Music Review | verfasst 20.01.2020
Saåda Bonaire
Saåda Bonaire
Captured Tracks, 2020
Text Lars Fleischmann
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Redaktion
Cover Saåda Bonaire  - Saåda Bonaire

Eine Welt ohne das Werk Saâda Bonaires wäre kälter, bedrückender und angsterfüllter als sie es eh schon ist. So oder ähnlich dachte wohl das New Yorker Label Captured Track als sie 2013 entschieden 13 Disco-Kleinode aus dem Fundus der geheimnisvollen Band wieder zu veröffentlichen. Die Vinyl 2LP war natürlich flugs ausverkauft – und wird nun sieben Jahre später wieder aufgelegt. Aber wer ist oder war die Band, die sich nach einer Oase in Algerien und einer Stadt in der Karibik benannte? Wem gehören die verführerisch-eleganten Frauenstimmen? Die Antwort klingt erstmal ernüchternd: Saâda Bonaire ist der geistige Sproß der Bremer*innen Claudia Hossfeldt, Stephanie Lange, sowie von Radio-DJ und Manager Ralph Behrendt. Was beim ersten Mal hören mal nach Wüstensand, dann wiederum nach New Yorker Underground-Disko mit Powderroom klingt, atmet also nieselnden Regen, Friesennerz und Fischbrötchen. Hielt die drei und ihre (oft migrantischen) Mitstreiter*innen nicht davon ab, bedeutende Post-Disco-Musik zu erschaffen. Den Hit »You Could Be More As You Are« muss man den wenigsten vorstellen, aber auch die zwölf weiteren Tracks sind stilprägend, wenn auch bis zur Veröffentlichung im Keller verschwunden und nie released. Dabei hatte die EMI damals ordentlich Kohle reingesteckt in das Projekt, wollte ihnen gar Conny Plank an die Seite stellen, was man aber geflissentlich ablehnte. Die Gründe, warum das trotz der Investitionen nicht im Weltruhm endete, sind vielschichtig. Umso mehr ein Glück, dass man nun wieder in der Lage ist das Werk zu ergründen. Damit es morgen wieder wärmer und weniger angsterfüllt in unserer Welt zugehen kann.

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