Music Liste | verfasst 01.07.2020
Halbjahresrückblick 2020
50 best Vinyl Records so far
Wahrscheinlich wird man in 40 Jahren zwei Fragen beantworten müssen: Was man 2020 selbst gegen das Leid und die Ungerechtigkeit getan und welche Platten man gehört hat. Bei der Beantwortung der zweiten Frage, können wir behilflich sein.
Text Sebastian Hinz, Florian Aigner, Jens Pacholsky, Pippo Kuhzart, Tim Tschentscher, Kristoffer Cornils, Tim Caspar Boehme, Nils Schlechtriemen, Till Wilhelm, Harry Schmidt, Maximilian Fritz
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Die Welt dreht sich weiter und das mag normaler Weise etwas Beruhigendes an sich haben. Im Jahr 2020 wurde allerdings selbst denen schwindelig, die sich im vergangenen halben Jahrzehnt noch gut auf den Beinen halten konnten. Weiß hier noch irgendwer, was im Januar so vor sich ging, kann sich jemand an den Status quo dieser Welt im Februar erinnern? Nein? Wie denn auch! Die Welt dreht sich und das nicht etwa bei smoothen 33 1/3, sondern auf 78 rpm – Tendenz steigend.

Die ganze Welt? Nein! Denn die Musikwelt musste dichtmachen und den Betrieb anhalten. Clubs, Konzerte: abgesagt, und zwar auf lange Zeit. Was blieb übrig? Den vielen, vielen Toten zu gedenken. Von Andy Gill (Gang of Four), Manu Dibango, Bill Withers, David Roback (Mazzy Star), Mike Huckaby, Florian Schneider (Kraftwerk), Andrew Weatherall, Little Richard, Betty Wright, Juice WRLD, Bonnie Pointer und einigen mehr mussten wir uns in kürzester Zeit verabschieden. Doch verdünnten sich sogar die Medien, in denen die Trauerfeiern stattfanden: Weltweit brach mit der Veranstaltungsindustrie der Kulturjournalismus langsam in sich zusammen. Musik vor allem hat immer schon subtile Systemfragen gestellt, Veränderung gefordert und antizipiert oder schlicht Mut geliefert, wo Hoffnung Mangelware ist. Zuletzt wurde das Magazin SPEX nach 40 Jahren und einem digitalen Neustart auf Eis gelegt und mit Zitty ein legendäres Berliner Stadtmagazin eingestampft. Auch sie: nicht die einzigen.

Gibt es da Perspektiven? Vielleicht. Ausgehend von der USA sorgte die Black-Lives-Matter-Bewegung weltweit für eine Neuverhandlung von strukturellem Rassismus und einer weitgreifenden Dekolonialisierung, wie sie im ökonomischen Nachgang der COVID-19-Pandemie noch dringender geboten sein als sowieso schon. Und obwohl es zynisch anmuten mag, das im selben Atemzug zu erwähnen: Der Soundtrack dazu war nicht der Schlechteste – und so unwichtig ist das nicht. Musik vor allem hat immer schon subtile Systemfragen gestellt, Veränderung gefordert und antizipiert oder schlicht Mut geliefert, wo Hoffnung Mangelware ist.

Auf den folgenden 50 Schallplatten ist mal alte und mal neue Musik zu hören, mal sind sie nach wenigen Minuten vorüber und mal entfalten sie sich über lange Zeit hinweg. Eines aber ist ihnen gemein: Bei 33 1/3 oder 45 rpm drehten sie sich parallel und doch als Kontrapunkt zu einer Welt, die für ein halbes Jahr in mehr Chaos versank als schon zuvor. Sie haben uns begleitet und geformt, manchmal sogar eine bessere Welt versprochen. Die schließlich haben wir dringend nötig. Kristoffer Cornils


Die 50 Schallplatten der ersten Jahreshälfte findest du im Webshop von HHV Records.


Ak'Chamel, The Giver Of Illness – The TotemistVinyl LP Ak’chamel, the Giver Of Illness – The Totemist (Akuphone)
Die Wüste wächst – in Afrika, in Mexiko, in uns. Gesellschaftlich und ökologisch geht es bergab, den neofeudalen Kapitalkahlschlägen haben wir weltweit nichts mehr entgegenzusetzen. Ak’Chamel schenken uns daher delirant-visionäre Musik, die den Untergang als Übergang begreift und schon mal von kommenden Zeiten träumt. Denn spätestens wenn unsere Ururenkel in den Ruinen verfallener Kühltürme Hieroglyphen an die Wände kratzen und Wildbret auf den zugewucherten Autobahnen auslegen, wird der Sound von »The Totemist« animalische Vollmondrituale begleiten. Nils Schlechtriemen
 

Akiko Yano – Gohan Ga DekitayoVinyl LP Akiko Yano – Gohan Ga Dekitayo (WeWantSounds)
Akiko Yano, die Vierte: Die Japanerin hatte dem Yellow Magic Orchestra zu seiner Karriere verholfen und feiert nun ein mehr als verdientes Revival. Jetzt legte WeWantSounds mit »Gohan Ga Dekitayo« ein Album neu auf, das im Jahr 1980 nach den ebenfalls als Reissue wieder erhältlichen »Japanese Girl« und »Iroha Ni Konpei« bereits auf den zuckelnden Synth-Pop von »Tadaima« vorbereitete. Zwischen Electro und Kammer-Pop, Jazz-Harmonien und musique-concrète-Elementen beweist das eindrücklicher als bisherige Neuauflagen, warum die Wiederentdeckung auf sich warten ließen: Yano war ihrer Zeit einfach viel zu weit voraus. Kristoffer Cornils
 

Alabaster DePlume – To Cy & Lee Instrumentals Vol.1Vinyl LP Alabaster DePlume – To Cy & Lee: Instrumentals Vol.1 (International Anthem)
Die Meinungen zu »To Cy & Lee: Instrumentals Vol.1« sind geteilt. Nein, wartet. Sind sie nicht! Sie sind überall genau gleich. Nur die Wertungen, die daraus abgeleitet werden, sind unterschiedlich. Alle sagen: Dieses Album ist einfach nur schön. Dann sagt der eine, schön, dass etwas endlich mal wieder auch nur einfach schön sein darf. Dann sagt der andere, boah ey, das kann ich auf Dauer schon nicht ertragen diese Schönheit. Wem die Bereitschaft zur Schönheit noch nicht abgegangen ist, ist bei Alabaster DePlume genauso richtig aufgehoben wie alle, die sich einfach mal wieder eine Weile wholesome fühlen wollen. Pippo Kuhzart
 

Andrea – RitornoVinyl LP Andrea – Ritorno (Ilian Tape)
Wenn es darum geht, ausufernde Flächen mit messerscharfen Breaks zu kombinieren, ist Andrea definitiv eine der gefragtesten Adressen. Mit »Ritorno« (»Wiederkehr«) veröffentlichte der Turiner im April sein Debütalbum auf seinem Haus-und-Hof-Label Ilian Tape. Darauf dockt Andrea mit der unverkennbar stoischen Mischung aus IDM, druckvollem Drumming und Bass-Kaskaden einmal mehr ans Erbe der offensichtlichen Warp-Vorbilder an, ohne übertrieben epigonal zu wirken. Maximilian Fritz
 

Asa Tone – Temporary MusicVinyl LP Asa Tone – Temporary Music (Leaving Records)
Matthewdavid’s Leaving Records ist das vielleicht fleißigste Label der Welt. Beinahe im Wochenturnus werden hier neue Releases veröffentlicht, wenn auch nicht alle aus Schallplatte. Und wenn mein Kollege Kristoffer Cornils anmerkt, der Trend geht bei Leaving Records zur Patschuli-Musik, ist dem nur schwer zu widersprechen. Und auch Asa Tone gehen mit »Temporary Music«, auf dem indonesische Rindik-Instrumentarium mit Elektronik verkabelt wird, in dieser Richtung. Und dennoch fällt die Schallplatte aus dem Rahmen, weil sie rhythmisch variabler, überhaupt variantenreicher, schlicht eine Mischung aus Scott Herren (Savath & Savalas, Prefuse 73) und Asa-Chang & Junray ist. darf bei einer Teezeremonie nicht mehr fehlen. Sebastian Hinz
 

Azu Tiwaline – Draw Me A SilenceVinyl LP Azu Tiwaline – Draw Me A Silence (IOT Records)
Azu Tiwaline scheint schon fertig aus dem Nest gepurzelt zu sein: Vor diesem Jahr hat die Tunesierin herzlich wenig veröffentlicht und legte nicht nur die beste Livity-Sound-Single in einem Halbjahr voll perfekter Livity-Sound-Singles vor, sondern mit »Draw Me a Silence« die erstaunlichste Debüt-LP der Saison nach: Elemente von Berber-Musik, Techno und Dub verknoten sich zu Zuhausehör-House, intergalaktischem IDM und ahnungsvollem Ambient, lösen sich wieder voneinander und gehen geäläutert aus der Sache hervor. Ein wunderschöner Irrsinn, der kohärent in Form gebracht wird. Kristoffer Cornils
 

Beatrice Dillon – WorkaroundVinyl LP Beatrice Dillon – Workaround (PAN)
Wenn afro-karibische Rhythmen auf die UK-Dance-Szene treffen, kommt nicht automatisch Ragga raus. Es geht auch leiser und ruhiger, wie Beatrice Dillon auf »Workaround« (PAN) zeigt. In illustrer Runde mit u.a. Laurel Halo, Untold, Bhangra-Pionier Kuljit Bhamra und Jonny Lam (of Pharoah Sanders Band fame) spannt Dillon ein repetitives, auf minimalen Shifts schlitterndes Gerüst der Polyrhythmik auf, an dessen Füßen House, Jazz und Dub wie verspielte Welpen der musikalische Weltordnung ins Gesicht bellen. Jens Pacholsky
 

Bergsonist – Middle QuestVinyl LP Bergsonist – Middle Ouest (Optimo Music)
Es wird wieder mehr getrommelt. Hier ist es Teil eines Clubentwurfs, der von Theorie und Diskurs herzukommen scheint, auf der Tonspur jedoch erst einmal Perkussion aus Nordafrika und Asien mit Beats aus dem Computer kreuzt und deren Dringlichkeit auf den Körper wirken lässt. Politische Themen in den Titeln beschränken sich meist auf Schlagworte wie »Gaza Border Violence«, den Rest liefern die Synthesizer. Bergsonist bringt das alles mit zarter Gewalt zusammen, wie die Menschen auf der Tanzfläche. Tim Caspar Boehme
 

Choir Boy – Gathering SwansVinyl LP Choir Boy – Gathering Swans (Dais)
Irgendwie hatte ich Dais Records bislang eher als Reissuelabel auf dem Zettel, in diesem Halbjahr ist mir aufgegangen, dass sie sukzessive die Speerspitze jener Bands unter ihre Fittiche genommen haben, die sich der Reproduktion des Sounds der 1980er Jahre annehmen. Also Cold Cave, Them Are Us Too, Drab Majesty, Adult. und als jüngstes Beispiel Choir Boy. Tatsächlich gefällt mir das Quartett aus Salt Lake City, Utah von den genannten am besten, weil sie das ganze Achtziger-Ding als Märchen erzählen, distanziert und schmerzlich nah. Das klingt dann in den besten Momenten, als würde man Fleetwood Mac mit Xiu Xiu mischen. Irgendwie erreicht’s mich. Ach, und, don’t judge a record by it’s cover. Sebastian Hinz
 

Cindy – I'm CindyVinyl LP Cindy – I’m Cindy (World Of Paint)
Cindy Savalas lebt in Carmel Vista. Auf 13 Songs erfährt man von ihrer Mutter, der Geburttagsparty ihres Cousins und ihrem Boyfriend. Doch nichts davon ist real. Den Namen hat Palmbomen II einer „Akte X“-Folge entlehnt, Cindys Schicksal erinnert an das von Laura Palmer aus David Lynchs „Twin Peaks“, die Schauspielerin Blue LoLãn schenkt ihr eine Stimme. Nichtsdestotrotz, oder gerade deshalb, ist Cindys »Debütalbum« voller auf verstaubten VHS-Bändern vergessener Lofi-Synthie-Pop-Hits ein kleines Italo-trifft-Shoegaze-Meisterwerk. Harry Schmidt
 


Die 50 Schallplatten der ersten Jahreshälfte findest du im Webshop von HHV Records.


Cindy Lee – What's Tonight To EternityVinyl LP Cindy Lee – What’s Tonight To Eternity (W.25th)
»What’s Tonight To Eternity«, das vierte Album von Cindy Lee muss hier schon allein erwähnt werden, weil wir in den letzten Jahren die ersten drei Longplayer an dieser Stelle übersehen haben. Es ist ein grandioses, doch nicht das beste Album von Patrick Flegel. Der kanadische Musiker schlüpft seit 2012 buchstäblich in die Rolle von Cindy Lee und singt im Falsett mit viel Hall das Hohelied der geplatzten Träume unter kalifornischer Sonne. verschollene Demo-Aufnahmen aus den Archiven von Motown (»The Limit«), direkt in den 1960er Jahren mit Lötkolben verdrahteter Proto-Techno (»Lucifer Stand«) und immer, als ob in einer riesigen Lagerhalle die Jukebox ihr letztes Lied summt. Sebastian Hinz
 

CS + Kreme – SnoopyVinyl LP CS + Kreme – Snoopy (The Trilogy Tapes)
Was für ein komisches Album. »Snoopy« klingt rudimentär abgemischt, einfach ein bisschen schwach um die Brust, bisschen dünn an den Waderln. Und vielleicht muss das so sein. Vielleicht ist den beiden Aussies CS+Kreme gerade deshalb eines der interessantesten Avant-Pop-Alben des Jahres gelungen. Angedubbt und ausgelaugt, hierzu will ich auslöffeln, was ich mir am Vortag mit Alkohol eingesuppt habe. Pippo Kuhzart
 

Cucina Povera – TyyniVinyl LP Cucina Povera – Tyyni (Night School)
Acht finnische Meditationen über die Dunkelheit der Welt, zumindest habe ich das so verstanden – bzw. gefühlt, weil kann kein Finnisch. In so pastoraler Vortragsweise dreht sich Cucina Povera in ihre Klangwelten und kommt durch spärliche Loops, über Wiederholung also, doch immer weiter oder tiefer. »Tyyni« ist die Schnittmenge aus Svitlana Nianio und Felicia Atkinson, und wer sich darin nicht verlieren will, ist immer noch zu sehr auf’s Gewinnen fokussiert. Pippo Kuhzart
 

David Behrman, Paul Demarinis, Fern Friedman, Terri Hanlon & Anne Klingensmith – She's More WildVinyl LP David Behrman – She’s More Wild (Black Truffle)
David Behrmans Musik passte perfekt in die Reissue-Welle von 2017 bis 2019, dass mit »She’s More Wild« dieses Jahr nun aber eine weit weniger formale und strenge, ja beinahe poppige Platte aus seinem Werk ausgebuddelt wird, ist umso schöner. Gemeinsam mit Paul DeMarinis und den poetischen Vocal-Vignetten von Fern Friedman, Terri Hanlon und Anne Klingensmith finden die Kollegen von Boomkat hier sogar angemessene Vergleiche zu Julia Holter, man darf aber natürlich auch an Jenny Hval und Felicia Atkinsons ausformuliertere Stücke denken. Florian Aigner
 

dj python masVinyl LP DJ Python – Mas Amable (Incienso)
Album, DJ-Set, Meditations-Backup, Smokers Delight. Wie DJ Python auf »Mas Amable« von Ambient über vershuffelt jazzigen Drum&Bass in Breakbeats und atmosphärisches Hip Hop-Beatmaker-Terrain tippelt, ohne auch nur einmal auszurutschen, ist phänomenal. Dass wir das Ganze seiner Großmutter verdanken, ist umso genialer. Diese hatte als Credo, stets mit »zason« zu kochen – Kochen nach Abschmecken. Keine Rezepte, keine Vorgaben. U can only really cook if u can freestyle in the kitchen. Jens Pacholsky
 

DJ Screw – All Screwed UpVinyl LP DJ Screw – _All Screwed Up _ (Bigtyme)
»Bigtyme Vol.2« ist eines der zehn besten DJ Screw Tapes und allein deswegen an dieser Stelle unumgänglich. 2020 steht Screw zudem nicht nur unfreiwillig Pate für das mittelmäßig interessante Slowed & Reverb Youtube-Phänomen, auch im Zuge des grausamen Mordes an George Floyd begann eine erneute aber sehr willkommene Aufarbeitungswelle des ungebrochenen Einflusses der Screw’schen H-Town-Ästhetik in den Feuille…auf Twitter. Losgelöst von tragischer Zeitgeschichte ist das aber auch einfach ein verrauschtes Zenith-Zeugnis des Königs König. Florian Aigner
 

Far Out – 日本人 (Nihonjin)Vinyl LP Far Out – 日本人 (Nihonjin) (Everland Psych)
Später sollten sie als Far East Family Band mit Klaus Schulze zusammenarbeiten, im Jahr 1973 aber waren Eiichi Sayu, Keiju Ishikawa, Manami Arai und der weiterhin aktive Fumio Miyashita noch auf ganz anderen Trips unterwegs. Mit »日本人 (Nihonjin)« positionierten sich Far Out irgendwo zwischen dem Freiform-Rock der Taj Mahal Travellers und dem Folk von Happy End, zwischen Pink Floyds Acid-Fantasien und der funkigen Morbidität Black Sabbath auf der düsteren Seite der Paisley-Hemden-Ära. Drone-Psych-Prog-Rock mit kosmischen Untertönen: Wenn aller Dad Rock so klänge, hätten Gitarren heute noch was zu sagen. Kristoffer Cornils
 

Foul Play – OriginsVinyl LP Foul Play – Origins (Sneaker Social Club)
Höchst selten war ein Albumtitel zutreffender als im Falle von »Origins«. Das findige Label Sneaker Social Club tat der Drum’n’Bass- und Breakbeat-Community den Gefallen, die ersten Maxis des ikonischen UK-Trios Foul Play auf Albumlänge zu kompilieren. Eine beachtenswerte musikarchäologische Leistung, stellen Tracks wie »Dubbing You« oder »Feel The Vibe« das in den frühen 1990er Jahren geborene Genre doch in unnachahmlicher Weise vor und zeichnen seine Genese nach. Maximilian Fritz
 

Gangsta Pat – Deadly VersesVinyl LP Gangsta Pat – Deadly Verses (Sic)
Mit diesem Tape hat Gangsta Pat nicht nur einen ewigen Untergrundklassiker erschaffen, sondern auch Trap maßgeblich geprägt, ob in Deutschland oder Übersee sind die Triplet-Flows aktueller denn je. Nicht umsonst sind »Tear Da Club Up« und »Killa Killa« bis heute unbestreitbare Hits. Auch die Rarität der Kassette hat ihr einen Liebhaber-Status verliehen, auf Discogs wird die Erstauflage für ca. 200 EUR gehandelt. Umso schöner, dass im März endlich eine Neuauflage auf Vinyl und Tape erschien. Till Wilhelm
 

Grimescapes – YO8TH Grimescapes – Grimescapes (Youth)
Warum es seit Wiley eigentlich neben Mr. Mitch, Logos und einer handvoll anderer niemandem gelungen ist, Grime so dermaßen zu skelettieren, dass man sich traut mit dem Begriff weightless zu hantieren, ist schwer zu sagen. Stallgeruch und diverse andere stilistische Portfolio-Arbeiten im britischen Bass-Kontinuum scheinen jedenfalls unumgänglich zu sein. Grimescapes ist nun also auf einem der Labels der Stunde next in line alle tragenden Säulen britischer Feierkultur einzureißen und dabei über eine vollkommen neue pandemische Form von Tanzmusikresidue zu stolpern. Irgendwo fehlt hier jetzt noch eine The Last Of Us II Referenz, bitte nach Belieben einfügen. Florian Aigner 


Die 50 Schallplatten der ersten Jahreshälfte findest du im Webshop von HHV Records.


Haftbefehl – Das Weisse AlbumVinyl 2LP Haftbefehl – Das Weisse Album (Universal Music)
Als Haftbefehls lang ersehnter Nachfolger endlich erschien, wurde stellenweise Enttäuschung laut, das Werk würde nicht an »Russisch Roulette« heranreichen. Dabei ist »D.W.A.« ein ganz eigenständiges Werk, baut sich wie ein Kinofilm auf und behandelt alles, was Hafti eben so beschäftigt, vom neu gewonnen Wohlstand, der Familie, der Liebe bis zur Kindheit in Offenbach. Es ist am Ende auch Grown Man Rap, wie wir ihn noch nicht gehört haben. Denn: »Jedes Wort, jeder Satz… ist wahr, Bruder«. Till Wilhelm
 

Hiroshi Yoshimura – GREENVinyl LP Hiroshi Yoshimura – GREEN (Light In The Attic)
Tomorrow’s People, Midori Takada, jetzt auch »GREEN« von Hiroshi Yoshimura: Mittlerweile gibt es wirklich alle Lieblingsalben des YouTube-Algorithmus auf Vinyl zu haben. Insbesondere im Falle des lang missachteten japanische Ambient-Pioniers bedeutet das eine längst überfällige Geste der Anerkennung. »GREEN« lässt schließlich selbst im Jahr 2020 noch artifizielle Welten aufblühen, an die 1986 eigentlich noch nicht zu denken war. Die stillste Zukunftsmusik aller Zeiten. Kristoffer Cornils
 

It Dockumer Lokaeltsje ‎– Alles Is Goed It Dockumer Lokaeltsje – Alles Is Goed (Makkum)
Dass alles gut ist, mag man nach diesem Halbjahr vielleicht nicht finden, aber das gilt zum einen nicht erst seit gestern und zum anderen mag sich das auf Friesisch noch mal anders darstellen. In dieser Sprache singt die Art Rock-Band It Dockumer Lokaeltsje, und für ihr Coveralbum von D.A.F.s »Alles ist gut« ist das höchst vorteilhaft. Auch dass es weder sägende Synthesizer noch Präzisionsgetrommel gibt, weiß man souverän zu lösen. Man nehme nur »Ik yn it echt« mit seinem kollabierenden Schlagzeug. Dank des Coverbilds zudem einer der bisher besten Beiträge zum ansonsten etwas ins Wasser gefallenen Beethovenjahr. Tim Caspar Boehme
 

J Hus – Big ConspiracyVinyl 2LP J Hus – Big Conspiracy (Black Butter)
Post-Brexit-Etikettenschwindel über den man hinwegsehen darf: J Hus ist natürlich kein rappender Verschwörungstheoretiker, sondern ein schwarzer Knabe aus dem Londoner Osten, der auf seinem zweiten Album zum Mann wird. Das ist eine der glaubhaftesten Coming-Of-Age-Geschichten des laufenden Jahres, introspektiv durchdekliniert anhand von Stilmitteln wie unerlaubter Waffenbesitz, ironisierter Gangzugehörigkeit, Trapfrobeat-Rhythmik und Sex-Fantasien, in der der Penis einer Gurke gleicht. Tim Tschentscher
 

Jeff Parker – Suite For Max BrownVinyl LP Jeff Parker – Suite For Max Brown (International Anthem)
Jeff Parker wieder. An noch prominenterer Stelle hier schon für sein letztes Soloalbum abgefeiert. Auch sein zweites Album LIEFERT. »Suite To Max Brown« ist so hör- und vor allem FÜHLbar der Jazz eines Mannes, der Post-Rock im Kopf und die Soulquarians im Herzen hat. Schon mega, dass man beim Hören an Tortoise (well, klar) UND J Dilla denken kann, UND dann noch Henderson- und Coltrane-Interpretationen mitgeliefert bekommt. Großer Wurf. Wieder. Pippo Kuhzart
 

Jeremy Cunningham – The Weather Up ThereVinyl LP Jeremy Cunningham – The Weather Up There (Northern Spy)
Jeff Parker ist auch auf »The Weather Up There« zu hören. Und auch Makaya McCraven. Außerdem Ben LaMar, Tomeka Reid, Josh Johnson, Jamie Branch. Der typische Chicago-Sound, sozusagen, mit einer kleinen Abwandlung. Den Unterschied macht eben Jeremy Cunningham. Und zwar nicht in erster Linie als Schlagzeuger, auch wenn sein Können unbestritten ist, sondern als Arrangeur, denn Cunningham bringt die Vocal-Samples in den Jazz. In dieser Form ist Jazz die lässigste Sache der Welt, unakademisch, unangestrengt, purer Alltag, frischgewaschene Wäsche, der Schaukelstuhl auf der Veranda, das Buttermesser in der Edelstahlspüle. Sebastian Hinz
 

Jon Hassell – Vernal EquinoxVinyl LP Jon Hassell – Vernal Equinox (Ndeya)
Wenn der Frühling alle Blüten küsst, beginnt die Natur ihr gleichsam obszönes wie überbordendes Schauspiel milliardenfacher Kreuzbefruchtungen. Im Stilgeäst des Jon Hassell wurden tribale Perkussion, Kirana-Trompeten, Raga, Naturaufnahmen und meditatives Dröhnen seit den 70ern auf diese Weise zur neuen Klangsprache verwoben. Vielleicht nie so erotisch, so flirrend surreal wie auf seinem wegweisenden Debüt »Vernal Equinox«, das dieses Jahr endlich einen angemessenen Vinyl-Remaster erhielt. Dschungeljazz eines waschechten Visionärs. Nils Schlechtriemen
 

JPEGMAFIA – All My Heroes Are CornballsVinyl LP JPEGMAFIAAll My Heroes Are Cornballs (Caroline)
Peggy macht weiterhin alles selbst, vom Rap bis zum Master. Und was dabei rauskommt ist keineswegs Easy Listening, auch wenn hier mehr gesungen wird als zuvor, mehr Einflüsse aus Popkultur durchscheinen. Trotzdem schwankt jeder Track zwischen Wut und Depression, die Beats überschreiten die angeblichen Grenzen von Hip-Hop immer wieder aufs Neue. Das Album fühlt sich an wie eine unendliche Reise durchs Internet auf LSD. Komisch eigentlich, dass es trotzdem so angenehm auf Vinyl zu hören ist. Till Wilhelm
 

Knxwledge – 1988Vinyl LP Knxwledge – 1998 (Stones Throw)
In der Diskographie von Glen Boothe lässt sich ja kaum noch zwischen Beat-Tape, Demo-Ordner, Anthologie und fully-fledged Studioalbum unterscheiden. Letztlich ist diese Lesart wichtig wie nichtig: Auf »1988« spült Knxwledge wieder Sample-Material an die Oberfläche, das man gerne selbst geflippt hätte. Gerade deshalb ist das nämlich kein Obskuritäten-Show-Off sondern ein (abermals) sinnvoll zusammengetragener Referenzteppich aus spätem Achtziger-Soul und frühem Neunziger-R&B. You smell me? Tim Tschentscher
 

Laurine Frost – LenaVinyl LP Laurine Frost – Lena (LYKA)
In den spätzaristischen Wirren des ausgehenden 19. Jahrhunderts schrieb Dostojewskij die Erzählung »Der Traum eines lächerlichen Menschen«. In den postdemokratischen Wirren des frühen 21. Jahrhunderts vertont der Ungar Laurine Frost diese Geschichte via schräg ziselierter Rhythmik, besoffenen Dub-Fusionen, surrealem Sampling und einem Talent fürs Experiment, das sich jeder Kategorisierung entzieht. Viele behaupten, Jazz neu zu denken, zu hören, zu erfinden – Frost nicht. Dabei hat er es schon auf seinem Debüt tatsächlich getan. Nils Schlechtriemen
 


Die 50 Schallplatten der ersten Jahreshälfte findest du im Webshop von HHV Records.


Lemon Quartet – CrestlessVinyl LP Lemon Quartet – Crestless (Last Resort)
Ambient-›Jazz‹, vor zwei Jahren wäre das 86 EUR auf Cocks wert gewesen, wenn das Album ursprünglich 1982 im Baskenland veröffentlich worden wäre. Tatsächlich ist »Crestless« neu aus diesem Jahr und das Lemon Quartet kommt aus The Land, nämlich Akron, Ohio. Sicher das ungefährlichste Album in dieser Liste, aber es muss ja nicht immer alles Auseinandersetzung sein, MAN WIRD ES SICH JA WOHL NOCH GEMÜTLICH MACHEN DÜRFEN. Das Sax bläst hier allerdings schon eher aus dem Nebel, das ist alles viel mehr David Lynch als Woody Allen, dieser Fahrstuhl fährt in die Black Lodge. Pippo Kuhzart
 

Lurka – Rhythm Hi-TekVinyl 12inch Lurka – Rhythm Hi-Tek (Timedance)
Lurkas Maxis klingen eigentlich immer fetter als die seiner Kollegen, aber »Rhythm Hi-Tek« setzt der Timbo’isierung nun die Krone auf. Egal, ob sich Lurka hier durch rüde Electro-Breaks, Cyber-Dancehall oder die verschachteltsten 150 BPM seit dem Beatrice-Dillon-Album ballert, es klingt immer als wäre jedes benutzte Plug-In auf VVS-Quali poliert und von mindestens dreißig Studio-Engineers optimiert worden. Der Begriff Superproducer mag habitusmäßig für Rap reserviert sein, hier aber auch mal genrefremd sechs iced out Kronen für Lurka. Florian Aigner
 

Minor Science – Second Language (Whities)Vinyl LP Minor Science – Second Language (Whities)
Abseits des etwas schwülstigen konzeptuellen Überbaus – Musik als zweite Sprache? Sprache in der Musik? Autodidaktische Ansätze des Interpreten? – hat der Brite Angus Finlayson alias Minor Science bereits im April zweifellos ein Album veröffentlicht, das wie gemacht für die einschlägigen Jahresendlisten scheint. Die angenehm kompakte Sprachreise in Gefilde zwischen Bass Music und Techno dockt mühelos an den Producing-Husarenstreich »Volumes« von 2017 an und hat sämtliches Lob verdient, mit dem sie seit ihrer Veröffentlichung überhäuft wird. Maximilian Fritz
 

Nazar – GuerillaVinyl LP Nazar – Guerilla_ (Hyperdub)
Schürfrechte sind mehr wert als Menschenrechte. Nazar hat das hautnah erlebt, als Familie und Freunde im 27-jährigen angolanischen Bürgerkrieg (lies: Proxy-Krieg zwischen den USA und der Sowjetunion) abgeschlachtet wurden, dessen Grausamkeiten und Nachwehen das Debüt »Guerrilla« so brutal wie brillant einfängt. Kuduro clasht hier mit dekonstruierten Club-Collagen, Post-Industrial mit Knarrenklackern, Batida-Breaks und Bässen wie Landminen, die deine flüchtende Oma in alle Winde pusten. So klingt »Demokratisierung« wirklich, scheißegal von wem. Nils Schlechtriemen
 

Nídia – Nao Fales Qua A MentesVinyl LP Nídia – Não Fales Nela Que A Mentes_ (Principe Discos)
Bomboclaat, das ist die Musik, um in Gasmaske zu tanzen, schon einfach murder on se dancefloor. NÍDIAs »Não Fales Nela Que A Mentes« hat die Energie von Three 6 Mafia und den Vibe von Jlin. Eine Waffe dieses Album, schnell und zerstörerisch, nichts Gutes im Sinn und Blei in den Beinen. Pippo Kuhzart
 

Nihiloxica – KaloliVinyl 2LP Nihiloxica – Kaloli (Crammed Discs)
Wenn Kollege Cornils eine trommelige Platte so feiert wie »Kaloli«, dann darf diese nicht nach Patchouli riechen. Im Gegenteil: »Kaloli« riecht gar nicht, weil sich hier alle Beteiligten zu jeder Zeit so wahnwitzig schnell bewegen, dass »Kaloli« auch im fünften Durchgang ein sensationeller Sinus-Overload bleibt, für den einem musikjournalistisch dann nichts besseres einfällt als auf das Aphex Twin Co-Sign zu verweisen und irgendwas von wegen Nyege Nyege zu brabbeln. Tatsächlich haben Nihiloxica vielleicht das originellste Album des laufenden Jahres gemacht und – der Cornils wieder – ja, eines der überwältigendsten ohnehin. Florian Aigner
 

Nurse With Wound – Rock 'N Roll StationVinyl 2LP Nurse With Wound – Rock ’N Roll Station (Abstrakce)
Machen wir uns nichts vor, Alben von Nurse With Wound sind normalerweise Wurzelbehandlungen. Rock N Roll Station ist jedoch der große Ausreißer in Steven Stapletons Werk, eine rotzige Dada Rock Session mit konstantem Drumcomputer-Herzschlag auf stabilen 88BPM und den bluesigsten Vocals diesseits von Alan Vega. Natürlich legt Stapleton den Bohrer nicht komplett zur Seite, aber insgesamt ist das das Album, das Suicide in den 90er hätten machen müssen. Florian Aigner
 

Pauline Oliveros, Stuart Dempster, Panaiotis – Deep Listening (Important)Vinyl LP Pauline Oliveros, Stuart Dempster, Panaiotis – Deep Listening_ (Important)
Vor fast vier Jahren hat sich Pauline Oliveros nun verabschiedet, um fortan der Musik aus anderen Sphären zu lauschen. Es bleibt ein gleichermaßen bescheidenes wie monumentales Erbe zurück. »Deep Listening«, eingespielt mit Stuart Dempster und Panaiotis, markierte zu seiner Zeit den kleinen Anfang von etwas ganz Großem: Einer neuen Theorie des Hörens nicht als solipsistischer, sondern als sozialer Praxis. Es ist nebenbei gesagt noch eines der stillsten Überwältigungsalben überhaupt: Das anmutige Grundrauschen der Welt, die sich langsam und erhaben bewegt. Kristoffer Cornils
 

Phillip Sollmann – MonophonieVinyl 2LP Philipp Sollmann – Monophonie (A-Ton)
Schon mit seinem letzten Album als Efdemin wandte sich Philipp Sollmann halb vom Dancefloor ab und schlug mit »Monophonie« nun endgültig auf den Brettern der Konzertsäle auf. Gut nur, dass die Nummer schon lange vor der Pandemie durch war: Das Album ist ein beeindruckendes Semi-Live-Dokument von Sollmanns übernerdiger Befassung mit den mikrotonalen Schwingungen und reinen Stimmungen von Harry Partch und Harry Bertoia einige Jahre zuvor. Kunscht? Ein bisschen. Aber eben auch ernsthaft geil und zwischendurch sogar mit Beat im Durcheinander. Kristoffer Cornils
 

Roc Marciano – MarcielagoVinyl 2LP Roc Marciano – Marcielago_ (Fatbeats)
Nahezu alles, was je Gutes über ein Album von Roc Marciano geschrieben wurde, trifft auch auf »Marcielago« zu. Es hat sich nichts verändert. Und wo ist das heutzutage noch gut? Genau, eigentlich nur bei Marci und der Belastbarkeit des eigenen Meniskus. Ich meine, wo sonst darf noch jemand glorifizierend sagen, »I’m from that era when…« und wir alle finden es geil. Das schon Marci in Höchstform, verkopfte Reime, fette Blunts, wer hierzu nicht das Drogen-Ticken romantisiert ist ein Heuchler. Pippo Kuhzart
 


Die 50 Schallplatten der ersten Jahreshälfte findest du im Webshop von HHV Records.


Ron Boots, Jo Bogaert & Morten Sondergaard – Lachrymation / Ambient Kinsky / Sahara I Mine Haender / Far BoundariesVinyl 12inch Ron Boots, Jo Bogaert, Morte – Lachrymation / Ambient Kinsky / Sahara I Mine Hænder / Far Boundaries (Stroom)
Ron Boots, Jo Bogaert und Morten Søndergaard kamen die 1990er Jahre über anscheinend selten an die frische Luft, und warum das wohl auch okay so ist, davon zeugt spätestens diese Mini-Compilation auf STROOM, die ihre Kellerkinder-Ambient-Techno-Entwürfe mit Klaus-Kinski-Quotes (Bogaert), Vierte-Welt-Acid (Søndergaard) und vertrackter Chillout-Floor-Kosmologie (Boots, zweifach) zusammenwirft, als hätten sie nie getrennt voneinander existiert. Das ist letztlich ja das Schöne an dieser Lavalampe von Zusammenstellung: Wie alles bereitwillig ineinander fließt, ohne dass irgendwer nachwischen muss. Kristoffer Cornils
 

Sepehr – ShaytoonVinyl LP Sepehr – Shaytoon (Dark Entries)
Sepehr Alimagham wohnt zwar in San Francisco – Detroit ist bei ihm nie weit, und von Electro zu Acid braucht es bloß einen halben Track –, aufgewachsen ist er aber im Iran. Die Musik von dort, die seine Kindheit begleitete, hat er auf seinem Debütalbum »Shaytoon« in sehr eigene Techno-Formen gebracht. Mit etwas Glück hört man die iranischen Einflüsse am Rand durchklingen, sie bleiben jedoch rätselhaft, wie hinter Schleiern. Das ist gerade das Tolle. Tim Caspar Boehme
 

Shabaka & The Ancestors – We Are Sent Here By HistoryVinyl 2LP Shabaka and the Ancestors – We Are Sent Here By History (Impulse)
Wie erwartet haben sich die Feuilletons von Berlin bis Los Angeles mit Lobeshymnen überboten, als das zweite Album »We Are Sent Here By History« des britisch-barbadischen Saxofonisten *Shabaka Hutchings** und seinen südafrikanischen Ancestors fertig war. Zurecht. Spiritueller Afro-Jazz kommentiert den Weltzustand nicht immer so klar und die Hölle ist ja schließlich längst auf Erden angekommen. Doch was tun? Passioniert, traditionsbewusst und dennoch großartig abenteuerlich gibt dieses Album eine unangenehme Antwort: Manchmal muss es erst brennen, bevor Neues wachsen kann. Nils Schlechtriemen
 

tara clerkin trioVinyl LP Tara Clerkin Trio – Tara Clerkin Trio (Laura Lies In)
Stell dir Ben Bertrand beim Teetrinken mit einer grippalen Julia Holter in Bristol vor, beim Möwengucken, immerhin auf IBU 600ern, dann hast du Tara Clerkin Duo. Die Mühelosigkeit von Antriebslosigkeit auf Albumlänge, die Spiritualität von auf der Couch verbrachten Sauwetter. Wie kann man eine derart trübe, matte, graue Atmosphäre schaffen und trotzdem so eine GEISTESKRANKE Erleuchtung sein? Pippo Kuhzart
 

The Dwarfs Of East Agouza – The Green Fdogs Of DahshurVinyl LP The Dwarfs of East Agouza – The Green Dogs of Dahshur (Akuphone)
»The Green Dogs of Dahshur« ist die jährliche Veröffentlichung von den Dwarfs of East Agouza und bietet auch sonst recht herzlich wenige Überraschungen. Alan Bishop macht Free Jazz, Maurice Louca die Rhythmen und Sam Shalabi Lärm mit der Gitarre. Das Prinzip ist dasselbe wie noch auf dem Debüt »Bes«, die Koordinaten allerdings haben sich verschoben: Im Jahr 2020 klingen bei den Dwarfs nicht mehr die Lust auf eine große Utopie an, sondern viel Angefressenheit über das rostige Knirschen der Realität. Selbst die schönen Momente sind ahnungsvoll und die energetischsten unfassbar mürrisch. Musik zur Zeit, justamente weil sie so unzeitgemäß klingt. Kristoffer Cornils
 

The Master Musicians Of Jajouka – Apocalypse Across The SkyVinyl 2LP The Master Musicians Of Jajouka ft. Bachir Atta – Apocalypse Across The Sky (Zehra)
Das Reissue-Label Zehra lässt sich angenehm viel Zeit und die neu aufgelegte Musik somit lange nachwirken: Auf »The Trance Of Seven Colors« von Maleem Mahmoud Ghania und Pharoah Sanders folgte dieses Jahr mit »Apocalypse Across The Sky« von den Master Musicians Of Jajouka unter Bachir Attar noch so ein Schwergewicht von Musik, die in den Neunzigern alle Grenzen in Trance auflöste und fast drei Jahrzehnte danach noch ganz ähnliche Effekte auslöst. Kristoffer Cornils
 

Ulla ‎– Tumbling Towards A Wall Ulla – Tumbling Towards A Wall (Experiences Limited)
Andrea, Cindy, Ulla – wir nennen uns jetzt wieder alle beim Vornamen. 2019 hieß Ulla noch Ulla Straus und mit »Tumbling Towards A Wall« hat die Musikerin aus Philadelphia zumindest mir das Du angeboten. Kratzte sie in der Vergangenheit mit ihren Sounds immer leicht an der Gebrauchsmusik, sind diese nun viel rhythmischer und strukturierter. So dass ich hier ohne schlechtes Gewissen sagen kann, wenn du Huerco S. magst, wirst du auch Ulla S. mögen. Sebastian Hinz
 

Wolfgang Muthspiel / Scott Colley / Brian Blade – Angular BluesVinyl LP Wolfgang Muthspiel / Scott Colley / Brian Blade – Angular Blues (ECM)
Gitarrenhelden wie Wolfgang Muthspiel brauchen nicht zu gniedeln. Jazz aus Österreich wird ja womöglich etwas unterschätzt, doch dagegen spielt Muthspiel seit Jahrzehnten mit stiller Größe an. Zur Seite stehen ihm mit Scott Colley am Bass und dem Schlagzeuger Brian Blade zwei Meister der Zurücknahme. Eckig ist das Ergebnis auf eine Weise, die vor allem die Hirnwindungen anregt, ohne dass es in den Ohren schmerzen muss. Dieses Trio zwingt mit sanfter Überredung zum Hinhören. Lieder ohne Worte, elegant komplex. Tim Caspar Boehme
 

Various Artists – Join The Future - UK Bleep & Bass 1988-91Vinyl 2×12inch Various Artists – Join The Future: UK Bleep & Bass 1988-91 (Cease & Desist)
Kuratiert von Matt Anniss, gemastert von Warp-Mitgründer Rob Gordon nimmt der erste Sampler von JD Twitchs neuem Label Cease & Desist mit auf eine Zeitreise zum Anbruch der 90er, als Bleep Techno neben allerlei Fusionen futuristischer Bassmusik in England – und kurz darauf ganz Europa – die Clubs übernahmen. Zehn Tracks, zehn Gems, garniert mit der zwischen Sounddesign und Rhythmik versteckten subversiven Energie eines in Yorkshire geborenen Styles, der anschließend nicht nur britische Tanzmusik für immer prägen sollte. Nils Schlechtriemen
 

Various Artists – Mother's Finest Compilation Pt.1Vinyl 12inch (part 1) | ● Vinyl 12inch (Part 2) Various Artists – Mother’s Finest Pt.1&2 (Mother’s Finest)
Auch schon wieder scheiße: Da schließt erst die Clubheimat Griessmuehle und dann wird noch der Umzug vereitelt, weil ein Virus um die Welt getragen wird. Dabei war (oder hoffentlich: ist) Mother’s Finest nicht nur eine der besten Clubnächte der regionalen Szene in Berlin, sondern die zweigeteilte Auftakt-Compilation des angeschlossenen Labels auch Ausdruck einer denkbar und dankbar aufgeschlossenen Internationalität, die aus geschlossenen Räumen heraus radikale Offenheit predigt. Kurzum: Bei Mother’s Finest wird auch auf Platte anders getanzt als sonst irgendwo. Kristoffer Cornils
 


Die 50 Schallplatten der ersten Jahreshälfte findest du im Webshop von HHV Records.

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Wun Two
10 Favourites
Wir fragen Musiker nach 10 Tracks, durch die sie geformt, gebessert und gebildet wurden und bitten sie diese Auswahl zu kommentieren. Diesmal hat sich der süddeutsche Producer Wun Two bereiterklärt, uns seine Auslese vorzuzeigen.
Music Liste | verfasst 27.02.2015
Lena Willikens
10 All Time Favs + 6 more
Wir fragen Musiker nach 10 Schallplatten, durch die sie geformt, gebessert und gebildet wurden und bitten sie diese Auswahl zu kommentieren. Diesmal nimmt sich die Produzentin, DJ und Radiomoderatorin Lena Willikens dieser Aufgabe an.
Music Review | verfasst 05.06.2015
Opez
Dead Dance
Die Italiener Opez kreieren auf »Dead Dance« ein eigenwilliges Hybrid aus Blues, Country, Text-mex und lateinamerikanischen Rhythmen.
Music Review | verfasst 17.06.2015
Black Rebel Motorcycle Club
Live In Paris
Nach 20 Jahren Bestehen liefern Black Rebel Motorcycle Club mit »Live In Paris« ihr erstes Livealbum.
Music Review | verfasst 16.11.2009
Hudson Mohawke
Butter
Alles andere als der glattgebügelte Allerweltsound, präsentiert und Hudson Mohawke auf seinem Warp-Debüt Butter
Music Kolumne | verfasst 06.05.2015
Aigners Inventur
April 2015
Auch in diesem Monat setzt sich unser Kolumnist vom Dienst wieder kritisch mit der Release-Flut auseinander, selektiert, lobt und tadelt. Any given month. Dieses Mal u.a. unter der Lupe: Raekwon, James Pants, Twit One und Shlohmo.
Music Porträt | verfasst 31.03.2015
Twit One
67 'Til Infinity
Twit One gehört seit Jahren zu den wichtigsten Produzenten instrumentaler Musik aus Köln. Wir haben ihn zwischen seinen Platten, Räucherstäbchen und Selbstgedrehten besucht. Ein Porträt.
Music Review | verfasst 22.06.2015
The Orb
Moonbuilding 2703 AD
Manche Reisen sollte man mehrmals antreten, weil es jedes Mal etwas Neues zu entdecken gibt. Dieses Album ist eine davon.
Music Review | verfasst 17.06.2015
Richard Marks
Never Satisfied: Complete Works 1968-83
Richards Marks’ Funk muss sich nicht vor den Funk Größen der 60ern verstecken. Jetzt erst erscheinen seine Song auf Album-Format.
Music Interview | verfasst 02.07.2011
Gold Panda
Einfach immer besser
Sein Debüt Lucky Shiner war im letzten Jahr der gemeinsame Nenner, auf den sich Beatapologeten, Caribou-Hörer und Electronic-Frickler hinreichend einigen konnten. Valentin Menedetter traf Gold Panda zum Interview und klärt Grundlegendes.
Music Review | verfasst 04.06.2015
Gold Roger
Räuberleiter
Einer der spannendsten Deutschrap-Newcomer Gold Roger verbindet auf seinem Debüt »Räuberleiter« Humor und Melancholie mit Kunst und Technik.
Music Review | verfasst 12.06.2015
David Toop
Lost Shadows: In Defence of the Soul
Gemurmel, Zisch- und Spucklaute und markerschütternde Schreie. Ist das noch Musik? Spielt keine Rolle: Dieses Album fasziniert.
Music Liste
Evidence
10 All Time Favs
Evidence ist Producer, Cratedigger und Rapper, und zwar einer, der in 15 Karrierejahren die Lust am Entdecken nie verloren hat. Jetzt erscheint sein Album »Unlearning Vol.1«. Wir fragten nach 10 Schallplatten, die ihn geformt haben.
Music Kolumne
Records Revisited
The Smiths – The Queen Is Dead (1986)
Das 1986 veröffentlichte »The Queen Is Dead« ist der Höhepunkt der nur fünf Jahre und vier Studioalben währenden Karriere der britischen Band The Smiths. Es klingt auch nach so langer Zeit noch erfrischend eigenwillig.
Music Kolumne
Records Revisited
Porter Ricks – Biokinetics (1996)
Als Porter Ricks im Jahr 1996 das Album »Biokinetics« veröffentlichten, handelte es sich um mehr als nur eine um Zusatzstücke erweiterte Sammlung ihrer ersten 12inches. Sondern um den utopistischen Versuch, Dub Techno weiterzudenken.
Music Porträt
BBE Records
Influencer der Influencer
Peter Adarkwah ist der Grund, warum manches Life durch J Dilla gechanged wurde, das Roy Ayers einen zweiten Frühling erlebt hat und das japanische Jazz-Alben von Pitchfork rezensiert werden. In anderen Worten: BBE Music wird 25 Jahre alt.
Music Liste
Record Store Day 2021 – 1st Drop
12 Releases nach denen du Ausschau halten solltest
Am 12.6.2021 findet nun der erste von zwei Record Store Days in diesem Jahr statt. Allein dafür sind wieder mehrere hundert exklusive Releases angekündigt. Wir haben daraus zwölf Schallplatten gepickt, die wir euch ans Herz legen wollen.
Music Porträt
Portico Quartet
Guest Mix
»Terrain« heißt das neue Album der britischen Band Portico Quartet, dass in diesen Tagen auf Gondwana Records veröffentlicht wurde. Für uns hat Jack Wyllie von Portico Quartet in einem exklusiven DJ-Mix 60 Minuten Musik zusammengestellt.
Music Porträt
SSIEGE
Suche nach dem Endlosloop
Dicht gedrängt wandeln die Produktionen von SSIEGE an den Übergängen der Jahreszeiten und verschwimmen in ultragesättigten Bildern. Mit ihnen erzählt der Italiener ohne großes Brimborium von Träumen, die sich immer weiter wiederholen.
Music Kolumne
Records Revisited
Marvin Gaye – What's Going On (1971)
Muss man dies Album überhaupt in Erinnerung rufen? Eigentlich nicht. Aber man kann es immer wieder hören. Und es ist bis heute aktuell geblieben, im Guten wie im Schlechten. Marvin Gayes »What’s Going On« wird 50 Jahre alt.
Music Porträt
Seefeel
Musik im luftleeren Raum
Seefeel sind eine Zusammenkunft der Unwahrscheinlichkeiten. Seit fast 30 Jahren spielen sie zwischen den Stilen und befreit von kontemporären Referenzen. Ihr Sound ist bis heute unbegreiflich.
Music Porträt
Arsivplak
Vergangenheit, neu aufgelegt
Volga Çobans Label Arsivplak und das Edit-Projekt Arşivplak sind zwei Seiten derselben Medaille: Einerseits ist er Archivar von türkischem Funk, Disco, Pop, Rock und Jazz, andererseits wirft er ein neues Licht auf alte Klänge.
Music Kolumne
Records Revisited
Grace Jones – Nightclubbing, 1981
Nachtleben für Androiden: Grace Jones sorgte auf »Nightclubbing« mit einer der besten Rhythmusgruppen der Welt dafür, dass Reggae und New Wave im Pop der Achtziger neues Eigenleben entfalteten.
Music Kolumne
Aigners Inventur
Mai & Juni 2021
Die eine Konstante in der Ära von Impfneid, Merzismus und Notbremsenbeef: Aigners Inventur fühlt sich vier Minuten vor Beginn der Ausgangssperre verwegen, hält sich für den Nabel der Deutschrapwelt und kopiert sich nur selbst.
Music Liste
Crumb
10 All Time Favs
Seit ihrem Debüt 2019 gelten Crumb als eines der heißesten Feuer in der Musiklandschaft. Nun ist ihr neues Album »Ice Melt« erschienen. Die Gelegenheit sie nach 10 Schallplatten zu fragen, die sie geformt, gebessert und gebildet haben.
Music Kolumne
Vinyl-Sprechstunde
Scotch Rolex – Tewari
Ist es Hip-Hop? Ist es Metal? Ist es Dancehall? Ist es Musik, die du nicht raffen wirst? Ist es unfair, dass die Clubs geschlossen sind? Unsere Vinyl-Sprechstundler gehen gleichermaßen clubhorny wie verstört aus DJ Scott Rolex’ »Tewari«.
Music Interview
Adrian Younge
Sonische Geschichtsstunde
Mit »The American Negro« beginnt ein neues Kapitel in der Arbeit von Adrian Younge. Sie ist frontaler, politisch aufgeladener und selbstsicherer. Er will lehren. Wir hatten die Gelegenheit zu einem ausführlichem Interview.
Music Liste
Leon Vynehall
10 All Time Favs
Mit seinem neuen Album »Rare, Forever« setzt der britische Produzent Leon Vynehall den Weg fort, den er mit »Nothing Is Still« begonnen hat. Uns verrät er heute 10 Schallplatten, die ihn geformt, gebessert und gebildet haben.
Music Kolumne
Records Revisited
Gil Scott-Heron – Pieces Of A Man (1971)
Man nannte ihn den »Godfather of Hip Hop«, weil er über Drogen, Rassismus und die Divided States of America textete. Mittlerweile ist das erfolgreichstes Album von Gil Scott-Heron 50 Jahre alt – und aktueller denn je.
Music Kolumne
Records Revisited
Deftones – White Pony (2000)
Die im Juni 2000 veröffentlichte LP »White Pony« wurde deshalb zu einem dermaßen bahnbrechenden Album, weil sich die Deftones darauf erstmals als die Zitationsmaschine in Szene setzen, die sie eigentlich immer schon gewesen waren.
Music Liste
Jenn Wasner (Flock Of Dimes)
10 All Time Favs
Mit ihrem Soloprojekt Flock of Dimes hat Jenn Wasner gerade ihr persönlichstes und zugleich substanziell weitreichendstes Album vorgelegt. Wir baten die Musikerin uns 10 Schallplatten zu nennen, die sie geformt, gebessert, gebildet haben.
Music Porträt
Gondwana Records
Seele und Charakter
Als DJ und Musiker wurde Matthew Halsall zum Labelbetreiber. Ausgehend von einem lokalen Fokus auf die Jazzszene Manchesters hat der Trompeter seinem Label Gondwana mittlerweile eine recht internationale Ausrichtung gegeben.
Music Kolumne
Records Revisited
Busta Rhymes – The Coming (1996)
Als vor 25 Jahren »The Coming« erschien, war Busta Rhymes kein Unbekannter mehr. Sein Solodebüt mit dem Hit »Woo Hah!! Got You All In Check« machte ihn zu einem der größten Rapstars seiner Zeit. Wie klingt das Album heute?
Music Kolumne
Records Revisited
Yellow Magic Orchestra – BGM (1981)
Winke für die Zukunft: Die japanischen Synthesizerzauberer des Yellow Magic Orchestra entwarfen auf ihrem vierten Album »BGM« eine Background Music für nachfolgende Generationen.
Music Kolumne
Records Revisited
Coil – Love's Secret Domain (1991)
Techno ist es nicht – doch hinterließ »Love’s Secret Domain« tiefe Furchen in der Clubmusik der 1990er Jahre und markierte für Coil jenen Wendepunkt, ab dem ihr Wirken eine neue Richtung einschlug. Das Projekt hätte es fast zerrissen.
Music Porträt
Die P
Die Messlatte höher legen
Sie ist das erste Signing des All Female*-Labels 365xx Records und veröffentlicht dieser Tage ihr Debüt »3,14«. Für Die P ist die Golden Era schlicht nachhaltig, Competition ist für sie Ansporn, besser zu werden. Ihr Ziel: Zeitlosigkeit.
Music Porträt
Important Records
Deep Listening Forever!
Ob Pauline Oliveros, Éliane Radigue, Alina Kalancea oder Caterina Barbieri: Seit 20 Jahren ist Important Records wie ein gut bestückter Plattenladen für aufregende Sounds – die beste Anlaufstelle für Musik, die intensiv gehört werden muss.
Music Kolumne
Aigners Inventur
März & April 2021
Die ganze Welt verarbeitet im März 2021 immer noch den März 2020, nur unser Kolumnist ist weiterhin auf der Suche nach Wrong-Speeder-Optionen. Aigners Inventur: Dub aus dem Abyss und durch die FFP2-Maske gerauchte Kippen.
Art Porträt
Vincent de Boer
Wie Jazz mit Pinseln
Der niederländische Künstler Vincent de Boer ist zu einem festen Bandmitglied der britischen Jazzer von Ill Considered avanciert. Er zeichnet Plattencover auf Basis der gehörten Grooves. Für »The Stroke« wurde der Prozess nun umgedreht.
Music Kolumne
Records Revisited
Dinosaur Jr – Green Mind (1991)
Viele Rockbands nehmen zu Beginn der 1990er Jahre ihre bis dahin besten Alben auf. Auch Dinosaur Jr. Während die Band selbst bei den Aufnahmen bereits auseinanderbricht, strotzt ihr viertes Album »Green Mind« vor Kreativität.
Music Porträt
Phew
Ein Leben gegen den Strich
Punk mit Aunt Sally, Synth Pop mit Sakamoto und experimentelle Musik solo und mit anderen: Die japanische Musikerin Phew sucht seit über vier Jahrzehnten die Fehler in der Musik, weil sich darin nur deren Möglichkeiten offenbaren.
Music Porträt
Far Out Recordings
Im Epizentrum der Brazil-Welle
Joe Davis ist der Lokführer, auf dessen Zug Mitte der Neunziger eine ganze Generation Brazil-affiner Producer aufsprang. Mit seinem Label Far Out Recordings wurde er zum weltweiten Statthalter brasilianischer Musikkultur.
Music Kolumne
Records Revisited
Carole King – Tapestry (1971)
Carole King wollte nie Popstar werden, sondern nur Songs schreiben. Weil sie das aber konnte wie niemand sonst, wurde sie es dennoch – mit »Tapestry«, ihrem Debütalbum aus dem Februar 1971.
Music Interview
Audio88 & Yassin
Der bessere Diss
Auf das verflixte fünfte Album von Audio88 und Yassin mussten Fans verflixte fünf Jahre warten. Im Zuge des Weltgeschehens ist es kein Wunder, dass sie radikaler auftreten als je zuvor. Ein Interview anlässlich des neuen Albums »Todesliste«
Music Kolumne
Vinyl-Sprechstunde
Madlib – Sound Ancestors
»Das erste Madlib-Album, das wirklich als Album gehört werden kann«, sagte Four Tet. – Das ist doch Schwachsinn, sagen unsere Kolumnisten. Sie fragen sich: Hat Madlib hier nicht einfach gemacht, was er immer gemacht hat – und…will man das?
Music Kolumne
Records Revisited
Jan Jelinek – Loop-Finding-Jazz-Records (2001)
2001 hing Jan Jelinek das Ego an den Nagel und lud seinen Sampler mit Klängen von Jazz-Platten auf, um daraus Loops zu basteln. Die liefen aneinander vorbei und bildeten Moiré-Effekte. Davon lebt die Magie von »Loop-finding-jazz-records«.
Music Interview
The Notwist
»Es ist immer ein Zurückkommen«
The Notwist sind wieder da. Sieben Jahre haben sich die Brüder Markus und Michael Acher Zeit gelassen, mit Cico Beck einen Ersatz für Martin Gretschmann gefunden, und einen Klang gefunden, der universeller ist als je zuvor. Ein Interview.
Music Kolumne
Records Revisited
Brian Eno & David Byrne – My Life In The Bush Of Ghosts (1981)
Ethno-Sampling als Pop: Mit ihrem Album »My Life in the Bush of Ghosts« landeten Brian Eno und David Byrne 1981 einen Innovationshit. 40 Jahre später klingt das selbstverständlich. Dafür ergeben sich andere Schwierigkeiten mit dem Ansatz.
Music Interview
Common
»Befreiung fängt im Kopf an«
Sein neues Album trägt den Namen »A Beautiful Revolution Pt.1«, erschien bereits im Oktober digital und in diesen Tagen wird es nun auch auf Vinyl veröffentlicht. Wir nutzten die Gelegenheit mit dem Rapper aus Chicago zu sprechen.
Music Porträt
Zoviet France
Fiebertraum vom Ende
Keine Namen, keine Gesichter, keine Tradition: Zoviet France wollten als anonymes Kollektiv Anfang der Achtziger die Antithese zum orthodoxen Kunstverständnis formulieren – und wurden dabei zu Kultfiguren wider Willen. Bis heute.
Music Liste
Aigners Inventur
Januar & Februar 2021
Ist es Gott? Ist es Hesse? Ist es Domian? Nein, es ist zum Glück einfach nur der Aigner. Der hat die Gardinen seit Wochen maximalst zugezogen und schickt uns die erste Inventur des noch fast unbefleckten neuen Jahres aus dem Kabuff.
Music Liste
Aaron Frazer
10 All Time Favs
»Introducing« heißt das erste Soloalbum von Aaron Frazer. Als Schlagzeuger von Durand Jones & The Indications ist er aber längst kein unbekannter. Musikalisch geht’s in die Sechziger. Uns sagt er, was ihn wirklich musikalisch geprägt hat.
Music Porträt
On The Corner
Banger für das Hinterzimmer
Mit seinem Label On the Corner Records serviert Pete Buckenham einen berauschenden Eintopf aus afro-futuristischen Jazz-Konzepten und zeitgenössischen Street Grooves und stößt er heute bereits die Pforten zum Sounduniversum von morgen auf.