Music Kolumne | verfasst 07.11.2019
Records Revisited
Pink Floyd – Ummagumma (1969)
»Ummagumma« ist der Beginn von Pink Floyd auf ihrem Werdegang zur größten Artrockband der Geschichte. Vor genau 50 Jahren veröffentlicht, verschob das Doppelalbum nicht weniger als die Grenzen des Machbaren in der Popmusik.
Text Steffen Kolberg
Records_revisited_pink-floyd-ummagumma_1024x685px

Ein »Desaster« sei das Album gewesen, so Sänger und Bassist Roger Waters, als er Jahre später in einem Interview darauf angesprochen wurde. Auch Gitarrist David Gilmour und Drummer Nick Mason äußerten sich später wenig wohlwollend über »Ummagumma«. Dabei ist die Vinyl 2LP zur Zeit ihres Erscheinens im Oktober 1969 begehrt bei Kritikern und Fans gleichermaßen – in Großbritannien erreicht sie Platz 5 der Album-Charts, in den USA schafft es die Londoner Band damit erstmals in die Top 100.

Pink Floyd sind zu jenem Zeitpunkt die wohl hippste Band des Königreichs und mitten in einer Phase der musikalischen Neuausrichtung. Mit Querkopf Syd Barrett als Songwriter waren sie ein Fixpunkt im aufkeimenden Londoner Psychedelic Underground. Ihre Live-Shows im UFO-Club und im Roundhouse 1966 und 1967 galten als legendäre Happenings, nicht zuletzt aufgrund neuartiger psychedelischer Lichtshows. Das Beatles-Label EMI nahm die Band unter Vertrag, der ehemalige Beatles-Tontechniker Norman Smith wurde ihr Produzent, die Abbey Road Studios ihr Stammstudio.

Das Debüt »The Piper At The Gates Of Dawn« schlug im Jahr 1967 ähnlich ein wie die Alben »Surrealistic Pillow« von Jefferson Airplane oder »Are You Experienced« der Jimi Hendrix Experience, mit der Pink Floyd Ende des Jahres auf Tour gingen. Schon wenige Monate darauf, während der Aufnahmen zum zweiten Album, trennte sich die Band von dem psychisch instabilen und dem Konsum psychedelischer Substanzen zugeneigten Syd Barrett. Seine Songwriting-Qualitäten und sein funkensprühender Ideenreichtum gingen der Band für immer verloren.

Damit setzte Roger Waters zum ersten Mal seine Idee der Verflechtung einzelner Musikstücke zu einem Gesamtkonzept um, die die späteren Alben ihrer Superstar-Phase ausmachen wird.

Statt seiner holten die drei Architekturstudenten Mason, Waters und Richard Wright David Gilmour in die Band, einen Jugendfreund von Barrett aus Cambridge, dessen langatmige, durch Effektschleifen gezogenen Gitarrenparts bald prägend für die musikalische Atmosphäre der Band werden sollten. Zusammen entwickelten sie den Pink-Floyd-Sound weiter zu etwas, das der Journalist Barry Miles in seinem Buch »Pink Floyd: The Early Years« als architektonische Musik beschreibt. Sorgfältig geplante und gebaute Song-Kathedralen wie »Set The Controls For The Heart of The Sun« oder das Titelstück des zweiten Albums »A Saucerful of Secrets«. Es ist die Geburt des Progressive Rock, die in diesen Stücken eingeleitet wird und sich im Dezember 1968 in der B-Seite der Single »Point Me At The Sky«, »Careful With That Axe, Eugene«, sowie in einzelnen Elementen des Soundtracks zu Barbet Schroeders Film »More« im folgenden Frühjahr vollzieht.

In ebenjenem Frühjahr 1969 starteten Pink Floyd auch ihre fast ein Jahr andauernde Live-Konzeptshow-Tour mit dem Titel »The Man And The Journey«. Der erste Teil der in zwei Albumlängen unterteilten Show sollte einen durch Routine geprägten Tag im Leben eines durchschnittlichen Mannes vertonen, während »The Journey« den konzeptlosen Teil des Konzepts, eben eine Zusammenstellung diverser Pink-Floyd-Stücke, darstellte. Damit setzte Roger Waters zum ersten Mal seine Idee der Verflechtung einzelner Musikstücke zu einem Gesamtkonzept um, die die späteren Alben ihrer Superstar-Phase ausmachen wird.

»Ummagumma« ist im selben Jahr die erste Inkarnation dieses Konzept-Gedankens auf einem Pink-Floyd-Tonträger. Gleichzeitig gehört es zu den ersten Veröffentlichungen auf Harvest Records, dem neu gegründeten EMI-Sublabel für Progressive Rock. Das mysteriöse Covermotiv, das die Bandmitglieder in rotierender Anordnung im Droste-Effekt, also einem unendlichen Bild im Bild, zeigt, stammt von dem von Storm Thorgerson und Aubrey Powell gegründeten Grafikstudio Hipgnosis. Dieses hatte schon das Cover zu »A Saucerful of Secrets« entworfen und wird in der Folge das Erscheinungsbild von Rockalben in den 1970er Jahren entscheidend prägen. Nicht zuletzt gehört »Ummagumma« nach »Blonde on Blonde« und The Whos »Tommy« auch noch zu den ersten Doppelalben der Pop-Geschichte, was die später geläufige Unterteilung in eine hochgelobte erste Hälfte – das Live-Album -, und eine unhörbare zweite Hälfte – das Studio-Album -, voraussetzt.

Die Stücke zeigene eine Band, die sich klanglich komplett von ihren Anfängen der psychedelisch verfremdeten Blues-Standards entfernt hat und die Grenzen der Pop- und Rockmusik massiv ausweitet.

Warum der erste Teil des Albums so nachhaltig beeindruckt, ist offensichtlich: Es sind bis in die späten 1980er Jahre hinein die einzigen offiziellen Live-Aufnahmen von Pink Floyd, was erstaunlich ist bei einer Band, deren Live-Shows von Beginn an legendär sind. Die vier Stücke wurden bei Shows in Birmingham und Manchester aufgenommen und sind klanglich wesentlich kraftvoller und dynamischer als es die Studio-Versionen jemals waren. Das noch aus Barretts Feder stammende »Astronomy Dominé« eröffnet einen zutiefst psychedelischen Trip, der den architektonischen Charakter der »progressiven« Pink Floyd zur Schau stellt: Ein musikalisches Thema wird bis ins Halluzinatorische wiederholt, ausgekundschaftet und mit einer Dramaturgie versehen. Am eindrucksvollsten zeigt dies »Careful With That Axe, Eugene«, das in Waters’ furchterregendem Schrei den Höhepunkt des gesamten Albums darstellt. Die extrem ausladenden Stücke – keines von ihnen hat unter achteinhalb Minuten Länge – lassen in ihrer ununterbrochenen Anordnung die unheimliche Sogkraft der damaligen Pink-Floyd-Konzerte erahnen. Auch dies ist einzigartig, da es sich die Band bei den späteren »klassischen« Prog-Alben wie »Meddle« nicht nehmen lassen wird, diesen Sog durch Folk-Balladen zu durchbrechen.

Die verschwurbelte Folk-Suite »The Narrow Way« auf der Studio-Seite des Albums nimmt nicht bloß ebenjene Balladen vorweg, sie ist auch das erste Stück der Gruppe, das David Gilmour schreibt. Das Konzept der Studio-Seite sieht vor, dass jedem Bandmitglied eine halbe Seite zur freien Verfügung steht. So entstehen, bis auf das Gilmour-Stück und Waters’ »Grantchester Meadows«, extrem ungewöhnliche Kompositionen, die sich an Avantgarde und Musique concrète anlehnen. Sie zeigen eine Band, die sich klanglich komplett von ihren Anfängen der psychedelisch verfremdeten Blues-Standards entfernt hat und die Grenzen der Pop- und Rockmusik massiv ausweitet. Zu hören sind Field Recordings, Sampling-Collagen, orchestrale und atonale Musik. Norman Smith hat keinen Zugang mehr zu dieser Art des Musizierens, die Band trennt sich von ihm und vervollständigt das Album ohne ihren Produzenten.

 Pink Floyd – Ummagumma Webshop ► Vinyl 2LP | Remastered Vinyl LP Pink Floyd werden auf den kommenden Alben »Atom Heart Mother« und »Meddle« ihren Progressive Rock perfektionieren, bis er dann 1972 in »Dark Side of The Moon« kulminiert. Die Band wird zur größten Artrock-Band der Geschichte und die Experimentierfreude weicht im Laufe der 1970er Jahre nach und nach dem Bombast. »Ummmagumma« jedoch bleibt relevant: Zum einen als Dokument einer der eindrucksvollsten Live-Bands jener Epoche, zum anderen als grundlegende Grenzverschiebung des Machbaren im Pop, die bis in die heutigen Zeiten von Deconstructed Club Music hineinwirkt.


Die Musik von Pink Floyd findest du im Webshop von HHV Records.

Ähnliche Artikel
Music Kolumne | verfasst 10.10.2019
Records Revisited
King Crimson – In The Court Of The Crimson King (1969)
Die Platte, die dem Prog-Rock zur Geburt verhalf: Vor 50 Jahren machte King Crimson auf ihrem Debütalbum vor, wie man im 6/8-Takt rockt, mischte Jazz und Klassik in die Arrangements und läutete apokalyptisch das Ende der Sechziger ein.
Music Kolumne | verfasst 05.12.2019
Records Revisited
Rolling Stones – Let It Bleed (1969)
Vom Western-Saloon in den Vietnamkrieg, Stress mit den Cops und Heroin in Arschbacken – der Weg zu »Let It Bleed« verläuft auf einem Pfad zwischen Morbidität und Leichtsinn. Am Ende waren die Drogen gelutscht und die Utopien der Hippies tot
Music Kolumne | verfasst 23.09.2021
Records Revisited
Primal Scream – Screamadelica (1991)
1991 – was für ein Jahr für die Rockmusik. Die am 24.9.1991 veröffentlichten Alben von Nirvana, Soundgarden und Red Hot Chili Peppers haben Rock wieder populär gemacht. Aber »Screamadelica« von Primal Scream hat das Genre verändert.
Music Kolumne | verfasst 22.02.2013
Records Revisited
Ornette Coleman's The Shape Of Jazz To Come, 1959
»The Shape of Jazz to Come«, die dritte Veröffentlichung von Ornette Coleman, ist eines der einflussreichsten Werke der Jazzgeschichte. Sie wird dennoch zu selten gehört, zu selten gesamplet, zu selten erwähnt.
Music Kolumne | verfasst 08.03.2013
Records Revisited
Gil Scott-Heron's Small Talk At 125th And Lenox, 1970
Als Gil Scott-Heron im Sommer 1970 auf Drängen des Produzenten Bob Thiele ein kleines New Yorker Studio betrat, war er Autor. Wenige Stunden später verließ er das Studio als Musiker.
Music Kolumne | verfasst 16.10.2013
Records Revisited
Bob Dylan's Blonde On Blonde, 1966
»Blonde On Blonde« ist das erste Doppelalbum der Rockmusikhistorie. Es ist am 16.5.1966 bei Columbia Records erschienen. Das war ein Montag und Janet Jackson erblickte das Licht der Welt.
Music Kolumne | verfasst 22.01.2014
Records Revisited
Ice-T's Rhyme Pays, 1987
Als das Debüt von Ice-T 1987 erschien, entstand ein neuer Ton im Rap. Das darauf enthaltene »6 ‘N The Mornin’« ist der Blueprint des Gangster Rap. Es legt aber auch offen, wie Rap funktioniert: »It’s all game. I’m just working these niggas«
Music Kolumne | verfasst 12.03.2014
Records Revisited
Paul Simon's Graceland, 1986
Mit »Graceland« veröffentlichte Paul Simon 1986 das erfolgreichste Album seiner Karriere und eines der umstrittensten Werke der Musikgeschichte. Ein Album, das sowohl musikalische wie auch politische die Grenzen sprengte.
Music Kolumne | verfasst 27.03.2014
Records Revisited
Dr. Dre's The Chronic, 1992
»The Chronic« gilt als Meilenstein, als »Game Changer«. In Records Revisited blicken wir auf Dr. Dre’s Solodebut zurück – eine Platte die zurecht als Meisterwerk gilt, aber auch Fragen aufwirft.
Music Kolumne | verfasst 24.04.2014
Records Revisited
Manfred Krug's Ein Hauch von Frühling, 1972
Eigentlich hätte es diese Platte gar nicht geben dürfen. Mit seiner Mischung aus Humor, Wortdreherei und Nonchalance hat Manfred Krug es 1972 geschafft, ausgerechnet in der DDR die beste deutsche Soul-Platte aller Zeiten aufzunehmen.
Music Kolumne | verfasst 13.08.2014
Records Revisited
Brian Eno's Ambient 1: Music For Airports, 1978
Mit »Ambient 1: Music For Airports« hat Brian Eno einem Genre seinen Namen gegeben. Wenn wir heute von »Ambient« reden, verwenden wir den Begriff nicht in seinem ursprünglich gedachten Sinne. Doch was hatte der britische Musiker im Sinn?
Music Kolumne | verfasst 20.08.2014
Records Revisited
Absolute Beginner's Flashnizm (Stylopath), 1996
Heute völlig zu Unrecht im Schatten ihrer zweiten LP »Bambule« stehend, kann »Flashnizm« der Absoluten Beginner als eines der an Experimentierfreude und Ausdrucksvielfalt reichsten umschiffenden Deutschrapalben überhaupt gedeutet werden.
Music Kolumne | verfasst 01.10.2014
Record Revisited
Devo's Q: Are We Not Men? A: We Are Devo!
De-Evolution statt Evolution. Der Ansatz steckt schon im Namen. Devo haben 1978 mit ihrem Debüt »Q: Are We Not Men? A: We Are Devo!« ein Statement vorgelegt, dass bis heute nichts an Relevanz und Frische verloren hat.
Music Kolumne | verfasst 07.01.2015
Records Revisited
Fennesz' Venice, 2004
Vor zehn Jahren veröffentlichte Christian Fennesz sein bis dahin viertes Album »Venice«. Darauf gab der Wiener Gitarrist seine eigentümliche Synthese von Noise und Pop eine neue Wendung.
Music Kolumne | verfasst 03.09.2014
Records Revisited
Aphex Twin's Selected Ambient Works II, 1994
Vor 20 Jahren erschien Aphex Twins »Selected Ambient Works II«. Das Album war nicht nur eine Umkehrung der gerade aktuellen Ambient Music. Es war auch ein weiterer Erfolg der kontinuierlichen Totalverweigerung eines Sturkopfes.
Music Kolumne | verfasst 11.02.2015
Records Revisited
Beastie Boys‘ Paul’s Boutique, 1989
Das zweite Album der Beastie Boys gilt als eines der innovativsten Hip Hop-Alben und ist doch vor allem ein Produkt des Chaos’. Zugleich ist es der unschlagbare Beweis dafür, dass die Musikindustrie niemals Recht hat.
Music Kolumne | verfasst 04.03.2015
Records Revisited
Moondog's Moondog, 1969
Moondog ist nicht nur einer der wichtigsten und zugleich unbekanntesten Begründer der Minimal Music. Er zeigte auch, dass Avantgarde von der Straße kommt und nicht von der Universität.
Music Kolumne | verfasst 15.04.2015
Records Revisited
Sigur Rós – Ágætis byrjun (1999)
Sigur Rós versprachen mit ihrem zweiten Studioalbum »Ágætis Byrjun« »einen guten Anfang«. Daraus wurde ein klares Highlight in der Diskografie einer Band, die Ehrfurcht vor der Schönheit des Fremden weckt.
Music Kolumne | verfasst 12.05.2015
Records Revisited
Run-DMC - Run-DMC, 1984
Es gibt wenige Alben, die echte Game Changer gewesen sind. Run-DMCs selbstbetiteltes Debütalbum aus dem Jahre 1984 war so eines. Es brach mit Traditionen und brachte Rap zurück zu sich selbst.
Music Essay | verfasst 11.11.2015
Records Revisited
IAM's »Ombre Est Lumiere«, 1993
IAM sind weit mehr als Frankreichs dienstälteste und erfolgreichste Rap-Formation. Sie sind die großen Poeten des französischen Rap, die historische Verbindung Europas zur arabischen Kultur und ein erinnerndes Gewissen.
Music Liste
Jahresrückblick 2021
Top 50 Albums
Lockdown-Limbo, dann Lockerungen – erst gar nichts, dann alles auf einmal. Dazwischen? Musik. Viele großartige Alben erschienen dieses Jahr. Das waren die 50 besten auf Schallplatte veröffentlichten Alben des Jahres 2021.
Music Liste
Jahresrückblick 2021
Top 20 12inches
12inches werden meistens, aber nicht immer für den Club hergestellt. Ein Blick auf die 20 besten Schallplatten dieser Art im Jahr 2021 zeigt, dass nicht nur Dance Music neu gedacht wurde – sondern auch ruhige Kontrapunkte gesetzt wurden.
Music Liste
Jahresrückblick 2021
Top 50 Reissues
Neues Jahr, neue Liste von Visionen von Zukünften, die bisher noch nicht Realität geworden sind. Diese 50 Schallplatten träumten in diesem Jahr aus der Vergangenheit am lautesten von einem besseren Morgen.
Music Liste
Jahresrückblick 2021
Top 20 Compilations
Musik und erst recht die Menschen dahinter finden immer zueinander – notfalls auch über die Distanz, sei es nun räumliche oder doch zeitliche. Das waren die 20 besten auf Schallplatte veröffentlichten Compilations des Jahres 2021.
Music Liste
Jahresrückblick 2021
Top 20 Tapes
Jetzt hat also auch der Mainstream die Wertschöpfungsmöglichkeiten des Magnetbands entdeckt: scheiße oder geil? Uns zumindest egal, wir schieben uns lieber Tapes von obskuren Labels und unter dem Radar fliegenden Artists in den Walkman.
Music Liste
Jahresrückblick 2021
Top 20 Books
Von der ultimativen 2Pac-Oral-History hin zur Daft-Punk-Neulektüre und den B-Seiten der Musikgeschichte: Diese Bücher prägten ein Jahr, dessen erste Hälfte uns jede Menge Zeit zum Lesen bescherte.
Music Kolumne
Records Revisited
Autechre – Chiastic Slide (1997)
Mit ihrem vierten Album als Autechre verabschiedeten sich die beiden Mancunians aus der Referenzmenge und begannen ihre einzigartige Reise in ungehörte Klänge und massige Grooves.
Music Porträt
Dengue Dengue Dengue
Guest Mix
Die peruanischen Dengue Dengue Dengue zwirbeln Hula-Hoop-Ryhtmen in den Club. Für uns haben sie exklusiv diesen 60-minütigen Mix zusammengestellt, mit Musik, zu der man die Pfeile spitzt, an Fröschen leckt und beim Trommelkurs brilliert.
Music Liste
RSD Black Friday 2021
12 Releases, nach denen du Ausschau halten solltest
Wir haben uns durch die Liste der diesjährigen exklusiv zum Record Store Day Black Friday 2021 angekündigten Releases gewühlt und euch eine Auswahl von zwölf Schallplatten zusammengestellt, die wir als mögliche Highlights entlarvt haben.
Music Porträt
Chillhop Music
Die Magie des passiven Lauschens
Chillhop ist Musik für eine Welt, in der alle hören, aber niemand zuhört. Das niederländische Label hat trotzdem Erfolg. Und weiß auch, warum.
Music Kolumne
Aigners Inventur
November & Dezember 2021
Er wäre gerne der Typ, der immer die wildesten Puffer Jackets in den Supreme-Videos trägt. Ist aber nur unser Kolumnist. Ja, die sad’e Jahreszeit beginnt. Immerhin nicht mit schlechter Musik: Hier ist die neue Ausgabe von Aigners Inventur.
Music Porträt
Faust
Warum isst du denn nicht Mohrrüben?
Die Hamburger Band Faust war vor 50 Jahren einer der seltenen Fälle, in denen eine Plattenfirma, wenn auch unwissentlich, Künstler unterstützte, deren Musik sehr anders klang als die bis dahin bekannten Rock-Entwürfe.
Music Kolumne
Records Revisited
Stars Of The Lid – The Tired Sounds Of (2001)
Die monumentalste Stille aller Zeiten: Mit »The Tired Sounds Of« schufen Stars Of The Lid im Jahr 2001 eines der wichtigsten Ambient-Alben. Sie verpassten dem Genre mit diesen zwei Stunden an Sounds, Drones und Loops eine neue Tiefe.
Music Interview
Torky Tork
»Ich liebe den Spagat zwischen alt und neu«
Torky Tork ist bislang eher als der Mann im Hintergrund bekannt. Jetzt hat der Berliner Beatmaker ein eigenen Produceralbum aufgenommen. Er hat die Beats geschliffen, Wandl, Döll, Lugatti oder Doz9 haben gerappt. Zeit für ein Gespräch.
Music Porträt
Holy Hive
Introspektive Leichtigkeit
Mit »Float Back To You« legte das New Yorker Trio Holy Hive 2020 ein Folk-Soul-Balsam für das wundgescheuert blankliegende Nervenkostüm vor. Auf dem selbstbetitelten Nachfolger setzen sie den eingeschlagenen Kurs fort.
Music Liste
Palmbomen II
10 All Time Favs
Bilder und Musik ließen sich bei Palmbomen II nie voneinander trennen. Mit »Make A Film« liefert er nun die Musik für die Bewegtbilder, die von uns noch gedreht müssen. Welche Musik ihn in Sachen Filmmusik inspirieren, verrät er hier.
Music Kolumne
Records Revisited
A Tribe Called Quest – Low End Theory (1991)
Viel besser geht es nicht. Zu Beginn der 1990er Jahre brachten A Tribe Called Quest mit ihrem zweiten Album »The Low End Theory« den Flow auf den Punkt. Ohne aggressiv männliche Posen, dafür mit Jazz, Breaks und Vibe.
Music Kolumne
Records Revisited
Primal Scream – Screamadelica (1991)
1991 – was für ein Jahr für die Rockmusik. Die am 24.9.1991 veröffentlichten Alben von Nirvana, Soundgarden und Red Hot Chili Peppers haben Rock wieder populär gemacht. Aber »Screamadelica« von Primal Scream hat das Genre verändert.
Music Essay
Die Beat-Ära in der DDR
Feindliche Übernahme
Schallplatten des Amiga-Labels sind weit verbreitet. Neben Pressungen internationaler Stars war auch jede Menge Musik aus der DDR selbst auf Platte verewigt worden. Manches davon lohnt wiederentdeckt zu werden.
Music Interview
José González
Geschmack ist wie dein Po
2003 coverte José González den Song »Heartbeat« von The Knife und katapultierte sich gleich in die Herzen und Studierzimmer vieler Menschen. Mit seinem Album »Local Valley« strickt er weiter an seinem Mythos. Wir trafen ihn zum Interview.
Music Porträt
Loredana Berté
Irgendwie unvergleichlich
Loredana Bertè wird als »Königin des italienischen Rock« apostrophiert. Das greift nicht nur musikalisch zu kurz. Denn sie den Status quo nie repräsentiert, sondern als Außenseiterin aus Überzeugung wiederholt infrage gestellt.
Music Kolumne
Records Revisited
DJ Shadow – Endtroducing (1996)
Vor 25 Jahren erschien mit »Endtroducing« ein Hip-Hop-Album, das Björk mit Metallica und finnischer Fusion zusammendachte. DJ Shadow grub dafür im Keller. Und fand Gold. Dann schuf er ein Album, das aus der Zeit gefallen zu sein scheint.
Music Porträt
Sarah Davachi
Echo der Unendlichkeit
Intensität ist das Wort, das in den Sinn kommt. Bei ihrer Musik und bei ihren Sätzen. Ihr Sound fühlt sich an, als ob jemand mit einer Fingerspitze über die Seele streicht. Jetzt erscheint Sarah Davachi neues Album »Antiphonals«.
Music Porträt
Dais Records
Klang als Kollektion
Zwischen Experiment und Erwartung, Neuem und Altem wagt Dais Records seit Jahren den Spagat. Gibby Miller und Ryan Martin ziehen dort ihre Kreise, wo Linearität bewusste Störung erfährt – und treten so in die Fußstapfen großer Vorgänger.
Music Porträt
Leslie Winer
Der unbekannte Weltstar
Björk, Grace Jones, Boy George und Sinéad O’Connor zählen zu ihren Bewunderern. William S. Burroughs war ihr Mentor. Irgendwie hat sie auch Trip-Hop erfunden. Dennoch ist Leslie Winer heute nur Insdern bekannt. Das könnte sich jetzt ändern.
Music Porträt
DJ Koco
Guest Mix
Bei DJ Koco treffen atemberaubende Mixing-Skills auf eine Selection von ungeheurer Raffinesse. Kaum einer cuttet seine Breakbeats tighter ineinander als er. Das Verblüffendste: Der japanische DJ beschränkt sich in seinen Sets auf 7Inches.
Music Kolumne
Aigners Inventur
September & Oktober 2021
Keift und brummt sich wieder durch die Veröffentlichungen der letzten zwei Monate: Aigners Inventur, mit Bärlauch-Antipathie und Seerobben-Ehrfurcht. Dazwischen Alben von Flying Lotus, Erika De Casier, Space Afrika und Maxine Funke.
Music Kolumne
Records Revisited
John Coltrane – Africa/Brass (1961)
1961 markierte »Africa/Brass« den Anbruch eines neuen Zeitalters: Für John Coltrane war es der Beginn seiner Impulse!-Jahre, für viele afrikanische Staaten der Start in die Unabhängigkeit. Musikalisch war es sein ambitioniertestes Vorhaben.
Music Kolumne
Records Revisited
Björk – Vespertine (2001)
Mit »Vespertine« schien Björk Guðmundsdóttir das Versprechen ihres vorherigen Werks nicht einzulösen. Weil sie dieses Mal einen vollkommen anderen Ansatz wählte. Was »Vespertine« von 2001 zu einer ihrer besten Platten bis heute macht.
Music Porträt
Polo & Pan
Eklektisch in den Weltraum
Polo & Pan sind bereit abzuheben. Nachdem sie es mit ihrem kunterbunten Stilmix bis ins Hotelzimmer von Elon Musk schafften, blicken sie nun höheren Sphären entgegen. Die irdischen Fans beglückt das Duo derweil mit dem Album »Cyclorama«.
Music Liste
Durand Jones & The Indications
10 All Time Favs
Durand Jones & The Indications verbinden seit Ihrem Debüt vor fünf Jahren Vergangenheit und Zukunft des Genres. Jetzt erscheint ihr drittes Album »Private Space«. Zeit, um die Band nach den 10 Schallplatten zu fragen, die sie geformt haben.
Music Porträt
Conrad Schnitzler
Mitten im Durcheinander
Immer noch wird der 2011 verstorbene Conrad Schnitzler vor allem für seine Verbindung zu Kraftwerk oder Tangerine Dream wahrgenommen. Dabei steht sein beeindruckendes Werk genauso für sich allein, wie er Verbindungen herzustellen wusste.
Music Kolumne
Records Revisited
Main Source – Breaking Atoms (1991)
In mancher Hinsicht scheint »Breaking Atoms«, das Debüt von Main Source, ein Klassiker aus der zweiten Reihe geblieben zu sein. Doch die Produktion von Large Professor definierte einen Signature Sound für das Goldene Zeitalter des Hip-Hop.
Music Kolumne
Records Revisited
LFO – Frequencies (1991)
Die niederfrequenten Schwingungserzeuger LFO aus Leeds schufen mit »Frequencies« eines der ersten Techno-Alben. Ihre hohen Bleeps und tiefen Clonks haben Technogeschichte geschrieben. Bis heute kann, äh, muss man dazu tanzen.
Music Kolumne
Records Revisited
Funkadelic – Maggot Brain (1971)
Mit »Maggot Brain« begeben sich Funkadelic auf die dunkle Seite des Funk. Das triumphierende Lustprinzip wird mit dystopischer Eschatologie durchsetzt und stellt der Feier des Lebens eine beklemmende Endzeitstimmung zur Seite.
Music Kolumne
Aigners Inventur
Juli & August 2021
Hier wird nicht lange gefackelt und sogar auf halbgare UEFA-Gags wird verzichtet. Stattdessen wird im Sinne der Schallplatte gehandelt und an die 20 Vinyl-Scheiben werden zum Drehen gebracht.
Music Liste
Halbjahresrückblick 2021
50 best Vinyl Records so far
Das vergangene halbe Jahr hat gefühlt ganze fünf gedauert. Ein nie endender Winter, quälende Isolation. Und die Musik? Die lief weiter, auf unseren Plattenspielern. Diese 50 Schallplatten blieben dabei besonders im Gedächtnis.
Music Porträt
Hōzan Yamamoto
Meditation aus Improvisation
Über fünf Dekaden hinweg pushte er japanischen Jazz in spirituelle Sphären, ohne Kitsch oder Esoterik. Ansehen erntete er dafür vor allem in seiner Heimat. Bis heute gilt Hōzan Yamamotos Schaffen international als Geheimtipp.
Music Porträt
Hoshina Anniversary
Die Fusion von Techno und Jazz
Hoshina Anniversary macht Techno. Er selbst würde sich aber eher in der Nachfolge zu Jazz und traditioneller japanischer Musik verorten. Und damit ist der Tokioter nicht allein.
Music Essay
Jazz Kissa
Wo in Japan die Musik spielt
Sie bieten stilvollen Rückzug aus einer Welt, in der alle permanent hören. Und zelebrieren das Hören von Musik: Jazz Kissas sind Japans inoffizielles Kulturerbe. Der Journalist Katsumasa Kusunose dokumentiert sie nun.
Music Porträt
Hiroshi Suzuki
Der Unbekannte mit der Posaune
1976 hat der japanische Posaunist Hiroshi Suzuki ein Album aufgenommen. »Cat«, das sich weniger durch Perfektion als durch einen feinen Groove auszeichnet, ging dereinst ein wenig unter. Nun kannst du es wiederentdecken.