Music Kolumne | verfasst 09.10.2020
Records Revisited
Godspeed You! Black Emperor – Lift Your Skinny Fists Like Antennas To Heaven (2000)
Das zweite Album des Projekts Godspeed You! Black Emperor ist ein Werk voller Widersprüche und Zweifel. Vor allem liefert es den Soundtrack zur Komplexität menschlicher Existenz im aufkeimenden Dogmatismus.
Text Jens Pacholsky
Records_revisited_lift+yr+skinny+fists_1024x685px

Es gibt Kunstwerke, die machen einen sehend. Sie schaffen es, das Unbekannte, Unverständliche und Unglaubliche einzufangen und vor die Füße zu spucken. Bei Godspeed You! Black Emperor ist es nicht selten das Monströse und Weggedrängte, das sie einfangen und in befremdlichen Zungen singen lassen. Auf ihrem dritten Studioalbum »Yanqui U.X.O.« (Constellation, 2002) entsandten sie uns in den prosperierenden Markt des War On Terrorism, der kurz zuvor im Irak ins Rollen kam. Der sogenannte Embedded Journalism hatte zu diesem Zeitpunkt die Kriegsberichterstattung längst zum Popkorn-TV-Spektakel kommerzialisiert. Gebrüder Grimm Märchen fürs Abendprogramm.

Mit Godspeed You! Black Emperor (GY!BE) dagegen saßen wir plötzlich ungeschützt unter herannahenden B2-Bombern, bevor die Splitter um sich schlugen. Die kanadische Band machte dies gänzlich ohne Texte (abgesehen vom abschließenden Stottern des heute aus heiterem Himmel rehabilitierten Georg W. Bush). Godspeeds Kanvas war (und ist) die Wall of Sound. Damit standen sie den zum gleichen Zeitpunkt ins Rampenlicht tretenden Mogwai aus Glasgow nahe. Wo bei Mogwai jedoch die geborstene innere Welt nach außen explodierte, ließen GY!BE die überkomplexe Welt in uns strömen und zwischen zu engen Schädeldecken widerhallen. In beiden Fällen galt: Wenn ein Bild mehr als tausend Worte sagt, lässt reiner Klang mehr als tausend Bilder fühlen.

Vereint in den Widersprüchen
Zwei Jahre zuvor hatte das Kollektiv aus Montréal uns mitten im nordamerikanischen Albtraum abgesetzt. »Lift Your Skinny Fists Like Antennas To Heaven« ist das Spiegelbild der Welt nach der Dotcom-Blase. Inmitten des Bankrotts eines Traums. Nicht nur in den USA verloren sich Existenzen. Das kanadische Montréal, nach wie vor Heimat der Band, lag ausgeblutet am Boden. Es war ein Moment, in dem Träume platzten, sich das bisschen Erfolg in Mittellosigkeit wandelte. In dem nur perverser Reichtum in seinem bedingungslosen Opportunismus noch reicher wurde. In dem Hoffnung und Scheitern einander verzahnten. Es ist der Moment, der bis heute andauert.

GY!BE zeichneten dieses unsichere, zutiefst erschöpfte und zugleich nie endende Wanken der Menschen ins erhoffte Glück in wechselnden und verschmelzenden Gefühlsbilder nach. Laut, leise, schnell, langsam, apathisch, wütend, resignierend, hoffnungsvoll, gläubig, rebellierend. Auf eine klare Abgrenzung der Zustände wurde verzichtet, weil alles in Abhängigkeit steht, sich durchdringt. Es gibt kein Entweder-oder. In den verstörendsten Momenten bilden sie eine grausame Balance heraus. GY!BE ordnen sich dieser Komplexität der Verhältnisse selbst in ihren Liner Notes zu »Yanqui U.X.O.« unter, wenn sie gestehen: »Godspeed You Black Emperor is complicit, is guilty, is resisting.«

»Lift Your Skinny Fists Like Antennas To Heaven« kann so als Kommentar auf die unheilvolle und beständige Verquickung von Religion, Politik und Kapital verstanden werden, die wenigen nützt und viele bindet.

Was nach der resignierenden Binsenweisheit klingt, nach der alle nur Rädchen im System sind, birgt jedoch auch Hoffnung. Denn GY!BE stellen damit fest, dass eine Mitschuld den Widerstand nicht negiert. Agieren im Widerspruch und aus dem Widerspruch heraus, dort verortet sich das Kollektiv seit eh und je. Und lässt es vereinzelt auch in Songtiteln wie »Static« durchschimmern. »Static« und seine Substantivform »Stasis« stehen gemeinhin für »Stillstand«, das Fehlen jeglicher Veränderung. Historisch betrachtet, beschreibt »Stasis« jedoch auch bürgerkriegsähnliche Zustände im alten Griechenland. David Bryant, Gitarrist bei GY!BE, fügte dem 2003 in einem Interview mit dem Goon Magazin noch eine weitere Ebene hinzu. »It’s about degrees of motion, where for instance even immobility can be rendered mobile. Static, the radio kind, is anything but static. It’s moving too fast for us to perceive.«

Gefangen im American Dream
»Lift Your Skinny Fists Like Antennas To Heaven« erzählt dieses Leben im Widerspruch und in den Wechselwirkungen als grundlegenden Daseinszustand, der im vermutlich ältesten Spannungsfeld der Menschheit verweilt: Religion, Macht und Ausbeutung. Das Artwork beinhaltet zwei Zeichnungen des kalifornischen Künstlers William Schaff, die diesen seit Äonen konstanten und zugleich sich beschleunigenden Schwebezustand illustrieren. Der Glaube wird in Form von Religion zum Machtinstrument, das selbst nichts anderes als Geschäftsmodell ist. Nicht ohne Grund können die großen Kirchen dieser Welt ohne weiteres mit Fortune 50 Unternehmen mithalten. Die Mormon Church allein wiegt 70 Mrd. USD, während die drei größten katholischen Kirchen (Vatikan, Deutschland und Australien) mehr als 81 Milliarden auf die Waage bringen.

Zugleich ist die Monetarisierung selbst Religion. In den USA steckt auch das hinter dem sogenannten American Dream. Denn dieser nährt sich maßgeblich vom Wohlstandsevangelium, das insbesondere in einflussreichen evangelikalen Kirchenströmungen propagiert wird. Demnach ist finanzieller Reichtum ein direktes Zeichen für die Liebe Gottes. Diese kann durch Abgaben an die Kirche weiter gesteigert werden. Ein lukrativer Kreislauf aus Selbstbestätigung, beruhigtem Gewissen und Bereicherung. Denn im Umkehrschluss haben es die sozioökonomisch Abgeschlagenen dann auch nicht anders verdient.

Godspeed YouBlack Emperor – Lift Your Skinny Fists Like Antennas to HeavenWebshop ► Vinyl 2LP »Lift Your Skinny Fists Like Antennas To Heaven« kann so als Kommentar auf die unheilvolle und beständige Verquickung von Religion, Politik und Kapital verstanden werden, die wenigen nützt und viele bindet. Vielmehr noch erläutert das Album jedoch, dass es eben keine einfachen Antworten auf die Komplexität der menschgemachten Existenz gibt. Und das wir damit (in unseren Timelines) endlich mal klar kommen sollten.


Die Musik von Artis findest du im Webshop von HHV Records.

Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Review | verfasst 19.10.2012
Godspeed You! Black Emperor
Allelujah! Don't bend! Ascend!
Nach zehn Jahren kehren Godspeed You! Black Emperor mit ihrem vierten Album zurück. Geändert hat sich derweil wenig.
Music Bericht | verfasst 08.11.2012
Godspeed You! Black Emperor
Live am 5.11. im HMV-Forum in London
Zehn Jahre musste der Musikliebhaber auf ein neues Tondokument von Godspeed You! Black Emperor warten. Nun sind die Kanadier auch auf Tour. Bevor sie diese Woche nach Deutschland kommen, waren sie letzte Woche in London zu Gast.
Music Review | verfasst 26.09.2017
Godspeed You! Black Emperor
Luciferian Towers
Mit der aktuellen Verschiebung der sozialen und politischen Realitäten scheint eine neue Dringlichkeit bei GY!BE entstanden zu sein.
Music Review | verfasst 28.03.2011
Colin Stetson
New History Warfare Vol.2: Judges
Der Saxophonist Colin Stetson spielt sein Instrument wie andere ihr Didgeridoo und kreiert eine unwahrscheinliche Musik.
Music Review | verfasst 13.05.2011
Tindersticks
Claire Denis Film Scores 1996-2009
Was macht eine gute Filmmusik aus? Die Tindersticks wissen die Antwort und verraten sie auf den Soundtracks zu den Filmen von Claire Denis.
Music Review | verfasst 13.06.2011
Matana Roberts
Coin Coin Chapter One: Gens de Coloeur Libres
Es ist seine aufwühlende, mitreißende und zugleich nachdenkliche Kraft, die dieses Album derzeit so ausnahmslos macht.
Music Review | verfasst 23.07.2011
Esmerine
La Lechuza
Manchmal entsteht aus der Asche unsagbaren Unglücks doch Wunderschönes. La Lechuza ist eine Erinnerung an die Sängerin Lhasa de Sela.
Music Review | verfasst 17.10.2011
Siskiyou
Keep Away The Dead
Als Colin Huebert 2010 begann, für das neue Siskiyou-Album zu schreiben, herrschte tiefer Winter in British Columbia, Kanada.
Music Review | verfasst 19.10.2011
Evangelista
In Animal Tongue
Hauchend, flüsternd und wehleidend, beschwörend und nach Luft schnappend: Carla Bozulich lotet die Grenzen der Stimme aus.
Music Review | verfasst 03.11.2011
Sandro Perri
Impossible Spaces
Kennern der kanadischen Musikszene ist der Musiker und Produzent Sandro Perri kein Unbekannter. Nun dürfte ihm der Durchbruch gelingen.
Music Review | verfasst 07.03.2014
Thee Silver Mt. Zion Memorial Orchestra
Fuck Off Get Free We Pour Light on Everything
Auf Thee Silver Mt. Zion Memorial Orchestra ist Verlass. Auch ihr siebtes Album schmeichelt, liebt, hasst, kratzt, beißt und schreit.
Music Review | verfasst 19.03.2014
Carla Bozulich
Boy
Ihr Einfluss auf die Rockgeschichte ist bemerkenswert. Mit »Boy« hat Carla Bozulich dafür gesorgt, dass das auch so bleibt.
Music Review | verfasst 14.10.2014
Last Ex
Last Ex
Simon Trottier und Olivier Fairfield von Timber Timbre machen als Last Ex ursprünglich klingenden Instrumentalrock.
Music Review | verfasst 03.02.2015
Matana Roberts
Coin Coin Chapter Three: River Run Thee
Der dritte Teil von Matana Roberts »Coin Coin« Projekt verbindet experimentellen Jazz mit Klangkunst und Spoken Words.
Music Review | verfasst 20.01.2015
Siskiyou
Nervous
Siskicou-Sänger Colin Huebert erfindet die Band neu und überrascht auf »Nervous« mit einer großen Palette akustischer Elemente.
Music Liste
Aigners Inventur
Januar & Februar 2021
Ist es Gott? Ist es Hesse? Ist es Domian? Nein, es ist zum Glück einfach nur der Aigner. Der hat die Gardinen seit Wochen maximalst zugezogen und schickt uns die erste Inventur des noch fast unbefleckten neuen Jahres aus dem Kabuff.
Music Liste
Aaron Frazer
10 All Time Favs
»Introducing« heißt das erste Soloalbum von Aaron Frazer. Als Schlagzeuger von Durand Jones & The Indications ist er aber längst kein unbekannter. Musikalisch geht’s in die Sechziger. Uns sagt er, was ihn wirklich musikalisch geprägt hat.
Music Porträt
On The Corner
Banger für das Hinterzimmer
Mit seinem Label On the Corner Records serviert Pete Buckenham einen berauschenden Eintopf aus afro-futuristischen Jazz-Konzepten und zeitgenössischen Street Grooves und stößt er heute bereits die Pforten zum Sounduniversum von morgen auf.
Music Liste
Jahresrückblick 2020
Top 50 Albums
Sprechen wir es aus: Musik ist in Gefahr, weil sie nicht gemeinsam erlebt werden kann und weil ihre Macher*innen sich seit Monaten in einer existenziellen Krise befinden. Auf Schallplatte gab es dennoch einiges zu hören, wie diese 50 Alben.
Music Liste
Jahresrückblick 2020
Top 20 12inches
Tanzen war 2020 nicht wirklich. Aber die Vinyl 12" war trotzdem ein begehrtes Format. Und zwar für Musik, die von einer Zeit nach der Katastrophe träumt. Hier sind unsere Top 20. Einen Bonus in Form einer Vinyl 7" gibt’s obendrauf.
Music Liste
Jahresrückblick 2020
Top 50 Reissues
Früher war alles besser, das reden wir uns schon seit geraumer Zeit ein und seit zehn, fünfzehn Jahren versucht uns die Reissue-Industrie in dieser zur Weltanschauung geronnenen Vermutung zu bestätigen. Hier sind die Top 50 Reissues 2020.
Music Liste
Jahresrückblick 2020
Top 20 Compilations
Werkeinstiege zu Beverly Glenn-Copeland und Sade, DJ-Mixe von etwa Helena Hauff und Avalon Emerson, Würdigungen, Geschichtslektionen: Die Compilations in 2020 brachten Schwung in das pandemisch und politisch kriselnde Jahr.
Music Liste
Jahresrückblick 2020
Top 20 Tapes
Das angebliche Tape-Revival ist schon alt genug, als dass seine Heraufbeschwörung durch wiederverwertungsgeile Feuilletons selbst bald ein Revival feiern könnte. Sei’s drum: Diese zwanzig Kassetten haben uns 2020 das Leben gerettet.
Music Porträt
The Silhouettes Project
Protest aus dem Underground
Kosher und Eerf Evil gründeten das Silhouettes Project, um dem Londoner Untergrund Struktur zu verleihen. Ihr selbstbetiteltes Album entstand in gemeinsamen Sessions der britischen Alternative-Rap-Szene.
Music Kolumne
Records Revisited
Coil – Musick to Play in the Dark (1999)
Magie als Klang, der lunare Energien ansammelt: Mit dem im Jahr 1999 veröffentlichten Album »Musick to Play in the Dark« schufen die Elektronik-Esoteriker Coil ihre größten Hymnen an die Nacht. Jetzt wurde es endlich neu veröffentlicht.
Music Porträt
Sault
Black is …
Sault sind die inoffizielle musikalische Stimme der Black Lives Matter Bewegung. Voll radiotauglichem Soul und Jazz, hinter dem die längst überfällige Revolution steht.
Music Kolumne
Aigners Inventur
November & Dezember 2020
Das Virus? Nah, unser furchtloser Kolumnist fürchtet nur eines hinter jeder Straßenecke: Clueso. Aigner schmeißt sich in fiktive Nachtbusse und bückt sich n zu den REWE-Spaghetti runter, weil die von Barilla wieder weggepreppt wurden.
Music Kolumne
Records Revisited
The Pharcyde – Labcabincalifornia (1995)
Pioniere im Andersdenken. Vor 25 Jahren wurden die überdrehten Klassenclowns von The Pharcyde auf ihrem zweiten Album »Labcabincalifornia« zu zynischen Antihelden. Daran trug auch ein damals unbekannter producer namens J Dilla Schuld.
Music Porträt
Tidal Waves
Die Welle reiten
Eine kräftige Welle hat schon so manchen Schatz an Land gespült. So gesehen passt der Name, denn das belgische Reissue-Label Tidal Waves sucht, findet und veröffentlicht verlorengeglaubte Perlen der Musikgeschichte.
Music Kolumne
Records Revisited
Four Tet – There Is Love in You (2010)
Als Four Tet Anfang 2010 das Album »There Is Love in You« veröffentlicht, muss er der Welt nichts mehr beweisen und setzt sich einem retromanischen und verbissenen Zeitgeist mit einem gerüttelt Maß Glückseligkeit entgegen.
Music Kolumne
Records Revisited
GZA – Liquid Swords (1995)
Vor 25 Jahren säbelte GZA sein erstes Solo-Album innerhalb des Wu-Tang-Universums raus, boxte im Schatten von Shaolin-Kriegern und machte seine Gegner mit Lines einen Kopf kürzer. Das Ergebnis nannte sich »Liquid Swords«.
Music Porträt
Mort Garson
Musik für Pflanzen und Menschen
Er war an über 900 Liedern beteiligt, erreichte Platz 1 der Billboard Charts, doch Mort Garsons heutiger Ruhm beruht auf einer Begegnung mit Bob Moog, den er überredete, ihm einen seiner Synthesizer zu überlassen. Eine Wiederentdeckung.
Music Kolumne
Records Revisited
Pet Shop Boys – Behaviour (1990)
»Behaviour« ist das Pet Shop Boys-Album schlechthin. Reflektierte Texte, die schon damals bewährten Hymnen-Melodien und Harold Faltermeyers analoge Produktion verschmolzen zu einem Klassiker, der keinen Staub ansetzen will.
Music Porträt
Dark Entries
Zwischen Disco, Goth und Porno-Soundtracks
Seit 2009 betreibt Josh Cheon sein Label für Undergroundiges aus den 1980er Jahren und solches, das es werden will. Nächstes Jahr wird er über 300 Schallplatten dort veröffentlicht haben. Wir stellen euch das Label aus San Francisco vor.
Music Interview
Makaya McCraven
»Ich grabe Sound aus«
Makaya McCraven ist einer der Jazzmusiker dieser Tage. Nicht nur seine Heimatstadt Chicago, sondern die ganze Welt scheint sich an dem freien Umgang mit dem Jazzerbe in seiner Musik zu inspirieren. Wir hatten die Chance zum Interview.
Music Liste
Record Store Day 2020 – 3rd Drop
12 Releases nach denen du Ausschau halten solltest
Am 24.10.2020 findet nun der dritte von drei Record Store Days in diesem Jahr statt. Dafür sind wiederum mehr als 120 exklusive Releases angekündigt. Wir haben daraus zwölf Schallplatten gepickt, die wir euch ans Herz legen wollen.
Music Porträt
Sade
Magie ohne Mysterium
Mit dem Box-Set »This Far« wird das Gesamtwerk von Sade neu veröffentlicht. Viel ist das nicht. Aber Sängerin Helen Folasade Adu ist nicht nicht nur der größte Superstar, der nie einer werden wollte – sondern singt nur, wenn sie es will.
Music Kolumne
Records Revisited
Godspeed You! Black Emperor – Lift Your Skinny Fists Like Antennas To Heaven (2000)
Das zweite Album des Projekts Godspeed You! Black Emperor ist ein Werk voller Widersprüche und Zweifel. Vor allem liefert es den Soundtrack zur Komplexität menschlicher Existenz im aufkeimenden Dogmatismus.
Music Porträt
Derya Yıldırım
Im Namen der Menschlichkeit
Für Derya Yıldırım ist Musik in erster Linie Ausdruck menschlicher Beziehungen. Mit der Grup Şimşek verbindet sie die Musik ihrer anatolischer Heimat mit unzähligen anderen Klängen und Melodien, die die Menschen erden.
Music Essay
A Journey Into Turkish Music
Gastarbeiter*innen Musik
Parallel zur Genese des Anadolu Pop entwickelt sich in der BRD eine virile Infrastruktur. Diese »Gastarbeitermusik« hat das öffentliche Bewusstsein stets nur gestreift. Der wirtschaftliche Austausch hätte ein kultureller sein können.
Music Essay
A Journey Into Turkish Music
Anadolu Pop
Altın Gün, Derya Yıldırım & Grup Şimşek oder Gaye Su Akyol: mehr und mehr Bands beziehen sich wieder auf den Sound des Anadolu Pop, der sich in den 1960er Jahren in der Türkei formierte. Aber ist es ein Revival? Wir klären auf.
Music Kolumne
Records Revisited
Mouse On Mars – Iaora Tahiti (1995)
Mit ihrem zweiten Album »Iaora Tahiti« haben Mouse On Mars schließlich den letzten überzeugt, dass schlaue Electronica in den Neunzigern durchaus auch aus good ol’ Germany kommen kann. In diesen Tagen wird das Album 25 Jahre alt.
Music Kolumne
Records Revisited
Radiohead – Kid A (2000)
Zwischen Bigotterie und Blasphemie liegt oft nur »Kid A«. Das vierte Album von Radiohead erschien am 2. Oktober 2000, tauschte Gitarren gegen Synthesizer – und begann mit einem Fehler.
Music Kolumne
Vinyl-Sprechstunde
Tolouse Low Trax – Jumping Dead Leafs
Der Mann, der einen Sound geprägt hat, ist zurück mit einem Langspieler. Die drei Männer, die nichts geprägt haben, sind zur Stelle, um sich über ihn zu unterhalten. Das ist natürlich eine tolle Sache.
Music Liste
Record Store Day 2020 – 2nd Drop
Weitere 12 Releases nach denen du Ausschau halten solltest
Am 26.9.2020 findet nun der zweite von drei Record Store Days in diesem Jahr statt. Dafür sind wiederum mehr als 150 exklusive Releases angekündigt. Wir haben daraus zwölf Schallplatten gepickt, die wir euch ans Herz legen wollen.
Music Interview
Action Bronson
»Nichts könnte mich davon abhalten, mein Leben zu lieben«
Action Bronson meldet sich zurück. Das ist erstaunlich, denn die Musik ist nur ein Teil im Leben des New Yorkers, der auch Maler, Tänzer, Olivenöl-Tester, Schauspieler und anderes ist. Wir hatten die Gelegenheit zu einem Gespräch.
Music Kolumne
Records Revisited
Kate Bush – Hounds Of Love (1985)
Auf ihrem selbstproduzierten, fünften Studioalbum erklimmt Kate Bush den Gipfel ihres Autoren-Art-Pops. Ihre Synthese von digitaler Klanggestaltung und Folk-Elementen zeitigt ein Album, das einem Jahrhundertroman gleichkommt.
Music Porträt
Melody As Truth
An der Schwelle von Sound und Stille
Mit seinem Label Melody As Truth bewegt sich Jonny Nash zwischen Balearic und Ambient. Die Reise führt von New Age zu einer neuen Art von Weltkammermusik. Er selbst spricht vom »Erforschen von Raum und Timing«.
Music Kolumne
Aigners Inventur
September & Oktober 2020
Der Sommer ist vorbei, die Welt ja sowieso, da wird selbst unser Kolumnist emotional. Er gibt seinem Haustier einen Namen und legt sich zu Enya in die Badewanne. Aigners Inventur ist zurück. Ganz, ganz wild.
Music Porträt
Larry Heard
Von der Luftgitarre zur Clubhymne
Larry Heard gilt als einer der Gründungsväter von Chicago House. Mit »Can You Feel It« prägte er das Antlitz von Deephouse. Stets blickte er über den Tellerrand der Clubmusik hinaus. Begonnen hat er seine Karriere jedoch als Luftgitarrist.
Music Kolumne
Records Revisited
Aesop Rock – Float (2000)
Statistisch gesehen ist Aesop Rock der eloquenteste unter allen Rappern. Stilistisch gesehen musste er zuerst behaupten, um im Feld der elaborierten Hip-Hopper zu etablieren. Dahingehend war »Float« von 2000 eine erstes Ausrufezeichen.
Music Interview
Kelly Lee Owens
»Wir verkörpern Emotionen«
Mit »Inner Song« veröffentlichte die walisische Musikerin ihr zweites Album, das mit einer Hand die Tränen nach dem Closing-Set aus den Augen wischt und mit der anderen das Fenster in den Alltag aufstößt. Ein Gespräch.
Music Liste
Harmonious Thelonious
10 All Time Favs
Mit »Plong« rüttelt Stefan Schwander an den Grundfesten der Clubmusik. Sein neues Solo-Album als Harmonious Thelonious lässt Alltagsgeräusche ein unheimliches Eigenleben entwickeln. Uns hat er erzählt, welche 10 Platten ihn geformt haben.
Music Interview
Nubya Garcia
Verwobene Erinnerungen
Die Saxophonistin Nubya Garcia ist Teil der regen Londoner Jazzszene. An ihrem Instrument ist sie eine der energetischsten Musikerinnen der Welt. Ansonsten ruht sie in sich. Sie ist so cool, wie die Musik, die sie spielt. Ein Interview.
Music Porträt
Pierre Schaeffer
In allem steckt Musik
Lange Zeit war es kaum vorstellbar, dass Musik durch anderes als Instrument und Stimme entstünde. In den Händen Pierre Schaeffers jedoch wurde der Tonträger zur Basis der Komposition. Vor 25 Jahren starb der Pionier der elektronischen Musik
Music Liste
Record Store Day 2020 – 1st Drop
12 Releases nach denen du Ausschau halten solltest
Am 29.8.2020 findet nun der erste von drei Record Store Days in diesem Jahr statt. Allein dafür sind mehr als 350 exklusive Releases angekündigt. Wir haben daraus zwölf Schallplatten gepickt, die wir euch ans Herz legen wollen.