Music Kolumne | verfasst 05.06.2013
Aigners Inventur
Mai 2013
Auch diesen Monat setzt sich unser Kolumnist vom Dienst wieder kritisch mit der Release-Flut auseinander, selektiert, lobt und tadelt. Any given month. Dieses Mal u.a. unter der Lupe: Mount Kimbie, Daft Punk, The-Dream und Vampire Weekend.
Text Florian Aigner

daft punk random access coverFind it at hhv.de: CD | 2LP Ich weiß nicht, wie ich es deuten soll, dass von einem ungeheuren Enthusiasmus für die anstehende Aufgabe über »Random Access Memories« zu schreiben vor gut drei Wochen heute eine ähnlich apathische Leere wie vor einem Besuch auf dem Einwohnermeldeamt geblieben ist. Ich bin mir aber immerhin sicher, dass das wenig bis nichts mit der auf dem vierten Daft Punk Album enthaltenen Musik zu tun hat. Die französische Version von Crosby, Stills & Nash wollen da manche gehört haben, andere die Flohmarktplatten von Earth, Wind & Fire, die grundsätzlich zwischen »Flashdance« und »Born In The USA« stecken. Man kann all das auch in der eigenen Schmalztradition sehen, übersetzt in Midlife-Crisis-Megalomanie, von mir aus auch als Fortsetzung dessen, was Sebastien Tellier in den letzten zehn Jahren so getrieben hat. Man könnte zum x-ten Mal das Marketing-Genie dieser beiden Legenden durchdeklinieren, Roule-Zeiten nachtrauern, in einem Nebensatz »Human After All« als Blaupause für all things Ed Banger anerkennen oder beleidigt, aber richtigerweise darauf verweisen, dass Daft Punk in allem, was sie tun irgendwie so unfickbar meta und gleichzeitig doch so charmant sind, dass der ganze Diskurs der letzten Wochen im Endeffekt nur ein Perpetuum Mobilee journalistischer Wettwichserei ist, in dem es krampfhaft darum geht, eine Blockbuster-Pop-Platte in der Tradition der Reagan-Ära zu etwas zu stilisieren, was sie nicht ist: ein Politikum. In diesem Sinne: Spart euch die klugen Baudelaire-Referenzen für Thom Yorkes nächstes semiautistisches DJ-Set , regt euch nicht so krampfhaft über »Get Lucky« pfeifende Bierbike-Atzen auf und tut bitte nicht so als hätten Bangalter und de Homem-Christo ihre Seele verkauft. Das tun sie nach diesen Maßstäben nämlich schon seit 1996.
 

the-dream iv playFind it at hhv.de: CD | Deluxe Auch die überkritische Rezeption des notorischen Kritikerlieblings Terius Nash und dessen eeeewig verschobenen vierten Albums scheint weniger dessen Unzulänglichkeiten geschuldet zu sein, sondern dem Bedürfnis der medialen Landschaft der jüngeren R&B-Produzenten-Riege die Fackel in die Hand zu drücken. Wobei es stimmt schon: »IV Play« ist definitiv nicht das Meisterwerk, das »Love King« war, dazu fehlen die ganz großen Dramen. Auch lässt sich eine bislang uncharakteristische Ruhe bezüglich der künstlerischen Identität The-Dreams feststellen. Er wollte immer Prince sein, er kam dem manchmal so nahe wie wenige, aber auf »IV Play«scheint Nash nun das erste Mal wirklich geerdet zu sein in der Gewissheit: I run this shit. Und das sorgt für viele große Momente, aber auch für weniger Risiken, vorhersehbareres Songwriting und eine Selbstzufriedenheit, die diesen schwer in Worte zu fassenden The-Dream’ismen weniger Luft gibt als zuvor. Vielleicht sollte er mal wieder Nikki in Dallas besuchen, damit es bei unserem Terius mal wieder richtig doof ist.
 

french montana excuse Talentfrei, frei von künstlerischer Identität, im Grunde der rappende Khaled. – Warum ist »Excuse My French« trotzdem partiell gut? Weil French Montana ein Socializer ist und sich eine Überhook von The Weeknd bestellt. Weil er mit Rozay durch das Trap House poltert. Weil er Beats picken kann. Vielleicht sogar weil nur Kulturpessimisten nicht Schinken gehen zu diesen ganzen bekloppten, häufig ungelenk mit durchgenudelten Samples werkelnden Tracks. Vor allem aber, weil man hier irgendwie selbst damit im Reinen ist, dass es heute nicht mehr primär um Strebertum am Mikrofon gehen muss und eh jeder Alben so zerhackt, dass am Ende drei Neuzugänge für die iPhone-Playlist übrig bleiben. Womit wir wieder bei Kulturpessimismus angekommen wären…
 

nore papi student Ein Streber ist N.O.R.E. nie gewesen, viel zu hemdsärmelig war schon seine Delivery zu War Report Zeiten. Ohnehin passte dieses grimmige QB-Ding eh nur kurz zu diesem Trickster, der wenig später so oft Whut Whut auf einen der prägenden Beats der Jahrtausendwende gebrüllt hatte, dass man ihm auch die anschließenden Reggaeton-Verirrungen nicht nur verzieh, sondern zugestand. Papi heißt er nun, sein Album verbindet herrlich inkohärent Maschinengewehr-Snares und Hypebeasting mit Large Professor Features und Elliot Ness Unantastbarkeit. Das ist nicht unbedingt schlüssig, zur Hölle, manchmal nicht mal im weitesten Sinne gelungene, aber in all seiner Schizophrenie schon ein geiles Statement. Mal wieder.
 

Havoc - 13 LPFind it at hhv.de: CD | 2LP Ob sich Havoc einmal im Monat mit Q-Tip trifft und die beiden gemeinsam the pain away drinken angesichts dessen, dass sie irgendwie nie jemand auf der Liste hat bei der Frage, wer in den Mitneunzigern diese so genannte goldene Ära denn nun entscheidend geprägt hat? Nun gut, Tip wurde von Kanye wiederentdeckt und so sitzt Havoc mittlerweile alleine da, auch der temporäre Waffenstillstand mit Prodigy sollte diesbezüglich nicht überinterpretiert werden, vor allem wenn man Rap als konsequente Fortsetzung der Wrestling-Logik betrachtet. Nun hat Havoc mit »13« tatsächlich sein erstes Soloalbum (äh, ok, sein zweites, danke für den Hinweis, Esvee) veröffentlicht. Das wäre 1996 ein Gamechanger gewesen, 2013 dann eher etwas aus der Rubrik Special Interest, aber auf die eigenen Adoleszenzhelden einzuprügeln, ist und bleibt schwierig. Und vor allem: so scheiße ist das gar nicht, vor allem wenn dann auch noch die üblichen New Yorker Mixtape-Könige von annodazumal vorbeischauen.
 

Talib Kweli - Prisoner Of ConsciousFind it at hhv.de: CD | 2LP Etwas weniger anachronistisch ist »Prisoner Of Conscious« (Story of his life?), das neue Album von Talib Kweli, auf dem sich das gute Gewissen der Rawkus-Ära auf unangenehme Weise von XLR8R-Darling Miguel anschmachten lässt und später auch noch von Kendrick Lamar schwindlig gerappt wird. Überhaupt wirkt Kweli hier häufig wie im Autopilot, der einst so leidenschaftlich-awkwarde Flow kommt seltsam teilnahmslos, so dass das am Ende ein Album sein wird, das schnell aus der Wahrnehmung verschwinden wird, trotz durchaus ansprechenden Produktionen hie und da.
 

tree sunday school 2 Tree wäre sicher nicht glücklich über den Vergleich, aber er macht genau die Musik, die für jenen Kweli heute die perfekte Nische wäre. Druckvolle Soul-Samples gepaart mit der Preset-Ästhetik des Südens dominieren »Sunday School 2«; Trees Reibeisen-Organ ist ein würdiger Herausforderer für die druckvollen, mal an Just Blaze und RZA, mal an UGK und Mannie Fresh erinnernden Beats, die Tree auch noch weitgehend in Eigenregie produziert hat. Statt Brother Ali lädt sich Tree dann selbstverständlich Danny Brown ein und alle sind glücklich. Soul Trap nennt er das selbst, ich nenne es eines der besten Rap-Alben des Jahres, für die auch die zuvor bereits bei French Montana verhandelte Problematik nicht im geringsten zutrifft.
 

Dexter - The Trip LPFind it at hhv.de: CD | LP Auch wenn er grundsätzlich der gute Kumpel eines guten Bekannten ist, ganz egal wo man hingeht: ich finde nach wie vor nicht, dass Dexter diesem Beattape-Scheiß irgendetwas wichtiges hinzufügt. Auf »The Trip« macht er das, was sein englischer Bruder im Geiste Paul White auch vor nicht allzu langer Zeit getan hat: Psych-Platten samplen und dabei entweder exakt wie Madlib oder aber wie dessen kleiner Bruder Oh No klingen. Das wäre notwendig, wenn die Gebrüder Jackson nicht eh schon einen exorbitant hohen Output hätten und nicht jeder deren Theme-Tapes im Regal stehen hätte. So bietet »The Trip« zwar nerdige Qualitätsarbeit, aber insgesamt erschreckend wenige neue Perspektiven.
 

sweatson klank you me coverFind it at hhv.de: CD | 3LP Weniger redundant ist »You, Me, Temporary«, das erste Album, das Take unter seinem neuen Moniker Sweatson Klank veröffentlicht. Auf neun der 16 Tracks traut sich Klank mit Vokalisten zusammenzuarbeiten. Eine weise Entscheidung, lässt sich doch eine allgemeine Ermüdung in diesem Bleepy-Schweepy-Beaty-Ding diagnostizieren. Klank gewinnt Vikter Duplaix für ein kraftvolles »My Love« Update, Ango schmachtet fast so überzeugend wie sonst im Duett mit Jacques Greene und »Fuck & Fight« klingt wie einer dieser schrägen Zebra Katz-Tracks, die man erst beim dritten Versuch checkt. Dann noch ein prominentes Mobb Deep Sample über einen verträumt blinzelnden Sommertrack und ich bin mehr als zufrieden.
 

Bibio - Silver WilkinsonFind it at hhv.de: CD | 2LP Schon wieder neues gibt es von Bibio, der sich für »Silver Wilkinson« an Field Recordings versucht und daraus diese zerbrechlichen Beats baut, die man bei Four Tet zu Rounds-Zeiten für eine kleine Sensation hielt. Nun ist dieser hippieske Beat-Folk nichts schlechtes, aber seit seinem großen Wurf »Ambivalence Avenue« anno 2009 wirkt es so, als würde Bibio nur noch die dort übrig gebliebenen Skizzen zweit- und drittverwerten und dabei vergessen, dass es genau die rauen Kanten waren, die jenes Album speziell machten.
 

Tricky - False IdolsFind it at hhv.de: 2LP+CD | Deluxe Raue Kanten sind Trickys Ding, zumindest wenn es um die Inszenierung seines öffentlichen Ichs geht. Böse Tweets, Interview-Megalomanie – die Social Media Nebengeräusche, die »False Idols« begleiteten, waren fast spannender als das Album selbst, v.a. weil man sich durchaus die Frage stellen darf, wer denn 2013 wirklich eine Rückkehr zu »Maxinquaye« braucht. Letztere Platte ist wie wenige andere ein Produkt ihrer Zeit und so tief im Prä-Milleniumssumpf verortet, dass Trickys Anliegen, sich an seinem definitiven Klassiker zu orientieren, eigentlich nur schief gehen konnte. Das Gute jedoch ist, dass es das Enfant Terrible schafft zwar subtil bei sich selbst zu zitieren, aber dennoch keine Retroplatte gemacht hat, sondern eine erstaunlich stoische, düstere Pop-Platte, der man ihre neun Vorgänger gar nicht anhört. Gut, vielleicht ist er als Internet-Troll immer noch unverzichtbarer als als Diskursführer kontemporärer elektronischer Tanz-Nicht-Tanz-Musik, aber im Quasi-Rentenalter immer noch jeglichem Belächeln zu entkommen, ist ein Schicksal, das wenigen vergönnt ist.
 

Mount Kimbie - Cold Spring Fault Less YouthFind it at hhv.de: CD | 2LP Diskursführer dort sind unbestritten Mount Kimbie, denen wir diesen ganzen Post-Everything-Salat entscheidend mitverdanken, dabei wollten sie vermutlich doch nur dieses Dubstep-Ding aus Clubs und Night Busses ins Wohnzimmer transportieren. Die neue Platte mit dem sperrigen Titel »Cold Spring Fault Less Youth« weist interessanterweise einige Parallen zur Entwicklung James Blakes auf, dem anderen Posterboy jener Generation also. Ähnlich wie Blake ist das Zweitwerk ausformulierter, klassischer, Vocals werden als solche begriffen und weniger fremdelnd eingesetzt. Manchmal meint man Mo’Wax schüchtern um die Ecke spicken zu sehen, dann wieder erinnert das an Darkstar vor ihrer Radiohead-Phase. So oder so: virtuos ist das und es bleibt spannend zu beobachten, ob Album Nummer Zwei ähnliche Folgen haben wird wie »Crooks & Lovers».
 

John Roberts - FencesFind it at hhv.de: CD | 2LP Keine ganz so hohen Wellen geschlagen hat bisher John Roberts’ zweites Album »Fences«, die konsequente Fortführung eines meiner absoluten Lieblingsalben der letzten fünf Jahre. »Fences« ist wieder so subtil, so wunderschön musikalisch, im Tempo variabler und insgesamt weniger House als Glass Eights. Roberts schafft es erneut ein Album im klassischen Sinne zu produzieren, Effekthascherei ist ihm völlig fremd. Manchmal muss ich an einen Dance Mania und Bonnie Prince Billy sozialisierten frühen Blockhead denken, vor allem wenn Roberts sich ganz der Melancholie hingibt. Wobei ihm auch dieser Vergleich nicht gerecht wird, John Roberts klingt schon in diesem immer noch frühen Karrierestadium nur wie John Roberts. Eine Frage jedoch hätte ich noch: Warum um alles in der Welt erscheint dieses Album ausgerechnet im Frühsommer?
 

octo octa between Find it at hhv.de: 2LP Ob sich Octo Octa schon einen Trademark-Sound ans Revers haften darf, ist zumindest zu bezweifeln, immerhin aber ist sein erstes klassisches Album eine typische 100% Silk-Chose. Grelle Synths, Breakbeat-Passagen, DeeLite-Verneigungen, Britbass-Vocalschnippsel, mal dudelig, meist euphorisch. »Between Two Selves« ist dann auch eines der stärkeren Alben, die auf Silk in letzter Zeit erschienen sind, nachdem Madame Brown ihren A&R Midas Touch des Jahres 2011 langsam doch etwas verloren hat.
 

kyle hall boat partyFind it at hhv.de: 2LP Das ewige Wunderkind Kyle Hall veröffentlicht derweil mit »The Boat Party« seinen ersten Vinyl-Doppelpack, auf dem er sehr gekonnt Sample-House neben experimentelle Techno-Stücke stellt. Essentielles aus Detroit, oh Wunder.
 

slava coverFind it at hhv.de: 2LP Die Motor City bleibt in Slavas krudem House-Entwurf nur einer von unzähligen Signifiern. Nach extensivem Vorspiel will Slava erst mit »Girls On Dick« (äh, ok) in den Club, darauf folgt direkt postkoital-seliges Stolpern, ehe die volle Ladung verschossen wird (man entschuldige an dieser Stelle die billige Peep-Metaphorik): 160 BpM Footwork, Breakbeat-Techno, Neon-Synths, alladat. dabei sind gerade die gediegeneren Tracks oft besser, weil Slavas Footwork-Entwurf manchmal ein bißchen wie Machine Drum mit mittlerer Reife klingt.
 

secret circuit lpFind it at hhv.de: 2LP Stilistisch fällt Secret Circuits »Tactile Galactics« diesen Monat etwas raus, auf keinem anderen Album wurde so ungeniert balearischer Schmu mit proggiger Attitüde kombiniert. Dass das über Tim Sweeneys Beats In Space erscheint ist konsequent, aber manchmal würde es Eddie Ruscha Jr., diesem alten Shoegazer, durchaus helfen, wenn er seine verqueren Leftfield-Disco-Opern weniger zukleistern würde. Gerade die kraftvollen Synth-Flächen harmonieren so nicht immer mit dem krautig-erdigen Habitus.
 

cocorosie widow coverFind it at hhv.de: 2LP Wie hoch ist eigentlich die Halbwertszeit von Schrulligkeit? CocoRosie klingen auch auf »Tales Of A Grass Widow« immer noch wie Björks Nichten, die mit einem Cola-Rausch Topfschlagen spielen, aber sobald man Antony Hegarty zum Spielen einlädt, wird aus der ewigen Geburtstagsparty eine Staatsangelegenheit. Antonys Pathos tut den beiden Weirdos gut, ein drolliges Album zwischen dadaistischen Beats und schönen Mädchenballaden.
 

savages silence yourselfFind it at hhv.de: 2LP Die Indie-Band der Stunde hört auf den Namen Savages, reiht sich in den langen Postpunk-Verarbeitungskanon ein, ist dabei aber wesentlich weniger nonchalant als diese ganzen Gang Of Four-Epigonen Mitte der Nullerjahre. Sängerin Jehnny Beth dehnt gerne die letzte Silbe, hat keine Angst vor der Tonleiter und wirkt manchmal so als hätte Glenn Danzig Karen-O ein Netzhemd übergestülpt. Dann aber wechseln die Engländer von früher Yeah Yeah Yeahs-Schraddeligkeit zu suizidalen Balladen und man muss kurz an Beth Gibbons’ Zusammenarbeit mit Rustin Man denken. Wild ist das und schon qua Habitus momentan omnipräsent.
 

Vampire Weekend – Modern Vampires Of The CityFind it at hhv.de: LP+CD | LP+CDVampire Weekend verlieren nie den musikalischen Zusammenhang, obwohl es ( = »Modern Vampires Of The City«) ein solch bunter Mix ist. Von den erwähnten jamaikanischen Einflüssen kommen sie zu klassischem Indie-Pop, nölen sich aus einem akustischen Stück und landen bei einer voll beladenen Pop-Oper. Aber trotzdem: Das Album nervt und strahlt etwas Unangenehmes aus.” Kann man so stehen lassen, Kollege Kunze. Dann mach’ ich jetzt Feierabend.
 

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Faust
Warum isst du denn nicht Mohrrüben?
Die Hamburger Band Faust war vor 50 Jahren einer der seltenen Fälle, in denen eine Plattenfirma, wenn auch unwissentlich, Künstler unterstützte, deren Musik sehr anders klang als die bis dahin bekannten Rock-Entwürfe.
Music Kolumne
Records Revisited
Stars Of The Lid – The Tired Sounds Of (2001)
Die monumentalste Stille aller Zeiten: Mit »The Tired Sounds Of« schufen Stars Of The Lid im Jahr 2001 eines der wichtigsten Ambient-Alben. Sie verpassten dem Genre mit diesen zwei Stunden an Sounds, Drones und Loops eine neue Tiefe.
Music Interview
Torky Tork
»Ich liebe den Spagat zwischen alt und neu«
Torky Tork ist bislang eher als der Mann im Hintergrund bekannt. Jetzt hat der Berliner Beatmaker ein eigenen Produceralbum aufgenommen. Er hat die Beats geschliffen, Wandl, Döll, Lugatti oder Doz9 haben gerappt. Zeit für ein Gespräch.
Music Porträt
Holy Hive
Introspektive Leichtigkeit
Mit »Float Back To You« legte das New Yorker Trio Holy Hive 2020 ein Folk-Soul-Balsam für das wundgescheuert blankliegende Nervenkostüm vor. Auf dem selbstbetitelten Nachfolger setzen sie den eingeschlagenen Kurs fort.
Music Liste
Palmbomen II
10 All Time Favs
Bilder und Musik ließen sich bei Palmbomen II nie voneinander trennen. Mit »Make A Film« liefert er nun die Musik für die Bewegtbilder, die von uns noch gedreht müssen. Welche Musik ihn in Sachen Filmmusik inspirieren, verrät er hier.
Music Kolumne
Records Revisited
A Tribe Called Quest – Low End Theory (1991)
Viel besser geht es nicht. Zu Beginn der 1990er Jahre brachten A Tribe Called Quest mit ihrem zweiten Album »The Low End Theory« den Flow auf den Punkt. Ohne aggressiv männliche Posen, dafür mit Jazz, Breaks und Vibe.
Music Kolumne
Records Revisited
Primal Scream – Screamadelica (1991)
1991 – was für ein Jahr für die Rockmusik. Die am 24.9.1991 veröffentlichten Alben von Nirvana, Soundgarden und Red Hot Chili Peppers haben Rock wieder populär gemacht. Aber »Screamadelica« von Primal Scream hat das Genre verändert.
Music Essay
Die Beat-Ära in der DDR
Feindliche Übernahme
Schallplatten des Amiga-Labels sind weit verbreitet. Neben Pressungen internationaler Stars war auch jede Menge Musik aus der DDR selbst auf Platte verewigt worden. Manches davon lohnt wiederentdeckt zu werden.
Music Interview
José González
Geschmack ist wie dein Po
2003 coverte José González den Song »Heartbeat« von The Knife und katapultierte sich gleich in die Herzen und Studierzimmer vieler Menschen. Mit seinem Album »Local Valley« strickt er weiter an seinem Mythos. Wir trafen ihn zum Interview.
Music Porträt
Loredana Berté
Irgendwie unvergleichlich
Loredana Bertè wird als »Königin des italienischen Rock« apostrophiert. Das greift nicht nur musikalisch zu kurz. Denn sie den Status quo nie repräsentiert, sondern als Außenseiterin aus Überzeugung wiederholt infrage gestellt.
Music Kolumne
Records Revisited
DJ Shadow – Endtroducing (1996)
Vor 25 Jahren erschien mit »Endtroducing« ein Hip-Hop-Album, das Björk mit Metallica und finnischer Fusion zusammendachte. DJ Shadow grub dafür im Keller. Und fand Gold. Dann schuf er ein Album, das aus der Zeit gefallen zu sein scheint.
Music Porträt
Sarah Davachi
Echo der Unendlichkeit
Intensität ist das Wort, das in den Sinn kommt. Bei ihrer Musik und bei ihren Sätzen. Ihr Sound fühlt sich an, als ob jemand mit einer Fingerspitze über die Seele streicht. Jetzt erscheint Sarah Davachi neues Album »Antiphonals«.
Music Porträt
Dais Records
Klang als Kollektion
Zwischen Experiment und Erwartung, Neuem und Altem wagt Dais Records seit Jahren den Spagat. Gibby Miller und Ryan Martin ziehen dort ihre Kreise, wo Linearität bewusste Störung erfährt – und treten so in die Fußstapfen großer Vorgänger.
Music Porträt
Leslie Winer
Der unbekannte Weltstar
Björk, Grace Jones, Boy George und Sinéad O’Connor zählen zu ihren Bewunderern. William S. Burroughs war ihr Mentor. Irgendwie hat sie auch Trip-Hop erfunden. Dennoch ist Leslie Winer heute nur Insdern bekannt. Das könnte sich jetzt ändern.
Music Porträt
DJ Koco
Guest Mix
Bei DJ Koco treffen atemberaubende Mixing-Skills auf eine Selection von ungeheurer Raffinesse. Kaum einer cuttet seine Breakbeats tighter ineinander als er. Das Verblüffendste: Der japanische DJ beschränkt sich in seinen Sets auf 7Inches.
Music Kolumne
Aigners Inventur
September & Oktober 2021
Keift und brummt sich wieder durch die Veröffentlichungen der letzten zwei Monate: Aigners Inventur, mit Bärlauch-Antipathie und Seerobben-Ehrfurcht. Dazwischen Alben von Flying Lotus, Erika De Casier, Space Afrika und Maxine Funke.
Music Kolumne
Records Revisited
John Coltrane – Africa/Brass (1961)
1961 markierte »Africa/Brass« den Anbruch eines neuen Zeitalters: Für John Coltrane war es der Beginn seiner Impulse!-Jahre, für viele afrikanische Staaten der Start in die Unabhängigkeit. Musikalisch war es sein ambitioniertestes Vorhaben.
Music Kolumne
Records Revisited
Björk – Vespertine (2001)
Mit »Vespertine« schien Björk Guðmundsdóttir das Versprechen ihres vorherigen Werks nicht einzulösen. Weil sie dieses Mal einen vollkommen anderen Ansatz wählte. Was »Vespertine« von 2001 zu einer ihrer besten Platten bis heute macht.
Music Porträt
Polo & Pan
Eklektisch in den Weltraum
Polo & Pan sind bereit abzuheben. Nachdem sie es mit ihrem kunterbunten Stilmix bis ins Hotelzimmer von Elon Musk schafften, blicken sie nun höheren Sphären entgegen. Die irdischen Fans beglückt das Duo derweil mit dem Album »Cyclorama«.
Music Liste
Durand Jones & The Indications
10 All Time Favs
Durand Jones & The Indications verbinden seit Ihrem Debüt vor fünf Jahren Vergangenheit und Zukunft des Genres. Jetzt erscheint ihr drittes Album »Private Space«. Zeit, um die Band nach den 10 Schallplatten zu fragen, die sie geformt haben.
Music Porträt
Conrad Schnitzler
Mitten im Durcheinander
Immer noch wird der 2011 verstorbene Conrad Schnitzler vor allem für seine Verbindung zu Kraftwerk oder Tangerine Dream wahrgenommen. Dabei steht sein beeindruckendes Werk genauso für sich allein, wie er Verbindungen herzustellen wusste.
Music Kolumne
Records Revisited
Main Source – Breaking Atoms (1991)
In mancher Hinsicht scheint »Breaking Atoms«, das Debüt von Main Source, ein Klassiker aus der zweiten Reihe geblieben zu sein. Doch die Produktion von Large Professor definierte einen Signature Sound für das Goldene Zeitalter des Hip-Hop.
Music Kolumne
Records Revisited
LFO – Frequencies (1991)
Die niederfrequenten Schwingungserzeuger LFO aus Leeds schufen mit »Frequencies« eines der ersten Techno-Alben. Ihre hohen Bleeps und tiefen Clonks haben Technogeschichte geschrieben. Bis heute kann, äh, muss man dazu tanzen.
Music Kolumne
Records Revisited
Funkadelic – Maggot Brain (1971)
Mit »Maggot Brain« begeben sich Funkadelic auf die dunkle Seite des Funk. Das triumphierende Lustprinzip wird mit dystopischer Eschatologie durchsetzt und stellt der Feier des Lebens eine beklemmende Endzeitstimmung zur Seite.
Music Kolumne
Aigners Inventur
Juli & August 2021
Hier wird nicht lange gefackelt und sogar auf halbgare UEFA-Gags wird verzichtet. Stattdessen wird im Sinne der Schallplatte gehandelt und an die 20 Vinyl-Scheiben werden zum Drehen gebracht.
Music Liste
Halbjahresrückblick 2021
50 best Vinyl Records so far
Das vergangene halbe Jahr hat gefühlt ganze fünf gedauert. Ein nie endender Winter, quälende Isolation. Und die Musik? Die lief weiter, auf unseren Plattenspielern. Diese 50 Schallplatten blieben dabei besonders im Gedächtnis.
Music Porträt
Hōzan Yamamoto
Meditation aus Improvisation
Über fünf Dekaden hinweg pushte er japanischen Jazz in spirituelle Sphären, ohne Kitsch oder Esoterik. Ansehen erntete er dafür vor allem in seiner Heimat. Bis heute gilt Hōzan Yamamotos Schaffen international als Geheimtipp.
Music Porträt
Hoshina Anniversary
Die Fusion von Techno und Jazz
Hoshina Anniversary macht Techno. Er selbst würde sich aber eher in der Nachfolge zu Jazz und traditioneller japanischer Musik verorten. Und damit ist der Tokioter nicht allein.
Music Essay
Jazz Kissa
Wo in Japan die Musik spielt
Sie bieten stilvollen Rückzug aus einer Welt, in der alle permanent hören. Und zelebrieren das Hören von Musik: Jazz Kissas sind Japans inoffizielles Kulturerbe. Der Journalist Katsumasa Kusunose dokumentiert sie nun.
Music Porträt
Hiroshi Suzuki
Der Unbekannte mit der Posaune
1976 hat der japanische Posaunist Hiroshi Suzuki ein Album aufgenommen. »Cat«, das sich weniger durch Perfektion als durch einen feinen Groove auszeichnet, ging dereinst ein wenig unter. Nun kannst du es wiederentdecken.