltalín oder den altehrwürdigen Múm.
Die Musik ist aber nicht das einzige, was der Regisseur in den Fokus nimmt: In Backyard zeigt er nicht nur den Alltag des Musikers Hlöðversson in Reykjavik, sondern auch die weltweit gefeierten Musiker der verschiedenen Bands auf entwaffnend normale Weise. Dabei stellen wir fest, dass isländische Musiker keine Eremiten sind, die mitten im Nichts wohnen, um den typisch isländischen Spirit von unendlicher Weite, unangetasteter Natur und Einsamkeit einzufangen, sondern Menschen wie du und ich sind. Wir sind dabei, wenn FM Belfast-Effekt-Frickler Hlöðversson in den umliegenden Vierteln Schreiben verteilt, die – um Rücksichtnahme bittend – auf die Veranstaltung hinweisen, wir werden in Wohnungen mitgenommen, schauen beim Pizzabacken zu, oder sind dabei, wenn das letzte organisatorische Meeting vor dem Mini-Festival in einer Imbissbude stattfindet. Begleitet wird die DVD von einer CD, die Live-Aufnahmen des kleinen Festivals beinhaltet.

Den Film Backyard – The Movie von Árni Sveinsson findest du bei hhv.de:
Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Review | verfasst 19.08.2011
FM Belfast
Don't Want To Sleep
FM Belfast bewiesen bereits auf ihrem Debüt ihren Hang zur Tanzmusik der 80er und 90er Jahre. Dieser Weg wird jetzt verfeiernt.
Music Review | verfasst 08.11.2012
B. Fleischmann
I'm Not Ready For The Grave Yet
Von Raum und Zeit losgelöste Gelassenheit treffen auf ganz im Hier und Jetzt verankerte Deepness.
Music Review | verfasst 14.10.2016
Isan
Glass Bird Movement
Im zwanzigsten Jahr ihres Bestehens haben Isan mit »Glass Bird Movement« soeben ihr achtes Album vorgelegt.
Music Review | verfasst 24.11.2011
Sóley
We Sink
We Sink wächst von Hördurchgang zu Hördurchgang und unser Autor befindet: Dieses Album will erobert werden.
Music Review | verfasst 17.07.2014
Sóley
Krómantik
Sóley Stefánsdóttirs EP »Krómantik« enthält acht schöne, musikalische Postkarten aus unerhörten, nie erlebten Tagen.
Music Review | verfasst 07.05.2015
Sóley
Ask The Deep
Auch auf ihrem zweiten Album »Ask The Deep« erschafft Sóley unheimliche, traumartige Märchen-Klangwelten.
Music Review | verfasst 08.05.2017
Sóley
Endless Summer
Sóley ist auf ihrem dritten Album, »Endless Summer«, sehr viel positiver gestimmt als gewöhnlich. Die gute Laune ist nur vordergründig.
Music Review | verfasst 13.05.2014
FM Belfast
Brighter Days
Die Isländer FM Belfast haben mit »Brighter Days« ein grenzenlos optimistisches Album aufgenommen.
Music Review | verfasst 04.12.2010
Pascal Pinon
Pascal Pinon
Vier Teenager aus Island machen unter dem Namen Pascal Pinon tiefe Popsongs hinter kindlicher Fassade.
Music Review | verfasst 01.11.2010
Telekinesis
Dirty Thing
Telekinesis zeigt mit Dirty Thing , dass der neue Seattle-Sound nicht mehr ganz so düster daherkommen muss, wie in vergangenen Tagen.
Music Review | verfasst 16.04.2011
Tied & Tickled Trio / Billy Hart
La Place Demon
Das Weilheimer Kollektiv Tied & Tickled Trio hat sich für La Place mit dem legendären Jazz-Schlagzeuger Billy Hart zusammengetan.
Music Review
Wilma Archer
A Western Circular
Passender könnte Wilma Archers intimes Werk »A Western Circular« in Zeiten der Quarantäne kaum sein.
Music Review
Ennio Morricone
OST Uccidete Il Vitello Grasso E Arrostitelo
Transversales Disques hat mit »Uccidete Il Vitello Grasso E Arrostitelo« einen unbekannteren Soundtrack von Ennio Morricone veröffentlicht.
Music Review
Minor Science
Second Language
Mit seinem Debüt »Second Language« widmet sich Minor Science musikalischen Übersetzungsproblemen. Geschichten lassen sich so nicht erzählen.
Music Review
Pharoah Sanders
Welcome To Love
Tidal Waves veröffentlicht »Welcome To Love«, 1991 nur auf CD veröffentlichte Balladen des Saxophonisten Pharoah Sanders, auf Vinyl.
Music Review
Guilherme Coutinho E O Grupo Stalo
Guilherme Coutinho E O Grupo Stalo
»Guilherme Coutinho E O Grupo Stalo« von 1978 ist ein nirgends erhältlicher Archivfund. Jetzt wurde die Platte restauriert und neu aufgelegt
Music Review
Popnoname
Horizons
Jens-Uwe Beyer feiert mit »Horizons« sein Comeback als Popnoname und bindet viele Schleifen, die gelegentlich von Pop aufgelockert werden.
Music Review
Cucina Povera
Tyyni
Schlicht im Klang, dazu offen und leicht hallig im Arrangement: Cucina Povera hat mit »Tyyni« ein neues Album veröffentlicht.
Music Review
Gang Starr
Jazz Thing
Mr Bongo legt einige Rapklassiker aus den 1990er Jahren wieder auf Vinyl-7inch auf. Darunter auch »Jazz Thing« von Gang Starr.
Music Review
Roman Flügel
Garden Party
Die Dancefloors? Dicht! Roman Flügel lädt für sein Running-Back-Debüt zu einer »Garden Party«, die vier überragende Hits bietet.
Music Review
Four Tet
Sixteen Oceans
Selbst da, wo er sentimental zu werden droht, berührt Four Tet einen auf »Sixteen Oceans« am Ende doch.
Books Review
Nick Cave
Stranger Than Kindness
Es ist seine Biografie, sein Leben – zusammengehalten von zwei Buchdeckeln und 270 Seiten. Über »Stranger Than Kindness« von Nick Cave.
Music Review
Phi-Psonics
The Cradle
Der Jazz auf Phi-Psonics’ »The Cradle« begeistert mit fast schon erotischem Charme. Dieser Band steht die Zukunft offen.
Music Review
Various Artists
Oto No Wa: Selected Sounds Of Japan (1988 - 2018)
Mit »Oto No Wa: Selected Sounds Of Japan (1988 – 2018)« widmet sich das Label Music For Dreams entdeckungswürdigen Klängen aus Japan.
Music Review
Knxwledge
1988
»1988«, das zweite Album von Knxwledge für Stones Throw, zeigt auf 22 Stücken in nur 37 Minuten das ganze Können des Beatmakers.
Music Review
Rosa
Acqua Di Sale
Aus dem Umfeld der Neapolitaner von Mystic Jungle kommt Rosa. Ihre 6-Track-EP »Acqua Di Sale« ist ausnahmslos cocktailtauglich.
Music Review
Space Dimension Controller
Planète Contraire
Mit seiner zweiten Dekmantel-EP nimmt Space Dimension Controller Kurs auf »Planète Contraire« und kommt nur mit einer guten Nummer zurück.
Music Review
Electric Indigo
Ferrum
»Ferrum«, Eisen, ist das Ausgangsmaterial auf dem neuen Album von Electric Indigo, um das sich alles schichtet und zerfasert.
Music Review
Ben Bertrand
Manes
Auf seinem neuen Album »Manes« verbindet der belgische Klarinettist Ben Betrand klassische Musik mit elektronischen Effekten.
Music Review
Ratgrave
Rock
Ratgrave ist das gemeinsame Projekt von Max Graef und Julius Conrad. Ihr neues Album »Rock« ist bei Black Focus erschienen.
Music Review
Tony Allen & Hugh Masekela
Rejoice
Der Nigerianer Tony Allen und der Südafrikaner Hugh Masekela sind Legenden des Jazz. Auf »Rejoice« sind sie gemeinsam zu hören.
Music Review
Matthew Tavares & Leland Whitty
Visions
Die Kanadier Matthew Tavares und Leland Whitty, bekannt als Teil von BadBadNotGood, haben mit »Visions« ein Album veröffentlicht.
Music Review
Hailu Mergia
Yene Mircha
Der äthiopische Musiker Hailu Mergia feiert gerade seinen zweiten Frühling. MIt »Yene Mircha« ist nun sein neues Album erschienen.
Music Review
Shabaka & The Ancestors
We Are Sent Here By History
Der kraftstrotzende Jazz von Shaba Hutchings ist auch auf dem mit The Ancestors eingespieltem Album »We Are Sent Here By History« zu hören.
Music Review
Inoyamaland
Danzindan-Pojidon
Mit »Danzindan-Pojidon« veröffentlichten Inoyamaland 1983 ein nah am Zeitgeist agierendes Album. Nur wie klingt das heute?
Music Review
Alabaster DePlume
To Cy & Lee Instrumentals Vol.1
Eine weitere Entdeckung auf International Anthem: Der britische Saxophonist hat sein Album »To Cy & Lee Instrumentals Vol.1« veröffentlicht.
Music Review
Zebra Katz
Less Is Moor
»Less Is Moor« ist das späte Debütalbum von Zebra Katz. Auf ihm schreibt Ojay Morgan seine Geschichten unter eigenen Bedingungen neu.
Music Review
Jon Hassell
Vernal Equinox
»Vernal Equinox«, das erste Album des amerikanischen Klangpioniers Jon Hassell wurde wiederveröffentlicht.
Music Review
Various Artists
Jura Soundsystem Presents Transmission Two
Die Compilation »Jura Soundsystem Presents Transmission Two« präsentiert einen Kessel Buntes, den weirden Shit, lose Fäden, Unerhörtes.
Music Review
Ranil
Ranil Y Su Conjunto Tropical
Analog Africa stöbert abseits ihres Kerngebietes und veröffentlicht eine Compilation der peruanischen Kombo Ranil Y Su Conjunto Tropical.
Music Review
Roger Eno & Brian Eno
Mixing Colours
Schlappe 37 Jahre nach ihrer Arbeit zu »Dune« gibt’s mit »Mixing Colours« wieder gemeinsames Material der Brüder Roger Eno und Brian Eno.
Music Review
Buck 65
Laundromat Boogie
»Laundromat Boogie« tänzelt im Sixstep in den Waschsalon und wird mit lakonischem Witz in den Trockner gepackt.
Music Review
Tornado Wallace
Midnight Mania
Der Australier Tornado Wallace legt sein zweites Album vor. »Midnight Mania« ist druckvoller, aber weiterhin rätselhaft und entrückt.
Music Review
Various Artists
Black Riot: Early Jungle, Rave And Hardcore
Die Compilation »Black Riot: Early Jungle, Rave And Hardcore« lässt das aufwühlende, energische, rastlose Genre wiederaufleben.
Music Review
World Quake Band
Everything Is On The One
»Everything Is On The One«, das 1981 erschienene, einzige Album der World Quake Band wurde nun bei Mad About Records wiederveröffentlicht.
Music Review
Atmosphere
Whenever
Das Duo Atmosphere aus Minneapolis meldet sich mit einem neuen Album zurück. »Whenever« verzichtet auf Experimente und liefert verlässlich.
Music Review
Delroy Edwards
Slap Happy
Der Zahn musste ihm gezogen werden: »Slap Happy« zeigt, das Delory Edwards mit den gewohnten Mitteln, nicht die gewohnte Qualität erreicht.
Music Review
M.Rux
Vermonische Melodien
Mit »Vermonische Melodien« verneigt sich der Beatbastler M.Rux vor Reinhard Lakomy und benutzt DDR-Hardware. Ostalgie aber? I wo!
Music Review
The James Hunter Six
Nick Of Time
Auch »Nick Of Time«, das vierte Album von The James Hunter Six, ist musikalisch und textlich völlig aus der Zeit gefallen.
Music Review
Stephen Malkmus
Traditional Techniques
Nur ein Jahr nach »Groove Denied« veröffentlicht Stephen Malkmus mit »Traditional Techniques« ein neues, komplett akustisches Album.
Music Review
Pharoah Sanders
Live In Paris 1975
Pharoah Sanders nahm »Live In Paris 1975« in Umbruchszeiten auf. Das schlägt sich in seiner Diversität, nicht aber im Spiel nieder.
Music Review
Kris Baha
Barely Alive Remixes
Der Asutralier Kris Baha ist nicht müde zu kriegen und veröffentlicht mit »Barely Alive Remixes« ein weiteres Release.