Music Kolumne | verfasst 21.12.2011
Jahresrückblick 2011
Die 50 Alben des Jahres (Teil 2)
Was hatte 2011 musikalisch zu bieten? Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, haben wir uns einem selbstauferlegten Stresstest unterzogen und auch eine eigene Ratingagentur gegründet, um die 50 Alben des Jahres zu sondieren.
Text Andreas Margara, Ben Grosse-Siestrup , Benjamin Mächler, Carlos Steurer, Florian Aigner, Florian Triesch, Henning Koch, Jan Wehn, Jens Pacholsky, John Luas, Julian Brimmers, Marc Leopoldseder, Martin Silbermann, Michel Leuffen, Patrick Cavaleiro, Paul Okraj, Pippo Kuhzart, Sebastian Hinz, Stefan Zehentmeier, Tony Kunstmann

Mark McGuire - Get LostFind it at hhv.de: LP | CD Your Rating?: Go to Review Ein großartiges Jahr für Mark McGuire, dass der Gitarrist der Emeralds krönte mit diesem Album. Zwar basiert auch Get Lost auf die für Mark McGuire typische Schichtung von Loops, aber der Musiker aus Cleveland, Ohio lässt hier seinen Kompositionen mehr Raum, kreiert Tracks, die in Länge und Arrangement schon fast song- und weniger skizzenhaft sind und puren Optimismus ausstrahlen. Das ist ein Paradigmenwechsel, ein Sprung, der mit dem von Here Comes The Indian zu Sung Tongs bei Animal Collective vergleichbar ist und wir wissen ja, wo das fünf Jahre später hinführte. (Sebastian Hinz)
 

Martyn - Ghost PeopleFind it at hhv.de: LP | CD Martyns Ghost People ziert sich nur noch ganz selten mit diesen betörenden Flächen, die Great Lengths zu einem Semi-Klassiker gemacht haben. Streng genommen hätten sich sogar nur Distractions und Twice As auf Martyns Debüt problemlos eingefügt, zu widerspenstig weigert sich das Gros der hier versammelten Tracks dem früheren Trademark-Sound des Niederländers gerecht zu werden. Ein Album, das seine Liebe für klassischen House und Techno ausdrückt, wolle er machen. Aber selbst wenn Martyn die Technokeule schwingt, bricht er die Bassdrum-Euphorie mit verspultem Bit-Gezwitscher (Maske), Angst einflößenden Störgeräuschen und Staccato-Elementen (Horror Vacui) oder tribalesken Breaks (Ghost People). Popgun ist dann sogar noch ein Seitenhieb auf die grassierende Bass-Pornographie und Bauplan ein gelungener Verweis auf Carpenter, Moroder und damit indirekt auch auf Drexciya, Model 500 und Co. Tolles Album. (Florian Aigner)  

Matana Roberts - Coin Coin Chapter One: Gens de Coloeur LibresFind it at hhv.de: 2X10inch Your Rating?: Go to Review Nach Jahren des kreativen Stillstands hat sich das kanadische Label Constellation Records in diesem Jahr mit einigen sehr guten Alben wieder ins Sichtfeld der Musikliebhaber geschoben. Sandro Perri, Colin Stetson oder Esmerine waren hier beteiligt. Den Vogel abgeschossen aber hat eine Jazzplatte. Coin Coin Chapter One: Gens de Coloeur Libres von Matana Roberts, live vor kleinem Publikum in Montréal eingespielt wurde zu einem aufwühlenden, mitreißenden, nachdenklichen Statement der Freiheit. In einem politisch so aufgeladenem Jahr wie diesem ist es erstaunlich, dass die (Pop-)Musik weiterhin an ihrer Entpolitisierung arbeitet und dieses Album quasi als einziges sinnvoll einen Gegenpol dazu bildete. Was Coin Coin noch wertvoller macht. (Sebastian Hinz)
 

The Midnight Eez - the Midnight EezFind it at hhv.de: LP So sehr wir alle diesen Sound lieben, zerrt die ständige Reanimierung des Boom Baps doch stetig an manchen Nerven. Produzenten in riesigen Heerscharen versuchen sich an der Replikation dieses charakteristischen Sounds, kopieren bestimmte Verfahrensmuster und meditieren in geistigen Zeitreisen zu den Five Boroughs anno 1993. Bisweilen durchaus talentiert, wenn auch zumeist auch äußerst berechenbar. Warum nicht gleich die Originale hören? Doch wenn man auf dem Feld bewandert ist, vieles bereits gehört hat, werden die Momente weniger, in denen ein Track, ein Song, ein Beat noch zu berauschen imstande ist. Nicht aber bei den Midnight Eez. Die selbstbetitelte Demo des Produzenten-Duos aus New York City, die die Iren von All City Records glücklicherweise in Vinyl gepresst haben, ist schließlich genau zu jener Zeit entstanden. Der Rest ist Legende, Informationen sind Mangelware: 1995/1996 remastered demo with unreleased beats from unknown Bronx duo called the Midnight Eez. Bitte mehr davon! (Paul Okraj)
 

The Mighty Mocambos - The Future Is HereFind it at hhv.de: LP | CD Your Rating?: Go to Review Die Mighty Mocambos haben sich in den letzten Jahren dank Veröffentlichungen diverser vermeintlich obskurere Singles unter Pseudonymen bewusst und unbewusst eine treue Hörerschaft im Bereich der analogen Klänge erspielt. Weiteres Aufsehen erregten sie als Backing Band auf Gizelle Smiths Solo-Album 2009. The Future is Here lebt von seinem Abwechslungsreichtum und einer puristischen Band, die es versteht ein altes Groove-Prinzip ins neue Jahrtausend zu transportieren. (Florian Triesch)
 

Nicolas Jaar - Space Is Only NoiseFind it at hhv.de: CD Your Rating?: Go to Review Nicolas Jaar verdeutlichte mit seinem fantastischen Debüt, dass man interessante elektronische Musik auch fernab vom Club-Kontext machen kann. Die vielseitigen Instrumente, Geräusche und Sprach-Samples fügen sich auf Space is Only Noise wie zu einem meditativen Soundtrack für einen fiktiven Experimentalfilm zusammen und erschaffen ganz eigene, hochkomplexe und melancholische Klang-Texturen. (Henning Koch)
 

omar-s inventurFind it at hhv.de: LP Kommen wir zum größten Charakterkopf, den die House-Szene seit der Mäßigung Kenny Dixon Juniors hervorgebracht hat. Omar-S konstatiert, dass diese analogen Rhythmen gepaart mit expressiven Synth-Lines zwar machbar sind, aber nur von Herrn Smith persönlich. It Can Be Done But Only I Can Do It ist eine Ansage, vom größenwahnsinnigen Titel, über das dadaistische Cover bis hin zum überragenden musikalischen Inhalt, der im Vergleich zu Omar-S’ Frühwerk noch deutlicher Chicago huldigt, immer aber auch den kalten Atem Detroits transportiert, ältere Stücke updated und sich auch nicht scheut einen verschleppten Groove mit der Tonspur eines Pornos zu paaren. Nennt ihn Aggressive Leader, bipolar, Genie – völlig egal, denn keiner kann’s wie Alex O. Smith es kann. (Florian Aigner)
 

Oneohtrix Point Never - ReplicaFind it at hhv.de: LP Your Rating?: Go to Review Der New Yorker Daniel Lopatin war als Oneohtrix Point Never einer derjenigen, die im vorletzten Jahr oder so eine Welle von Synthesizermusik losgetreten haben, deren Sound auf gute oder ungute Weise die Rezipienten an ihre Kindheit in den 1980er Jahren erinnerten. Sein diesjähriges Werk Replica legte hier noch eine Schippe drauf und collagierte Akustisches aus Reklame, Dokumentationen und Lehrfilmen dieser Kindheitstage und gibt so den emulierten Panflötentönen, die Weite suggerieren sollen, ihre Unschuld wieder zurück. Dafür sollten wir dankbar sein. (Sebastian Hinz)
 

Onra - Chinoiseries Pt. 2Find it at hhv.de: 2LP | CD Your Rating?: Go to Review Der Titel »Beat Konducta Fernost« sollte Onra spätestens mit dem zweiten Teil von Chinoiseries sicher sein. Rare Rillen, die der französische Beatschrauber in China und Vietnam zusammengeklaubt hat, unterlegt er auf seiner MPC mit zischender Snare und bouncenden Kopfnick-Rhythmen. Eine saftige Frühlingsrolle für die Ohren! (Andreas Margara)
 

Panda Bear - TomboyFind it at hhv.de: LP | CD Your Rating?: Go to Review Es klingt schon beinahe floskelhaft, wenn man schreibt, dass man mit Panda Bear’s Nachfolger zu Person Pitch, einem der vielleicht wichtigsten Alben der letzten zehn Jahre, genau das bekommt, was man erwartet. Von einem Album allerdings, dessen Erwartungshaltung so hoch waren, diese Erwartungen dann erfüllt zu sehen, beweist nur einmal mehr das Ausnahmetalent von Noah Lennox. Tomboy huldigt zwar weniger dem Experiment, ist aber dafür über und über gespickt mit kleinen Hits. Panda Bear bedient sich wieder aus dem Archiv der Popgeschichte, durchwühlt die Zeitleiste horizontal und vertikal, um daraus etwas ganz eigenes zu machen. Sollen die anderen doch der »Retromania« verfallen, bei Panda Bear hört man die Zukunft von Pop. Auch in diesem Jahr. (Sebastian Hinz)
 

Peaking Lights - 936Find it at hhv.de: 2LP | CD Wer zum ersten Mal das Peaking Lights Album 936 hört, könnte sich wegen des schräg verdrehten Grooves eventuell wieder abwenden. Ihre abgehangenen, verspult verwunschenen Stücke zwischen traditionellem Songwriting und freier Improvisation nagen sich erst nach mehrmaligen hören tief im Kopf fest. Ist das geschehen, will man sie nur noch im Loop hören und mit dem Duo aus Madison, Wisconsin abtauchen in eine glückseelig vernebelte New-Age-Welt, in der man tanzen, träumen und sein Selbst an Musik verlieren kann, die sich keine Gedanken um ihre Verwertbarkeit macht. Ihr elektronisch versetzter Hippie-Pop kommt direkt von der Seele und genau deshalb schließt man 936 auch unwiderruflich ins sein Herz. (Michel Leuffen)
 

Pharoahe Monch - WARFind it at hhv.de: 2LP | CD Your Rating?: Go to Review 2011 hat sich der Pharoahe des Rap zurückgemeldet. Fake-MC’s und der Industrie erklärt er auf W.A.R. den, ja genau, Krieg. Neben anspruchsvollen Rap-Lyrics ist sein Waffenarsenal jedoch vor allem mit einer geballten Portion Soul bestückt. Jill Scott, Phonte und MeLa Machinko können davon ein Liedchen singen. Shine zählt zweifelsohne zu den einprägsamsten Titeln 2011. (Andreas Margara)
 

Random Axe - Random AxeFind it at hhv.de: 2LP | CD Your Rating?: Go to Review Lange hatten Black Milk, Sean P. und Guilty Simpson mit ihrem Supergroup-Projekt Random Axe auf sich warten lassen. Nachdem zwischendurch unzählige aufgenommene Spuren verloren gingen, war es im Juni dann endlich soweit. Typischer instrumentaler Wahnsinn, größtenteils auf der Grundlage psychedelischer Rock-Samples, des einzig legitimen »Dilla-Nachfolgers« Black Milk trifft auf zwei wahre Punchline-Könige. Ein kompromissloses Rap-Album, weit entfernt von Experimenten und der Anbiederung an neue Trenderscheinungen. Auch wenn sich Kritiker und Fans nicht ganz einig werden wollten, war Random Axe eines der Highlights im Rap-Jahr 2011. (Carlos Steurer)
 

The Rapture - In The Grace Of Your LoveFind it at hhv.de: 2LP | 2LP Your Rating?: Go to Review In The Grace Of Your Love von The Rapture schaffte, wie in diesem Jahr kaum eine andere Platte, den Spagat zwischen extrovertierter Hookline und introvertierter Nachdenklichkeit. Das nach fünf Jahren Abwesenheit erschienene Meisterwerk ist eine mitreißende, euphorische Platte, die zugleich eine undurchdringbare und lyrisch wohl vielschichtigste der Band ist. Als Album konzipiert, funktionieren die Songs auch am besten in eben jenem Kontext und sie werden mit jedem Hören nur besser. (John Luas)
 

Rick Wilhite - Analog AquariumFind it at hhv.de: 2LP | CD Your Rating?: Go to Review Dass Rick Wilhites Analog Aquarium so klingen würde wie andere Platten aus der Motor City, nach denen wir uns hier monatlich die Finger lecken, konnte man getrost voraussetzen. Und wenn das Patenkind Detroits zum langerwarteten Debüt bittet, lassen sich illustre Gäste wie Theo Parrish, Marcellus Pittman und Osunlade nicht lange bitten und partizipieren bereitwillig wie spielerisch an einem fulminanten Erstlingswerk. Hier wird House-Musik nicht programmiert, hier wird sie gespielt, gejammt, gelebt und mit sakraler Hingabe gepredigt. Fulminant. (Paul Okraj)
 

Rise - MessagesFind it at hhv.de: LP | CD Your Rating?: Go to Review Ähnlich wie Quantic wechselt auch Rise verschiedene musikalische Entitäten wie andere ihre Sneakers, um so genregerecht und -authentisch die dazugehörigen Stilarten zu bedienen. Messages, sein jazziges-bis-boombapiges Instrumentalalbum spiegelt diese Wandlungsfähigkeit wider und will uns stimmungsmäßig in eine eigene Welt, irgendwo zwischen DJ Shadow’s Entroducing und Aim’s Cold Water Music locken. Diese Platte hätte die Grundlage für Guru’s Jazzmatazz Vol. 5 werden können. (Florian Triesch)
 

Rustie, Glass SwordsFind it at hhv.de: LP | CD Your Rating?: Go to Review Beginnen wir doch gleich mit dem soziokulturellen Link zur im Kalenderjahr 2011 omnipräsenten Retromania-Debatte: Rustie bedient sich auf seinem Debütalbum Glass Swords u.a. den aufgeladenen Gefühlen des Glam-Metals der Achtziger und schlägt gleich mehrere Haken zu Van Halen und Co. Es wabert, schimmert, leuchtet, glänzt. Auf dem 13 Stücke umfassenden Album vereint der 27-jährige Glasgower eine krude Anzahl schier unpassend anmutender Einflüsse, die bei aller Dialektik – und das ist die Kunst dabei – chirurgisch exakt zusammengeführt werden. Keine Frage: Glass Swords ist ein großer Wurf. Oder wie es gleich der knackigste Soundcloud-Kommentar zu repräsentativen Ultra Thizz auf den Punkt bringt: »Next level vintage future made from some crystaline substance from space, designed to be listened to at full bass in a Cadillac Escalade with 5 15† speakers. Dubstep is dead. This is next level vintage future.« (Paul Okraj)
 

Shabazz Palaces - Black UpFind it at hhv.de: CD | LP Mal ehrlich, Black Up dürfte so ziemlich die Platte gewesen sein, die das Gewissen der meisten Indie-Magazine dahingehend beruhigte, doch nicht den Anschluss in Richtung Hip Hop verloren zu haben. Spiritualität, verdrehte Takte, Dub-Einflüsse, Afrozentrismus und Beats direkt aus der Voodoopuppe geschüttelt – was Ishmael Butler und Tendai Maraire als Shabazz Palaces auffuhren, überzeugte wie es verstörte. Clear some space out, so we can space out. Einmal Hirn frei blasen und Synapsen neu verknüpfen auf etwas mehr als einer halben Stunde. Und das mit einer der besten Platten des Jahres. Ganz ehrlich. (Björn Bischoff)
 

Toro y Moi - Underneath The PineFind it at hhv.de: LP Your Rating?: Go to Review Chillwave ade. Auf dem zweiten Album nimmt sich Chaz Bundick lieber 70ies-Funk, Krautrock und Frensh Pop an. Große Melodien, analoge Wärme und knackige Grooves anstatt Samples und Laptop-Frickeleien stehen Toro y Moi ausgezeichnet zu Gesicht. Eine Weiterentwicklung, die einem Quantensprung gleichkommt, und obwohl mit New Beat und Still Sound zwei lupenreine Hits vertreten sind, präsentiert sich Underneath The Pine (auch durch den verhallten Gesang) als atmosphärisches und rundes Gesamtwerk. (Martin Silbermann)
 

Twit One - Stepping Stone Album CoverFind it at hhv.de: LP Your Rating?: Go to Review »Ach, verdammt, der Song war so guuut – warum ist er nur schon wieder vorbei« denkt man sich oft beim Hören dieses Albums, auf dem der längste Track eine Spielzeit von 2:35 besitzt. Doch der Gedanke währt stets nur kurz – weil: Der nächste Track auf Stepping Stones ist immer mindestens genauso gut, wie der vorige; »skippen« ist keine Option! Zeitlose Samples werden vom Kölner Twit One zu einem sprießenden Gemisch aus HipHop, Soul und Jazz zusammengemischt – Nostalgie in ihrer belebendsten Form. (Philipp Kunze)
 

Tyler The Creator- GoblinFind it at hhv.de: 2LP | CD Your Rating?: Go to Review Dem überlebensgroßen Internet-Hype der OFWGKTA folgte mit Goblin der nächste logische Schritt in den internationalen Mainstream. Auch wenn die Wenigsten eigentlich verstehen konnten, warum Tyler the Creator hier Frauen vergewaltigen und Schwule beleidigen musste, sahen sich selbst provinzielle Kulturredaktionen gezwungen, auf den Zug aufspringen. Das paranoide Psychogramm Rap’s enfant terrible, geprägt von Selbstmord-Fantasien und der Auseinandersetzung mit dem Fehlen des väterlichen Elternteils, lieferte ganz nebenbei mit Yonkers eines der besten Videos und einen der besten Rapsongs der letzten Jahre. (Carlos Steurer)
 

Virgo Four - ResurrectionFind it at hhv.de: 2LP | CD Eric Lewis und Merwyn Sanders waren und sind dank Rush Hour jetzt wieder Virgo 4. Resurrection versammelt Material, das in den Jahren 1984 bis 1990 entstanden ist und zementiert das, was spätestens seit dem letzten Jahr alle wissen: Virgo 4 sind die historisch unterbewertetste House-Combo aller Zeiten. Da können manche Kollegen noch so oft schreiben, dass nicht alles auf dieser monströsen 5er-LP essentiell sei und manche Tracks eher Skizzen gleichen würden. Banausen, ihr! Für mich sind diese subtilen und tiefen Tracks nicht nur eine Reise in das sagenumwobene Chicago der Achtziger, sondern so ziemlich das Beste, was 2011 hätte passieren können. Da kann sich der Rest der heutigen House Nation noch so oft durch die Roland-Palette durchdeklinieren: this is how it’s supposed to be done! (Florian Aigner)
 

The Weeknd - House Of Balloons R&B war für Menschen mit Musikgeschmack ja lange Zeit eine eher schwierige Angelegenheit: zu oberflächlich, zu schmierig, zu schmalzig, zu eindimensional, zu dumm. Wenn man Soul haben wollte, dann suchte man eher in der Historie oder bei der, nun ja, Conscious-Fraktion – bis dieses Jahr House Of Balloons von The Weeknd bei so ziemlich jedem mit Internetzugang und Ohren die Haltung zu R&B gehörig auf den Kopf stellte: Hypnotische Musik irgendwo zwischen Drake und Burial, Abel Tesfaye singt dazu wie ein junger Dionysos über Gefühle, Drogen, Sex, Sex und Sex – so geht das klar. Von wegen nur »für die Ladys«. (Marc Leopoldseder)
 

Wye Oak - CivilianFind it at hhv.de: LP | LP Your Rating?: Go to Review Das Ambivalente, das Hin- und Hergerissensein, zwischen Euphorie und Abgrund pendelnd, das Kratzen und Streicheln, das Küssen und Beissen haben uns Wye Oak mit Civilian in diesem Jahr musikalisch zurückgebracht. Sonic Youth, My Bloody Valentine, PJ Harvey, Seely so ungefähr vor zwanzig Jahren stecken da drin. Eine Platte, die so ein bisschen aus der Zeit ist und gleichzeitig so aktuell (da haben wir sie wieder, die Ambivalenz). Das beste Indie-Rock-Album seit Jahren! (Sebastian Hinz)
 

Zomby - DedicationsFind it at hhv.de: 2LP | CD Your Rating?: Go to Review Künstlerisch sich seiner selbst noch nie so sicher war Zomby. Das mag seltsam klingen, zieht sich durch Dedication doch ein depressiver Fatalismus, der den halluzinogenen Neon-16Bit-Bleep-Sounds seiner vorherigen Veröffentlichungen fehlte. Genau durch jene Unsicherheit, die wohl auch damit zu erklären ist, dass Zomby in der Entstehungszeit den Tod seines Vaters zu verarbeiten hatte, gewinnt der Künstler Zomby aber eine Facette, die ihn aus der freigeistigen Dubstep-Not-Dubstep-Außenseiter-Nische befreit und zum potentiellen nächsten Thom Yorke Ziehsohn macht. Ob der – zumindest via Twitter – durchaus kapriziös wirkende Zomby eine solche Entwicklung begrüßen würde, darf zwar durchaus bezweifelt werden, dass Dedication ein tolles Album ist jedoch nicht. (Florian Aigner)
 

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Die 50 Alben des Jahres findest du bei hhv.de.
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10 All Time Favs
Seit ihrem Debüt 2019 gelten Crumb als eines der heißesten Feuer in der Musiklandschaft. Nun ist ihr neues Album »Ice Melt« erschienen. Die Gelegenheit sie nach 10 Schallplatten zu fragen, die sie geformt, gebessert und gebildet haben.
Music Kolumne
Vinyl-Sprechstunde
Scotch Rolex – Tewari
Ist es Hip-Hop? Ist es Metal? Ist es Dancehall? Ist es Musik, die du nicht raffen wirst? Ist es unfair, dass die Clubs geschlossen sind? Unsere Vinyl-Sprechstundler gehen gleichermaßen clubhorny wie verstört aus DJ Scott Rolex’ »Tewari«.
Music Interview
Adrian Younge
Sonische Geschichtsstunde
Mit »The American Negro« beginnt ein neues Kapitel in der Arbeit von Adrian Younge. Sie ist frontaler, politisch aufgeladener und selbstsicherer. Er will lehren. Wir hatten die Gelegenheit zu einem ausführlichem Interview.
Music Liste
Leon Vynehall
10 All Time Favs
Mit seinem neuen Album »Rare, Forever« setzt der britische Produzent Leon Vynehall den Weg fort, den er mit »Nothing Is Still« begonnen hat. Uns verrät er heute 10 Schallplatten, die ihn geformt, gebessert und gebildet haben.
Music Kolumne
Records Revisited
Gil Scott-Heron – Pieces Of A Man (1971)
Man nannte ihn den »Godfather of Hip Hop«, weil er über Drogen, Rassismus und die Divided States of America textete. Mittlerweile ist das erfolgreichstes Album von Gil Scott-Heron 50 Jahre alt – und aktueller denn je.
Music Kolumne
Records Revisited
Deftones – White Pony (2000)
Die im Juni 2000 veröffentlichte LP »White Pony« wurde deshalb zu einem dermaßen bahnbrechenden Album, weil sich die Deftones darauf erstmals als die Zitationsmaschine in Szene setzen, die sie eigentlich immer schon gewesen waren.
Music Liste
Jenn Wasner (Flock Of Dimes)
10 All Time Favs
Mit ihrem Soloprojekt Flock of Dimes hat Jenn Wasner gerade ihr persönlichstes und zugleich substanziell weitreichendstes Album vorgelegt. Wir baten die Musikerin uns 10 Schallplatten zu nennen, die sie geformt, gebessert, gebildet haben.
Music Porträt
Gondwana Records
Seele und Charakter
Als DJ und Musiker wurde Matthew Halsall zum Labelbetreiber. Ausgehend von einem lokalen Fokus auf die Jazzszene Manchesters hat der Trompeter seinem Label Gondwana mittlerweile eine recht internationale Ausrichtung gegeben.
Music Kolumne
Records Revisited
Busta Rhymes – The Coming (1996)
Als vor 25 Jahren »The Coming« erschien, war Busta Rhymes kein Unbekannter mehr. Sein Solodebüt mit dem Hit »Woo Hah!! Got You All In Check« machte ihn zu einem der größten Rapstars seiner Zeit. Wie klingt das Album heute?
Music Kolumne
Records Revisited
Yellow Magic Orchestra – BGM (1981)
Winke für die Zukunft: Die japanischen Synthesizerzauberer des Yellow Magic Orchestra entwarfen auf ihrem vierten Album »BGM« eine Background Music für nachfolgende Generationen.
Music Kolumne
Records Revisited
Coil – Love's Secret Domain (1991)
Techno ist es nicht – doch hinterließ »Love’s Secret Domain« tiefe Furchen in der Clubmusik der 1990er Jahre und markierte für Coil jenen Wendepunkt, ab dem ihr Wirken eine neue Richtung einschlug. Das Projekt hätte es fast zerrissen.
Music Porträt
Die P
Die Messlatte höher legen
Sie ist das erste Signing des All Female*-Labels 365xx Records und veröffentlicht dieser Tage ihr Debüt »3,14«. Für Die P ist die Golden Era schlicht nachhaltig, Competition ist für sie Ansporn, besser zu werden. Ihr Ziel: Zeitlosigkeit.
Music Porträt
Important Records
Deep Listening Forever!
Ob Pauline Oliveros, Éliane Radigue, Alina Kalancea oder Caterina Barbieri: Seit 20 Jahren ist Important Records wie ein gut bestückter Plattenladen für aufregende Sounds – die beste Anlaufstelle für Musik, die intensiv gehört werden muss.
Music Kolumne
Aigners Inventur
März & April 2021
Die ganze Welt verarbeitet im März 2021 immer noch den März 2020, nur unser Kolumnist ist weiterhin auf der Suche nach Wrong-Speeder-Optionen. Aigners Inventur: Dub aus dem Abyss und durch die FFP2-Maske gerauchte Kippen.
Art Porträt
Vincent de Boer
Wie Jazz mit Pinseln
Der niederländische Künstler Vincent de Boer ist zu einem festen Bandmitglied der britischen Jazzer von Ill Considered avanciert. Er zeichnet Plattencover auf Basis der gehörten Grooves. Für »The Stroke« wurde der Prozess nun umgedreht.
Music Kolumne
Records Revisited
Dinosaur Jr – Green Mind (1991)
Viele Rockbands nehmen zu Beginn der 1990er Jahre ihre bis dahin besten Alben auf. Auch Dinosaur Jr. Während die Band selbst bei den Aufnahmen bereits auseinanderbricht, strotzt ihr viertes Album »Green Mind« vor Kreativität.
Music Porträt
Phew
Ein Leben gegen den Strich
Punk mit Aunt Sally, Synth Pop mit Sakamoto und experimentelle Musik solo und mit anderen: Die japanische Musikerin Phew sucht seit über vier Jahrzehnten die Fehler in der Musik, weil sich darin nur deren Möglichkeiten offenbaren.
Music Porträt
Far Out Recordings
Im Epizentrum der Brazil-Welle
Joe Davis ist der Lokführer, auf dessen Zug Mitte der Neunziger eine ganze Generation Brazil-affiner Producer aufsprang. Mit seinem Label Far Out Recordings wurde er zum weltweiten Statthalter brasilianischer Musikkultur.
Music Kolumne
Records Revisited
Carole King – Tapestry (1971)
Carole King wollte nie Popstar werden, sondern nur Songs schreiben. Weil sie das aber konnte wie niemand sonst, wurde sie es dennoch – mit »Tapestry«, ihrem Debütalbum aus dem Februar 1971.
Music Interview
Audio88 & Yassin
Der bessere Diss
Auf das verflixte fünfte Album von Audio88 und Yassin mussten Fans verflixte fünf Jahre warten. Im Zuge des Weltgeschehens ist es kein Wunder, dass sie radikaler auftreten als je zuvor. Ein Interview anlässlich des neuen Albums »Todesliste«
Music Kolumne
Vinyl-Sprechstunde
Madlib – Sound Ancestors
»Das erste Madlib-Album, das wirklich als Album gehört werden kann«, sagte Four Tet. – Das ist doch Schwachsinn, sagen unsere Kolumnisten. Sie fragen sich: Hat Madlib hier nicht einfach gemacht, was er immer gemacht hat – und…will man das?
Music Kolumne
Records Revisited
Jan Jelinek – Loop-Finding-Jazz-Records (2001)
2001 hing Jan Jelinek das Ego an den Nagel und lud seinen Sampler mit Klängen von Jazz-Platten auf, um daraus Loops zu basteln. Die liefen aneinander vorbei und bildeten Moiré-Effekte. Davon lebt die Magie von »Loop-finding-jazz-records«.
Music Interview
The Notwist
»Es ist immer ein Zurückkommen«
The Notwist sind wieder da. Sieben Jahre haben sich die Brüder Markus und Michael Acher Zeit gelassen, mit Cico Beck einen Ersatz für Martin Gretschmann gefunden, und einen Klang gefunden, der universeller ist als je zuvor. Ein Interview.
Music Kolumne
Records Revisited
Brian Eno & David Byrne – My Life In The Bush Of Ghosts (1981)
Ethno-Sampling als Pop: Mit ihrem Album »My Life in the Bush of Ghosts« landeten Brian Eno und David Byrne 1981 einen Innovationshit. 40 Jahre später klingt das selbstverständlich. Dafür ergeben sich andere Schwierigkeiten mit dem Ansatz.
Music Interview
Common
»Befreiung fängt im Kopf an«
Sein neues Album trägt den Namen »A Beautiful Revolution Pt.1«, erschien bereits im Oktober digital und in diesen Tagen wird es nun auch auf Vinyl veröffentlicht. Wir nutzten die Gelegenheit mit dem Rapper aus Chicago zu sprechen.
Music Porträt
Zoviet France
Fiebertraum vom Ende
Keine Namen, keine Gesichter, keine Tradition: Zoviet France wollten als anonymes Kollektiv Anfang der Achtziger die Antithese zum orthodoxen Kunstverständnis formulieren – und wurden dabei zu Kultfiguren wider Willen. Bis heute.
Music Liste
Aigners Inventur
Januar & Februar 2021
Ist es Gott? Ist es Hesse? Ist es Domian? Nein, es ist zum Glück einfach nur der Aigner. Der hat die Gardinen seit Wochen maximalst zugezogen und schickt uns die erste Inventur des noch fast unbefleckten neuen Jahres aus dem Kabuff.
Music Liste
Aaron Frazer
10 All Time Favs
»Introducing« heißt das erste Soloalbum von Aaron Frazer. Als Schlagzeuger von Durand Jones & The Indications ist er aber längst kein unbekannter. Musikalisch geht’s in die Sechziger. Uns sagt er, was ihn wirklich musikalisch geprägt hat.
Music Porträt
On The Corner
Banger für das Hinterzimmer
Mit seinem Label On the Corner Records serviert Pete Buckenham einen berauschenden Eintopf aus afro-futuristischen Jazz-Konzepten und zeitgenössischen Street Grooves und stößt er heute bereits die Pforten zum Sounduniversum von morgen auf.
Music Liste
Jahresrückblick 2020
Top 50 Albums
Sprechen wir es aus: Musik ist in Gefahr, weil sie nicht gemeinsam erlebt werden kann und weil ihre Macher*innen sich seit Monaten in einer existenziellen Krise befinden. Auf Schallplatte gab es dennoch einiges zu hören, wie diese 50 Alben.
Music Liste
Jahresrückblick 2020
Top 20 12inches
Tanzen war 2020 nicht wirklich. Aber die Vinyl 12" war trotzdem ein begehrtes Format. Und zwar für Musik, die von einer Zeit nach der Katastrophe träumt. Hier sind unsere Top 20. Einen Bonus in Form einer Vinyl 7" gibt’s obendrauf.