Die 25 besten Reissues des Jahres 2025

01.12.2025

Weniger Reissues, mehr Substanz: 2025 trennt die Labels die Spreu vom Gold. Was bleibt, sind echte Essentials von Carmike bis Pharoah Sanders – plus lange verschollenes Material. Unsere Auswahl zeigt, welche Wiederveröffentlichungen wirklich zählen.

Ein wirklich essentielles Reissue korrigiert die Fehler der Vergangenheit und vermittelt einem neuen Publikum sowohl neu-alte Klänge als auch den notwendigen Kontext dazu. Zugegebenermaßen sind wirklich gute Neuauflagen rar gesät, doch ist der Goldrausch der mittleren 2010er-Jahre längst vorüber. Es gab einfach nicht genug Kankyō-Ongaku-, City-Pop- oder [hier bitte ein anderes hochspezifisches japanisches Genre oder irgendein westafrikanisches Musikphänomen aus den 19XXer-Jahren einfügen]-Alben, um den Boom aufrechtzuerhalten. Das ist nicht unbedingt von Nachteil.

Im Laufe der Jahre haben wir unserer jährlichen Longlist beim Schrumpfen zugeschaut. Das mag freilich daran liegen, dass wir der Vergangenheit überdrüssig geworden sind. Im Vergleich zu den Zeiten, in denen wir jedes Jahr mit einer Auswahl von 50 (!) unverzichtbaren Reissues abgeschlossen haben, scheint sich aber ein allgemeiner Trend zu zeigen. Unsere Redaktion und Autor:innen haben nur etwas mehr als 40 neue Wiederveröffentlichungen für die Jahresliste 2025 nominiert. Die Labels scheinen sich wieder auf das Wesentliche zu beschränken. Das sind doch gute Nachrichten.

Was (wieder)gehört werden muss

Es gab ja doch genügend Highlights. Ein übersehener Rap-Klassiker von Carmike, Neuauflagen bahnbrechender Alben wie Goldies Timeless oder Aphex Twins Caustic-Window-LP sowie Meilensteine von Pharoah Sanders, Jan Jelinek, Kevin Drumm und Cindy Lee haben es in die verschlankte Endauswahl geschafft. Dazu stößt erfreulich viel bisher unveröffentlichtes Material von Arthur Russell, Holger Czukay, E.A.T., Les Rallizés Dénudés. Und auch Bizimungu Dieudonne, Alain Neffes Cortex und Natsume können endlich (wieder-)entdeckt werden. Qualität schlägt Quantität, mal wieder. Kristoffer Cornils 


Arthur Russell
Open Vocal Phrases Where Songs Come In And Out
Rough Trade • 2025 • ab 37.99€

Cello, Stimme und ein paar Effektpedale – mehr brauchte Arthur Russell für diese kurz vor Weihnachten 1985 entstandene intime Live-Aufnahme nicht, um langsam tastend musikalisches Neuland zu erschließen. Taumelnde Cello-Muster und zerbrechliche Gesangsmelodien bilden für Momente Steinzeit-Techno oder Minimal-Metal mit Abzählreimen, mutieren aber bald und folgen ausschließlich einem inneren Klangstrom. Das überfordert leicht, ist schroff und kantig, doch zugleich so zart und verletzlich. Open Vocal Phrases Where Songs Come In And Out lässt auf weitere ungehobene Russell-Schätze hoffen und zeigt, wie weit die New Yorker Avantgarde der 80er-Jahre nicht nur der damaligen, sondern auch der heutigen Zeit voraus war.

Martin Silbermann
Autechre
Quaristice
Warp • 2008 • ab 39.99€

Autechre in a nutshell. Quaristice aus dem Jahr 2008, bringt die bisherigen stilistischen Ausschläge des experimentellen Elektronik-Duos aus Sheffield unter einen Hut. In 20 skizzenhaften Tracks liefern Autechre ihren erwartbaren sonischen Mind Fuck, ihre eigene Version von elektronischer Tanzmusik, aber auch Ambient-Entwürfe und melodische Ansätze. Die Vinyl-Wiederveröffentlichung von Quaristice zeigt auch, dass ein 17 Jahre altes Album immer noch nach Zukunft klingen kann.

Albert Koch
Bizimungu Dieudonne
Inzovu Y'imirindi
Mississippi • 2025 • ab 26.99€

Als Hobbymusiker genoss Bizimungu Dieudonne in seiner ruandischen Heimat lokale Berühmtheit. Zusammen mit seiner Frau Agnes Umbibizi, Familienmitgliedern und Freunden nahm er Ende der 80er-Jahre das Tape Inzovu Y'Ilmirindi auf, das er bei Auftritten verkauft hat. In skelettierten Arrangements entwickeln verschachtelte zentralafrikanische Rhythmen und Melodien einen besonderen tranceartigen Swing.

Albert Koch   Zur Review
Brigitte Fontaine
Brigitte Fontaine Est ... Folle Track
Wewantsounds • 1968 • ab 36.99€

Brigitte Fontaine Est … Folle Track klingt auch 2025 noch genauso zeitgemäß und präsent wie damals. Sie ist radikal, verspielt und unberechenbar. Fontaine rennt durch Chanson, Avant-Pop und experimentelle Improvisation, als hätte sie nie Regeln akzeptiert. Die Platte ist eine Blaupause dafür, warum Wiederauflagen alter Werke so wichtig sind. Sie holen Vergessenes zurück, setzen es ins Spotlight von heute und lassen seine Wirkung neu aufleben.

Wencke Riede   Zur Review
Carmike
Comin' At Yo Ass
Now-Again • 2025 • ab 28.99€

Vom Knast ins Kulturgedächtnis: Carmikes einziges Album entstand 1994 in der Hochphase des Horrorcore, als nichts ohne Cowbells, Cognac und (True-)Crime-Geschichten ging (er selbst saß danach 20 Jahre hinter Gittern). Der 808-schwangere DIY-Sound auf Comin’ At Yo Ass klang aber weniger nach dem Sinisterfunk seiner Kollegen, sondern eher wie ein Hardboiled-Krimi aus Psychopathen-Sicht. Unter Fans längst Kultobjekt, wurde der Three-Six-Mafia-Komplize dieses Jahr mit Reissue und Archivstatus geadelt.

Fionn Birr   Zur Review
Cindy Lee
Cat O' Nine Tails
Superior Viaduct • 2025 • ab 19.99€

Nichts auf der Welt tut so schön weh wie Cindy Lee. Weil Sehnsucht und Kummer so weit aufgespannt sind, dass sie immer wieder ins Theatralische ragen, und man sich als vom Leben gebeutelter Hörer dann gerade noch retten kann: Ist ja nur Geste, ist ja nur Kunst. Aber eben: was für eine. Cat O' Nine Tails ist faktisch und hörbar der Vorgänger zum vier Jahre später erschienenen Epos Diamond Jubilee. Die ganze Stimmung ist schon da: Die Tankstellen am Ende der Straße, die leidenden Liebeslieder aus dem Radio, das very lonely girl, in the back of the woods.

Pippo Kuhzart   Zur Review
Cortex
Cortex
Camisole • 2025 • ab 26.99€

Die spontane Musik von Cortex, ein Projekt des belgischen Produzenten und Insane Music Labelbetreibers Alain Neffe und seiner Frau Nadine Bal, entstand zwischen 1979 und 1982. Bis dato nur vereinzelt auf Tapes erhältlich, bringt das Pariser Label Camisole ihre Spoken Word trifft freie Elektronik Arrangements erstmals auf Vinyl heraus. In jenen schwebt die träumerische Stimme von Bal beispiellos über sphärischen Synthsounds und veredelt die fesselnde Coldwave-Atmosphäre mit zauberhafter Sexyness.

Michael Leuffen
E.A.T.
E.A.T.
Echo Libero • 1997 • ab 18.99€

Das Kölner Label Echo Libero möchte als »Label und Plattform für zeitgenössische und vergessene Musik« dienen. Das Auftakt-Release fiel in die letztere Kategorie: E.A.T. war ein kurzlebiges Projekt von Reiner Linke, Boris Polonski und Helmut Zerlett (ja, der von der Harald Schmidt Show). Ihre Mini-LP aus dem Jahr 1998 erschien bei EMI (!?) und dachte Trance und quietschigen Acid mit »Ethno-Ambient« zusammen. Das macht sie zum Bindeglied zwischen Jon Hassells Fourth-World-Fantasien und tribaleskem Psytrance – die Art Musik, die erst Jahrzehnte später wirklich Sinn ergibt.

Kristoffer Cornils
Edison Machado & Boa Nova
Edison Machado & Boa Nova
Far Out • 2025 • ab 33.99€

Edison Machado war in den 1960er-Jahren eine revolutionäre Gestalt der brasilianischen Musik. Neben Zusammenarbeiten mit Antonio Carlos Jobim, João Gilberto oder Milton Nascimento, erfand Machado den samba no prato, den auf dem Becken gespielten Samba, der prägend für die Bossa Nova werden sollte. 1976 floh er vor der brasilianischen Militärdiktatur nach New York. Dort nahm er Anfang 1978 mit dem kurzlebigen Ensemble Boa Nova 80 Minuten Musik auf, die in diesem Jahr auf Far Out Recordings erstmals erschienen. Das Sextett aus brasilianischen und amerikanischen Musikern fasst hier das Beste aus beiden Welten ein und lässt Samba, Bossa Nova und Hard Bop zu einem bislang kaum gehörten Amalgam zusammenfließen.

Sebastian Hinz   Zur Review
Goldie
Timeless
London • 1995 • ab 46.99€

Da sind wir endlich. 30 verdammte Jahre später. Goldies Drum&Bass-Meisterwerk Timeless, das selbst er seit dem Release 1995 nicht mehr überbieten konnte, erscheint nach langer Wartezeit in der einzig wahren Form auf Vinyl. Dass es ausgerechnet der Original-CD-Version entspricht, darf unter Ironie des Schicksals verbucht werden, aber: Keine reduzierten VIP-Mixe (auch wenn diese ihren eigenen Reiz auf der 1995er Vinyl-Version hatten), keine dazwischen geschobenen Archiv-Tracks und Vermengungen wie auf dem 2021er Reissue in Gold. Dafür genau die Home-Listening-Experience mit all der Wärme, Dynamik, Schönheit und Zeitlosigkeit im Fast-Original-Layout, wie sie sich Weihnachten 1995 in meinem Herzen verankert hat.

Jens Pacholsky
Holger Czukay
Gvoon: Brennung 1
Grönland • 2025 • ab 31.99€

Weil der Markt derzeit mit lieblosen Krautrock-Reissues überflutet wird, wirkt die Veröffentlichung von Gvoon: Brennung 1 umso wichtiger. Der verstorbene Holger Czukay hatte bei Karlheinz Stockhausen studiert, bevor er mit CAN Musikgeschichte schrieb, und das ist seinen Solo-Veröffentlichungen anzumerken. Das lang verschollene 32-minütige Stück wurde 1997 aufgenommen und wird von einer Version des Duos DIE ANGEL zusammen mit Fausts Zappi W. Diermaier flankiert. Zu hören ist eine düstere, dumpfe Collage aus rumorenden Drones, klaustrophobisch bis zum Anschlag und doch – Czukay halt – mit unwuchtigem Groove. Wenn euch mal wieder jemand »Cluster II« als Neuauflage verticken will, greift lieber zu der hier.

Kristoffer Cornils
Ibex Band
Stereo Instrumental Music
Muzikawi • 2025 • ab 31.99€

Die Ibex Band fungierte in den 70er-Jahren nicht zuletzt als Begleitband großer äthiopischer Stimmen wie Aster Aweke, Mahmoud Ahmed oder Tilahun Gessesse. Stereo Instrumental Music steht für sich als Entwurf einer Musik zwischen Tradition und Moderne. Zugleich markiert es eine wichtige Wegmarke: Kurz nach den Aufnahmen waren wegen des Militärputschs und der Ausgangssperre, die die neue Regierung verhängte, die Bedingungen für Musiker immer schlechter geworden.

Andreas Schnell   Zur Review
Jan Jelinek
Kosmischer Pitch
Faitiche • 2005 • ab 26.99€

Vorsicht, Kraut! Der Berliner Minimal-Klangkünstler Jan Jelinek nimmt Samples von kosmischen Krautrockern aus den 70er-Jahren und schickt sie in den Loop. Wer die Herkunft der Samples herausfinden will, sollte sich ein anderes Hobby suchen. Es geht nicht um Quellenforschung, sondern um musikalische Gemeinsamkeiten an zwei unterschiedlichen Punkten in der Zeit. Jelinek verarbeitet die Soundquellen, die auf Repetition und rhythmisches Pulsieren aufgebaut sind, zu seinem eigenen glitchy Minimal-Hypno-Beat. Kosmischer Pitch ist auch heute so wichtig wie vor 20 Jahren.

Albert Koch
Kalahari Surfers
Own Affairs
Via Parigi • 1984 • ab 24.99€

Eine der schönsten Entdeckungen 2025: Aufgenommen 1984 auf einem 8-Spur-Rekorder in den Shifty Studios in Johannesburg – einem ausrangierten Wohnwagen – wurde Own Affairs von den Kalahari Surfers in diesem Jahr auf dem französischen Label Via Parigi wiederveröffentlicht. Musikalisch nicht weit entfernt von der postpunkigen Vielfarbigkeit von Family Fodder oder der Samplewut von Roger Doyles Operating Theatre, inhaltlich jedoch deutlich politischer. Warrick Sony, Gründer und einzig permanentes Mitglied, nutzte den Bandnamen als Pseudonym, um sich vor staatlicher Repression zu schützen, und verwob Dub, Punk, afrikanische und indische Rhythmen sowie Samples von politischen Reden, Polizeifunk und religiösen Gesängen zu einem satirischen, ästhetisch eindrucksvollen Statement gegen die Apartheid. Fast ein kleines Hörspiel.

Sebastian Hinz   Zur Review
Kevin Drumm
Sheer Hellish Miasma
Editions Mego • 2010 • ab 38.99€

Auch über zwei Jahrzehnte später bleibt Sheer Hellish Miasma eines der besten, weil ernsthaft spannendsten Noise-Alben unserer Zeit. Kevin Drumm ist im besten Sinne unberechenbar, ebenso fähig zu ohrenbetäubender Kakophonie wie zu wohligen Klangbädern (hier: »Cloudy«). In der Theorie handelt es sich um kaum mehr als Drumms gitarrenbasierte Interpretation einer Black-Metal-Abstraktion, doch ist dieses Album musikalischer, als es seine Kolleg:innen jemals zu sein wagten. Wer hier mit Noise anfängt, wird vom Rest enttäuscht werden.

Kristoffer Cornils
Kunihiko Sugano Trio +1
Love Is A Many Splendored Thing
Three Blind Mice • 1974 • ab 41.99€

»Iconic Underground Classic«, »most sought-after«, »Holy Grail«: Reissues betagter Jazz-Platten geizen meist nicht mit Superlativen in den Beschreibungstexten. Nachdem diese stets mit Vorsicht zu genießen sind: Hier passt das schon. Kunihiko Sugano nimmt man den »Piano-Magician« ab. Weil er wie jeder gute Zauberer seine Kräfte wohldosiert einbringt. Er setzt Akzente, nuanciert fein – und versteht, dass Jazz ein Mannschaftssport ist. Die Teamleistung, die hier erbracht wird, besticht durch Soul und Funk, Drama und Spannung – und eben jener sprichwörtlichen Magie, die das Besondere aus dem Guten hervorhebt.

Christian Neubert   Zur Review
Les Rallizes Denudes
Jittoku '76
Temporal Drift • 2025 • ab 54.99€

Die Geschichte von Les Rallizés Dénudés ist gelinde gesagt kompliziert. Sicher ist, dass Takashi Mizutanis fuzzy Psych-Rock in den 1970er-Jahren den Zenit erreichte. Nachdem sich die Fans lange mit Bootlegs begnügen mussten, veröffentlicht Temporal Drift seit geraumer Zeit offizielle Reissues, darunter das bisher unveröffentlichte Jittoku '76. Darauf präsentiert sich eine ständig im Wandel begriffene Band fokussierter und zurückhaltender als sonst, bedacht auf hymnische Momente und dichte Atmosphären. Weniger Lärm, mehr Gefühl.

Kristoffer Cornils
Lungfish
Feral Hymns
Dischord • 2005 • ab 28.99€

Lungfish waren eine besondere Band, obwohl sie innerhalb von 15 Jahren auf fast ebenso vielen Alben stilistisch demselben Prinzip treu blieben. Die Musik – gedämpfter, an Slint erinnernder Post-Hardcore im Midtempo-Bereich – war allerdings sowieso zweitrangig und diente in erster Linie als Bühne für den Sprechgesang Daniel Higgs, eine Art Neuzeit-Walt-Whitman als Frontmann einer Dischord-Band. Feral Hymns war das letzte Lungfish-Album und klang nicht viel anders als seine Vorgänger. Was es dennoch zu einem der besten Alben macht, von denen die meisten noch nie gehört haben.

Kristoffer Cornils
Moodymann
Black Mahogani
Peacefrog • 2004 • ab 50.99€

Zum 20.-jährigen Jubiläum erscheint Black Mahagoni, eines der ambitioniertesten und einflussreichsten House-Alben, endlich mal wieder auf Vinyl. Kenny Dixon Jr. a.k.a. Moodymann gelingt damit eine aufrichtige Liebeserklärung an seine Heimatstadt Detroit mit ihrer facettenreichen Musikhistorie. Gleichzeitig schuf er eine perfekte Zeitkapsel, die den damaligen Zustand von Deep House konserviert: zwischen Jazz, Soul und Gospel alles andere als formelhaft und trotz melancholischen Momenten doch warm und (gerade aus heutiger Sicht) erstaunlich optimistisch.

Martin Silbermann
Natsume
Marrakesh No Hara
Sad Disco • 2025 • ab 38.99€

棗 Natsume wurde 1999 von den Tsuki-No-Wa-Mitgliedern Fuminosuke und Hiromitsu Shoji. Das erste und einzige Album des Sängers und des Produzenten hieß Marrakesh No Hara und erschien 2003 bei Noble, damals die Labelheimat von Tenniscoats und World’s End Girlfriend. Obwohl es im Dialog mit dem DIY-Folk der Ersteren und dem naiven Experimentalismus des Letzteren steht, schuf das Duo mittels Feldaufnahmen aus Indien oder Japan sowie Sitar, Bläsern und Gitarre etwas ganz Eigenes: psychedelischen, nahezu esoterischen Freak-Folk avant la lettre – Musik, die ihrer Zeit voraus war.

Kristoffer Cornils
Pharoah Sanders
Izipho Zam (My Gifts)
Strata East • 1973 • ab 36.99€

Izipho Zam (My Gifts) wurde 1969 aufgenommen und nach seiner Veröffentlichung über das legendäre Label Strata-East anno 1973 zum Meilenstein des Spiritual Jazz. Pharoah Sanders leitete ein zwölfköpfiges Ensemble, darunter Jodler (!) Leon Thomas, um den Geist von John Coltrane weiterleben zu lassen. Diese drei Stücke – das Titelstück ist fast eine halbe Stunde lang – vermitteln zwischen Post-Bop und westafrikanischen Einflüssen. Ihre wilde, hingebungsvolle Energie hallt bis heute nach. Diese neu gemasterte Pressung wird dem besser gerecht als frühere, äh, weniger offizielle Neuauflagen.

Kristoffer Cornils
Polygon Window (Aphex Twin)
Surfing On Sine Waves
Warp • 1993 • ab 41.99€

Dem Vorurteil des irren Bassboxen-Zerstörers, das ihm anhaftet, wird Richard D. James aka Aphex Twin unter dem Pseudonym Polygon Window nicht gerecht. Auf Surfing On Sine Waves, das 1993 in der Serie »Artificial Intelligence« des Warp-Labels erschienen ist, bewegt er sich zwischen atmosphärischem Ambient Techno und Acid, Ausschläge in den Hardcore Techno sind sehr überschaubar. Das einzige Album von Polygon Window bleibt ein Referenzwerk für den IDM und ein Ausblick auf zukünftige Aktivitäten seines Schöpfers.

Albert Koch
Roy Brooks
The Free Slave
Time Traveler • 1972 • ab 39.99€

Reissues sollen ja nicht bloß die Sachen wieder verfügbar machen, die man früher gern gehört hat. Im besten Fall erfüllen sie eine archäologische Funktion. Auf The Free Slave, einem Live-Mitschnitt von 1972, ist der Detroiter Schlagzeuger Roy Brooks mit grandiosem Quartett und ansteckend anarchischer Lebensfreude zu erleben. Vom Boogaloo des Titelstücks bis zu den kontrollierten Eruptionen der zweiten Hälfte der Platte ist diese Entdeckung zugleich Würdigung eines zu Unrecht übersehenen Musikers.

Tim Caspar Boehme
Sankomota
Sankomota
Shifty • 1984 • ab 27.54€

Dass es dieses Album überhaupt gibt, ist ein kleines Wunder: Sankomota aus Lesotho standen nach einer Tournee im Apartheidstaat Südafrika, der Lesotho umschließt, ohne jede Möglichkeit da, ihre Musik aufzunehmen. Dank des mobilen Studios von Lloyd Ross kam Sankomota 1983 dann doch zur Welt. Ein Album, das überschäumend funky daherkommt, aber schon im Opener »Mad House« klarstellt, dass es hier um mehr als um Party geht. Historisch und musikalisch ein Meilenstein, der nun wieder erhältlich ist.

Andreas Schnell   Zur Review
Studio
West Coast
Ghostly International • 2025 • ab 30.99€

Nach fast 20 Jahren wurde West Coast, das einzige Album, das Dan Lissvik und Rasmus Hägg als Studio veröffentlicht haben, neu herausgebracht. Zeit wurde es. Krautig-discoid, balearisch und new-wave-nah. Überlange Tracks lassen kalte wie tropische Sounds wabern, flirrende Gitarren zwischen The Cure und frühem Foals, getragen von einem düsteren, leise pulsierenden Groove. Im besten Sinne ist diese Platte Kind ihrer Zeit und gab uns einen Vorgeschmack auf diesen nordisch-kühlen und zugleich verschwitzten Sound, der in den nächsten Jahren häufiger zu hören gewesen ist.

Christopher Hunold   Zur Review
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