Discrepant_logo_front
Discrepant Records (Plattenlabel)
Discrepant ist ein 2011 von Gonçalo F. Cardoso gegründetes, britisches Plattenlabel aus London. Discrepant ist ein beinahe typisches Beispiel für ein Herzensprojekt, das schnell zum Full-Time-Job wird. Zuerst veröffentlichte Cardoso regelmäßig Mixtapes und Interviews über den gleichnamigen Blog, bis er sich schließlich zur ersten Veröffentlichung überredete. Aus dem Ziel, unbekannten Artists mit eigensinnigen Klangentwürfen mehr Sichtbarkeit zu verschaffen, wurde schnell mehr. In nur sechs Jahren schaffte es Cardoso auf rund 80 Releases, die auf verschiedenen Formaten veröffentlicht wurden und eine spannende musikalische Bandbreite versammelten. Wie das Kunstwort, das dem Label seinem Namen gibt – ein Kofferwort aus »discrepāre« (»sich unterscheiden«) und »crepāre« (»laut sein«) – geht es Cardoso um Musik, die gegen den Strich denkt. Frühe Releases kamen von hyperaktiven Underground-Artists wie King Gong, My Cat Is An Alien und Ergo Phizmiz, mit German Army, der Ägypterin Bosaina oder dem Field Recordings-Künstler und Soundtrack-Komponisten Carlos Casas stießen laufend neue Namen hinzu. Neben dem Hauptlabel bietet die Sucata Tapes-Reihe eigenwilligen Experimenten ein Zuhause, wie Cardoso sie selbst unter seinem Pseudonym Gonzo produziert. Mit der 2018 anlaufenden Serie Cycad Sounds will sich Cardoso mehr, aber nicht ausschließlich auf den Dancefloor konzentrieren. Hauptsache, die Musik ist »unvereinbar, gegensätzlich, uneins«, wie Cardoso seine Philosophie zusammenfasst. Die Musik dahinter klingt ganz genau so. Grelle Cut-Up-Experimente, atmosphärisch dichte Drone-Platten, knallige Synthie-Sounds mit Electro Sha’abi-Einschlag – jedes Discrepant-Release bietet eine neue Überraschung. Auffällig mit Blick auf den Discrepant-Backkatalog ist das hohe Aufkommen von Releases, die sich wie etwa King Gongs ethnografische Arbeiten oder Casas’ düstere Feldstudien weit über den eurozentrischen Rahmen vieler anderer Experimental-Labels hinausbewegen, derweil mit Bosaina oder dem Duo Praed KünstlerInnen mit arabischen Wurzeln im Roster anzutreffen sind. »Es ist interessant zu sehen, wie viel nicht-westliche Musik ihrem eigenen Pfad folgt und sich überall, auch bei westlicher Musik, bedient«, erklärt Cardoso diesen Schwerpunkt. Was nicht heißen soll, dass er sich bewusst gegen europäische oder aus den USA kommende Musik versperren würde. Dabei kommt es schon mal so weit, dass Cardoso die Menschen hinter der Musik, die er im Netz, auf Reisen, Mund-zu-Mund-Propaganda oder unter Demo-Einsendungen aufstöbert, persönlich kennen lernt. Aber das ist wohl der Preis dafür, ein dermaßen ungewöhnliches Label zu führen.
Discrepant Records in Features
Music Liste | verfasst 01.12.2020
Jahresrückblick 2020
Top 20 Tapes
Das angebliche Tape-Revival ist schon alt genug, als dass seine Heraufbeschwörung durch wiederverwertungsgeile Feuilletons selbst bald ein Revival feiern könnte. Sei’s drum: Diese zwanzig Kassetten haben uns 2020 das Leben gerettet, egal ob auf Quarantäne-Walks als Manteltaschenfutter für den Walkman oder doch zu Hause, als das Tapdeck Bandnudelsalat kredenzte, während der Sauerteig im Ofen aufging. Besondere Musik im untotesten Format der Mediengeschichte.
Music Porträt | verfasst 01.11.2017
New Record Labels #34
Argot, Discrepant, Gqom Oh!, Philophon
Jeden Monat stellen wir euch Labels vor, die neu bei uns im Shop vertreten sind oder deren Entdeckung sich lohnt. Die Auserwählten diesmal: Argot, Discrepant, Gqom Oh!, Philophon. Genauer einem Chicagoer Label, dass das Erzählerische im Techno sucht, einem gegen den Strich denkende Musik veröffentlichendem und ein, die kleinen Makel in der elektronischen Musik heraushebendem Label aus London, sowie ein von einem Urgestein organischer Grooves betreutes aus Berlin.
Neueste Artikel
Music News | verfasst 08.02.2021
180g Records
Compilation: »Wamono A To Z Vol.2«
Auf »Wamono A To Z Vol.2« haben Yoshizawa Dynamite und Chintam weitere zehn japanische, in en 1970er Jahren bei Nippon Columbia veröffentlichte Groove-Klassiker zusammengestellt.
Music Kolumne | verfasst 19.02.2021
Records Revisited
Dinosaur Jr – Green Mind (1991)
Viele Rockbands nehmen zu Beginn der 1990er Jahre ihre bis dahin besten Alben auf. Auch Dinosaur Jr. Während die Band selbst bei den Aufnahmen bereits auseinanderbricht, strotzt ihr viertes Album »Green Mind« vor Kreativität.
Art Porträt | verfasst 23.02.2021
Vincent de Boer
Wie Jazz mit Pinseln
Der niederländische Künstler Vincent de Boer ist zu einem festen Bandmitglied der britischen Jazzer von Ill Considered avanciert. Er zeichnet Plattencover auf Basis der gehörten Grooves. Für »The Stroke« wurde der Prozess nun umgedreht.
Music Review | verfasst 04.03.2021
Mandala
Mandala
Aufs Schönste verwirrt: Mad About das einzige Album der brasilianischen Jazzer Mandala aus dem Jahr 1976 wiederveröffentlicht.
Music Review | verfasst 05.03.2021
Thabo
Home Again 01
Boom! Instant Sommer-Vibes im Lendenbereich! Thabo weist auf mit »Home Again 01«. den Weg zum Rosenwasser. Äh? Oder wie war das?