Fusionsversuche von elektronischer Musik mit artfremden Genres gehen meistens dann in die Hose, wenn einer der Fusionspartner nur ein paar musikalische Gimmicks liefern darf und es zu einer echten Verbindung gar nicht erst kommt. Große Ausnahme von der Regel ist Duo von Bugge Wesseltoft und Henrik Schwarz. Das Album ist größer als die Summe aus ambitioniertem Piano-Jazz und visionärem House-not-House. Was auch daran liegt, dass sowohl der norwegische Jazz-Pianist als auch der deutsche House-Produzent die Fähigkeit besitzen, über die Ränder ihrer jeweiligen musikalischen Teller hinauszublicken.
Auf Duo, das 2011 erstveröffentlicht wurde, entsteht gar nicht erst der Eindruck, als ob da einer seinen Stiefel durchzieht, während der andere ein paar Ornamentierungen dazu liefern darf, auch wenn bei jedem Stück immer sofort klar wird, wer die Funktion des Leaders innehat. Melodik und Experiment sind kein Widerspruch bei Wesseltoft & Schwarz, in den acht live improvisierten Stücken wächst alles schön zusammen. Die Bassdrum glänzt weitgehend durch Abwesenheit, nur bei der Neuinterpretation von Schwarz’ Deep-House-Klassiker »Leave My Head Alone Brain« dürfen die Beats gerade so über die Wahrnehmungsschwelle treten.

Duo

