Im Jazz ist vieles erlaubt, was anderswo als No-Go gelten würde. Zum Beispiel Duo-Aufnahmen mit ungewöhnlichen Instrumentenkonstellationen (check) oder ein Schlagzeuger, der Klavier spielt (check). Beides hat Double Exposure zu bieten. Nur wird die Geschichte vom klavierspielenden Schlagzeuger ein wenig entzaubert, wenn man weiß, dass Joe Chambers zunächst Klavierunterricht nahm, bevor er zum Schlagzeug wechselte. Auf Double Exposure ist Chambers mit dem Organisten und Keyboarder Larry Young in einer Reihe unterschiedlich instrumentierter Stücke zu hören: Piano solo, Piano-Orgel, Piano-Synthesizer sowie Schlagzeug-Orgel. Das gipfelt im atmosphärisch-psychedelischen »Mind Rain«, das Nas für den Song »NY State Of Mind« auf seinem Debütalbum Illmatic gesampelt hat.
Chambers’ Spiel am Klavier ist introspektiv; förmlich ist zu spüren, wie er sich suchend vorantastet. Young beantwortet das mit sparsamen, zurückhaltenden Beiträgen, die die impressionistischen Bilder des Klaviers mit aquarelligen Farbflächen überziehen. Erst als sich der Schlagzeuger in den letzten beiden Tracks hinter sein angestammtes Instrument setzt, geht Young aus sich heraus – mit abenteuerlichen Exkursionen in Soul, Funk und Psychedelia.

Double Exposure