Wie aus ungeahnten Kollabos eine der einflussreichsten Reihen der 1990er- und 2000er-Jahre wurde

30.04.2026

Im Jahr 1996 lud das niederländische Label Konkurrent eine tourende Band dazu ein, in einem Amsterdamer Studio ein paar Songs aufzunehmen. Es war der Startschuss für In The Fishtank, eine der prägendsten Veröffentlichungsreihen der Zeit. Bis heute hat sie nichts von ihrer Relevanz verloren.

Die 1990er-Jahre waren eine gute Zeit für die westliche Welt. Der Kalte Krieg war vorüber, die Wirtschaften boomten – die Musikindustrie auch. Die CD ließ den Markt wachsen der Mainstream öffnete sich für sogenannte alternative Musik. Beste Voraussetzungen für das niederländische Indie-Label Konkurrent – Heimat der anarchischen Art-Punks The Ex und einer Reihe internationaler Hardcore-Bands –, eine einfache Idee mit weitreichenden Konsequenzen in die Tat umzusetzen. 

Mit ihrem agitatorischen Jazzcore hatten sich kanadische Band NoMeansNo bereits Legendenstatus erspielt, bevor sie 1996 auf ihre erste Europa-Tour gingen. In Amsterdam nahmen sie im Studio Koeienverhuurbedrijf fünf Songs auf, die zunächst vom belgischen Label Atomic auf Vinyl und ein Jahr später von Konkurrent auf CD veröffentlicht wurden. Mit Ausnahme von »You’re Not One« und einem Cover eines The-Residents-Songs handelte es sich um Neuaufnahmen alter Songs: ein schnelles Release für einen boomenden Markt.

Doch das In the Fishtank 1 betitelte Album sollte der Startschuss für eine der einflussreichsten und unkonventionellsten Veröffentlichungsreihen der 1990er- und 2000er-Jahre werden. Bald schickte Konkurrent weitere Bands und Künstler:innen ins Aquarium: 1997 erschien der Beitrag der US-Indie-Rock-Band Guv’ner, es folgten vier Dub-Monster von den Tassilli Players und neun Tracks mit dem rasanten Ska-Punk von Snuff. Eine wilde stilistische Mischung – ohne Frage. Musikgeschichte schrieb sie allerdings nicht. Noch nicht. 

Sadcore Bläsersektion?

Die Downtime auf Tour nutzen, kostenlos ein paar Songs aufnehmen und am Ende eine neue Veröffentlichung vorweisen können: Für Bands lohnte sich die Sache. Das Publikum allerdings bekam oft nur bekanntes Material und Coverversionen geboten. Das sollte sich mit In the Fishtank 5 ändern, einer Kollaboration zwischen den Post-Rock-Ikonen Tortoise und The Ex. Die kühlen Grooves der Chicagoer Band und die feurige Improv-Energie der Amsterdamer: das war etwas Besonderes.

Konkurrent baute darauf auf. Die Sadcore-Darlings Low und die Post-Rocker Dirty Three, Motorpsycho und die Bläsersektion von Jaga Jazzist, die Post-Metaller Isis mit den Glasgower Aereogramme sowie – für die letzte Ausgabe der Reihe im Jahr 2009 – Singer-Songwriter Sparklehorse und Drone-Gitarrist Fennesz trafen »In the Fishtank« aufeinander. In Zusammenarbeit mit Sonic Youth und dem Instant Composers Pool nahmen The Ex für den neunten Teil der Reihe sogar eine zweite Session auf.

…unterschiedliche Bands, die ohne viel Vorbereitungen ins Studio gingen und oft keinen klaren Plan hatten, was während der bisweilen vollständig improvisierten Sessions entstehen würde. 

Nach einem unscheinbaren Start archivierte »In the Fishtank« so einzigartige Begegnungen zwischen etablierten Bands, die dank Produzent Zlatan Hadžić, der für die meisten späteren Ausgaben verantwortlich war, zu zuweilen unerwarteten Ergebnissen führten. Ihm gelang es, herausragende Momente einzufangen: unterschiedliche Bands, die ohne viel Vorbereitungen ins Studio gingen und oft keinen klaren Plan hatten, was während der bisweilen vollständig improvisierten Sessions entstehen würde. 

Ein »In the Fishtank«-Release wurde für viele zum Gütesiegel, auch wenn offenbar nicht alle Aufnahmen veröffentlicht wurden – laut einem Website-Eintrag aus dem Jahr 2003 waren Jason Molinas Songs: Ohia während einer Europatournee ins Studio gegangen und erwarteten eine Veröffentlichung »irgendwann in naher Zukunft«. Dazu kam es jedoch nie, und es bleibt ungewiss, wie viele Sessions aufgenommen und aber nie veröffentlicht wurden, bevor Sparklehorse und Fennesz 2009 einen Schlussstrich unter die Reihe setzten.

Auch ist unklar, warum Konkurrent die Serie einstellte. Finanzielle Aspekte könnten eine Rolle gespielt haben: Die profitablen 1990er-Jahre waren schließlich endgültig vorbei. Sicher ist allemal, dass einige der Aufnahmen und insbesondere die Kollaborationsprojekte zu echten Klassikern wurden. Anfang der 2010er-Jahre begann Konkurrent – das als Label weiterhin gelegentlich Platten veröffentlicht –, einige zuvor nur auf CD erhältliche Titel auf Vinyl neu aufzulegen. 

Diese Neuauflagen mit ihren unverkennbaren Artworks bringen nun einer neuen Generation von Hörer:innen die weitreichenden Konsequenzen einer simplen Idee näher: einige der spannendsten Releases, die in den 1990er- und 2000er-Jahren entstanden sind.

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