Es ist die sterbende Jahreszeit. Das bezaubernde Ganze, das den vorhergehenden Sommer über nichts brechen konnte, ist zersplittert. Die Einzelteile liegen nun weit verstreut in unbekannten Ecken und werden nie wieder so zusammenfinden. Man sehnt sich nach dieser sommerlichen Freude – vergebens. Stattdessen diese winterliche Melancholie, die schon zuvor abertausende von Musikern zu Höchstleistungen getrieben hat. Das aktuellste Beispiel ist unbekannt. Niemand scheint zu wissen, wer oder was hinter Unknown steckt. Aber ein Konzept, das mal in einer E-Mail statuiert wurde: »This is my new project, I want to remain anonymous and let the music speak for itself.«, hieß es da.
Was abgegriffen klingt haben bislang nur wenige mit dieser Strenge durchgezogen. Sonst gibt es immer ein Gesicht, irgendeinen Infotext, der irgendeinen ach so spannenden Lebensweg beschreibt. Irgendwas ist immer. Nicht so bei Unknown. Nur die die vorab online veröffentlichten Tracks, auf die Dummy- und Fact-Mag und unzählige Blogs steil gegangen sind, sowie die kommende EP »#001-#004«. Die Aufregung um Unknown indes ist berechtigt. Selten hat Musik ein solches Suchtpotential entwickelt wie diese EP. Auf Pfaden wandelnd, die vorher schon Typen wie Benjamin Damage & Doc Daneeka, How To Dress Well oder gar Burial eingeschlagen hatten, schafft Unknown zwischen Garage und House eine so bedrückende und dennoch groovende Stimmung. Die dumpfe Rhythmik von Bass Music wird mit den Flächen von Dream-Pop und diversen Samples vereint. Das holt selbst den bestgelaunten Menschen zurück auf den eisigen Boden der harten Tatsachen. Dieser verdrückt bei aller Emotionalität jedoch nicht eine Träne, sondern fängt an mit dem Kopf zu nicken.

001-004